Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- Seite 303 (sequence 3)
- Language
- German
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nachzuweisen sucht, daß Christoph'Kolumbus in Pontevedra in Galicien geboren ist. Die dortigen. Geburtsregister führen den Namen Colon, das spanische Wort für Kolumbus, sehr oft an. Verschiedene Schriftstücke beweisen, auch, daß Kolumbus von mütterlicher Seite von jüdischer Abstammung war. Dieser Umstand war ein Hauptgrund für Kolumbus, seine Herkunft zu verschleiern. Riega weist nach, daß sowohl sein Aeußeres wie auch verschiedene markante Wendungen seines Stils seine jüdische Abstammung beweisen. Dazu kommt, daß Kolumbus des Italienischen kaum mächtig war, er sprach und schrieb nur Spanisch oder Latein. In italienischer Sprache existiert nur eine Randbemerkung, die Kolumbus zugeschrieben wird, aber eine Reihe von Umständen weisen darauf hin, daß diese Bemerkung apokryph ist und nicht von der Hand des Entdeckers Amerikas stammt. * Es zeugt von einem außerordentlichen Lebensmut und einer ungewöhnlichen Widerstandskraft der russischen Juden, wenn sie trotz der unseligen Verfolgungen noch die Lust verspüren, für allgemeine jüdische Angelegenheiten tätig zu sein. Zum Beweise dessen ist die folgende Nachricht über einen Kongreß für öffentliche Krankenpflege in Rußland bedeutsam, die in der „N. I. K." mitgeteilt wird: Dr. M. Schwarzmann aus Odessa regte die Einberufung eines Kongresses von jüdischen Aerzten und Vertretern der öffentlichen jüdischen Krankenpflege in Rußland an. Der Kongreß soll die Regelung und Koordination der Tätigkeit der bezüglichen Institution, die Bildung von beruflichen Verbänden für gegenseitige Versicherung und Hilfeleistung der jüdischen Aerzte, die zu den staatlichen und kommunalen Aemtern nicht zugelassen werden, das systematische Studium der sanitären und hygienischen Verhältnisse der jüdischen Volksmassen und dergleichen zu seinem Gegenstände haben. Dr. Schwarzmann hat gemeinsam mit der Redaktion der Zeitschrift für jüdische Volksmedizin („Jewreisky medizinsky Golds") die Vorbereitungsarbeiten auf sich genommen. Bereits wurde an die jüdischen Aerzte Rußlands (5000 an der Zahl) ein diesbezüglicher Fragebogen mit erläuterndem Referat versandt. » In Palästirm ist seit einiger Zeit neben der Begründung und Ausbreitung mannigfacher Kolonien das Streben bemerkbar, auch das geistige Leben zu wecken. Ein dafür sehr bemerkenswertes Zeugnis wird gleichfalls von der „N. I. K." berichtet. Es lautet so: „Die verschiedenen Bestrebungen, in Palästina ein hebräisches Zentrum zu schaffen, haben in letzter Zeit zur Gründung von zwei neuen Verlagsunternehmungen geführt: „Barkai" und „Jeffeth".^An der Spitze des „Barkai" stehen S. Gutmann, Mordchai ben Hilel Kahan und Dr. I. L. Lurje. „Barkai" will von Palästina aus auf die gesamten Zweige der Literatur einwirken und zu diesem Zwecke Zeitschriften und Bücher aus verschiedenen Gebieten heransgeben. Die pekuniären Mittel sucht er durch den Absatz von Anteilscheinen für je 100 Franken zu gewinnen. Der Verlag „Jeffeth" hingegen hat ein beschränktes Ziel. Er hat sich zur Aufgabe gestellt, klassische Bücher der Weltliteratur ins Hebräische zu übersetzen. In erster Reihe sollen die geistigen Bedürfnisse der erwachsenen Schuljugend und der Sesardim berücksichtigt werden. In nächster Zeit werden Bücher von Goethe, Lermontoff, Tolstoi, Hauptmann, Björnson, Emerson, Chamisso, Lagerlöff u. a. in der Uebertragung von M. Wilkansky.F. S. Rabinowitz, D. Schimonowitz, I. CH. Brenner, Sch. I. Agnon. R. Benjamin u. a. erscheinen. Die pekuniären Mittel des Verlags setzen sich zusammen aus einmaligen Beiträgen von 100 Franken und aus jährlichen Mitgliedsbeiträgen von mindestens 10 Franken. Mitglieder erhalten die Bücher des Verlags gratis. Den Vorstand des Verlags „Jeffeth" bilden I. Feldmann, A. S. Rabinowitz und Dr. I. Thon. Die Uuslchutzlitzung des Landesoereins kür ikraeUtilchr Lultussemeinden in Lsyrrn.'> I. m 26. Mai fand die 16. Jahresversammlung des Landesvereins für israelitische Kultusgemeinden in Bayern zu Nürnberg statt. Den Vorsitz führte Herr Justizrat Ofner-München, der mit einer Begrüßung der zahlreich erschienenen Ausschußmitglieder die Tagung eröffnete. Er führte aus, daß er, nur dem Drängen der mit ihm zur Leitung des Vereines berufenen Herren folgend, das verantwortungsvolle Amt des ersten Vorsitzenden übernommen und wies darauf hin, daß die räumliche Entfernung von dem Sitze des Vereins, Fürth, wie auch mancherlei Hemmnisse ihm die Erfüllung seiner Aufgabe erheblich erschwerten und versprach, den Verein nach den Grundsätzen zu leiten, denen er seine jetzige Höhe verdanke, und - seine Leistungsfähigkeit zu steigern. Schließlich erbat er sich die tatkräftige Mitarbeit feiner Kollegen im Vorstand und im Ausschüsse. Schon der erste Punkt der Tagesordnung „Erstattung des Berichtes der Vorstandschaft", bei dem sich der Vorsitzende unter Hinweis aus den gedruckt vorliegenden 15. Rechenschaftsbericht auf kurze Erläuterungen beschränkte, gab Herrn Rabbiner Dr. Neubürger-Fürth Veranlassung, die Geschäftsführung in scharfer Weise anzugreifen und zwei Punkte des Berichtes, von denen der eine über die Arbeiten der Revisionskommission kurzen Aufschluß gab, zu kritisieren. Er verlangte Streichung der beanstandeten Stellen und Neudruck des Berichtes. Der Vorsitzende wies die unberechtigten Angriffe zurück. Er habe in gleicher Weise wie feine bewährten Vorgänger die Geschäfte geführt. Die mit großer Majorität erfolgte Genehmigung des Berichtes machte der unerquicklichen Debatte ein Ende. Der weiter auf der Tagesordnung stehende Bericht der Kommission zur Vorbereitung einer Revision des Judenedikts, über den Herr Justizrat Dr. Held»Nürnberg das Referat übernommen hatte, gab Veranlassung zu einem unerfreulichen Vorgänge. Ein von der Mehrzahl der anwesenden Rabbiner eingebrachter Antrag verlangte die Absetzung des Berichtes ohne Anhörung des Referenten. Die Obstruktion, die von Seite der Herren Rabbiner durch Anmeldungen zu einer Geschäftsordnungsdebatte versucht wurde, machte der Vorsitzende unmöglich, indem er zunächst dem Referenten das Wort erteilte, mit der Bitte, doch dessen Bericht und Anträge erst abzuwarten. Dies war das Zeichen zu einem Exodus der Rabbiner, von denen nur wenige Stimmführer im Saale blieben. Selbst der anwesende hochbetagte Ehrenvorsitzende, Herr Geheimrat Josephthal kam in der allgemeinen Unruhe leider nicht zu Worte. Endlich konnte der Referent seinen Bericht erstatten. Ohne die materielle Seite der von der Kommission vorgelegten Grundsätze zu berühren, berichtete er über die Arbeiten und die Methode der Kommission, welche nach dem Austritt der beiden Mitglieder aus dem Rabbinerstand und der Weigerung der rabbinischen Ersatzmänner, an deren Stelle zu treten, die seinerzeit gewühlten Laienersatzmänner zur Ergänzung einberief, und stellte folgende Anträge: 1. Der Landesverein solle seine Aufgabe als erledigt betrachten und sich nicht weiter mit Revisionssragen befassen. 2. Der Landesverein gestattet, daß das Material auf Verlangen den Interessenten hinausgegeben werde. . In der Debatte bestreitet Herr Rabbiner Dr. Neubürger, unterstützt von seinen Amtskollegen Dr. Werner - München und Meyer- Regensburg, daß die Kommission nach dem Austritt der Rabbiner zu Recht Weiterbestand, sie könnte ihre Grundsätze nicht unter dem Titel „einer Kommission des Landesvereins" veröffentlichen. Im Schlußwort beruft sich Herr Justizrat Dr. Held auf einen von den beiden Rabbinern, Herren Dr. Neubürger und Dr. Kohn-Ansbach unterm 22. Juni 1909 an ihn gerichteten Brief, in welchem sie ihre Mitarbeit in der Revisionskommission als unmöglich bezeichnen, falls nicht einmütige Beschlüsse über Schechita und Mikwa als.Bestimmung integrierender Bestandteile jeder Kultusgemeinde, sowie über die Aufnahme der Ziffer 5 des Ministerialerlasses von 1H63 in das neue i) Der folgende Artikel kam für die vorige Nummer zu spät. Er sei nachträglich abgedruckt, da er die wichtige Angelegenheit vom Standpunkt des Laien beleuchtet. D. Red.