Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1910)
- Date
- 1910-04-15
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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! •'"T’ Mk^NWW' V Berlin, 12. Aprile Die Besichtigung der reichhaltigen Sämch.lUüg'-;-.desHerrit James Simon,' Tiergartenftrciße 15o, ist am 24. d. M. und 1. Mai von 10—2 Uhr zum Besten des.Zentralvereins für Schüler-Wanderungen gestattet.. Die Sammlungen enthalten niederländische Oelgemälde und Miniaturen des 16. und 17. Jahrhunderts, Bronzen und WachsarLeiten der Renaissance, gotische und Renaissance - Tapisserien, Möbel; und Skulpturen. .in Holz und. Stein .(deutscher, französischer, niederländischer und italienischer Herkunft). Die Skulpturen-Galerie wird in diesem Falle zum erstenmal der Besichtigung, zugänglich gemacht. Zur Vermeidung von Ueberfüllüng der Räume werden Eintrittskarten nur. in beschränkter Zahl ausgeKeben werden; sie sind bei Herrn Hoflieferanten A. Liebmann. Unter den Linden 2, zum Preise von lO.Mark erhältlich. : *.* L-hpx«, 10. April. Ter Literatur- und Kulturverein erstattet,.folgenden Bericht über seine Tätigkeit im abgelaufenen Geschchtsjahre: Der Verein hat das 16. Jahr seiner Wirksamkeit beendet undunterscheidet sich in ganzen nur wenig von der des Vorjahres, da er sich im gebahnten Gleise fortbewegt hat. Zunächst sei erwähnt, daß unser hochverehrter Vorsitzender, Herr Professor Horowitz, dem wir die Begründung und Fortentwicklung des Vereins verdanken, durch Verlegung seinesWohnsitzes aus unserer Mitte geschieden ist und eine große Lücke hinterlasfen hat. Er hat seit Begründung des Vereins an dieser Stätte seines Amtes als Vorsitzender mit Kraft und Würde erfolg, und segensreich gewaltet, zur Hebung des Vereins unablässig beigetragen und jederzeit eine ersprießliche Tätigkeit ent" faltet. In dankbarer Anerkennung dessen hat der Vorstand demselben bei seinem Scheiden von -hier eine schön ausgestattete Dankesadresse überreicht und ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Hinsichtlich der Tätigkeit des Vereins haben wir auch im Berichtsjahre wahrgenommen, daß den literarischen Bestrebungen, namentlich durch zahlreichen Besuch der Vortragsabende sowie der fleißigen Benutzung der Bibliothek und der Zeitschriften, lebhaftes Interesse entgegengebracht wurde. Im Berichtsjahre wurden sechs Vorträge gehalten. Unsere Vereinsbibliothek besteht aus;480 Bänden verschiedenen Inhalts und steht den Mitgliedern zur freien Benutzung. Bezüglich unserer Aufgabe „Förderung des Handwerks" haben wir leider nicht viel Günstiges zu berichten. Dies wird uns indes in dieser unserer Bestrebung nicht entmutigen, da wir schon bei Gründung des Vereins uns nicht verhehlt haben, daß. das Handwerk bei unseren Glaubensgenossen nur allmählich wieder erweckt werden kann.; ' . - W. Aus -er Provinz Posen, 1. April. Dem . Frauenarzt, Stabsarzt der Reserve Dr. Ludwig Kantorowicz in Posen, der 20 Jahre im militärärztlichen Dienstverhältnis steht, ist die Landwehrdienstauszeichnung I. Klasse verliehen worden. — Herr Abraham Braun hier starb im 75. Lebensjahre. Der Dahingeschiedene genoß große Liebe und Achtung, dies zeigte sich durch die rege Teilnahme bei der Beerdigung. — Milos law. Der Lehrer Vrzezinski, welcher 17 Jahre an der jüdischen. Schule Hierselbst gewirkt hat, ist vom 1. April d. I. in den Kommunaldienst der Stadt Posen gewählt und der Commenius-Schule (II. Knabenschule) zugeteilt worden. — Schwersenz. In die hiesige Synagoge sind Diebe eingebrochen. Mehrere Fensterscheiben sind zertrümmert, die Kassenbehälter geleert. Von den Tätern fehlt jede Spur. — Neustadt b. Pinne. Lehrer Berlowitz, welcher bereits 45 Jahre hindurch amtiert, wird am 1. April d. I. auf seinen Antrag pensioniert. Er hat über 35 Jahre der jüdischen Schule hier dorgestanden. Sein Amtsnachfolger ist Lehrer Plaut in Gostyn. — Das seltene Fest der. Diamanten-Hochzeit beging am 27. v. M. das Saul Salomonskische Ehepaar in Hohensalza. Der Jubelbräutigam zählt 90 Jahre, die Braut 80 Jahre. Beide erfreuen sich einer bewundernswerten Rüstigkeit und geistigen Frische.; Sonntag vormittags 11 Uhr fand in der neuen Synagoge die religiöse Feier statt. Mittags erfolgte die Beglückwünschung des Jubelpaares in dessen Wohnung durch eine Deputation des Synagogenvorstandes und der jüdischen Vereine.' Der jüdische Armenverein überreichte ein prachtvolles Silbergeschenk; der israelitische Frauenverein ließ ebenfalls ein Angebinde übermitteln. Der Geulas. Achim*ä}etem. überreichte aus Anlaß der 65 jährigen Mitgliedschaft Herrn Salomonski eine künstlerisch ausgeführte. Adresse,, in welcher Herr Salomonski zum Ehrenmitglied ernannt wird. — Die jüdische Gemeindebevölkerung nimmt von Jahr zu Jahr immer mehr ab. Am meisten werden dadurch die jüdischen Schulen betroffen,, die sich an Klassenzahl vermindern/ und selbst die Anstalten, die nur einen Lehrer aufweisen, verfallen-der Auslösung. Letzteres ist in Tirschtiegel der Fall. Die dortige jüdische Schulgemeinde wird jetzt, aufgelöst. Die jüdischen Hausväter werden der evangelischen Schulgemeinde zugereist. Der Lehrer daselbst soll die vakante Stelle in der jüdischen Gemeinde zu Miloslaw übernehmen. *** Beuthen (D.-S.), 10.:- April.. Am Sonntag 3. April nachmittag fand hier eine glänzend verlaufene Propagandaversammlung des Hilfsvereins, der Deutschen Juden statt, in der Herr Landtagsabgeardneter Geh. Justizrat Cassel sprach. Die Versammlung war außerordentlich gut von Damen und Herren besucht. An 500 Personen hatten sich eingefunden, nicht nur aus Peuthen, sondern auch aus andern Orten Oberschlesiens, aus Kattowitz, Königs Hütte., Zabrze, T arnowitz, Gleiwitz usw. Nachdem der Vorsitzende des BeUthener Lokalkomitees des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Herr Dr. -Karl Ullstätter, den Referenten warm begrüßt und ihm für sein Erscheinen gedankt hatte, gab derselbe in etwa 11/2 ständigem, fesselndem Vortrage in großen Zügen eine Uebersicht über die Aufgaben und die umfangreiche und vielseitige Tätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Zunächst legte er des näheren dar, daß die Begründung des Hilssvereins eine Notwendigkeit gewesen, daß er in der verhältnismäßig kurzen.Zeit seines Bestehens eine, außerordentliche Bedeutung für das jüdische Wohltätigkeitswesen gewonnen und sich den mannigfachen Erfordernissen in den schwersten Zeiten vollauf gewachsen gezeigt habe. Der Vortragende ging alsdann auf das Werk des Hilfsvereins im einzelnen ein. Bei der Organisation und Durchführung des Hilfswerks, das die Pogroms und. Exzesse gegen die Juden in Rußland und Rumänien erforderlich gemacht hatten, hat der Hilfsverein der Deutschen Juden mit an erster Stelle gestanden. Er hat eine umfassende großartige Organisation auf dem Gebiete des Auswanderungswesens innerhalb Deutschland und eine dauernde feste Verbindung mit den Auswanderungs- und Einwanderungsländern zur Durchführung einer systematischen; Fürsorge für die Zehntausende von Auswanderern und Rückwanderern geschaffendie das deutsche Reich ständig durchfluten. Er gab darauf einen kurzen Ueberblick über die Leistungen des -Hilfsvereins rin Galizien, wo-er die Lage der Juden durch Begründung von kulturellen Instituten, Erschließung von Kreditquellen, Vermehrung von Arbeitsgelegenheiten, und. Zuführung zu produktiven Berufen, zu fördern gesucht hat — und ferner in Bulgarien und Rumänien, wo er. durch. Subventionierung von Schulenundadurch. Entsendung von deutschen Lehrkräften das Kulturniveau derJuden zu heben bemüht ist. Der Hilfsverein hat .es sich auch angelegen sein, lassen, bei sich bietenden Gelegenheiten zugunsten der rumänischen Juden, die unter einer sich stetig verschärfenden Ausnahmegesetzgebung seit Jahrzehnten schwer, zu leiden haben, zu intervenieren. Eine ausführliche Darstellung gab der Vortragende alsdann, von dem ausgedehnten Kulturwerk, das der Hilfsverein der Deutschen Juden in seiner nur acht; jährigen Tätigkeit auf dem Gebiete des Erziehüngs- und Schulwesens. in der europäischen, und asiatischen Türkei speziell in Palästin a geschaffen hat, und das seine Krönung' durch das großartige vom Hilfsverein inaugurierte Unternehmen, das. Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina, das bereits in der Begründung begriffen ist, hat. Er wies darauf hin, daß dieses gut fundierte,, den Bedürfnissen .der Bevölkerung im Orient bestens entsprechende Kulturwerk gerade in der neuen Aera, die für die Türkei hereingebrochen seidie auf politischem, kulturellem ' und wirtschaftlichem. Gebiete, eine Aera. des Fortschritts sein werde, eine immer wachsende Bedeutung, für die dortigen Juden gewinnen werde. Der Redner betonte, nachdem er üüter- Darbietung eines reichen Zahlenmaterials die Schöpfungen und Leistungen des Hilfsvereins geschildert hatte, die allgemeine Verpflichtung der deutschen Juden, im Dienste des Vaterlandes und für das Wohl der Glaubensgenossen im Lande tätig zu sein, , zugleich über auch der Brüder in fernen Ländern zu gedenken und diese aus ihrer vielgestaltigen Not