Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1910)
- Date
- 1910-05-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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74. Jahrgang. Nr. 20 Berlin, 20. Mai 1910 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson. Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger. Verlags - Lxpeäition: VerUn. Jerusalemer Strasse 46/49. viese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buch< Handel oder die Post (in Berlin und vor. orten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich S M. Alle Zusendungen fär Redaktion »nd Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin 8W., Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf Moste, Berlin. Abraham ©eiflct, geb. 21. Mai 1810, gest. 23. Oktober 1874. Ein Gedenkblatt bon Ludwig Geiger. — Die Woche. — Abr. Geigers Ankündigung der Jüdischen Zeitschrift für Wissenschaft und Leben. Von Geiger. — A. Geigers Stellung zum Christentum. Bon Gottlieb Klein. — Abraham Geiger als Lehrer und Redner. Von S. Sale in St. Louis. — Saul-Tragödien. Von Dr. Leopold Hirschberg-Berlin. — Bräutigamsbriefe von Berthold Auerbach. Mitgeteilt von Anton Bettelheim. — Feuilleton: Weltsreude. Von F. Qttmer. — Literarische Mitteilungen. — Bü chereinlaus. — Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums*) Berlin, Königsberg. Posen, Hamburg, Hoppstüdten a. d. N., Hannover, Ems, Erlangen, Wien, New York. — Von Nah und Fern. Abraham Geiger grb 24. Msi 1818, gelt. 23. Mtodrr 1874. Ein Gedenkblatt von Ludwig Geiger. er Mann, dem diese Zeilen gelten, dem diese Nummer in ihrem Hauptbestandteile gewidmet ist, braucht nur genannt zu werden, um den Lesern dieses Blattes als ein Zugehöriger zu erscheinen. Sein wissenschaftlicher Standpunkt gegenüber einer der bedeutsamsten Erscheinungen der Weltgeschichte wird in einem der folgenden Artikel seitens eines seiner begabtesten und - seinen Anschauungen am nächsten stehenden Schülers G. Klein, seine Tätigkeit als Lehrer von einem seiner ersten empfänglichen Hörer S. Sale geschildert; sein Leben und seine wissenschaftliche ebenso wie seine informatorische Arbeit in einem großen Werke dargetan, das in den nächsten Wochen erscheint?) Hier soll nur kurz daran erinnert werden, was Abraham Geiger lvar, und was er der Zukunft noch sein kann. Er war ein eifriger Reformer und ein treuer Diener der Wissenschaft. Als Rabbiner in Wiesbaden 1832/38, in Breslau 1840/63, in Frankfurt a. M. 1863/70, in Berlin 1870/74 wirkte er mit *) „Abraham Geiger, Leben und Lebenswerk" von Ludwig Geiger, Jsmar Elbogen, Gottlieb Klein, Immanuel Löw, Felix Perles, Sam. Poznanski, Moritz Stern, Herniann und Heynemann Vogelstein. Berlin, Druck und Verlag von Georg Reimer, 1910. Das Werk, etwa 35 Bogen stark, ist fast völlig auszedruckt und wird hoffentlich noch im Laufe dieses Monats erscheinen. Es enthält in seiner ersten Abteilung eine Biographie aus meiner Feder. Die zweite Abteilung „Lebenswerk" bringt eine Würdigung des Theologen, und zivar eine Einleitung von Hermann Vogelstein, „Systematische Theologie" von Heynemann Vogelstein, „Praktische Theologie" von Gottlieb Klein. Daraus folgt die große Abteilung „Ter Gelehrte", die in folgende Abschnitte zerfällt: 1. Bibel von Felix Perles. 2. Geschichte: o) Jüdische Geschichte und Literatur von Jsmar Elbocen, b) Geschichte der Sekten und der Halacha von Samuel Poznanski, e) Geschichte der-Schriftauslegung (Nordfranzösische Exegetenschule) von demselben. 3. Sprachwissenschaft von Immanuel Löw. Ein Anhang: „Verzeichnisse", zerfällt größten, Erfolg. Von seinen Gegnern, den Orthodoxen, angefeindet, verfolgt und bis über das Grab hinaus gehaßt, von den Anhängern des liberalen Judentums begeistert gepriesen und eifrig gefördert, vermochte er den Gebildeten ihre Religion wert zu machen, die Lauen, dem Abfall Geneigten zum Judentum zurückzuführen und den Unverblendeten unter seinen Gegnern Achtung vor seinem Streben wie vor feinem Wissen abzuringen. Er hatte früh den Unwert des Formglaubens, das Abgestorbene der Gebräuche erkannt und wirkte zeitlebens für die Abschaffung inhaltloser Zeremonien und für die Verinnerlichung des Glaubens. Er selbst war von tiefer Gläubigkeit beseelt. Fest überzeugt von dem Dasein Gottes, der Unsterblichkeit der Seele und einem Messiasreiche, das er freilich nicht als die Erscheinung eines persönlichen Retters und eines Fürsten auffaßte, der sein Volk nach Jerusalem zurückführen sollte, sondern als die Erfüllung des Gedankens und der Hoffnung, daß das Judentum zur Menschheitsreligion, zur einigenden und befreienden Macht der Welt bestimmt sei. Für diese seine Gedanken wirkte er in Wort und Schrift: In den kampfsrohen Aufsätzen seiner Zeitschriften, in den eifervollen Reden auf den Rabbinerversammlungen und den Synoden, vor allem durch seine Predigten. Diese, nur ganz ausnahmsweise gedruckt, weil sie nicht wörtlich ausgeschrieben, sondern nur, sorgfältig vorbereitet, der augenblicklichen Begeisterung entströmten, erregten allerorten einen großen Enthusiasmus und übten selbst auf Gleichgültige und Abgewendete hinreißenden Einfluß. Durch seinen Religionsunterricht und durch die Konfirmation rüstete er viele hunderte Knaben und Mädchen mit mannigfaltigem Wissen von dem Inhalt der Religion aus und entzündete in ihnen das heilige Feuer des Glaubens. Er versuchte in seinem „Gebetbuch" (zuerst Breslau 1854) und in den zahlreichen Abhandlungen, die diesem vorangingen und später folgten, nicht etwa eine Umgestaltung der in nachstehende Abschnitte: 1. Bibliographie von Moritz Stern, - 2. Bibelstellen von Adolf Löwinger, 3. Hebräisch-aramäisches Wortverzeichnis von Immanuel Löw. 4. Personenregister. Immanuel Löw hat sich um die Redaktion des Gesamtwertes außerordentlich verdient gemacht. Das vor kurzem erschienene Schriftchen „Abraham Geiger" von Dr. Felix Perles, Rabbiner in Königsberg i. Pr. (Frankfurt a. M. 1910) ist (S. 24 des Büchleins) an einer Stelle dieses Aufsatzes benutzt. In wenigen Wochen soll das erste Heft der hebräischen Abhandlungen meines Vaters, herausgegeben von Samuel Poznanski, erscheinen. Der Herausgeber (Rabbiner in Warschau, Tlomackie 7) bittet die Besitzer handschriftlicher Aufsätze und Briese meines Vaters in hebräischer Sprache, diese im Original oder in Abschriften ihm zuznsenden.