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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-06-24 · Heft 25 (24.6.1910) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 74. Jahrgang. Nr. 25 Berlbii 24. Juni 1910 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und vor. orten durch unsere verlriebrstellen) bezogen vierteljährlich 3D1. Begründet von Rabbiner Br. Ludwig Philippson. Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rais Professor Dr. Ludwig Geiger. Verlags - Lxpeä!tion: VerUn, Jerusalemer Strasse 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums*, Berlin SW., Jerusalemer Straße HS/49, zu richten. Verlag von Rudolf rNosse, Berlin. ®er ^odus der Rnbbiner aus dein Landesverein in Bayern- Ban einem bayerischen Rabbiner: — Die Woche. — Geheimer Justizrar Timendorser. — Die Judensrage in Oesterreich. Bon Siegfried Fleischer. — Brief aus Konstanlinopel. Von Georg Minden. — Schule, Lehrer und Judentum. Von B. Nvsenthal- Mannheim. — Feuilleton: Die Klageweiber. Novelle von Joachim Friedenthal. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. — Sprechsaal. Der Gemeindeboie (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums*) Berlin, Breslau, Kottbus, Stettin, Köln, Wien, Petersburg, Konstantinopel. — Von Nah und Fern. Der Modus der Nsbbiner aus dem Lsndesoerein in lgsyern. Von einem bayerischen Rabbiner. ei der jüngsten Tagung des „Landesvereins für israelitische Kultusgemeinden in Bayern", welche unter zahlreicher Beteiligung von Rabbinern und Gemeindevertretern unter dem Zeichen des Mars am 26. Mai in Nürnberg stattfand, hat ein bedauerlicher Zwischenfall sich ereignet oder vielmehr eine Reihe von Zwischenfällen, welche in weiten Kreisen der Glaubensgenossen das größte Aufsehen zu erregen geeignet sind. Aus diesem Grunde, zumal nachdem einige politische Tageszeitungen bereits indiskret geplaudert haben, ist eine Darstellung vor dem Forum der Oeffentlichkeit zu einer durch keine Bedenken und Rücksichten zurückzuweisenden Notwendigkeit geworden. Einem Augen- und Ohrenzeugen dieser Vorgänge möge es darum gestattet sein, mit möglichster Sachlichkeit und unter Hinweglasfung aller Betrachtungen einen Bericht zu geben, der weder ein Plaidoyer noch eine Anklage sein soll. Zur Erklärung seien einige informatorische Bemerkungen vorausgeschickt. ’ Der in der Ueberschrift genannte Verein war bei seiner vor 15 Jahren erfolgten Gründung eine bescheidene Pflanzung und hatte keinen anderen Lebenszweck als. den der Unterstützung von notleidenden Kultusgemeinden. Als Unterstützungsvereinhat er eine Fülle des Segens hinausgeftreut ins Land und während der verhältnismäßig kurzen Zeit seines Bestehens nicht weniger als nahezu 120 000 Mark zur Verwendung auf seine unmittelbaren Zwecke verausgabt. Daß erst im letzten Vereinsjahre infolge einer von ihm beim bayerischen Landtage und Ministerium eingereichten Vorstellung nicht bloß ein ehemals zugunsten des Fiskus eingesparter Betrag von 6500 Mark aus Staatsmitteln vom Kultusministerium zur Unterstützung notleidender israelitischer Kultusgemeinden verwendet wurde, sondern auch begründete Aussicht auf Erhöhung des vom bayerischen Landtage für israelitische .Kultuszwecke zu bewilligenden Etats vorhanden ist, das ist ein hocherfreulicher Erfolg, den man, wenn auch die Anregung und der Antrieb dazu von einem Rabbiner ausgegangen war, auf das Konto der Verdienste des Landesvereins gutschreiben kann. Allmählich aber erwachte ein lebhafter Ausdehnungstrieb in der Brust des Landesvereins und allerlei Zwecke wurden in den Kreis seines Wollens einbezogen. Nur eines hätte ihm ein noli me tangere bleiben müssen: Die Beschäftigung mit denjenigen Fragen, welche gegenwärtig die. bayerische Judenheit in mehrere Judenheiten spalten, mit den Fragen der Revision des Edikts vom 10. Juni 1813. Mit diesen klippenreichen Fragen hätte der Landesverein schon darum sich nicht beschäftigen dürfen, weil er ein Verein für israelitische Kultusgemeinden und nicht d er israelitischen Kultusgemeinden ist und weil keine weitblickende Voraussicht dazu gehörte, um zu wissen, daß aus einer schiefen Ebene die Gefahr des Hinabsinkens in einen verschlingenden Abgrund zu befürchten ist. Die Mehrheit des Landesvereins hat auf die Stimmen der ehrlichen Warner nicht hören wollen und ist darum sehr bald auf der schiefen Ebene, auf die er sich begeben, zu einem Scheideweg gelangt, an welchem , die in demselben auf neutralem Boden vereinigt gewesenen Richtungen und Meinungen : zuerst zusammenstießen und dann^ auseinandergingen. Nach aufregenden Versammlungen und Verhandlungen wurde gegen den Widerspruch einer kleinen Minderheit im September 1908 zur Behandlung der Nevisionsfrage eine fünfgliederige Kommission eingesetzt, welche unter Wahrung der in Bayern zur Entscheidung in Kultusangelegenheiten erforderlichen Parität aus zwei Rabbinern und zwei Gemeindevorstehern und einem Vertreter der Orthodoxie bestand, der das Zünglein an der Wage der Entscheidung bilden sollte. Für die zwei Rabbiner wurden als deren Stellvertreter wieder zwei Rabbiner in Aussicht genommen, für die zwei Gemeindevorsteher als deren Stellvertreter wieder zwei Gemeindevorsteher und für das orthodoxe Mitglied wieder ein Herr der konservativen Richtung, wenn auch von bedeutend hellerer Schattierung. Dieser Kommission war nur ein kurzes Leben und Wirken beschieden. Infolge unüberbrückbarer Gegensätze, die sich aufgetan, fühlten sich die beiden Kommissiousrabbiner zur Erklärung ihres Austritts aus der Kommission veranlaßt, und nachdem deren gewählte Stellvertreter die Stellvertretung verweigerten, glaubten viele, die Hinterbliebene Rumpfkommission würde ihr Mandat in die Hände ihrer Auftraggeber zurücklegen. Statt dessen ergänzte sich der Rumpf durch eigene Machtvollkommenheit aus von ihm selbst gewählten Laien, die man zu Stellvertretern der ausgetretenen Rabbiner ernannte, und arbeitete unverdrossen fort. Daß diese neue Kommission in ihrer neuen Zusammensetzung nicht mehr als die vom Landesverein „eingesetzte" Kommission

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