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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-22 · Heft 29 (22.7.1910) · p. Seite 343

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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Schule schaffe, daß er die gleichen Rechte auch den liberalen Gruppen bewilligen müsse und dann in deren eventuelle Differenzen mit der Kirchenregierung sich einmischen und diese ungünstiger stellen müsse, schließlich, daß er praktisch unter den bestehenden Verhältnissen .undurchführbar sei und daß dem Bedürfnis die bisher geübte kirchliche Empfehlung zur Dispensierung genüge. Diese Ansichten fanden die Mehrheit Ihrer Kommission und infolgedessen wurde der Antrag abgelehnt. Damit war auch die Petition der gesetzestreuen Juden erledigt. Das Plenum der Ersten Kammer befaßte sich mit dem vorstehenden Antrag und den jüdischen Petitionen gar nicht, sondern nahm das Gesetz im wesentlichen nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer mit 22 gegen 10 Stimmen (8 katholische Standes- und Grundherren, 1 protestantischer Grundherr, 1 katholischer Vertreter der Landwirtschaftskammer) an. Man wird zugeben müssen, daß unsere Orthodoxen das Menschenmögliche getan haben, um die Einrichtungen der Landessynagoge, die israelitischen Lehrer und vor allem den Oberrat öffentlich bloßzustellen. Daß sie damit nur den Judengegnern eine Freude machten und die Stellung des Judentums im Lande überhaupt gefährdeten, haben sie wohl nicht bedacht. Ihre Schuld, ist es wahrlich nicht, wenn daraus wirkliche Nachteile nicht entstehen. Lu Gorthr und dir Juden. er Schlußband der großen Weimarer Ausgabe Band 5 2. Abt. (seit 17 Jahren erwartet, März 1910 erschienen), enthält unter 360 Versen und Fragmenten, die bisher in keiner Ausgabe der Werke Goethes zu finden waren — sie sind teils Handschriften, teils Sammelschriften, teils Einzeldrucken entnommen — auch zwei, die mit jüdischen Dingen zu tun haben. Der eine ist ein bisher nicht erklärtes Fragment — es hatte mir vor der Drucklegung Vorgelegen, ich konnte aber ebenso wenig Aufschluß darüber geben, wie einige Gelehrte, die ich darüber fragte. Es führt den Titel: „Antwort eines Juden von Cortona an Corillan, die ihn einst improvisierend ermahnt hatte, die christliche Religion zu ergreifen" und lautet so: Das Leben ist er; alles Lebens ist Der Sinn von jedem Sinn. Doch das Woher, das Wie und das Warum Verbirgt er uns. Mas sollen wir uns viel Um eine Zukunft aufregen, wenn die Gegenwart schon eines Menschen Einsicht Uebersteigt. Allein den Schleier, der so vieles Wesen. So viel Geschick verbirgt, sieh hin; An feinem Saume steht geschrieben: Bet' an und schweige. Berühmte Frau, wie der schöne Name Im Mund der Ruhmesgöttin lieblich klingt, Laß im Gesänge Deinen kühnen Geist Aus freier Brust von Deinen Lippen strömen, Ein lieblich Lied, das uns die ganze Welt Mit neuer Farbe malt. Es ist sicher nur ein Bruchstück, in dem das Wesentliche fehlt, denn das Mitgeteilte ist doch höchstens der Anfang der Antwort des Juden, aber nicht die ganze Antwort selbst. Immerhin ist es interessant, zu sehen, wie Goethe sich mit solchen Dingen beschäftigte. Vielleicht ist einer unserer Leser imstande, irgendwelche Aufklärung zu diesem merkwürdigen Bruchstück zu geben. Interessanter, weil vollendet, ist eine andere Nummer unter diesen poetischen Fragmenten, Nr. 57, S. 379. Sie: lautet: Juden und Heiden hinaus! So duldet der christliche Schwärmer, Christ und Heide verflucht! murmelt ein jüdischer Bart. Mit dem Christen an Spieß nie mit dem Juden ins Feuer! Singt ein türkisches Kind, Christen und Juden zum Spott. Welcher ist der Klügste? Entscheide! Aber sind diese Narren in Deinem Palast, Goltheil, so geh ich vorbei. Weiß man bei den zuerst angeführten Versen nicht einmal die Zeit ihres Entstehens, so ist es sicher, daß die zuletzl angeführten 1790 oder 91 entstanden sind; sie stehen im selben Notizbuch, das die Bearbeitung der „theatralischen Abenteuer'' enthält. Schon aus der Zeit ihres En'stehens geht hervor, aber auch aus der Form und aus dem Inhalt, daß biefe; Verse ursprünglich zu den venetianischen Epigrammen bestimmt waren, die zwar manches über Propheten, Schwärmer, über und gegen das Christentum enthalten, sonst aber nichts, was. mit dem Judentum in irgendwelcher Beziehung steht. (In der ersten Zeile der zuletzt angeführten Verse gibt „duldet", keinen rechten Sinn, sollte es nicht „dudelt" heißen?) L. G. Bit Juden von Saloniki. Von Dr. R. A. Koernig. y I. ranada, die königliche Stadt, war im Jahre 1492 gefallen. Ueber der Wartburg der Alhambra, des „Roten Schlosses" strahlte das christliche Kreuz in der Morgensonne, Da drangen die Ritter des katholischen Spanien durch das Lab es Leberiaat, das „Tor des Gesetzes" und vom Blute der Edelsten des Araberadels färbten die Marmorfliesen der zauberischen Königshallen sich purpurrot. Der Fall des Maurenreiches in Südspanien traf auch die Juden des Königreichs von Ferdinand und Jsabella als ein schweres Verhängnis. Tage furchtbarer Glaubensverfolgung brachen über sie herein. Was galt nun den rohen Zerstörern, die rasend alles vernichteten, die arabisch-persische Gelehrsamkeit, Gesittung und Kunst? Sie überragte freilich weit die Bildung jener christlichen Lanzknechtscharen — selbst ihr gefeierter Anführer, der uns aus Herders Gedicht bekannte Cid Campeador konnte nicht lesen und schreiben, ebenso wenig, als im siebzehnten Jahrhundert die Befreier Wiens von der Türkengefahr, Graf Starheinberg und König Sobieski von Polen. Was galt ihnen jetzt der allbekannte gute Ruf, den viele Juden selbst am christlichen Königshofe von Spanien jahrelang genossen hatten? Noch heute bewahrt die Hyfbücherei des Escurial-Schlosses bei Madrid wertvolle Werke aus jener Zeit, die Juden zu Verfassern hatten, .Werke über Aerztekunst, Naturwissenschaft, Sternkunde. Aben Esra hat über Geometrie und Astrologie geschrieben. Er war ein Freund des 1139 zu Cordoba geborenen Moses ben Maimon — Maimonides — der später am Hofe des großen Sultans Saladin in Aegypten sich Ruhm erwarb. König Joseph von Andalusien hatte als Leibarzt Aben Zoar, dessen Vater und Großvater schon Leuchten der Wissenschaft gewesen waren. Salomon Jarchi war zu Barcelona berühmt als Ausleger der Bibel und genoß ebenfalls des Maimonides Schule zu Alexandria. König Johann IT., der Seefahrer, hatte die jüdischen Aerzte Joseph und Rodriguez y Der Verfasser ist ein christlicher Orientalist.

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