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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-08-06 · Heft 32 (6.8.1909) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 32 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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ersuchte mich der Großw'esir, ihm anderen Tags die Arbeiter zu schicken, die Ansprüche an Dar el Maghsen hatten. Das tat ich und; erfuhr, daß er nicht ^loß die nötigen Befehle gegeben hat, daß den Arbeitern voll bezahlt werde, was ihnen zukommt, sondern überdies an den Pascha von Fez, El Dschedid, den Urheber der Missetaten, entschiedene Vorstellungen gerichtet und ihn mit Ungnade bedroht hat, wenn er die Israeliten übel behandele. Si'Madani el Glaui hat mich aus eigenem Antrieb eingeladen, mich immer an ihn zu wenden, wenn die Israeliten über Versagung ihres Rechts oder über Uugerechtigkeiten von seiten ihres Paschas sich zu beklagen hätten. Er gab mir die Versicherung, daß er für uns die freundlichste Gesinnung hege, daß er die Dienste anerkenne, die die Israeliten dem Lande leisten, und daß, wenn er erst an der Gewalt sein werde, wir uns niemals über Bedrückung seitens des Maghsens zu beklagen haben würden. Nachdem wir einige Minuten über die Alliance und ihre Schulen gesprochen, verabschiedete ich mich von ihm, nicht ohne daß er mich zu häufiger Wiederholung meines Besuches eingeladen hätte. Den französischen Konsul Herrn Gaillard habe ich von den Vorkommnissen in Kenntnis gesetzt. Herr Gaillard hat mit dem Großwesir gesprochen, um meine Vorstellung zu unterstützen und hat mir versprochen, meine Klage vor den Sultan zu bringen. Llmaleb." — (Wir verdanken diesen Bericht dem deutschen Bureau der „Alliance Israelite Universelle“. Die Red.) Amerika. Z. New Pork, 25. Juli. Am 12. d. M. starb an den Folgen eines Zuckerleidens der berühmte und allgemein beliebte Maler Louis Loeb aut dem Landsitze eines Freundes in Canterbury. Die nach New Jork, dem Wohnort des Künstlers überführte Leiche wurde vom Temple Emanuel aus bestattet. Der im Jahre 1867 in Cleveland geborene Künstler ging, nachdem er sich bereits als Illustrator einen Namen erworben hatte, nach Paris, wo er mit Gerome zusammen arbeitete. Seinen ersten Ruhm erntete er durch seine Ausstellung im Pariser Salon 1895 ein. Im nächsten Jahre gewann er die dritte Auszeichnung vom Salon. Dieser folgten dann viele andere Auszeichnungen. Seine bekanntesten Bilder sind das Porträt von Zangwill, dem er durch die innigste Freundschaft verbunden war, seine allegorische Landschaft „Der Morgen", die ihm. den Carnegie-Preis errang, und das im letzten Frühjahr von ihm ausgestellte Bild „Sirene". 1901 wurde er Mitglied der National-Akademie, und später trat er dem Senat bei. Trotz dieser vielen Auszeichnungen war er ein guter Jude geblieben und hatte sich stets ein warmes Herz für die jungen Stammesgenossen unter seinen Kollegen gewahrt, die in ihm einen eifrigen Förderer und Freund betrauern. Vun Sah und jfrrn. — Herr Berthold Kirstein, Mitinhaber der Firma Knäuth u. Co., ist zum stellvertretenden Handelsrichter beim Landgericht I ernannt worden. — Am 31. v. M. ist Herr Julius Rotholz um 91. Lebensjahre gestorben. Er war ein edler Mensch und ein überzeugungstreuer Jude. Ehre seinem Andenken. — In Wreschen ist Herr Kantor Czechanowicz nach vierzigjähriger Amtstätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Herr Czechanowicz gehört noch zu jenem kleinen Reste polnischer Chasonim, der es meisterhaft verstand, durch den Vortrag der traditionellen Gesänge seine Gemeinde zu erbauen. Vor drei Jahren hatte die Gemeinde .Hin vierzigjähriges Jubiläum in erhebender Weise gefeiert und ihm -ihre Verehrung sichtlich gezeigt. — Im Alter von 92 Jahren ist in Beuthen O.-S. der Senior der Gemeinde Herr Samson Eisner gestorben. Der Verblichene gehörte jahrzehntelang der Gemeindeverwaltung an und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. — Am 24. v. M. feierte Herr Simon Troplowitz in Breslau seinen 70. Geburtstag. Troplowitz ist Mitbegründer des „Vereins gegen Verarmung und Bettelei" für den er seinerzeit nach Berliner Muster in den Bezirksvereinen rednerisch Propaganda machte. Eifrig bei allen kommunalen und politischen Wahlen sowie in Vereinen tätig, ist er langjähriges Vorstandsmitglied im „Verein Kaiser Friedrich". — In Frankfurt a. M. ist der einzige noch lebende Sohn des verewigten Rabbiners Samson Raphael Hfirsch, Kaufmann Julius Hirsch, im Alter von 67 Jahren plötzlich gestorben. Der Verklärte war ein bedeutender Talmudist und hielt streng an den Traditionen seines großen Vaters. Ehre seinem Andenken. — Herrn Nathan Rothschild, Synagogettrat in Mosbach, Baden, wurde anläßlich seiner 40 jährigen Zugehörigkeit zur Festerwehr vom Großherzog die Ehrenmedaille zuerkannt, die ihm von seiten des Gemeinderates in Anwesenheit der , Beamten und der gesamten Feuerwehr überreicht wurde. Am Nachmittage brachte V die Kapelle der Feuerwehr dem Jubilar ein Ständchen. — Im Alter von 88.Jahren starb in Li man ow, Galizien, der bedeutende Rabbiner Nathan Goldberg^ der Hunderte von Schülern ausgebildet hat. An seinem Grabe sprachen viele Rabbiner. — Russische Blätter ' verzeichnen nachträglich die interessante Meldung, daß Zar Nikolaus auf seiner jüngsten Reise nach der Station Sarnach eine jüdische Deputation empfangen habe. Die Deputation überreichte dem Zar eine reichgeschmüMe Sefer-Thora und das übliche Brot und Salz. Der Zar'küßte die Sefer-Thora, nahm die dargebrachten Geschenke entgegen und antwortete dem Sprecher der Deputation: „Ueberbringet sämtlichen Juden Eurer Gemeinde meinen aufrichtigsten Dank!" — — In der Nähe von Radomhsl hat sich wiederum ein schrecklicher Raubmord ereignet. Fünf Juden und ein achtjähriges Kind, die nach Brusilow zu einer Hochzeit fuhren, wurden im Walde, sechs Werst von Radomhsl, überfallen, erschossen und beraubt. Nur das Kind, welches im Stroh lag und schlief, blieb am Leben. Die armen Opfer besaßen insgesamt bloß 17 Rubel und haben ihre Familien im größten Elend zurückgelassen. Von den Mördern fehlt bis jetzt jede Spur. — Der Direktor des Polytechnikums in Petersburg macht bekannt, daß in diesem Jahre keine Juden im Polytechnikum Aufnahme finden können. — Der bekannte hebräische Dichter Ch. N. Bialik hat in Odessa einen ausdrucksvollen Bericht über seine Palästina-Reise erstattet. Mit großer Begeisterung sprach er vom neuen Judentypus in Palästina, von dem Aufleben der hebräischen Sprache daselbst, vom Aufblühen der jüvischen Kolonien, von der Annäherung und Vereinigung der verschiedenen Teile der jüdischen Bevölkerung im heiligen Lande. — Aus Jalta wird der „N. I. K." . von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Der hiesige Generalgouverneur, General Tumbadse, hat eine Bestimmung erlassen, wonach die mit den Schiffen im hiesigen Hafen ankommenden Juden in Zukunft nicht das Recht haben, an Land zu gehen. Zur Besorgung von Lebensmitteln und dem notwendigen Speisenvorrat dürfen sie sich nur für kurze Zeit mit Polizeibegleitung bis an die in der Nähe des Hafens belegenen Geschäfte begeben. Die jüdischen Passagiere werden dabei von den Polizisten in der rohesten Weise behandelt und wie eine Herde gemeinsam vor sich hergetrieben. — Auf Antrag des Ministers der öffentlichen Unterrichtsangelegenheiten und Wissenschaften in Paris ist der Komponist Henri Hirfchmann znm Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — Das von Baron James v. Rothschild im Jahre 1852 gegründete 104 Betten enthaltende Krankenhaus in der Rue de Picpus wird auf Veranlassung des Barons Edmond v. Rothschild und seiner Ehefrau um 40 Betten vergrößert und allen modernen Anforderungen der Hygiene entsprechend umgebaut werden. Es sollen auf einem für diesen Zweck von dem wohltätigen Paare gestifteten Grundstücke verschiedene Pavillons für innere Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe und Frauenkrankheiten errichtet werden. Auch sind im Plane große Gartenanlagen für die Patienten vorgesehen. Die ungefähr zwei Jahre dauernden Arbeiten werden bereits im Oktober d. I. in Angriff genommen werden. — Das in Nimes, dem Geburtsort des bekannten Wortführers im Drehfus-Prozeß Bernard Lazare, diesem hervorragenden Glaubensgenossen errichtete Denkmal ist von antisemitischer Seite arg verstümmelt worden. — In einem Londoner Brief wird der „Liverpool Post" u. a. geschrieben: Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, soll dem Lord Swahthling, ehemals Sir Samuel Montagu, eine hohe Auszeichnung verliehen . werden, die einer Rangerhöhung gleichkommt. Ich glaube, daß auf dem Gebiete des internationalen Finanzwesens das Haus, dessen Chef Lord Swahthling ist, eine solche Rolle spielt, wie einst die Rothschilds. — Die in-Konstantinopel erscheinende Zeitung „El Tiempo" plädiert für die Gründung einer Auskunftsstelle für jüdische Einwanderer in die Türkei. Die Leitung dieser Institution soll, um allen Mißverständnissen aus dem Wege zu gehen, in türkischen Händen liegen. — Aus Cincinnati wird uns geschrieben: Als Mitglied des Generalkomitees für den im nächsten Oktober in London stattfindenden allgemeinen Rassenkongreß ist Dr. Louis Großmann gewählt worden

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