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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-05-13 · Heft 19 (13.5.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Meter große Park beherbergt eine vollständig eingerichtete Gärtnerei, die von einem tüchtigen Fachmann geleitet wird. In derselben werden schwachbefähigte und nervöse junge Leute für den Gärtnerberuf ausgebildet: Die Anstalt wird in echt jüdischem Sinne geleitet, und die Kinder werden zu wahrhaft religiösen, aufrechten Menschen und Juden erzogen. So nehmen sie an ten Andachten, die der Pankower Religions- Verein in seinem Bethause abhält, regen Anteil. Oft werden sie zur Th ora aufgerufen, und macht cs Freude zu hören, mit welcher Liebe und Innigkeit diese geistesschwachen Kinder den Segen über die Thora sprechen. Vor einiger Zeit waren wir Zeuge, wie ein 13 jähriger Varmizwahknabe seinen „Maftir" vortrug. Der Knabe verstand, was er sagte und konnte den hebräischen Text ins Deutsche übertragen. Die harmonische Ausbildung aller Kräfte, die der Anstaltsleiter seinen Zöglingen zuteil werden läßt, zeigt sich auch in den Fortschritten, die seine Schüler in den „profanen Wissenschaften" und in der körperlichen Entwicklung machen. Zu Ostern d.J. konnte wiederum ein Knabe in das Realgymnasium unseres Ortes eingefchult werden, wo, selbst er — unter Aufsicht des Herrn Rosenbaum — gute Fortschritte macht. Wünschen wir, daß das Institut auch in seinem neuen Wohnort blühen und gedeihen und die Beachtung in weitesten jüdischen Kreisen finden möge, die es verdient. *** Graudenz, 4. Mai. Am letzten Sonntag beging Frau Hedwig Belgard, die Mutter des königlichen Kommerzienrats Heinrich Velgard, in körperlicher und geistiger Frische ihren 90. Geburtstag. Die Jubilarin, die seit ihrem 25. Lebensjahre in unserer Gemeinde lebt, erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzumg, wovon die so herzliche Teilnahme weiter Kreise an ihrem Geburtstagsfeste Zeugnis ablegt. Eine große Reihe von Deputationen und viele Gratulanten füllten von 1IV2 Uhr an die festlich und durch gewidmete Blumenspenden geschmückten Räume. Zuerst erschien Herr Rabbiner Dr. L oevy, um als Seelsorger in einer herzlichen Ansprache seine Glückwünsche zu überbringen. Dann sprach Frau Rabbiner Dr. Loevy im Namen des Israelitischen Frauenvereins und überreichte der Jubilarin eine wundervoll ausgeführte Adresse, in welcher sie zum Ehrenmitgliede des Vereins ernannt wurde. Im Namen des Shnagogengemeindevorstandes, welcher ebenfalls eine Adresse widmete, sprach Herr Kiewe, für die Repräsentanten Herr Philipp Reich, für den Israelitischen Wohltätigkeitsverein Herr David Jacob so hn, für den Krankenunterstützungsverein Herr Birnbaum, für den Verein gegen die Wanderbettelei Herr Bankier Jacob Bohn, für den Beerdigungsverein Herr Alb. Jacobsohn, für den Literaturverein Herr Rabbiner Tr. Loevy, für den Jungfrauenverein Frl. Altmann und im Aufträge der Handelskammer Herr Mühlenbesiher Rosan owski. Unter den vielen schriftlichen und telegraphischen Glückwünschen befand sich auch ein herzliches Telegramm von Mitgliedern der Friedrich-Wilhelm-Viktoria- Schützengilde, welche an diesem Tage zum Eröffnungsschießen versammelt war. Die geistige Frische und Lebhaftigkeit, mit welcher die Jubilarin im Kreise ihrer Kinder und Enkel die Ehrungen entgegennahm, läßt der Hoffnung Raum, daß sie noch lange den Ihrigen, der israelitischen Gemeinde und der Stadt Graudenz erhalten bleibt. W. Posen, 8. Mai. Der Verein „Leschaun Limudim" hielt kürzlich seine halbjährliche ordentliche Generalversammlung ab. Der Verein bezweckt, die hiesige herangewachsene jüdische Jugend mit den heiligen Schriften und der jüdischen rabbinischen Literatur bekanntzumachen. Nachdem vom Vorstände erteilten Bericht ist er diesem Bestreben auch im verflossenen Semester durch Veranstaltung zahlreicher Lernkurse, auch für junge Damen, eifrig nachgekommen. Besonderen Dank stattete der Vorsitzende dem Vorstände des Latzschen Altenheims ab, durch dessen Entgegenkommen es nun dem Verein möglich geworden ist, ein eigenes Heim in den Räumen des Altenheims zu beziehen. Mit der Neuwahl des Vorstandes, bestehend aus den Herren A. Rzeszewski, Rabbiner Bluhm, I. Jacobstamm- Ruschin Rothenberg und-Kempe und der Besprechung der einzurichtenden Kurse und Vorträge für das neue Semester, schloß die Versammlung. *** Breslau, 8 Mai.: Zur Teilnahme an der Trauerfeier für den Stadtältesten Fedor Pringsh eim, der im 82. Lebensjahre verschieden ist, hatte sich am Donnerstag den ü.d.M. im Trauerhäuse, Ohlau-User6, ine große Anzahl von Leidtragenden aus allen Kreisen der Stadt eingefunden, unter ihnen)auch Oberbürgermeister Dr. Ben der. Bürgermeister Tr entiu Stadtkämmerer Mathes, Stadtbaurat v. Sch oltz, die Stadträte Marck, Giesel, Mann und Schmidt, der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde, der Vorstand der israelitischen Krankend erpflegungs anstatt und Vertreter einer großen Anzahl von industriellen usw. Unternehmungen, denen der Verblichene nahegestanden hatte. Der Sarg war inmitten von Palmen aufgebahrt, eine Fülle schönster Kranzspenden deckte ihn. Nachdem ein Chor einen, erhebenden Psalm gesungen, gedachte Gemeinderabbiner Dr. Gu ttmann in warmen Worten der segensreichen Tätigkeit des- Dahingeschiedenen, seiner Treue, seiner Zurückhaltung und seiner Selbstbeschränkuug. Er rühmte die Verdienste, die sich der Dahingeschiedene um die Stadt und um die Synagogengemeinde erworben. Eine Fülle des Segens sei dieser seiner Tätigkeit entsprossen. Mit abermaligem Chorgesang schloß die eindrucksvolle Trauerfeier. Unter Vorantritt von vier Magistratsausreutern bewegte sich sodann der schier unabsehbare Kondukt zum alten jüdischen Friedhof an der Lohestraße, in dessen Leichenhalle Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal in . einer Gedenkrede ein scharf urnrissenes Bild von dem Leben und Wirken des Entschlafenen entrollte. Im Namen der Breslauer Shnagogengemeinde ergriff danach deren erster Vorsitzender, Land gerichtsrat Geh. Justizrat Dr. Wollstein, das Wort und widmete dem treuen Freunde und Vorgänger im Amte als Vorsitzenden.des Synagogenvorstandes einen warmherzigen Nachruf. Die sterbliche Hülle Fedor Pringsheims wurde sodann im Familiengrabs beigesetzt. Ehre seinem Andenken! er. Magdeburg, 8. Mai. Herr Salomon Winter, der in der hiesigen Gemeinde 31 Jahre als Kantor segensreich gewirkt, ist mit dem 1. April d. I. in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Die Gemeindebehörden haben aus diesem Anlaß dem stets pflichtgetreuen Beamten besondere Beweise der Anerkennung zum Ausdruck gebracht. Herr Winter gehört zu den wenigen Kantoren, die auch über ein reiches hebräisches Wissen verfügen. Möge ihm ein ungetrübter Lebensabend beschieden sein. — Seesen a. H, 8. Mai. Aus dem diesjährigen Bericht der Jacobson-Schule zu Seesen a. H. sei folgendes hervorgehoben:' Das Kurawriurn der Anstalt besteht unverändert aus den Herren: Justizrat Dr. Jul ins Jacobson (Berlin) als Vorsitzender, Bankier August Jacobson (Hamburg) und Justizrat Dr. Emil Berendft (Hanover). Auch im Lehrerkollegium ist im Laufe des Berichtsjahres keine Veränderung eingetreten. Äußer dem Leiter der Anstalt, Direktor Dr. Friedland, sind an derselben 8 akademisch gebildete Lehrer (Oberlehrer) und 5 Elementarlehrer (darunter der Hausväter) fest angestellt; daneben sind 3 wissenschaftliche Hilfslehrer und 2 akademisch gebildete Erzieher am Alumnat tätig. Die Schule (Realschule und Realprogymnasium) wurde am 1. Februar dieses Jahres von 307 Schülern besucht, davon waren 115 Juden und 192 Christen; 154 Schüler lebten im Alumnat, die übrigen waren „Stadtschüler"; 35 Knaben hatten Freistellen im Alumnat inne und 11 Stadtschüler waren von Zahlung des Schulgeldes befreit. Außerdem hatte das Kuratorium 29 Halbfreistellen im Alumnat und 15 in der Schule vergeben. Von den Freizöglingen sind zwei Drittel jüdisch. Etwa die Hälfte der Schüler (genau 147) sind im Herzogtum beheimatet, die übrigen stammen aus dem Reiche. Von den auswärtigen Schülern waren am zahlreichsten die aus der Provinz Hanover, aus Berlin und aus Hamburg. Zu Michaelis 1909 erhielten 13 Schüler, zu Ostern 1910 31 das Zeugnis der Reise für den Besuch der OII eines Realgymnasiums bzw. einer Oberrealschule und damit gleichzeitig die Berechtigung zum Einjahrig-Freiwilligen Militärdienst. Wir erfahren ferner aus dem Jahresberichte, daß ein früheres Mitglied des Kuratoriums. Herr Rittergutsbesitzer Rudolf Jacobson, ein Enkel des Stifters der Schule, in hohem Alter in Berlin gestorben ist. Er hat der Anstalt ein Vermögen von 5000 Mark hinterlassen. In der Schulgeschichte wird unter anderem der Besuch des Landessürsten, des Herzog- Regenten Johann Albrecht von Braunschweig, geschildert, über den an dieser Stelle bereits seiner Zeit berichtet wurde. — Marburg, 6. Mai. Die unter dem Namen „Jüdische wissenschaftlich-gesellige Vereinigung" hier bestehende Korporation versendet soeben ihren 7. Jahresbericht. Sie ist in stetiger Entwicklung begriffen und zählt zurzeit mit Inaktiven und

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