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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-01-28 · Heft 4 (28.1.1910) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 4 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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hielt. Hohenems scheint demnach stark verjudet zu sein, und dieses ist den Klerikalen ein Dorn im Auge. — Dienstag den 11'.' Januar 1910, morgens, ist Major Eduard Pick im 57. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen und wurde Donnerstag den 13. Januar, um 9 Uhr vormittags, in Anwesenheit der nächsten Angehörigen, sowie zahlreicher Freunhe .und. Verehrer des Verblichenen, auf dem Zentralsriedhofe (israelitische Abteilung) zur ewigen Nutze bestattet. Der Heimgegangene war nicht bloß durch militärische Tüchtigkeit und soldatische Tugenden ausgezeichnet, er war auch ein Mann strengen Charakters und ehrlichster Gesinnung; darum auch ein treuer Sohn des Judentums, welches ihm ein ehrendes Gedächtnis bewahrt. Feldprediger Dr. Armin Abeles hielt dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. , Luszlsnd. *** Kowno, 16/ Januar. Durch den am 12. d. M. erfolgten Tod des allgemein verehrten und beliebten Rabbiners Hirsch Rabbinowitsch ist die hiesige Gemeinde in tiefe Trauer versetzt worden. Der Dahingeschiedene/ welcher nur ein Alter von 60 Jahren erreicht hatte, erfreute sich nicht nur der Liebe seiner Glaubensgenossen/sondern auch der Achtung seiner nichtjüdischen Mitbürger. Mehr als 10 000 Leidtragende gaben dem'Verstorbenen das letzte Geleit, und die Straßen, durch welche der imposante Trauerzug sich bewegte, waren auf Befehl der Behörde hell erleuchtet worden, w ährend die Geschäfte während der Beerdiguugszeit geschlossen blieben. Durch das Ableben des Rabbiners Hirsch Rabbinowitsch hat die russische Judenheit den Verlust eines ihrer bedeutendsten Rabbiner zu beklagen, für den sie nur schwer einen Ersatz finden dürfte. Der Verstorbene, welcher nach dem Tode seines Vaters, des berühmten Rabbiners Jsaac Elchanan Spektor s. 31, dessen Amt übernommen hatte, erfreute sich infolge der großen Dienste, welche er dem Judentum geleistet hatte, eines Weltrufes. Obgleich es keine leichte Aufgabe für ihn war, ein würdiger Nachfolger seines großen Vaters zu werden, hatte Hirsch Rabbinowitsch dieses Amt doch 15 Jahre mit großem Eifer und warmer Hingabe ausgefüllt. Wegen seiner großen Gelehrsamkeit geehrt, wurde er nicht weniger wegen seiner Toleranz und seines liebewerten Wesens geschätzt. Neben den zahlreichen amtlichen Pflichten lasteten auf ihm auch solche politischen Charakters, die er mit Umsicht und großem Takt erfüllte. Im Jahre 1882, nach den - Pogromen und dem Erlaß der Jgnatieffschen Mai-Gesetze wurde von den europäischen Juden eine Agitation unternommen, die zur Gründung von Hilfs- und Abwehrkomitees in verschiedenen Ländern führte. Da der Versuch eines organisierten Wirkens in Rußland mit Gefahr verbunden war, wurde der Mittelpunkt der Organisation nach Memel verlegt und der verstorbene Rabbiner Dr. Rü l f zum Vorsitzenden ernannt. Die ganze Agitation jedoch wurde von Kowno aus bewerkstelligt, von wo auch das Material für die 3lbwehrarbeit hergeleitet wurde. Es ist nicht allgemein bekannt, daß damals fast alles durch die Hände des Rabbiners H. Rabbinowitsch, ging und zwar unter großer Gefahr seiner eigenen Person und seiner Famlie. Bei der 1894 vom Minister des Innern zusammenberufenen Rabbiner-Konferenz wurde R. einstimmig zum Präsidenten gewählt. In der Würde eines solchen war er noch bei der jüngsten Rabbiner-Konferenz in Kowno tätig und sollte auch die im künftigen März stattfindende leiten. Seine große Gelehrsamkeit, seine segensreiche Wirksamkeit zum Besten seiner Glaubensgenossen wie nicht minder die von ihm stets geübte Toleranz gegen Andersdenkende sichern ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte der russischen Judenheit, die den Namenihres entschlafenen religiösen Führers Rabbiner Hirsch Rabbinowitsch stets in Liebe und Ehrfurcht nennen wird. Von Mh und ssern. — Bei dem Krönungs- und Ordensfest haben auch folgende Glaubensgenossen Auszeichnungen erhalten: der Regierungs- und Baurat7Herr Emil Fränkel, Mitglied des Eisenbahnzentralamtes. den Roten Adlerorden 4. Klasse, BankdirektorP. MankieWitz den Kronenorden 3. Klasse, Justizrat Brh den Roten Adlerorden 4. Klasse. Ferner erhielten Stadtverordnetenvorsteher Lippmann- Wronke den Kronenorden 4. Klasse, L. Ephraim-Rudmtz, M. Drehsuß-Markich (Elsaß), Direktor Alfred Loewe-Straßburg im Elsaß und Medizmalrat Dr. Behrend-Kolberg den Roten Adlerorden 4.-Kläffe, — Wie wir erfahren, bereitet Direktor Reinhardt als Februar-Novität des Deutschen Theaters ein dreiaktiges Schauspiel „Der Schatz" von DavidP.inski vor, Auch ein zweites Stück von ihm, „Jakob der Schmied", ist von Herrn Reinhardt für das Deutsche Theater erworben worden. — Herrn Geheimen Kommerzienrat Gumpert, Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums der jüdischen Gemeinde in Brandenburg a. H., ist anläßlich seines 50 jährigen Stadtverordnetenjubiläums der Kronenorden 3. Klasse verliehen worden. — Anläßlich seines 25 jährigen Jubiläums als Vorsteher der jüdischer; Gemeinde M.-Gladbach hat Rentner Simon Fleck 10000 Mark für die Armen der Gemeinde gespendet. — In Nordbach im Schwärzwald ist der Leiter der Nöthschildschen Lungenheilstätte, Dr. Ephraim Adler, im Alter von 55 Jahren verschieden. Der Verblichene war ein edler Mensch und begeisterter Jude, dessen Andenken alle, die ihn kannten, stets in Ehren halten werden. — In Wiesbaden ist kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres der Geheime Sanitätsrat Dr. Richard Heidenheim gestorben. — Die Bibliothek der jüdischen Gemeinde in Worms hat eine wertvolle Bereicherung erfahren, indem der. Altertumsforscher Herr A. Epstein-Wien derselben ein wertvolles Manuskript, das Minhagbuch des Jnspa Schamart, das er vor Jahren für einen hohen Betrag in Amsterdam erstand, zum Geschenk gemacht hat. — Die neueste Nummer des Neichsgesetzblattes veröffentlicht eine Bekanntmachung über die Geschäftsbedingungen der Mannheimer Produktenbörse für den Zeithandel im Getreide. In dieser Bekanntmachung heißt es: „3lls Feiertage gelten die staatlich anerkannten allgemeinen Feiertage, die beiden jüdischen Neujahrstage und der Versöhnungstag: in bezug auf die Abnahmefrist jedoch nur die staatlich anerkannten allgemeinen Feiertage." — Dem Universitätsprofessor Hofrat Dr. H. M üller in Wien ist vom Kaiser Franz Joseph das Ritterkreuz des Leopold-Ordens verliehen worden. — Kultusvorsteher Emil Horner in Wien ist im Alter von 55 Jahren plötzlich gestorben. Der Verschiedene hat als Almosenier des Baron 3llbert Rothschild eine sehr ersprießliche philanthropische Tätigkeit entwickelt und hatte auch die Zlufgabe, in den Ausschüssen mehrerer bedeutender Wohltätigkeitsanstalten das Haus Rothschild zu vertreten. — Der König von Dänemark hat Herrn Hermann Trier aus Kopenhagen zum Mitglied des Oberhauses ernannt. Herr Gustav Philipsen aus Kopenhagen soll für einen wichtigen Posten in Vorschlag gebracht worden sein. — In Paris starb im 88. Lebensjahre Herr W. S. Selig mann, der Chef des bekannten Bankhauses gleichen Namens. — Unter den Bestimmungen,.die für die Wahlen in England gelten, befindet sich auch eine, die uns Juden angeht. Der Vorsitzende des Wahlbureaus ist nämlich ermächtigt, für jüdische Wähler den Stimmzettel auszufüllen, wenn die Wahl an einem Sonnabend stattfindet, an dem viele strenggläubige Juden sich jedes Schreibens enthalten. —, Aus London kommt die Nachricht von dem plötzlich erfolgten Ableben des Rabbiners Leb Schapiro. ' 1835 in Kowno geboren, genoß der Verblichene seine Ausbildung auf der Jeschiba . in Wolozin. Als Rabbiner wirkte er in Plungian in Rußland und in Königsberg als Nachfolger des berühmten Rabbi Malbim. 1885 folgte er einem Ruf der russisch-jüdischen Gemeinde nach Amsterdam. — In Alexandrow bei Lodz ist R. Jerachmiel Danziger,. einer der hervorragendsten Chassidim- Rabbis, dessen Anhang sich auch auf Galizien und Ungarn erstreckt, im Alter vom 58 Jahren verschieden. — Als unlängst aus Irkutsk die Juden vertrieben wurden, da gab ein Clown dem dortigen Zirkuspublikum folgendes Bonmot zum besten: „Was ist denn für ein Unterschied zwischen den Juden und einer Kuh?" fragte er. Dann gab er selbst daraus folgende Antwort: „Die Kuh treibt man zuerst hinaus, dann melkt man sie. Die Juden dagegen melkt man zuerst, dann treibt man sie hinaus." —. Im Alter von 83 Jahren ist in New Bork Herr Julius Bien verschieden. Der Verblichene ist aus Naunrburg in Hessen-Kassel gebürtig und als langjähriger Präsident der Bens Vrith-Loge bekannt. Als Direktor des-jüdischen Waisenhauses in New Aork und Mitbegründer des jüdischen technischen Institutes daselbst hat er sich neben seiner Verdienste um die Allgemeinheit besonders große Verdienste um die Förderung des Hand' fertigkeitsunterrichts unter den Juden erworben. Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastr. S8.

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