Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1909)
- Date
- 1909-07-23
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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seinen zahlreichen Bühnenwerken fänden die weiteste Verbreitung die Schwänke „Sein bester Freund" und „Seine Gewesene" (beide mit Brentano), die am Wallner- und Residenztheater zahlreiche Aufführungen erlebten. --- Königsberg i. Pr., 16. Juli. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Ludimar Hermann; der am Dienstag sein goldenes Doktorjubiläum feiern konnte, weilt schon seit März d. I. in Meran, wo er von schwerer Erkrankung Heilung gesucht und — wie wir hören — auch gesunden hat. Zu seinem Jubiläum hat die medizinische Fakultät in Königsberg ihm ein Glückwundschreiben gesendet, während die Universität ihm eine Adresse übermittelte, die folgenden Wortlaut hat: „Am 13. Juli d. I. feiern Sie Ihr goldenes Doktorjubiläum. Zu diesem Tage bringt Ihnen bo§ Gotpus academicum der Albertina die aufrichtigsten Glückwünsche dar. Ein solcher Tag ist ein Festtag für die Albertus-Universität, ja mehr: ein Gedenktag für die gesamte naturforschende Welt. Vor fünfzig Jahren übergaben Sie der Oeffentlichkeit die ersten Resultate einer beginnenden Forschertätigkeit, deren Fortsetzung der Lehre vom Leben neue, grundlegende Wahrheiten und weite Ausschau auf neue Probleme zeitigte. Ihnen verdankte die Naturwissenschaft die Erkenntnis, daß die tierische Elektrizität, die das Absterben und die Tätigkeit der Organe begleitet, ihren Ursprung in chemischem Geschehen hat; und Ihre Untersuchungen über diesen Chemismus in den Muskeln haben ungeahnte Einblicke in das Getriebe der lebendigen Organe eröffnet. Sie sind der Grundstein zu einem Gebäude geworden, an dem.seit mehr als dreißig Jahren viele Naturforscher arbeiten, und das die Anschauungen vom Wesen der Lebensvorgänge von Grund aus geändert hat. Für Ihre Forschungen über die Natur der menschlichen Sprachlaute dankt Ihnen die Sprachwissenschaft und die Naturforschung gemeinsam. Daß Sie Ihre Ideen lange Jahre auf die Schüler unserer Albertina unmittelbar ausgesät haben, ist ein Glück für unsere Hochschule gewesen, die Ihren Namen mit Stolz denen der größten Naturforscher anreiht, die an ihr gewirkt haben. Wenn wir Ihnen heute unsere Glückwünsche darbringen, so geschieht dies mit dem besonderen Wunsche, daß Ihre Kraft als Lehrer und Forscher und Ihre Stimme im Rate unserer Albertina noch lange in alter Frische erhalten bleiben mögen." Professor Hermann hat bei diesem Anlasse den Kronenorden II. Klasse erhalten. 1k. Posen, 15. Juli. Aus dem eben veröffentlichten Verwaltungsbericht der Stadt Posen über das Unterrichtswesen ist folgendes zu entnehmen: Jüdische Kinder besuchten die Jllgenschule 7, die Menzelschule 6, die Knotheschule 104, Sachseschule 8, Wegenerschule 2, v. Hartmannschule 46. Während für die katholischen und evangelischen Kinder der Religionsunterricht in gesetzlicher Weise erteilt wird, entbehren die jüdischen Kinder dieses notwendigen Unterrichts, weil die Leiter bezw. Leiterinnen der Schulanstalten es bisher nicht für erforderlich hielten, den jüdischen Religionsunterricht erteilen zu lassen. In der hiesigen Synagogengemeinde bestehen zwar zwei organisierte Religionsschulen, aber nicht alle schulpflichtigen Kinder besuchen diese Schulen, mithin ist ein großer Prozentsatz jüdischer Kinder ohne den systematischen Religionsunterricht. Es liegt lediglich an dem guten Willen der Eltern, für;das Höchste ihrer Kleinen zu sorgen. — In den übrigen Unterrichtsanstalten ist der jüdische Religionsunterricht obligatorisch eingeführt. o. Dresden, 15. Juli. Die hiesige Fraternitasloge des U. O. B. B. hat in der Erkenntnis, daß eine fruchtbringende soziale Arbeit zuerst und am nachdrücklichsten bei der Jugend einsetzen müsse, bereits im Jahre 1900 begonnen, arme jüdische Kinder während ihrer Ferienzeit aufs Land zu senden. Die Feier des 25jährigen Bestehens des Ordens „Bne Briß" hat den Wunsch erfüllt, auf der Oberrochwitzer Flur ein am Waldesrand gelegenes 6000 Qoadratmeter großes Areal zu erwerben und hier ein Ferienheim zu errichten, dessen Einweihung kürzlich stattfand. Rabbiner Dr. Winter führte in der Weiherede aus, daß die Loge vornehmlich aus religiösen Gründen dazu geschritten sei, ein eigenes Heim zu errichten, um eben den Kindern den Religionsunterricht in ihrem Glauben zukommen zu lassen. Aber darüber hinaus soll das Heim auch Andersgläubigen eine Stätte der Erholung und ein Gesundbrunnen sein. Es soll außerhalb der Ferienzeit Krankenkassen uttd ähnlichen Instituten zur Aufnahme von Erholungsbedürftigen zur Verfügung gestellt werden. Die Grüße und Wünsche des Ordens überbrachte Justizrat Timendorfer-Verlin, die der. Religionsgemeinde Kommerzienrat Max Elb. In freier, gesunder Luft, an der nach Süden offenen Berglehne erbaut, erhebt sich das Heim in einfachen, ländlichen Formen. Der Umgebung, angepaßt, aber-allen Anforderungen der Hygiene und Zweckmäßigkeit entsprechend, wurde der Bau erÄchtet. Das massive Erdgeschoß enthält außer einer großen ^'gedeckten Veranda den 102 Quadratmeter großen Speisesaal, Baderaum mit Kesselanlage. Warm- und Brausebäder, geräumige Küche mit Zubehör und die Hausmannswohnung. In dem in Fachwerk gehaltenen Obergeschoß befinden sich zwei. Schlafsäle (je 110 Quadratmeter), für je 30 Kinder bestimmt, Aufsichtszimmer, Arztzimmer usw. und im Dachgeschoß noch sechs ausgebaute kleinere Zimmer und Nebenräume. Der Garten ist als Tummelplatz angelegt und mit Turngeräten versehen. Ein Lustdruck-Wasserversorgungs-Apparat leitet gutes Wasser durch das ganze Haus. Die- Gesamtkosten des Äaues betragen etwa 50 000 Mark. s. Chemnitz, 15. Juli. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde hat soeben den Verwaltungsbericht von 1908 zur Veröffentlichung gebracht. Der Bericht gibt ein erfreuliches Bild von dem stetigen Wachstum der Gemeinde. Die Erledigung der Verwaltungsangelegenheiten der Gemeinde erforderte neun Sitzungen des Vorstandes, vier Sitzungen der Gerneindeverordneten, zwei gemeinschaftliche Sitzungen der Gemeindekollegien, eine Sitzung der Schulkommission und eine Sitzung der Shnagogenkommission. Eine Sonderkommissiön beschäftigt sich mit der Vorbereitung der Bef schaffung eines eigenen Gemeindeverwaltungsgebäudes. Die Gemeinde Chemnitz zählt jetzt 1323 Seelen; die Anzahl der im Berichtsjahre zur Gemeindesteuer veranlagten, in Chemnitz wohnhaften Gemeindemitglieder betrug 579 mit 320 selbständigen Haushaltungen. Auswärts wohnhaft waren 52 steuerpflichtige Mitglieder mit 32 Haushaltungen. Das Interesse der Gemeindemitglieder für die Bestrebungen der hierorts wirkenden Woltätigkeitsvereine war.ein außerordentlich reges. Die Chebrah Kedoschah, deren Mitgliederzahl 245 betrug, gewährte an Unterstützungen an Gemeindemitglieder, außer Mazzoth und Heizungsmaterial 1250.75 Mark, an 428 Durchreisende wurden einschließlich ritueller Beköstigung 897.10 Mark verausgabt. Der „Israelitische Frauenverein" gewährte Unterstützungen inHöhe von 1121.98 Mark; der „Israelitische Hilfsverein" gab Unterstützungen im Betrage von etwa 4500 Mark. Der Kassenbericht in Einnahmen und Ausgaben mit 72 021.42 Mark ab. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde besteht aus den . Herren: Louis Ladewig, Theodor Wangenheim, Willy Lippmann, Bernhard Knpferberg, Markus Bernstein, L. I. Joachimsthal. x Hamburg, 16. Juli. Das Israelitische Kinderhospiz in Duhnen bei Cuxhaven ist bekanntlich eine Gründung des hiesigen Vereins zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder, welcher vor einiger Zeit sein 25 jähriges Jubiläum feiern konnte. Der Neubau desselben, welcher in seinen zweckentsprechenden Einrichtungen wohl als hygienischer Musterbau bezeichnet werden darf, liegt an der Chaussee der hamburgischen Ortschaft Duhnen bei Cuxhaven, ungefähr zwei Minuten vom Strande des Meeres entfernt. Hohe, helle, luftige Räume in einfacher gefälliger Ausstattung, eine allen modernen, gesundheitlichen Anforderungen entsprechende Einrichtung, die wie das ganze Gebäude in ihrer Anlage auch auf die klimatischen Verhältnisse des Platzes Rücksicht nimmt; zeugen von dem nach allen Richtungen hin wohl durchdachten Plane des Baumeisters. Das Grundstück ist ungefähr ein Hektar groß. Das Gebäude, neben welchem noch Spielplätze und Gartenanlagen sich befinden, enthält außer dem ein Meter in den Erdboden hinabreichenden Sockelgeschoß mit Wirtschasts- und Vorratsräumen, einer Badeanstalt und Dienstbotenräumen, ein Erd- und zwei Obergeschosse. In das Erdgeschoß gelangt man vom Haupteingang aus durch eine große holzgetäfelte und mit Holzdecke ausgestattete Halle, welche ursprünglich zum Aufenthalt der Kinder bei schlechtem Wetter diente. Später wurde neben dem Gebäude eine besondere Halle für diesen Zweck und zum Spielen erbaut. Rechts von der Halle befindet sich der Speisesaal, welcher