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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-08-20 · Heft 34 (20.8.1909) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
Seite 399 (sequence 3)
Language
German
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399 Das Zentrum in Baden kann es sich im Verlaufe der jetzigen Landtagswahlbewegung nicht versagen, gelegentlich auch mit antisemitischen Waffen zu kämpfen. Leider ist es sogar' das badische Hauptorgan des Zentrums, der „Bad. Beob." in Karlsruhe, der auf das niedrige Niveau antisemitischer Kampfesweise herabsteigt. In einer Polemik, die sich um den Verlauf einer Zentrumsversammlung in Untergrombach entspannen hat, schreibt das Blatt u. a.: - „Damit soll indes keineswegs bestritten werden, daß das Zentrum in Untergrombach von jeher weit Mehr Anklang fand als die vom Volk Israel geführte. Sozialdemokratie und der Liberalismus. Das gereicht den Untergrombachern nur zur Ehre? Darauf erwidert das in erster Linie angegriffene sozialdemokratische Blatt in Karlsruhe, der „Volksfreund": „Die hiesige Sozialdemokratie wird überhaupt nicht vom „Volke Israel" geführt. Die Führung liegt in ganz anderen Händen Das hiesige „Volk Israel" rechnet sich durchweg zu den bürgerlichen Parteien. 'Nur ein einziger ist organisierter Sozialdemokrat. Aber selbst wenn das „Volk Israel" die Führung der hiesigen Sozialdemokratie hätte, so könnte sich diese Führung gegenüber der hiesigen Führung der Zentrumspartei noch immer sehen lassen. Die Ehre der Untergrombacher würde dabei mindestens ebensogut wegkommen. Die antisemitische Flegelsprache des „Beobachters" macht hier keinen Eindruck mehr, die Leute lachen darüber, die Christen sowohl wie die Juden. Wenn der „Beobachter" meint, die Juden hätten in Untergrombach ebenso mit Posaunenschall und Geschrei gesiegt wie in Jericho, so dürfte an jener Jerichogeschichte genau so viel wahr, wie an der Untergrombacher, wie sie der „Beobachter" vorträgt, sein. Der Stifter der christlichen Religion und die Jünger waren auch Juden. Wenigstens hat man noch nirgends gelesen, daß sie Antisemiten waren, und Zentrumsleute waren sie auch nicht, mit Ausnahme von Judas Jschariot, wenn man zwischen den 30 Silberlingen, um die er seinen Herrn und Meister verriet, und der Erbschaftssteuer der Reichen, um derentwillen das Zentrum das Volk' verriet, eine Parallele ziehen will. Jude zu sein, ist noch lange keine Schande, wenigstens keine solche, wie wenn ein Mensch sich als politischer Führer hervortun will, der seinen alten Vater, wenn er bedürftig ' geworden ist, nicht mehr anerkennt oder gar verprügelt." Nach dieser Charakteristik, bemerkt sehr treffend die Abwehrvereins-Korrespondenz, scheint ja der Führer des Zentrums in Untergrombach eine nette christliche Ordnungsstütze zu sein und in erster Linie dazu legitimiert^ sein Parteiorgan gegen das „Volk Israel" zu Hetzen. Der hessische Antisemitenführer, Herr v. Bodelschwingh- Ächwarzenhasel, hat an der herben Kritik, die die ihm sonst so nahestehende Berliner nationalistische „Tägliche Rundschau" an der Steuerscheu der Agrarkonservativen geübt hat und noch sortsetzt, schweres Aergernis genommen und seinem Zorn in einer wütenden Epistel an das betreffende Blatt Luft gemacht, die er vorsichtigerweise gleichzeitig auch der „Kreuz-Zeitung" zugehen ließ. Die „Tägliche Rundschau" wird darin — was sie gewiß am schmerzlichsten berührt haben, wird — auf eine Stufe mit der „Judenpresse" gestellt. Herr v. Bodelschwingh hat nämlich folgende betrübliche Entdeckung gemacht: „. . . Damals (im Jahre 1895) freilich war die „Tägliche Rundschau" noch eine andere; heute muß leider von ihr gesagt werden, daß sie wie kaum ein anderes Blatt das nationale Interesse schädigt, indem sie Verwirrung anrichtet in wohlgesinnten Kreisen, so namentlich unter Geistlichen, Beamten, Offizieren, Wie ein Judenblatt ablehnen, aber auf. ihre Zeitung schwören? unter dem Hinweis: Die „Tägliche Rundschau" ist ein anständiges Blatt." Die „Tägliche Rundschau" antwortet auf diese absurde Unterstellung nicht übel wie folgt: „... Uns zu Bundesgenossen des „modernen Judentums" machen i wollen, ist ein guter Witz, um deswillen allein schon wir unseren $ Lesern das Schreiben Herrn v. Bodelschwinghs nicht hätten vorent- ' halten dürfen. Dennoch möchten wir betonen, daß wir gegebenen Falles lieber „mit dem modernen Judentum" nach unserem Gewissen leben als mit der „Kreuz-Zeitung" es betäuben möchten." Die „Kreuz-Zeitung" hat diesen Peitschenhieb, ohne mit der / Wimper zu zucken, über sich ergehen lassen. * Aus Petersburg wird der „N. I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben : '] Der dornenvolle Leidensweg der jüdischen Emigranten beginnt mit dem Passieren der Heimatsgrenze. Bekanntlich ist zum Ueberj schreiten derselben ein spezieller Auslandspaß erforderlich. Das Erlangen eines solchen Passes ist aber mit großen Schwierigkeiten der-? Kunden. Man muß dazu durch verschiedene Behörden und Instanzen gehen und mannigfache Dokumente bekommen und der Gouvernementsverwaltung vorlegen. Abgesehen von den dadurch verursachten beträchtlichen Kosten, die für die meist unbemittelten Auswanderer eine empfindliche Last bedeuten, ist auch diese Prozedur sehr langwierig und mit vielfachen Hemmnissen verknüpft. Zahlreiche Emigranten sind deshalb gezwungen, sich ohne Auslandspaß auf ihre traurige Wanderung zu begeben und sich selbst, sowie ihr Hab und Gut den ■ „Grenz-Agenten" anzuvertrauen. Diese Verfahren häufig gegen die hilflosen Auswanderer in geradezu haarsträubender Weise. Tage- und wochenlang halten sie sie in dunkeln, engen Verstecken und exploitieren sie schonungslos und ohne Erbarmen. Die „Grenz-Agenten" bilden den ' Schrecken der Emigranten, den sie jedoch sehr häufig nicht umgehen können. In der öffentlichen Meinung der russischen Judenheit gibt sich deshalb das Verlangen nach Abhilfe in dieser Beziehung kund. Das Wichtigste und Nützlichste wäre dabei,, sämtlichen Emigranten Auslandspässe zu beschaffen, wodurch ihnen das freie Passieren der I Heimatsgrenze ermöglicht und jede Berührung mit den Agenten er- - spart würde. Und hier ist ein großes und eminent bedeutendes Arbeitsfeld für die großen jüdischen Organisationen, welche direkt >- oder durch materielle Hilfeleistung dazu beitragen könnten, eine? spezielle, über ganz Rußland ausgedehnte Organisation zu begründen, k die jedem Auswanderer auf seinen Wunsch einen regulären Auslandspaß besorgen sollte. Eine solche Organisation würde sicherlich weitgehende Förderung seitens der führenden jüdischen Persönlichkeiten, Rabbiner. Gemeindevorsteher usw. in jeder Stadt erfahren. Die bestehenden Emigrationsbureaus tun zwar vieles, für die Aus- ' Wanderer; ihre Wirksamkeit liegt aber vornehmlich auf dem Gebiete -j der Auskunftserteilung. Damit kann aber dem geschilderten Üebel nicht abgeholfen werden. Dieser großen und opferreichen Ausgabe könnte nur eine besondere umfassende, mit den nötigen Mitteln versehene Organisation gewachsen sein. Mögen die jüdischen Gesellschaften, denen das jammervolle Los der jüdischen Emigranten wirk-? lich zu Herzen geht, .hier eingreifen! O «4r . Der Tempel Salomonis soll in Jerusalem an derselben Stelle, wo einst das alte Wunderwerk gestanden, aufgebaut werden. Dies ist zum mindesten der Plan der Frei- $ maurer in Boston, die sich zu diesem Zweck, wie die „Jewifh World" meldet, mit den Freimaurern der ganzen Welt in;} Verbindung setzen wollen. Durch ein Zusammenwirken aller * Freimaurer hofft man die ungeheuren Kosten für das riesige Werk auszubringen. Nach der Tradition der Freimaurer ist J nämlich ihre Gemeinschaft ,von König Salomon gegründet worden, und er war ihr erster Großmeister; auch König Hiram :Q von Tyrus, der vor 3000 Jahren beim Bau des Tempels half, soll dem Freimaurerbunde angehört haben. Auf der Stätte, wo einst der Tempel stand, steht jetzt eine mohammedanische Moschee, und die Mohammedaner halten den riesigen Fels, auf dem das Gotteshaus erbaut istfür den Mittelpunkt der Erde. Daß hier der salomonische Tempel gestanden, verbürgen äliidütävitiiüi’

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