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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-11-05 · Heft 45 (5.11.1909) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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sich nicht eignet, eS wurde baher in beiderseitigem Einvernehmen der gestrige Vormittag und als Schauplatz die Stätte der langjährigen höchst erfolgreichen Tätigkeit Osers gewählt: das Vestibül des Rothschild-Spitales, in welchem Hofrat Os er als Primarius fungiert. Hier fanden sich vor der für 11 Ahr anberaumten Stunde der Begrüßung ein: Statthalter Gras Kielmansegg, die Barone Albert Rothschild mit Sohn Alphons und Gustav Springer, vom Vorstande der Kultusgemeinde Präsident Dr. Alfret Stern mit dem Vizepräses Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, den Vorstandsmitgliedern Max Frank. Emil Horner, Em. Hoffmann, Wilh. Kuffner, Hofrat Dr. Rappaport, Dr. Samuely, Dr. Markus Spitzer, S. Steiner und Baurat Stiaßny; von der medizinischen Fakultät die hervorragendsten Koryphäen, die Vorsteher der Armenanstalt Josef Jelinek und M. A. Pollak, die Damen Jda Diamant, Adele Strauß (Witwe des bekannten Walzerkönigs), ferner. Schriftsteller Chiavacai und andere mehr. Der Jubilar, der in-Begleitung seiner Gattin erschien, wurde vom Festkomitee zu seinem Ehrenplätze geleitet, worauf die Feier ihren Anfang nahm. Als erster Gratulant trat Präsident Dr. Stern vor, der Hofrat Oser namens der Kultusgemeinde beglückwünschte. Er erwähnte, daß unter des letzteren Leitung das Rothschildspital als mustergültiges Krankenhaus betrachtet wird und es lediglich das Verdienst des Jubilars sei, daß Wien anderen Städten vorausgeht. Dr. Stern besprach weiter die ausgezeichneten Heilerfolge des durch mehr als drei Dezennien diesem Spitale vorstehenden Klinikers und erklärte, der Kultusvorstand habe den Beschluß gefaßt, aus Anlaß des Festes zwei Bettstiftungen auf den Namen Leopold Oser zu errichten. Nun folgte der Hausherr, Albert Freiherr v. Rothschild, der dem Jubilar sein von der Meisterhand Hör Witz' herrührendes trefflich gelungenes Bild überreichte. Statthalter Graf Kielmansegg beglückwünschte in seiner Eigenschaft als Chef der politischen Behörde des Kronlandes Oesterreich unter der Enns den Jubilar, der seit 30 Jahren hervorragend tätiges Mitglied des niederösterreichischen Landessanitätsrates, seit 6 Jahren der Vorsitzende dieser Körperschaft ist. Er erwähnte des Umstandes, daß Hofrat Oser nicht nur die Bestrebungen der Förderung der Gesundheit bei erkrankten Individuen habe, sondern immer sein Hauptaugenmerk dahin richte, Krankheiten überhaupt abzuwenden. Der Vorstand der gynäkologischen Abteilung des Rothschildspitales. Professor Dr. Zuckerkandl, gratulierte quasi als direkter Kollege und machte Mitteilung über eine durch ihn als Arrangeur der Feier und Obmann des Festkomitees eingeleitete Sammlung, die den namhaften Betrag von 20000 Kronen ergab und die nach den erbetenen Anordnungen durch den Jubilar den Namen Leopold Oser-Stiftung für immerwährende Zeiten tragen soll. Nun folgten die Vertreter der medizinischen Wissenschaft: die Professoren Dekan Kolisko, Chrobak, v. Reuß, Svetlin für die alma mater viennensis, Poliklinik, für das medizinische Doktorenkollegium usw. Professor Fleischmann gratulierte namens des Kaiserin- Elisabethspitals und Direktor Dr. Koran hi mit dem Sekundararzt Dr. Katz vom Rothschildspital überbrachten die besten Wünsche der hier amtierenden Aerzte in einer prachtvoll ausgestatteten Adresse. Tiefen Eindruck auf die illustre Gesellschaft machten die herzlichen Worte der Pstegerinnen und Wärterinnen des Krankenhauses, welche dem gefeierten Primarius auch einen herrlichen Lorbeerkranz mit roter Schleife überreichten, auf welcher die Domestiken ihre Gefühle zum Ausdruck brachten. Als letzter Gratulant kam der Sekretär der . Kultusgemeinde, Kaiserlicher Rat Dr. Lieben, der Hofrat Oser namens der Beamtenschaft beglückwünschte. Der Jubilar antwortete in zumeist humoristischer Weise auf jede einzelne an ihn gerichtete Ansprache, und mit einem, an alle Anwesenden gerichteten Danke schloß Hofrat Oser die schöne würdige und höchst wirkungsvolle Feier, die einem der tüchtigsten Kliniker und herzensguten Menschen galt! Von Mh und fern. — Der bekannte Altphilologe Professor Dr. Hermann Dessau beging das 25jährige Jubiläum als Dozent an der Berliner Universität. — Dem Handelsrichter Herrn Robert Kerb ist der Rote Adlerorden 4.. Klaffe verliehen worden. — Herrn H einrich Loewy, dem Inhaber des Spezialetablissements für Bandagen und Orthopädie, Dorotheenstraße 92/93, ist das Prädikat eines Königlichen Hoflieferanten verliehen worden. — In der letzten Stadtverordnetenversammlung in Potsdam wurde die Aufhebung des Schächtverbotes im städtischen Schlacht- und Viehhause beschlossen. — Dem dirigierenden Arzt der inneren Abteilung des städtischen Krankenhauses zu Posen, Sanitätsrat Tr. Ko rach, ist laut „Reichs-Anz." der Titel Professor beigelegt worden. — Bankdirektor Max Fröhlich in Kattowitz ist zum Kommissionsrat ernannt worden. — Am 31. Oktober beging Herr Rabbiner Dr. Münz in Gleiwitz das 25 jährige Amtsjubiläum. — Die Stadt Lüneburg hat zu Ehren des im Dezember v. I. im 90. Lebensjahre verstorbenen Shnagogenvorstehers Marcus Heinemann eine Straße „Marcus Heinemann-Straße" benannt. — Dem ersten'Vorsteher der Essener Synagogengemeinde Herrn Kommerzienrat Js. Hirschland würde aus Anlaß der Einweihung des neuen städtischen Krankenhauses der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. — Die Synagogengemeinde Dortmund wählte an Stelle des verstorbenen Kaufmanns Herrn Siegfried Freund Herrn Bankier Siegfried Stern zu ihrem Vorsteher — Herr C. Lichtenstein in Neuwied erhielt von der Königin von Rumänien ihr Bildnis mit eigenhändiger Widmung. Herr Lichtenstein hat sich um die Blindenanstalt in Bukarest sehr verdient gemacht.— In Frankfurt a. M. ist am 30. v. M. der Begründer der „Frankfurter Zeitung" Leopold Sonnemann gestorben. Der Verblichene war am 29. Okt. 1831 in Höchberg in Unterfranken geboren. Er gründete 1856 die „Frankfurter Zeitung" und ist seit 1867 deren alleiniger Eigentümer gewesen. 1871 bis 1876 und 1878 bis 1884 gehörte er auch dem Reichstage als Mitglied und Mitbegründer der deutschen Volkspartei an. — Aus Anlaß des Geburtsfestes der Kaiserin wurde unter anderen bayerischen Staatsangehörigen die Rote Kreuzmedaille 2. Klasse verliehen an Kommerzienrat, Rentier Moritz Kirchdörser-München; die Rote Kreuzmedaille 3. Klasse erhielten Rentier David Hofmann-Kaiserslautern und Freifrau Mathilde v.Hirs ch- München.—Durch den Tod des bekannten Juristen ProfefforHilty haben die SchweizerJuden einen ihrer edelsten Gönner verloren. Als vor 16 Jahren der Tierschutzverein alle Hebel in Bewegung setzte, um das Verbot der Schechita in der Schweiz durchzuführen, trat er als warmer Verteidiger des Schächtens auf und führte die Ursache der Bewegung weniger auf den Tierschutz als auf antisemitische Propaganda zurück. Dem Dank unserer Glaubensgenossen entzog sich der edle Mann mit den. Worten: „Ich werde durch den Gott Israels belohnt werden und nicht durch die Kinder Israels". — Wie Wiener Blätter melden, hat die Fürstin Metternich-Sandor die Anregung gegeben, das Andenken an Adolf Ritter v. Sonnenthal durch die öffentliche Aufstellung einer Büste zu ehren. Nach dem Vorschläge der Fürstin soll die im Besitze der Familie Sonnenthal befindliche Tilanersche Büste des verstorbenen Künstlers in Bronze ausgeführt und auf einem Stein- oder Marmorsockel aufgestellt werden. Die Kosten des Denkmals werden von Freunden und Verehrern des Künstlers im Subskriptionswege aufgebracht werden. — Der bekannte Archäolbge Dr. Pollak in Prag erhielt vom deutschen Kaiser den Roten Adlerorden 3. Klasse verliehen. — Der österreichische Kaiser bedachte anläßlich des 16. internationalen Medizinerkongresses in Budapest u. a. auch folgende Herren-mit Auszeichnungen: Professor Dr. Kolo man Müller, Mitglied des Herrenhauses, wurde zum Königlichen Baron ernannt. Der Titel Hofrat ist Herrn Professor Emil Groß verliehen worden. )Der Ordinarius Professor Dr. Leo Strisower wurde Extraordinarius für internationales Privatrecht an der Universität Wien. — In Antw erpen starb das bekannte Mitglied des Stadtrats Baron Adolphe v. Stein. Nachdem der Verblichene von 1856 bis 1876 Konsul des Großherzogtums Sachsen-Weimar gewesen war, bekam er 1869 auch noch die Konsularwürde für Liberia;' im Dienste dieser Republik schloß er Handelsverträge mit Belgien, England und Frankreich. — Der bekannte Maler und Bildhauer Alphonse Levy in Paris hat soeben eine neue Skulptur vollendet, die einen Chasan beim Herausheben der Thora darstellt. — Der neue Finanzminister in Dänemark Dr. Edvaro Brandes, ein Bruder von Georg Brandes, ist der erste dänische Minister jüdischer Abstammung. Er war früher Chefredakteur des Tageblattes „Politiken". Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastr. SS.

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