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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-01-14 · Heft 2 (14.1.1910) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 die Männer-Chewra mit 613, der Frauenverein für Krankenpflege und Beerdigung mit 530 Mitgliedern die größten sind, haben im verflossenen Jahre nicht weniger als 128 819.33 Mark, an Unterstützungen verausgabt. Das'Vermögen der 15 Wohltätigkeitsinstitute der Gemeinde beläuft sich auf 1 600 690 Mark, die Jahresbeiträge der Mitglieder auf rund 33 860 Mark. Von besonderem Interesse dürfte sein, daß auch im vergangenen Jahre von allen Institutionen der „Hilfsverein für kranke russische Israeliten"/ die höchste Summe an Unterstützungen, nämlich rund 27 500 Mark geleistet hat. Man gewinnt aus der Uebersicht die erfreuliche Ueberzeugung, daß das gute jüdische Herz hier besonders warm für die Armen und hilfsbedürftigen Glaubensgenossen schlägt. *»* Kolberg, 9. Januar. In Nr. 1 Ihrer geschätzten Zeitschrift vom 7. d. M. bringt der Gemeindebote unter „Kolberg" eine meine Person betreffende unrichtige Nachricht, zu deren Berichtigung ich mich gezwungen sehe. Ich habe zurzeit keineswegs, wie Ihr schlecht unterrichteter Korrespondent bemerkt, die Absicht, aus Altersrücksichten mein Amt als Mitglied des Vorstandes des Jüdischen Kurhospitals niederzulegen, sondern gedenke, solange meine Kraft es mir gestattet, an dessen Verwaltung m. G. H. vorläufig nach wie vor mitzuarbeiten. Ferner, ist Herr Landrabbiner Dr. Baron zu Hoppstädten a. d. N. nicht zu meinem „Nachfolger" gewählt, sondern vorerst als „stellvertretender Schriftführer" im Vorstande für einige Zeit angestellt, für später aber als „Direktor" dieser Anstalt in Aussicht genommen. Schließlich mag auch nicht unerwähnt bleiben, daß das Jüdische Kurhospital in Kolberg nicht über „zwei Dezennien" besteht, sondern, wie sein soeben erschienener neuester Jahresbericht ausweist, mit dem Jahresschluß das fünfunddreißigste Lebensjahr seiner segensreichen Wirksamkeit vollendet hat. Dr. Goldschmidt. — Die in der vorigen Nummer veröffentlichte Korrespondenz „Kolberg" ist uns von sonst glaubwürdiger Seite zugegangen. Um so mehr freuen wir uns, daß deren Inhalt nicht ganz den Tatsachen entspricht und wünschen, daß es Herrn Rabbiner Dr. Goldschmiot vergönnt sein möge, noch viele Jahre an der Verwaltung dieser segenspendenden Anstalt in ungeschwächter Kraft Mitwirken zu können. Die Redaktion. *** Kiek, 5. Januar. Einen imposanten Abschluß der Ecke Goethe- und Humboldtstraße bildet die neue Synagoge der jüdischen Gemeinde. In weniger als Jahresfrist erbaut, macht das Gebäude in seinen ernsten, eindrucksvollen Formen sowohl dem Erbauer, Architekt Theede, als auch der Kieler jüdischen Gemeinde, alle Ehre. Der Einladung zur Einweihungsfeier, welche am 2. d. M. stattfänd, waren zahlreiche angesehene Bürger unserer Stadt gefolgt. Die städtischen Kollegien waren durch Oberbürgermeister Dr. Fuß, den stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Döring, sowie mehrere Stadträte und. Stadtverordnete vertreten. In dem rechts vom Hauptportal gelegenen Gemeindezimmer versammelten sich die Geladenen, unter denen sich auch zahlreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinden unserer Provinz befanden. Herr Architekt Theede überreichte mit einer Ansprache dem Vorsitzenden des Bauausschusses, Dr. med. Ja cob, den Schlüssel, welchen dieser nach Worten herzlichen Dankes an alle diejenigen, die zum vollendeten Werke mitgeholfen hatten, dem Rabbiner Dr. Cohn überreichte. Unter Chorgesang wurden dann die Thorarollen hereingebracht und in den heiligen Schrein gestellt. Der wertvolle Vorhang ist ein Geschenk des jüdischen Frauenvereins. Nach dem Anzünden der ewigen Lampe und erneutem Chorgesang betrat der Rabbiner die Kanzel, um in einer gedankenreichen Weihepredigt die Bedeutung des Tages zu feiern. „Ueber dem Gemeindezimmer und dem Schulzimmer baue sich der Kultusraum auf, so stehe auch über dem Weltlichen das Göttliche, beides in enger Verbindung miteinander. Die jüdische Religion sei nicht weltflüchtig, sondern stehe in engster Fühlung mit dem Leben. Mit der Vollendung des Baues sei ein Ruhepunkt eingetreten, aber jetzt gelte es, weiterzustreben im Geiste Gottes, in Wahrhaftigkeit und Nächstenliebe." Möge der Kieler jüdischen Gemeinde in ihrem neuen Gotteshaus allezeit eine Stätte der Erbauung, des geistigen Weiterstrebens und des Friedens beschieden sein. Von Mh und Fern. — Hermann Burchard, der im Pemen ermordete Forschungsreisende, war am 18. November 1857 in Berlin geboren. Nach kurzer kaufmännischer Beschäftigung in Amerika ergriff ihn die Reiselust; er reiste lediglich als Privatmann, wobei ihm zustatten kam, daß er die Sprachen, die für seine Reisen in Betracht kamen, beherrschte. Viele Photographien, die er in entlegenen Gegenden von Land und Leuten aufgenommen hat, liegen im Orientalischen Seminar. — Der Führer der Konservativen im äußersten Ostelbien, Justizrat Meyer, hat dieser Tage in Tilsit einen Vortrag über das konservative Parteiprogramm gehalten und dabei den antisemitischen Einschlag im Tivoli-Programm als absolet, nicht aber zeitgemäß, bezeichnet. „Der Passus", so meinte er. „im ersten Abschnitt von der Bekämpfung des jüdischen Einflusses handelnd, ist nur in der Aufgeregtheit jener Zeit entstanden, er richtet sich nur gegen den gehässigen Ton eines Teiles der damaligen Presse". — Wie auS Wir ballen mitgeteilt wird, sind am 22. Dezember v. I. auf sämtlichen preußischen Kontroll-Stationen das „Bad" und die Desinfektion für Emigranten abgeschafft worden. Nur die medizinischen Untersuchungen sind geblieben: — Der Königliche Kreisbauinspektor Bernstein in Gleiwitz erhielt den Roten Adlerorden IV. Klasse, Klempnermeifter Nathan Adler das Kreuz des allgemeinen Ehrenzeichens. — Am 6. d. Mts. erfolgte in Ratib or die Grüudung eines jüdischen Jugendbundes. In der hierzu einberufenen Versammlung hielt Rabbiner Dr. Dienemann ein Referat über „Zweck und Notwendigkeit eines jüdischen Jugendbundes". Nachdem sich 35 Mitglieder in die Beitrittsliste eingezeichnet hatten, fand die Konstituierung statt. Den Mitgliedern des Jugendbundes stehen dank dem Entgegenkommen der Friedensloge des U. O. B. B. zu ihren Zusammenkünften die Logenräume zur Verfügung. — Der Stadtverordnetenvorsteher, Fabrikbesitzer Assessor Dr. Levy in Hohensalza, der in seinem militärischenVerhältnis bisherOberleutnant meinem bayerischen Regiment war, ist zum Rittmeister befördert worden. Herr Dr. Levy ist übrigens auch Provinzial-Landtagsabgeordneter und Mitglied der Bromberger Handelskammer. Man sieht, es geht — nur nicht — in Preußen! — Das Anhaltische Staatsministerium hat die Einführung des katholischen und israelitischen Religionsunterrichts als obligatorischen Lehrgegenstand an den höheren Schulen von Ostern 1910 an verfügt. — In Frankfurt a. M. ist Herr Hermann Lehmann im Alter von 79 Jahren gestorben. Der Verblichene war ein edler Mensch und ein wahrhaft frommer Jude, dessen Leben im Dienste der Armen und. Bedrückten stand. Ehre seinem Andenken! — Landgerichtsdirektor Levi in Straßburg i. E. erhielt den Charakter als Geheimer Justizrat. — Den Verdienstorden vorn hl. Michael IV. Klasse erhielten: Kommerzienrat Heinrich Landauer in Augsburg, Staatsanwalt beim Obersten Landesgericht Eduard Silbermann in München, Regierungsrat Gottlieb Gumprich in Regensbürg. Anläßlich der diesmaligen Neujahrsauszeichnungen erhielten den Titel Hofrat Dr. Joseph Freudenberger, Augenarzt Dr. Karl Hirschberger und Dr. Karl. Oppenheimer, .sämtlich in München. — Dem Eisenbahnunglück bei Uhersko fielen, wie die „Prager Selbstwehr" berichtet, auch vier Juden zum Opfer: Frau Emilie Kantor und deren Gatte Leo Kantor; schwer verletzt wurden Frau Ernestine Ornstein und Tochter Klara und Herr Siegmund Bergmann, das langjährige Ausschußmitglied des Prager Jüdischen Volksvereins. — Herrn Kohnberger in Prag hat der deutsche Kaiser für.die.seinerzeit unter eigener Lebensgefahr unternommene Rettung eines Berliner Bankiers auf Sylt-Westerland das goldene Verdienstkreuz verliehen. — Zum Direktor des städtischen Museums für Kunst und Geschichte in Triest wurde die Baronesse Nina de Marpurgo ernannt. — Aus Paris kommt die Nachricht, daß anläßlich des Austrittes aus dem aktiven Dienste der General Justin Dennery und der Artilleriehauptmann Samuel Mayer zu Befehlshabern der Ehrenlegion ernannt worden sind. Unter den jüngst zu Rittern der Ehrenlegion beförderten Herren befindet sich auch der hervorragende Sanskrit-Lehrer Professor Shlvain Levi. Letzterer ist auch.Mitglied des Zentralkomitees der chllianee Israelite Universelle und Vizepräsident der Zadoc Kahn- Gesellschäst in Paris. — Herr Dr. Eis en stad t aus Rostow am Don, ein ehemaliger Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, ist zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Petersburg gewählt worden. Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastr. 88.

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