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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-12-03 · Heft 49 (3.12.1909) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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73. Jahrgang. Nr. 49. Berlin, 3. Dezember 1909. Gin unparteiisches Oxgan für alles jüdische Interesse. ntP i ' . - Begründet von Rabbiner D* LudwigPhilixpson. Verlags-Expedition: Berlin, Jerusalemer Str. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und' Expedition sind an die Adresse Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Siraße HK/4Y. zu richten. Verlag von Rudolf Messe,' Rerlin. Diese. Zeitung erscheint wöchentlich. A bonnemen ts-Preis: durch Buchhandel oder Post (in Berlin ü. Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. Lhefredakteur: Ludwig Geiger. Tlnl^^tlr Zur Frauenfrage. — Die Woche. — Zur Erinnerung an *)Ilijull« David 'Einhorn. — Die' jüdische Bevölkerung in Elsaß- Lothringen (1871 bis 1900). Von Ernst Wallerstein-Straßburg. — Rechts- und Kulturhistorisches über die Lage der Inden im ehemaligen Hochstift Münster zu Ende des Siebenjährigen Krieges. Von Gerichtsassessor Dr. Leeser-Dülmen. — Mein Lebenskampf.'Von.Pros. Vainbery. Uebe'rsetzt' von B.-Tuch älskh. — Feuillet on: Eindrücke aus Galizien! Von Dr. Theodor Lessing.— Büchereinlauf. Der Gemeindebote (Beilage zur „AllgemeinenZeitung des Judentums"): Berlin. Danzig, Bromberg, Posen, Breslau, Hamburg, Iserlohn, Steele, Kassel, Hannover, Frankfurt a. M., Wien, New York. — Von Nah und Fern. Lur Iüsuenkrsge. Berlin, 30. November. II. eben der Schule steht die Synagoge. Nach alter Sitte sind die Frauenabteilungen von denen der Männer getrennt; wollte ich einer Vereinigung beider Geschlechter das Wort reden, so würde ich in religiöse Differenzen eingreisen, die ich in diesen Betrachtungen zu vermeiden gedenke. Aber ist es denn nicht möglich, Frauen auch in Synagogen tätig sein zu lassen? Man verstehe mich recht: ich will weder von einer größeren Heranziehung der Damen zum Chor sprechen, noch fällt es mir ein, die Frage zu diskutieren, ob sich Frauen etwa dazu eignen,, als Kantoren oder Prediger tätig zu sein; noch viel weniger rede ich von Neinmachesrauen und bin gewiß nicht prüde genug, um weibliche Synagogendiener für die Frauenabteilungen zu verlangen, obgleich eine solche Einrichtung, zumal an den hohen Feiertagen gar nicht so übel wäre. Vielmehr handelt es sich, wenigstens bei der Synagoge, nur um den Ehrendienst, also um die unbezahlte Tätigkeit der Frauen in der Gemeinde. Und hier wage ich. es geradezu, die Frage auszustellen: Wäre eine Institution, die man der Kürze halber als die, einer Synagogenvorfteherin zu bezeichnen Hätte, so ganz unnötig? Gewiß ihre Tätigkeit wäre eine be-z, schränktere als die ihrer männlichen Kollegen. . Sie? brauchten nicht wie jene Ehren zu verteilen, sie hätten nicht auf Jnnehaltung der Gebetordnung zu sehen und manches andere. Aber wäre es nicht vorteilhaft, wenn als Vorgesetzte der Synagogendiener eine feine Dame ihres Amtes waltete? Wenn eine solche Frau vorhanden wäre, die als Oberaufseherin zu fungieren, kleine Streitfälle zu entscheiden hätte und ähnliches, hätte sie'nicht mannigfache Gelegenhelt, Gutes zu wirken? Wäre es nicht willkommen, wenn eine solche weibliche Vertreterin den Synagogenvorständen Wünsche und Beschwerden über Akustik und Raummangel, Anschauungen der Frauen in bezug auf Gesänge und Gebete, vielleicht auch Urteile über die Predigten vortragen könnte? Die Frauen sind mituntertreuere Synagogenbesucher als ' die Männer; sollte man nicht daran gehen, den Treuesten der Treuen eine Ehre zu erweisen? Und selbst wenn solchen Damen nicht eine ganz bestimmte Tätigkeit zugewiesen werde, könnte man nicht durch derartige Stellen bei manchen den Ehrgeiz erwecken, viele zum fleißigeren Besuche anregen? Hl- Bisher ist meist von dem freiwilligen, unbezahlten Dienst gesprochen, den Frauen üben können und gern üben wollen. Die Frauenfrage ist aber in erster Linie eine Erwerbsfrage. Warum wird io darf man wohl fragen, seitens 'der Gemeinde — ich spreche hier zunächst von Berlin, möchte aber glauben, daß es in anderen Gemeinden nicht viel anders ist — nicht der Versuch gemacht, mehr als bisher weibliche Angestellte zu verwenden? Wir haben, wie bereits erwähnt, jüdische Lehrerinnen an der Mädchenschule und an berT Religionsschulen; sollte man es nicht mit Frauen als'. Beamtinnen in der Verwaltung versuchen? In den' meisten größeren Geschäften, bei unseren ersten Aerzten,. in sehr vielen Rechtsanwaltsbureaus' gibt es Schreiberinnew untergeordneter und höherer Art,' Bureauvorsteherinnen Und' dergleichen. Sie sind geschätzt und beliebt, nicht etwa Nür der geringeren Bezahlung wegen, sondern weil sie, wenigstens' mitunter, intelligenter, sauberer und fähiger sind als .hie Männer. Das Zusammenarbeiten von männlichen und weib-' lichen Hilfskräften, das gewiß manche Unannehmlichkeiten mit sich bringt oder bringen kann, wirkt in' großenJ Betrieben, soweit man dies bis jetzt Nachweisen kann, nicht entsittlichend/' so lange nicht wirklich schlechte Elemente vorhanden sind. .Ich" glaube daher, daß es durchaus angemessen wäre', in unseren Bureaus, gerade bei Schreibmaschinen oder bei stenographischen. Aufnahmen, die, je weiter, sich der Geschäftskreis der Gemeinde, ausdehnt, absolut unerläßliche sind, Damen zu beschäftigen. . . Wenn man aber .etwa aus übertriebenen Bedenken ein. - solches Zusammenarbeiten von Männern und Frauen? m? unseren Bureaus nicht für ersprießlich halten sollte, so gibt es sicherlich Berufe, in denen Frauen wirken können. Nur aus einen soll im nachstehenden hingewiesen werden. Die Universitätsinstitute sind seit einiger Zeit den Frauen geöffnet; es gibt z. B. in Anatomien, in den großen natür-' wissenschaftlichen.Instituten Damen,, die. sich trefflich bewähren. Ein Beruf ist bei Frauen besonders beliebt: der der Bibliothekarin. Es gibt geradezu Schulen für junge Mädchen, in denen sie sich zur Arbeit an den Bibliotheken vorbereiten. Bei unseren jüdischen Mädchen wirk das Studium der Literatur, Geschichte-, Kunstgeschichte bevorzugt. Damit läßt - sich leicht - die Vorbereitung zum Bibliothekariat verbinden. Der jüdischen Gemeindebibliothek zu Berlin wird über kurz oderlang - die Wolssche SaMüikuflg'

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