Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1909)
- Date
- 1909-09-03
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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ir e kommt, werden die 'Juden gewarnt, einer der streitenden Parteien Handlangerdienste zu leisten. Alle guten Ratschläge nützen nichts. Viele unserer Glaubensgenossen bekennen sich ostentativ zum Deutschtum das ja in Oesterreich antisemitischer Couleur ist — und noch' mehr als Viele werden dafür in den böhmischen Städten vonden Tschechen ostentativ verprügelt. Was den Antisemitismus .und seine brutale Betätigung betrifft, haben die österreichischen Inden weder von der deutschen noch von der tschechischen Seite über Vernachlässigung zu klagen. In der Prager „Selbstwehr" ist da so ein hübsches Beispiel: Es ist allgemein bekannt, daß in vielen Badeorten den Juden der Zutritt gänzlich verboten ist, daß sie in vielen Kurorten in ihrer Bewegungsfreiheit geschmälert oder in kleinlicher, aber bösweiliger Weise schikaniert werden. Das höchste aber in dieser Art, eine unglaubliche Roheit, einen Akt gemeinster Gesinnung leistete sich die Badeverwaltung des durch eine Ritualmordgeschichte bekannten - Badeschowitz bei Rican, durch das vielfache Anbringen der folgenden „Kundmachung": „Juden. Hunden und Deutschen ist der Eintritt verboten! . .Das Auge des Gesetzes verliert hierzulande bei solcher Aufschrift seine Sehkraft. Die tchechische Presse beginnt wieder.ihre Judenhetze; man muß nicht gerade Schwarzseher sein, um wissen zu können, daß sich die aktive Deutschenfreundschaft der Wiener Judelr gegen die in tschechischen Orten lebenden Glaubensgenossen kehren wirH. Diese kleine Badegeschichte ist ein vielversprechender Beginn. Wenn^ wieder zu einer „Lösung" der Streitigkeiten kommt, Tschechen und Deutsche sich etwas friedlicher in den Haaren liegen werden, wird der verstärkte Haß beider, wie immer, sich gegen die Juden richten. Das ist österreichisches Prinzip: der Jude ist und soll der Prügelknabe bleiben. ' Amerika. f — New Aork, 20. August. Die Herrschaft des neuen Einwanderungskommissärs William Williams auf der Einwanderungsinsel Ellis Island war in einer der letzten Sitzungen des amerikanischen Kongresses in Washington Gegenstand lebhafter, aufgeregter Debatten; Die Regierung verlangte nämlich die Bewilligung größerer Ausgaben zur Durchführung von Verbesserungen auf der Landungsinsel. Diesen Anlaß nahm Kongreßmann Bartholdi, einer der angesehensten Politiker der Vereinigten Staaten wahr, um die Vorgänge auf Ellis Island einer scharfen Kritik zu unterziehen. „Wie kommt Williams dazu, von jedem Einwanderer ausnahmslos die Vorweisung vorH 25 Dollars Bargeld zu verlangen?" fragte Kongreßmann BartholdiI „Steht das etwa im Einklänge mit den Gesetzen? Ich muß gegen dieses selbständige Vorgehen eines Beamten hier öffentlich protestieren^ Dieser Vorgang mit den 25 Dollars ist bloß ein Schwindel, eine' Praktik ins Gesetz hineinzuschmuggeln, welche die Feinde der Ein». Wanderung schon seit langem durchzuführen bestrebt sind, aber vom Kongreß immer abgelehnt wurde. Dieser Vorgang ist ebenso schädlich wie schändlich. Hätte eine solche Praxis vor Jahren bestanden, so hätten wir heute zahlreiche unserer besten Bürger, die selbst. Einwanderer oder Kinder von Einwanderern sind, zum Schaden des Landes entbehren müssen. Wir würden die Gründer unserer Nation: und die Kämpfer für unsere Freiheit heute nicht.im Lande haben." Kongreßmann Kistermann schloß sich diesem Proteste an und sagte mit gehobener Stimme: „Wäre die Tyrannei Williams vor mehreren Jahren aus Mis Island in Praxis gewesen, so wäreich selber heute nicht in Amerika, denn ich kam hierher mit viel weniger als 25 Dollars in der Tasche .. ." Die Regierung versprach schließlich, die Angelegenheit gründlich zu untersuchen und dem Kongreß zu berichten. Inzwischen ist auf Veranlassung des Präsidenten Taft die 25 Dollartaxe. abgeschafft worden. Von MH und Fern. — Prof. I. Israel ist von dem schweren Unfall, der ihn vor einiger Zeit betraf, wieder genesen und hat seine Tätigkeit wieder ausgenommen. — Prof. Dr. Jaffs, Oberlehrer am Lessinggymnasium beging am 20.-August seinen 50. Geburtstag. — Der Privatdozent an der Universität Geheimer Sanitätsrat Dr. Leopold Perl, ist im 65. Lebensjahre gestorben und wurde am 27. v. M. auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde in Weißensee unter großer Beteiligung der ärztlichen Kreise beigesetzt. Rabbiner Dr. Weise hielt die Gedächtnisrede. - Am 22. August starb nach längerer, schwerer Krankheit - in Dresden einer der bekanntesten Breslauer^ Aerzte, Sanitätsrat'Dr. Wilhelm Reinbach, im Alter von 66'Jahren. Seinen überaus zahlreichen Patienten ist Dr. Reinbach, den seine reiche Erfahrung zu einem praktischen Arzte im besten Sinne des Wortes machte, stets ein treuer, unermüdlicher Helfer gewesen,, und so verlieren viele Breslauer Familien nichr nur den Arzt, sondern auch den treuen, warmherzigen Freund.- Ehre seinem Andenken! — Der Kaiser verlieh dem bayerischen Geheimen Kommerzienrat Ludwig Ritt er v. G ern g ro s in N ü rn b erg den Roten Adlerorden 2. Klasse. — Der deutsch-soziale Parteitag findet in diesem Jahre vom 11. bis 13. September in Eisenach statt. Die wichtigsten Punktender Tagesordnung bilden die Berichte über die Tätigkeit der Parto^' im Reichstage und über ihre Stellungnahme zur Reichsfinanzrewrm. Referenten hierüber find die Reichstagsabgeordneten Liebermhnn v. Sonnenberg, Lattmann und Raab. — In Frankreich wurden zu Ollieiers äs l'diwtruction publigüs ernannt: Jacob Baruch in Nizza, Carlos Dreyfus in Paris, Georges Francfort in Paris, Wwe Lang°Wellhoff in Neuilly, Salomon Anselm Leon in Bordeaux, Frau May geb. Ochs, Jules Rosenstock in Paris, Georges Ulmo in Daulaincourt. Zu Ollieisrs d'^eadämie wurden ernannt: Pierre Georges Bernard Wolfs in Paris, Fernand Bloch in Lille, Maurice Moise Bloch in Paris, Paul Mari Bloch, Maurice Braunschweig in Paris, -Raymond Caen in Nancy, Isidore Lehmann in Bourges, Moise Schwöb , in Paris, Fernand Seligmann in Valenciennes. Adolphe Strauß in Paris. — Den Rasseantisemiten muß es, wie die „Frankfurter Zeitung" bei Erwähnung der vielfachen über General Galliffet kursierenden Anekdoten schreibt,, geradezu als eine Schändung erscheinen, daß von diesem Vertreter des echt französischen Wesens in Tapferkeit, Schlagfertigkeit und Geist .mit seiner eigenen lächelnden Zustimmung erzählt wurde, er stamme von portugiesischen Juden ab. Im Jahre 1581 Nebenstehende Schutzmarke und die binnen kurzer Zeit bemerkbare vorzügliche und seit 22fahren-immer wieder fe^tgestellte Wirksamkeit gegen Haarschwund und Haarleiden aller, [Art sind die Zeichen für die Echtheit des \ ' Uhlmannschen ■4 Per «-Tannin-Wassers. Es wirkt nicht wie andere Haarmittel klebend oder porenverstopfend, verändert nicht die Haarfarbe, sondern reinigt und erfrischt die Kopfhaut und bewirkt durch Anregung der Blutzirkulation eine bessere Ernährung des Haarbodens und damit Kräftigung des Haarwuchses.; Zu haben fettfrei für fettiges Haar, fetthaltig für trockenes sprödes Haar in allen besseren Geschäften zu: M. 1.75 die kleine und M. 3.50 die grosse Flasche. 'AfleinigeFabrikaittenE. A. Uhlmann &Co., fieiclienbaäh i.V. Zollfrei für Oesterr.-Ung. durch: Vertriebsgesellschaft Wien I, Karlsplatz 3.