Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1909)
- Date
- 1909-07-23
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sonderwünschen zu berichten, die die türkischen Rabbiner an die Fragedes Eintritts, der Juden in die' türkische Armee." knüpfen wollten. Es ist hocherfreulich, daß nunmehr die Frage auf dem einfachsten und natürlichsten Wege gelöst wurde. Ifl Der nationale Gedenktag zu Ehren der im amerikanischen Bürgerkrieg gefallenen Helden wurde auch diesmal ' festlich-begangen. Alljährlich an diesem Tage wandern Hündertta'usende. zu den- Gräbern der gefallenen Helden, um sie -in dankbarer Erinnerung mit Blumen zu schmücken. Viele Juden sah man, wie immer, auch dieses Jahr auf den verschiedenen Friedhöfen, um auch der jüdischen Helden zu gedenken, die für die Freiheit der Republik ihr Leben ließen. Aus Anlaß des. diesjährigen Decoration Day schrieb ein New Zorker englisches Blatt: „Nicht alle Amerikaner , wissen es, welche Rolle die Juden damals im Heer und in der Flotte gespielt haben. Mögen sie es nun wissen, daß David de Leon die amerikanische Armee im Kriege gegen Mexiko kommandierte und für'seine Heldentaten dann vom Kongreß öffent- ' lichen Dank erhielt Mögen sie alle.Halt machen beim. Grabe des Majors Alfred Mardochai, der ein hervorragender Gelehrter-der Kriegswissepschaft war; dann am Grabe seines Sohnes Philipp,- <der Professor für militärische Taktik' war. Gedenket des jüdischen Vizeadmirals Uriah Philipps-Levy, der bis zu seinem in» Jahre 1862!-erfolgten Tode eine hohe Stellung in der Flotle /innehatte. Er war einer der Edlen, dem die Abschaffung der Körperstrafe in der Marine der Vereinigten Staaten zu danken ist. In diesem Bürgerkrieg haben auf beiden Seiten viele. Juden gekämpft. -Außer den gewöhnlichen Soldaten sei nur auf Meier Asch, Natan Menken, Louis Meier u. a. hingewiesen, .die Stabsoffiziere der Generale Pope und Grant.^gewesen. Doktor Morris, Hermann Asch, Major . Möses, Kapitän Deßler, Oberleutnant Jsak Neumann haben sich durch ihren Mut ausgezeichnet. Im letzten Krieg gegen Spanien zogen - über 4000 Juden in unseren Reihen gegen -den Feind, und der erste Amerikaner, der in der Schlacht gefallen, war ein Jude. Es gibt also genug jüdische Söhne, Töchter und Mütter, die die Gräber derjenigen ihrer Blutsverwandten besuchen-können, die. ihr Leben für die Freiheit Amerikas geopfert haben/ Aus New-Uork wird der „N.J.K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: „Die letzte Nummer des „American Hebrew" enthält eine Sensation, die jetzt in Amerika viel von sich reden macht und trotz der unglaubwürdigen, romantischen Färbung hier wiedergegeben werden soll, weil „American Hebrew" zu den seriösesten jüdischen Blättern der Vereinigten. Staaten zählt. ' Der Verfasser des Artikels, Mr. Philipp Cowen, erzählt u. a.: Der Jude, welchem beschieden war, der Herrscher eines indianischen Stammes zu werden, stammte aus einer reichen jüdischen Familie in Deutschland, deren mehrere Mitglieder in der Newyorker großen Geschäftswelt eine hevorragende Stellung einnehmen. Er suchte für sich ein Tätigkeitsgebiet lim ' Westen und siedelte sich an einem der westlichen Territorien an. Durch seine Geschäfte kam er mit den Indianern in nahe Beziehungen; -er gewann ihr Vertrauen, und sie zollten ihm Liebe und Achtung.' Eines Tages bot das Oberhaupt des Stammes dem fremden Juden seine Tochter zur Frau an. Der Jude führte die Tochter des Jndianer- . Häuptlings heim und. wurde bald darauf mit Einwilligung seines Schwiegervaters zum Chefstellvertreter ' des Stammes proklamiert. Als der alte Häuptling sein Ende nahen fühlte, berief er die Häupter seines Stammes und teilte ihnen mit, daß nach seinem Tode sein Schwiegersohn sein Nachfolger werde. Diese Botschaft wurde smit großem Jubel ausgenommen, und der aus Deutschland stammende Jude bekleidete seinen .Herrscherposten viele Jahre hindurch. Der jüdische Indianerhäuptling war ein überzeugter Jude, gab schließlich seine Herrschaft auf und zog mit seinen Kindern, die er beschneiden ljeß,. wieder .in eine Stadt, ivo er unter Juden-jüdisch leben kann'. . Das klingt-wie ein ersonnener Jndianerroman, aber die Redaktion des - Blattes:, behauptet, den Namen des gewesenen ..„jüdischen" Indianerhäuptlings-zukennen/ den Mr.: Cowen nicht, nennen will, um nicht.eine Person zu kompromittieren, welche die höch sten, ethischen Prinzipien/des jüdischen Lebens iir einer Gruppe amerikanischer Indianer'eingeführt hat." Wenn wir nicht sehr -irren, stammt dieser jüdische Indianerhäuptling aus einer kleinen Gemeinde in Westfalen. Die Milchen Lehrer und die Kvlitik Von Artur Schweriner. Letztens traf ich im Journalistenlesezimmer des Reichstages einen Kollegen, den Inhaber eines der größten deutschen, politischen Zeitungsbureaus. Auf meine Frage, warum man ihn allenthalben im Reiche des R-»chstagsjournalismus den „Rabbi" nenne, teilte er mir „im Vertrauen" mit — er sei noch vor zehn Jahren in einer kleinen Gemeinde „Lehrer und Prediger" gewesen und habe in einer leichtsinnigen Anwandlung gelegentlich „seine Vergangenheit"-ausgeplaudert. Es wäre im allgemeinen ganz interessant, plauderten die Journalisten des Reichstages insgesamt einmal „ihre Vergangenheit" aus. Ehemalige Theologen, Offiziere, Juristen, Aerzte, Kaufleute aller Art würden zum Vorschein kommen. Jüdische Reichstagsjournalisten, Korrespondenten deutscher Blätter des Inlandes, sind Seltenheiten. Ich kenne vier. „Von diesen ist einer ehemaliger Rabbinatskandidat, zwei andere sind Lehrer gewesen, und der vierte, Philologe von -Beruf, ist eines jüdischen Lehrers Sohn. Diese kleine Statistik zeigt — und das ist für die Leser , dieser Zeitung von besonderem Interesse — die Vorliebe des jüdischen Lehrerstandes für die Politik. Wodurch wird diese Vorliebe hervorgerusen? In verhältnismäßig jugendlichem Alter wird der Lehrer selbständig. Kommt als „Lehrer Und Prediger" in eine kleine Gemeinde, ist dort als Zwanzigjähriger bereits eine Autorität. Die Turmuhr, wie der prächtige Herr Dr. Sonnenschein am Holzmannschen Lehrerseminar in Berlin zu sagen pflegte, nach der sich jedermann in der Gemeinde richtet. Die Religionslehrer in den kleinen Gemeinden haben zum größten Teil so wenig Beschäftigung, daß sie sich nebenamtlich betätigen müssen. Sie geben Privatstunden, übernehmen die Buchführung des Geschäfts des Herrn Vorstehers oder sind Lokalberichterstatter für größere Zeitungen. Die jüdischen Lehrer im Fürstentum Lippe z. B. sind durchweg Lokalkorrespondenten für die große freisinnige „Lippische Landeszeitung". Das Interesse für Kommunalpolitik führt die unabhängigen, jungen Leute zur großen Politik. Und weil man heute bei politischen Wahlen rührige, junge Kräfte braucht, sind sie in den Wahlkomitees gern gesehen. Ihre autoritative Stellung bedingt einen Einfluß auf große Wählerkreise. So sind sie oft Schrittmacher für die Wahlen freisinniger Kandidaten, Ich kenne wohl, ein Dutzend freisümiger Abgeordneter, denen, bei der letzten Wahl jüdische Lehrer treue Hilfe geleistet haben. Während man bei christlichen Lehrern sehr oft von Konflikten mit der Behörde ob ihrer politischen Betätigungen hört, haben jüdische Lehrer scheinbar gar nicht unter Maßregelungen zu leiden. Scheinbar. Auch jüdischen Lehrern hat die kühne Propagierung ihrer politischen Ueberzeugung. schon Amt und Würde