Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1910)
- Date
- 1910-04-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buch« Handel oder di» Post (in Berlin und vor. orten durch unsere verkriebsstellen) bezogen vierteljährlich SM. Begründet von Rabbiner Vr: Ludwig Philippson. Unter Leitung de- Geheimen Regierungs-Ratr Professor vr. Ludwig Seiger. Verlags -Lxpeäition: VerUn, Jerusalemer Strasse 4S/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgrm. Zeitung des Judentums-, Berlin SW., Jerusalemer Straße zu richten. Verlag von Rndolf Moffe, Berlin. Zuversicht. Von Dr. Ziegler. — Die Woche. — Auguste Hguschners üeuerRoman. Besprochen von Ludwig Geiger. — Ein Arbeitsamt für jüdische Akademiker. — Die Lage der preußischen Nabbiuer. 'Von Thevlogus. — Maybaums Festpredigten. Bon H ochseld. — Feuilleton: Das Testament. Ein Schauspiel aus dem modernen Rußland, in drei Aufzügen. Von Emanuel Kalisch — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. Der Gerneinde-ote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums") Berlin, Hamburg, Münster i. W., Elberfeld, Cassel, Aus dem Großherzogtum Hessen, Wien. — Von Nah und Fern. Luorrücht. Von Dr. Ziegler-Karlsbad. „Auf, ziehet hinaus aus der Mitte meines Volkes, sowohl ihr, als auch die Kinder Israels, und gehet, dienet Jahve, wie ihr gesprochen habet." (II. Buch Mosis, Kap. 12, Vers 31.) in ewiger Jungbrunnen ist unseren Vätern das Passahfest gewesen, ein Born unerschöpflicher Hoffnung und Zukunftssicherheit Kann es ein traurigeres Los geben, als es Israel in Aegypten Geschieden war? Hat je ein Volkstum in düsterer Finsternis, unter härterem Joch geseufzt und geschmachtet, als Jakobs Kinder im Pharaonenlande? Nicht an der Umwelt haben unsere Väter jemals ihr Schicksal gemessen, sondern an der eigenen Geschichte, an der Geschichte des Auszuges aus Gosen. Keine Nation hat so viel von ihrer Urgeschichte gelernt, wie die unsrige, keiner wurden die Kümmernisse der Werdezeit so eingeprägt. Erfreute sie sich nationaler Macht und wirtschaftlichen Gedeihens, sollte sie durch die Erinnerung an Aegypten vor Dünkel und Ueberrnut bewahrt bleiben, lastete Tributpflicht und die Raubgier fremder Söldnerscharen auf ihr, fand sie im Rückblick auf die göttliche Sendung Mosis Trost und Ausdauer : ein Volk, das die Fesseln Aegyptens von sich geworfen hat, braucht in keiner Lebenslage mehr die Hoffnung auf Erlösung zu verlieren. Das Paffahfest war der Sorgenbrecher und Trostbringer unserer Ahnen gewesen. Und nur, wenn dieses Fest auch unserem Geschlecht derselbe Trostspender bleibt, der es den Vorfahren war, hat es Sinn und Wert. Feste begehen aus Pietät, Gewohnheit, Aberglauben, oder weil man das für ein göttliches Gebot hält, fördert unser Seelenleben nicht im geringsten. Sie müffen uns lebensvolle Wirklichkeit sein, müffen durchtränkt sein von machtvollster Gegenwart, dann erfüllen sie erst ihren sittlichen Zweck. „Als wären wir selbst aus Aegypten gezogen", heißt der Wahlspruch des Paffahfestes. Nicht die moderne Zeit, nicht das moderne Denken ist der große Feind unserer alten ssieligionssitten geworden, . sondern ihre mechanische Erfüllung, ihre Blutleere, ihre verständnislose Beobachtung als wm