Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-01 · Heft 26 (1.7.1910) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 26 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228934--66631-3278777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Behörden wie der Geistlichkeit beider christlichen Bekenntnisse die feierliche Einweihung unseres Kinderheims begehen. Wenn es noch einer Probe aus die Rechnung bedurfte, die aus den wahrnehmbaren Anzeichen auf ein starkes Bedürfnis nach einer Kur- IL und Erholungsstätte für jüdische Kinder, im Herzen Westfalens und auch für die benachbarten rheinischen Bezirke leicht, schnell und billig erreichbar, geschlossen hatte, so war sie schon sechs. Wochen vor Eröffnung der Anstalt gemacht, denn bereits damals war der letzte Platz bis Mitte September besetzt. Wir verwenden unter der ärztlichen Aussicht des Herrn Dr. Sommer in Soest und der persönlichen Leitung der Frau Oberin an der Spitze einer weiteren Schwester, dreier ausgebildeter Kindergärtnerinnen und acht anderer Angestellten die größte Sorgfalt auf den Badedienst, die Leibespflege und Verpflegung der Kinder. Wir sparen an nichts, denn wir wollen kein Geschäft machen, sondern sind zufrieden, wenn wir mit den Pflegegebühren eben herumkommen. Aber wir haben jährlich an Zinsen und Abtragung rund 5000 Mark zu entrichten, und die können und sollen nur durch Mitglieder-Beiträge aufgebracht werden! Darum ergeht heute an. alle Gemeinden, die damit noch im Rückstände sind, die dringende Bitte, unter den Glaubensgenossen Mitglieder für uns zu werben und ihre Vorstände, Frauenvereine, Männervereine usw. zur Bewilligung von festen Jahresbeiträgen für uns zu bestimmen. Das satzungsmäßige Pflegegeld bezahlten 121 Kinder, 20 genossen Ermäßigung — Kinder von Lehrern und Lehrerwitwen zahlen bei uns nur den halben Satz. Um die Pflegesätze einigermaßen mit der Verteuerung der Lebensmittelpreise und Löhne seit 1906 in Einklang zu bringen, haben wir den Pflegesatz für Juni, Juli und September auf 60 Mark und für August auf 85 Mark festgesetzt. Wohltätigkeitsvereine, die uns bedürftige Kinder auf ihre Kosten im August schicken, zahlen jedoch nur 70 Mark, alles mit Einschluß der erforderlichen 15—20 Solbäder. In diesem Jahre finden noch drei Pflegekuren statt, und zwar vom 4. bis 31. Juli, vom 5. August bis 1. September, vom 4. September bis 1. Oktober. Anmeldungen für Juli nehmen die Herren S. Flörsheim. Dortmund und vr.meä. Cohen Essen, entgegen. Aufnahmebedingungen stehen auf Anfrage zu Diensten. Die Anmeldefrist für August und September wird späterhin noch bekanntgegeben werden. Sonn a. Rh., 26. Juni. An der hiesigen Universität besteht seit einigen Monaten ein „Orientalistenverein", rein wissenschaftlichen Charakters, mit dem Zwecke, den sehr auseinändergehenden orientalistischen Studien durch geeignete Vorträge und Gedankenaustausch sowie durch spezielle Uebungen einen Vereinigungspunkt zu verschaffen. U. a. sind sechs Ordinarien, die Alttestamentler König und Meinhold', der Arabist Prym, der Aeghptologe Wiedemann, der Sanskritist Ja cobi und der vergleichende Sprachforscher So lmse n, ferner zwei Privatdozenten und Rabbiner Dr. Kali scher, Mitglieder des Vereins. Von diesen ressortieren bis jetzt zwei Zirkel, ein ägyptologischer und ein hebräisch-aramäischer. Die Leitung des letztern, der, wöchentlich ein- bis zweistündig, im orientalischen Seminar der Universität stattfindet, wurde nach einem von Dr. Kalischer im Verein gehaltenen Vortrage diesem übertragen. 4. W. München, 24. Juni. Das hiesige kommunale Amtsblatt veröffentlicht jetzt die neue Fassung des Ortsstatuts über die Sonntagsruhe. in dem hinsichtlich der gesetzestreuen jüdischen Kaufleute folgendes bestimmt wird: „Denjenigen Geschäftsinhabern israelitischer Konfession, welche ihren Geschäftsbetrieb am Sabbat und an israelitischen Feiertagen vollständig ruhen lassen, ist es gestattet, ihre Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter israelitischen Glaubens an Sonntagen, mit Ausnahme des ersten Oster- und Pfingsttages, sowie des 1. Weihnachtstages, wenn dieser auf einen Sonntag fällt, von 10 bis 12 Uhr vormittags mit der Maßgabe zu beschäftigen, daß die Geschäftsräume für den allgemeinen Verkehr geschlossen bleiben und in ihnen Lärm und Aergernis erregende Arbeiten nicht vorgenommen werden. Gesterretch-Ausarn. — St. Pötten, 21. Juni. Kaiser Franz Joseph hat Heute der Stadt Pölten einen Besuch abgestattet. Unter den zum Empfange auf dem Perron des Staatsbahnhofes Erschienenen befand sich auch als Vertreter der hiesigen Kultus gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Adolf Schächter. Seine, Exzellenz der Herr Statthalter von Niederösier» reich, Graf Kielm ans egg, stellte den Herrn Rabbiner Seiner Majestät vor. Der Kaiser erkundigte sich nach der Seelenzahl der Gemeinde und der Größe des Sprengels, worauf Herr Tr. Schächter bemerkte, daß er auch das Rabbmat der Kultusgemeinde Tulln-Klosterneuburg ipnehabe. Sodann fragte Seine Majestät nach dem Wirkungskreise in dem Sprengel, und Herr Dr. Schächter antwortete, daß er daselbst alle rabbinatsamtlichen Funktionen und insbesondere die Inspektion des Religionsunterrichtes versehe. „Dann haben Sie genug zu tun," bemerkte Seine Majestät. . K. Budapest, 24. Juni. Am Mittwoch den 22. Juni vollendete der weit über die Grenzen unseres Vaterlandes rühmlichst bekannte Professor der orientalischen Sprachen an der hiesigen Universität, Ignaz Goldzieher, sein 60. Lebensjahr. Goldzieher entfaltet schon seit mehr als 40 Jahren eine außerordentlich fruchtbare wissenschaftliche Tätigkeit. In der Wissenschaft vom Islam als Religion und als Kulturfaktor war er bahnbrechend und wird allgemein als der eigentliche Begründer der modernen islamitischen Wissenschaft anerkannt. In überaus zahlreichen Werken und Abhandlungen hat Goldzieher in der Tat zu allererst den Grund zu vielen Forschungen gelegt, die vorher völlig unbeachtet geblieben waren. Sein Ruf als Gelehrter von ungewöhnlicher Vielseitigkeit ist in der wissenschaftlichen Welt allbekannt. Es ist auch von Interesse zu erwähnen, daß namhafte mohammedanische Theologen in Aegypten, Syrien und Indien sich oft in schwierigen Fragen an Goldzieher wenden. Professor Goldzieher, eine der populärsten Persönlichkeiten auf wissenschaftlichen Kongressen, ist Ehrenmitglied fast aller orientalischen Gesellschaften und auch Mitglied mehrerer Akademien. Vor kurzem wurde er von der Universität Cambridge und Aberdeen zum voetor honoris cau8a ernannt. Aus Anlaß des 60. Geburtstages Goldziehers brachte die gesamte hiesige Tagespresse Festartikel zu Ehren des Gelehrten, in denen die Bedeutung Goldziehers als Mensch, als Lehrer und Gelehrter ausführlich geschildert wird. Auch die Pester israelitische Kultusgemeinde ehrte den Jubilar auf mannigfache Weise. — Eine große Ehre wurde auch vor einigen Tagen, wie von Ihnen bereits mitgeteilt, dem Direktor des Budapester Rabbinerseminars, Dr. Bacher, zuteil; der Kaiser verlieh ihm den Eisernen Kronen-Orden dritter Klasse. Dr. Bacher, durch seine zahlreichen Werke in rabbinischen Kreisen allgemein bekannt, hat sich um das Emporblühen des Budapester Rabbinerseminars große Verdienste erworben. Die ihm von Sr. Majestät verliehene Auszeichnung gilt als Zeichen dasikr, daß seine Verdienste um das ungarische Judentum auch höheren Ortes anerkannt werden. Die Auszeichnung Dr. Bachers wird auch überall mit großer Freude und Genugtuung begrüßt, und dem Gelehrten kommen täglich von Nah und Fern zahlreiche Glückwünsche zu. Sosmen. J. W. Madrid, 22. Juni. Der Erlaß des Königs, betreffend die Freiheit der Religionsübung, der jüngst von der spanischen Regierung veröffentlicht wurde, bezieht sich im Gegensatz zu den von verschiedenen Korrespondenten in Madrid verbreiteten Nachrichten nicht nur auf die Protestanten, sondern auf alle Religionsgesellschaften, die sich nicht zur Staatsreligion bekennen, somit auch auf die Juden und Muselmanen- Richtig ist, daß der Erlaß von 1876, der außer Kraft gesetzt ist, nur von Dissidenten spricht. Der jüngste Erlaß schließt alle Religionsgesellschaften ein, die sich von der Staatsreligion unterscheiden. Infolgedessen werden alle Zeichen und Religionsübungen dieser Religionsgesellschaften zugelassen, mit Ausnahme von Versammlungen unter freiem Himmel. da öffentliche nichtkatholische Kundgebungen durch die Verfassung verboten sind. Die Propaganda und die Diskussion religiöser Angelegenheiten genießen jetzt in Spanien die größtmögliche Freiheit. Damit ist auch den Juden nach langer Zeit der Ausschließung wieder die volle religiöse Freiheit in Spanien gewährt. Von MH und Lern. --- Herr Justizrat Max Jacob so hn, der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Berliner Anivaltskammer, ist zum Geheimen Justizrat ernannt worden. — Fräulein Dr. Ida Schönberger, 'eine Tochter des verstorbenen Kantor Schönberger in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.