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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-04-08 · Heft 14 (8.4.1910) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
Seite 6 (sequence 18)
Language
German
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der Vertreter der hiesigen Shnagogengemeinde hoch ehre und erfreue- und er heiße die Herren herzlich willkommen. Mit inniger Freude habe er immer schon wahrgenommen, welch ein schönes Verhältnis hierorts unter den Bekennern der verschiedenen Glaubensbekenntnisse herrsche; diesen Frieden und diese Eintracht zu erhalten und zu fördern, wolle er immerfort seine schwachen Kräfte weihen, und er hoffe auf guten Erfolge. Hierauf ergriff Herr Prediger Weiler das Wort zur Erwiderung: „Hochwürdigfter Herr Bischofs! Nachdem wir von Ew. bischöflichen Gnaden die uns so hocherfreuenden Worte hoherpriesterlicher Gesinnung vernommen, Worte, die nicht nur in unserer Gemeinde freudige Stimmung Hervorrufen werden, sondern allenthalben, wohin dieselben dringen, bei allen unseren Glaubensgenossen, die in den verschiedenen Synagogengemeinden der großen, ausgedehnten Diözese Paderborn, wohnen und. darüber hinaus, glaube ich ganz bestimmt in deren Sinne zu handeln und zu sprechen, wenn ich nun auch im Namen derselben dem hochwürdigen Herrn Bischof deren herzinnigsten Glück- und Segenswünsche gleichzeitig den unsrigen anschließe. Möge die göttliche Vorsehung, die Ew. bischöflichen Gnaden zum Oberhirten der großen Diözese Paderborn erkoren und erhoben, den Hirtenstab dieser Diözese, Ew. bischöflichen Gnaden viele Jahre führen lassen, zur Ehre Gottes, zum Seelenheil der Diözesanen, zum Frieden und zur Eintracht der Konfessionen und zum Segen des geliebten Vaterlandes ad multos, raultos annos!" Tiefbewegt dankte der Bischof dem Redner und den beiden anderen Herren für die herzlichen Worte und versicherte, daß erüber dieses freundliche Entgegenkommen und diese Teilnahme inNigst erfreut sei; er wünsche, daß es ihm gegönnt sein möge, all den Hoffnungen, Wünschen und Erwartungen entsprechen zu können. Während der weiteren Unterhaltung kam das Gespräch auf die beiden hochseligen Vorgänger des Bischofs, wobei Herr Weiler an die unvergeßlichen Worte erinnerte, die Bischof S im ar und dessen Nachfolger Bischof Schneider se inerzeit an die Deputation der hiesigen Synagogengemeinde bei gleichem Anlasse gesprochen hätten. Bischof Hubertus Simar sagte: „Der katholische Bischof komme als Apostel der Liebe, der Liebe, die nicht durch Verschiedenheit des Glaubens sich begrenzt, die vielmehr alle umfaßt und in sich schließt aus Liebe zu dem Herrn." — Im gleichen Sinne äußerte sich denn auch der unvergeßliche, hochselige Bischof Wilhelm Schneider, noch-- ktzrnzufügdud, daß Judentum und Christentum, Mutter und Tochterso vieldes Einigenden und Gemeinschaftlichen hätten, auf Grund-dessen .wir wohl mit- und nebeneinander in Frieden und Eintracht-leben können, sollen und müssen; denn die Ethik der Menschenliebe ffei ja einem Born entsprossen". — Hierauf erwiderte nochmals der Bischof: „Auch ich teile diese Gesinnungen und stehe hierin auf gleichem Standpunkte wie meine hochseligen Vorgänger. Ich will die gleichen Wege wandeln wie jene, und nehmen Sie -die Versicherung meines steten Wohlwollens mit den besten Grüßen an Ihre geehrte Gemeinde von mir mit." Mit herzlichem Händedruck verabschiedete dann der hochwürdige Bischof die Deputation in freundlichster Weise. — Am 31. März fuhr der hochwürdigste Bischof Joseph bei dem Herrn Prediger Weiler und dem Synagogenvorftande zum Gegenbesuche vor. ■*** München, 1. April. Mit dem im 82. Lebensjahre verschiedenen Herrn Moritz Feuchtwanger hat die Stadt München und die hiesige israelitische Kultusgemeinde einen in den weitesten Kreisen bekannten und verehrten Mitbürger verloren. Der Heimgegangene hat über fünf Dezennien eine hervorragende Tätigkeit in dem ältesten Wohltätigkeilsverein der Stadt München, in dem israelitischen Verein für Krankenpflege und Bestattungswesen lChevra Kadischa) entfaltet und seit dem Cholerajahr 1873, wo er sich besondere Verdienste um die Bestattung der Cholera-Leichen erwarb, das Amt des ersten Vorsitzenden in diesem Verein bekleidet. Dem Verwaltungsausschuß der israelitischen Kultusgemeinde gehörte der Verstorbene 33 Jahre hindurch ununterbrochen an. Aber auch außerhalb seiner Glaubensgemeinschaft genoß er wegen seines ausgeprägten Wohltätigkeitssinnes, seines vornehmen Charakters und seines bescheidenen, schlichten Wesens großes Ansehen und allseitige Verehrung, was auch bei der Feier des 80. Geburtstages in einem Glückwunschschreiben der Gemeinde zum Ausdruck kam. Das Leichenbegängnis, das am 27. März stattsand, erfolgte unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung. Die Herren Rabb. Dr. Werner und Dr. Ehrentreu gaben in ihren Ansprachen den Gefühlen der allgemeinen Teilnahme beredten Ausdruck. BERLIN C. M Spandauer Strasse 26-32 .1 Wäsche-Ausstattungen Die Anfertigung erfolgt in eigenen Zuschneiderei- und Näherei-Sälen. Eigene Veredelung der verarbeiteten :: Bau mwoll-Stoffe :: BERLIN C. König - Strasse 11-14 Spandauet Str. 26 — 32 König-Str. 11 —14 Gegründet 1815 mm mm Wohnungs-Einrichtungen Ständige Ausstellung fertig eingerichteter Zimmer. 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