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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-11-26 · Heft 48 (26.11.1909) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Mr. Gaynor an die Deputation richtete, bemerkke er unter anderem: „Ich finde kaum Worte, der großen Freude Ausdruck zu geben, die mir Ihr Besuch bereitet hat, in dem ich ein Zeichen außergewöhnlicher Freundschaft erblicke. Sie find die Kinder einer Rasse und einer Volksfamilie, Heren Ursprung am Anfang der Geschichte in jener Grenzlinie liegt, wo die Legende aufhört und die Geschichte beginnt. Sie gehören einer Rasse und einer Volksfamilie an. die in königlichen Palästen gestanden hat, zu einer Zeit, da die Sachsen und Kelten, vielleicht auch Römer noch nackt durch die Wälder streiften und in Höhlen wohnten. Das Christentum hat allen Grund, stolz zu fein, aber es bleibt stets eingedenk, daß es Ihre heiligen Schriften gänzlich übernommen und sich angeeignet hat — natürlich mit Ihrem vollständigen ^Einverständnisse. Das Neue Testament, das darauf kam, ist gänzlich oder fast gänzlich — denn es kann hierüber Meinungsverschiedenheiten geben — von Menschen Ihrer Rasse verfaßt worden. Die gartze Welt hat Ihnen viel zu danken. Zunächst in der Religion, deck Glaubest an einen einzigen, wahren Gott, von dem Sie niemals» abwichen. Sie dankt -Ihnen auch viel auf dem Gebiete der Wissenschaft, Musik, Literatur und Staatskunst und alles dessen, wovon die Aufklärung, das Glück, die Zivilisation unserer Zeit abhängt. Die Christen hatten niemals wahre Gründe, Sie zu hassen. Der Haß entstand aus Böswilligkeit, entstand in Zeiten der Finsternis, der großen Mißverständnisse. Dieser Haß kann sich heute nur noch bei jenen Völkern halten, die noch in Unwissenheit verharren, die auf einer niedern Kulturstufe stehen als die übrigen und die noch der Einwirkung der wahren Zivilisation bedürfen, um von diesem Hasse befreit zu werden." Gaynor versprach schließlich, der Mayor aller Bürger zu sein und dafür zu sorgen, daß diejenigen Juden, die den Sabbat feiern, nicht gezwungen sein sollen, auch um Sonntag zu ruhen. -- Durch das Ableben des Deputy-Großmeisters vom Orden B'nai Brith Salomon Apfel ist die deutsche Judenschaft New Yorks in große Trauer versetzt worden. In Lemberg im Jahre 1844 geboren, studierte er an der Universität seiner Heimatstadt Medizin und erwarb sich dort den Doktortitel, trat dann als Militärarzt zum türkischen Heer über und wurde Leibarzt Osman Paschas, und übersiedelte nach dem türkisch-russischen Kriege nach Amerika. In New York auf der unteren Ostseite der bevorzugten Wohngegend der deutschen und russischen Judenschaft, angesiedelt, trat Dr. Apfel in -warmherzigster Weise für die wirtschaftliche und kulturelle Hebung seiner Glaubensgenossen ein und. unternahm einen besonders energischen Kampf gegen das mörderische Schwitzbuden-System, das auf der unteren Ostseite jahrzehntelang aufs verderblichste ausgebreitet war. In dieser Hinsicht begegnete er sich mit den gleichartigen Bestrebungen Roosevelts, der seine Erfahrungen und Ratschläge gern zu gesetzgeberischen Anträgen benützte und ihn auf einem für die deutsche Judenheit Amerikas ewig denkwürdigen Festmahl in „Little Hüngari" auch in öffentlicher Rede für sein philanthropisches Wirken auszeichnete. Auch in politischer Beziehung hat er in den letzten zwei Jahrzehnten auf der unteren Ostseite eine Rolle gespielt. Rach vierjähriger Krankheit hat nun der Tod den allbeliebten Menschenfreund dahingerafft. Von Sah und Fern. Im dritten Quartal dieses Jahres hat eine große Anzahl von milden Stiftungen die Genehmigung des Kaisers gefunden, u. a. die Zuwendung des Sanitätsrats Dr. Peltasohn und seiner Frau im Betrage von 10 000 Mark an das Krankenhaus derHüdischen Gemeinde zur Errichtung einer Freibettstistung. die den Namen „Martha Kahn geborene Peltasohn-Stiftung" führen soll; ferner die Zuwendung des verstorbenen vr. pdil. Wilhelm Freiherrn v. Landau im Betrage von 10 000 Mark für die jüdische Gemeinde zu wohltätigen Zwecken. — Die hiesige Montefiore-Loge feierte am 21. d. M. das Jubelfest ihres 25 jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß tritt eine zirka 58 000 Mark betragende Stiftung für erwerbsunfähig gewordene Mitglieder ins Leben, deren Zustandekommen den Bemühungen des Herrn Edmund Lissa zu danken ist. — Herrn Geheimen Kommerzienrat Wilhelm Kopetzky ist der Kronenorden III. Klasse. Herrn Dr. Ernst Strehlitz der Charakter als Sanitätsrat verliehen worden. — Dr. Eugen Jacob Reifs er. Professor der Nationalökonomie an der Berliner Universität, ist in Kanadas wo er im Aufträge der deutschen Regierung zu Studienzwecken sich aüfhielt, kaum 42 Jahre alt, an Typhus gestorben. Vor seinem Tode verlangte er, am jüdischen Friedhof bestattet zu werden. — Aus Kottbus wird uns geschrieben: In der heute beendeten Stadtverordnetenwahl wurden wiedergewählt die verdienten Vorsteher der hiesigen Gemeinde, die Herren Bankier W. Löwenstein und Kommerzienrat M. Grünebaum; neugewählt ist Herr Justizrat Hammerschmidt, der Kandidat der Liberalen bei der letzten Wahl zum Abgeordnetenhaus. Die aus Anlaß des 50 jährigen Bestehens der Synagogengemeinde veranstaltete Sammlung im Betrage von 4500 Mark ist zu einer Stiftung bestimmt worden, aus der hiesige Gemeindemitglieder zinslose Dahrlehn bis zu einer Höhe von 200 Mark erhalten sollen. — Der Bankdirektor Dr. jur. Wilhelm Wolfs und der Kommerzienrat Naphtaly Hamburger in Posen sind zu Handelsrichtern, die Kaufleute Leo Berlak und Alfred Pinn zu stellvertretenden Handelsrichtern beim dortigen Landgericht ernannt worden. — Die Kaufmann Joseph und Rosalie Rath eschen Eheleute in Meseritz feierten im Alter von 91 bezw. 74 Jahren ihre goldene Hochzeit. Die ihnen aus diesem Anlaß verliehene Ehejubiläumsmedaille wurde ihnen durch den Bürgermeister Krueger ausgehändigt. — Das Ehepaar David und Henriette Moos in Frankfurt a. M. beging am 19. d. M. in bester Gesundheit das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar, seit 1836 Abonnent der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", ist 94, die Jubilarin 84 Jahre alt. Möge Gottes Segen sie auch ferner geleiten. — Die 162. Lieferung der „Schweizerischen Statistik", enthält auch genaue Angaben über die Zahl der Juden in der Schweiz. Danach stieg diese Zahl von 8069 im Jahre 1888 auf 12 264 im Jahre 1900. Diese Zunahme verteilt sich auf fast alle Kantone. Zu den Ausnahmen hiervon -gehört auch der Kanton Aargau, in dem bekanntlich zwei jüdische Bürgergemeinden in Neu-Lengnau und Neu-Endingen existieren, die zum Bezirk Zürich gehören. In diesem Bezirk sank die Zahl der Juden von 1515 im Jahre 1850 aus 598 im Jahre 1900. In diesem Jahre wohnten 9259 Juden, also etwa 75 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung, in den 19 größeren Städten des Landes. — Herr Alexander Schorr in Wien hat dem „Galizischen Hilfsverein" in Wien vierprozentige Ungarische Kronenrente im Nominalwerte von 18 000 Kronen mit der Bestimmung übergeben, daß dieses Kapital als Anlagekapital einer von diesem Verein zu gründenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft (Vor'chußkassa) in einem Orte Galiziens verwendet werde. — Die allgemeine Kommission für die Verwaltung der Stadt Petersburg beschloß, Juden als Magistratsbeamte zu. zulassen, jedoch nur in demselben Verhältnisse als Juden in der Stadtduma vertreten sind. Außerdem wurde beschlossen, daß Juden nicht die Stelle eines Magistratssekretärs bekleiden dürfen.' — Wie aus Konstantinopel berichtet wird, mehren sich in; jüngster Zeit die Fälle von Uebertritten jüdischer Mädchen zum Mohammedanismus. Besonders häufig kommen diese bedauerlichen Fälle in der Provinz vor. So erregte erst kürzlich ein Fall in Gumuldjina großes Aergernis. Ein jüdisches Mädchen, Namens Rachel Salisse, schwur ihren Glauben ab, um zum großen Kummer ihrer Angehörigen einen mohammedanischen Zigeuner zu heiraten. — In nächster Zeit werden durch jüdische Munifizenz zwei Institute zur Erforschung der Krebskrankheit erstehen, eines in London für das der südafrikanische Multimillionär Barnato 2^ Millionen hinterließ und eines in Chicago aus dem 250 000 Dollars betragenden Legate der infolge eines Automobilunfalles in Paris verstorbenen Millionärin Nelson-Morris und aus einer weiteren großen Spende deren Erben. — Am 4. November wurde in Johannisburg Herr Harry Graumann, ein begeisterter Jude, zum Bürgermeister gewählt. 1867 in London geboren, war er lange Jahre hindurch Mitglied des Stadtrats und hat sich in dieser Eigenschaft tüchtige Fähigkeiten auf dem Gebiete der Stadtverwaltung angeeignet. Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastr. 88. I y

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