Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Mädchen die materielle Möglichkeit geboten, im Auslandeihre Bildung zuvervollkommen- Für die Erziehung jüdischer MädcheM wurden im letzten Jahre 64 275 Kronen verausgabt. Für die Söhneder an den Hirsch-Schulen beschäftigten Lehrer wurde ein Studentenheim errichtet, um ihnen den Besuch einer Mittelschule zu er< möglichen. — In dem Dorfe Burka bei Tarnopöl wurde dieser Tage ein frecher Mädchenraub verübt/ Zwei Bauern ergriffen des- Nachts die achtzehnjährige Tochter des dortigen jüdischen Insassen David Bleich und entführten sie gewaltsam in ein hiesiges Nonnenkloster. Der Vater des Mädchens verfolgte die Räuber, - die jedoch im Dunkel der Nacht seinen Blicken, entschwanden. Nach einigen Tagen erfuhr Bleich, daß seine Tochter sich im Tarnopoler Kloster befindet, und begab sich dahin, um sein Kind zurückzu fordern. Weinend bat er um Einlaß und wünschte seine Tochter zu sehen.. Der arme Mann wurde barsch von der Klosterpforte gewiesen, indem ihm gesagt wurde, daß das Mädchen bereits nach Lemberg gebracht'' worden sei. Vvn Sah und jfern. / — Der hiesige Historiker Professor Dr. Felix Liebermann iH zum korrespondierenden Mitglied der Britischen Akademie erwähft worden. Auch die Royal Society;of Literature zu London erwählte ihn zum Mitglieds. — Der zum Ordinarius für. MathM matik an die Berliner Universität berufene und von jüdischen Blättern bereits gefeierte Professor Dr. Fritz Cohn ist nicht mehr Jude. — Der Titel „Geheimer Justizrät" ist vom Großherzog von Sachsen-Weimar dem ordentlichen Professor des. Staats-, Verwaltungs- und Völkerrechts und der deutschen Rechts^ geschichte an der Universität Jena, Dr. jur. Eduard Rosentha§ verliehen worden. — Stadtrat Flinsch, Mitglied des geschäfts^ führenden Vorstandes des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus M Frankfurt a. M., feierte am 2. Juli seinen 70. Geburtstag. Mir senden diesem Manne, der mit zu den ersten gehörte, die dem Ruse Gneists und Rickerts folgten und den Abwehrverein gründen halfen, die herzlichen Glückwünsche. — Professor Dr. B. Freudenthal ist zum Rektor der Akademie für Sozial- und Handelswissen» schäften in Frankfurt a. M. gewählt worden. — In Därmstadt: stand der 17 jährige jetzige Zwangszögling Schmidt von Groß-Gerau vor Gericht. Schmidt zerstörte, wie wir seinerzeit gemeldet haben,: 42 Denkmäler auf dem israelitischen Friedhof in Groß-Gerau. Eä wurde zu insgesamt ein Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt. -— In Burgsteinfurt ist am 4. d. M. der Fabrikant Josef. Marcus im 90. Lebensjahre gestorben. Er war Ehrenpräses der israelitischen Gemeinde und Inhaber des Kronenordens.IV. Klasse. — Der Deutsche Kaiser verlieh, Herrn Geheimen Kommerzienrat Ludwig Ritter v. Gerngros in Nürnberg den Roten Adlerorden II. Klasse; der Großherzog von Oldenburg verlieh demselben das Ehrengroßkomthurkreuz des Oldenburger Hausordens Peter Friedrichs. — Dieser Tage wurde in Paris eine Gesellschaft für jüdische' Statistik ins Leben gerufen. Das Projekt ist nicht neu, denn es stammt noch vom verstorbenen Bernard Lazare, der einen vollständig fertigen Arbeitsplan für eine solche Gesellschaft entworfen hatte. — Wie uns das deutsche Bureau der Alliance Israölite Universelle mitteilt, hat das Russo Jewish-Committee in London sich neu gebildet. Der seitherige Präsident und Schatzmeister Lord Swaythling hat aus Gesundheitsrücksichten die bisher von ihn^ ver,spalteten Aemter niedergelegt. Ihn wird als Schatzmeister sein ältester Sohn Herr Louis . G. Montagu ersetzen, die Präsidentschaft übernimmt Lord Rothschild, die Vizepräsidentschaft Herr Leonard G. Cohen. — Dr. HerrnaNn Oelsner ist zum Professor der romanischen Litteratür an - der Universität Oxford ernannt worden. /—. Ein Kondukteur dev Tramway in Jassy wollte nicht halten, als ein jüdischer Leichenzug passierte, und verursachte dadurch eine Panik. Die Repräsentanten, der jüdischen Gemeinde führten bei der Tramwahdirektion darüber Beschwerde, wurden aber unter antisemitischen Schimpfworten hinausgeworfem Infolgedessen beschlossen die jüdischen Einwohner von Jassy, die einen großen Teil der Bevölkerung bilden, die Boykottierung der Tramway. Seit Tagen fahren alle Tramwahwaggons fast ganz ohne Passagiere. Nunmehr hat die Direktion mit der, jüdischen Gemeindevertretung Verhandlungen eingeleitet, um sie durch Gewährung einer Genugtuung zur Aufhebung des Boykotts zu bewegen. -— In Lodz ist der bekannte jüdische Schauspieler Sieg° mund Feinmann gestorben. — Ein im russischen Ministerium des Innern tagender Ausschuß hat die Durchsicht des Entwurfs der Städteordnung für das Königreich Polen beendet, welches dem Ministerrat in nächster Zeit zur Begutachtung vorgelegt werden soll. Der antijüdische Charakter beherrscht diesen Entwurf ebenfalls. Der Entwurf regelt auch das aktive und passive Wahlrecht in den Städten des Gouvernements Warschau, Kalisch, Kjelze, Lomscha Ljublin, Plojk, Radom, Ssuwalki und Sjedletz. Danach darf die Zahl der gewählten jüdischen Abgeordneten bei einer jüdischen Bevölkerung von 50 Prozent nicht mehr als Vs aller Abgeordneten betragen, sonst nicht mehr als Vio-, Juden dürfen nicht zum Stadt- Haupt oder'zu seinem Gehilfen gewählt werden. Im Stadtrat darf nur Vs des Bestandes jüdisch sein!! — Wie es heißt, werden jetzt im Kriegsministerium neue Bestimmungen über die Juden im russischen Heere ausgearbeitet. Viel Gutes dürften diese „neuen Bestimmungen" für die Juden nicht enthalten. — Der Heilige Synod. beschloß, oas Erscheinen des bekannten Hetzblattes „Potschajewskija Jswestija" zu verbieten, weil seine vom Archimandrit Witali geschriebenen Artikel vom finstersten Fanatismus des Mittelalters durchtränkt seien und die giftige Saat des Hasses gegen die Juden, ausstreuen. Plötzlich! — Das Zentralkomitee der Kadettenpartei hat. beschlossen, für die.durch Pergaments Tod in Odessa notwendig gewordene Reichsduma-Ersatzwahl einen jüdischen Kandidaten aufzustellen. Die Stimmen der Kadetten und der Juden betragen rn der ersten Wahlkurie 800 (von insgesamt 1700). — Im Palast zu Dolma-Baghtsche findet in den nächsten Tagen ein Diner zu Ehren der geistlichen Oberhäupter' aller Konfessionen statt. — Der Advokat Salem in Saloniki nahm die Einladung Hilmi Paschas an, Juristkonsult im Großwesirat zu werden. Salem ist bereits heute in Konstantinopel eingetroffen. Jüngst war ihm der Posten eines Justizministers angeboten worden, den" er ablehnte. — Der neue türkische Finanzminister Dschawid-Bey ist Dönmö, d. h. von Abstammung Jude, aus der ' Familie Sabbatai Zewis, der Religion nach Mohammedaner. Ein Gerücht will wissen daß der Jude Sasson Essen di Anwartschaft auf das Portefeuille der Oeffentlichen Arbeiten habe. — Der König von Norwegen hat den Direktor des Lessing-Theaters in Berlin, Dr. Otto Brahm, zum Ritter des St. Olafordens ernannt. — Grlchsktlichr Aattzrn. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampsern der Hamburg - Amerika - Stofe finden statt: Nach New Bork: 8/7. Postdampfer „Amerika". 15/7. Postdampfer „Cleveland". 18/7. Postdampfer „President Grant", 22/7.- Postdampfer „Kaiserin Auguste Victoria", 25/7. Postdampfer „Pennsylvania", . 1/8. Postdampfer „President Lincoln", 5/8. Postdampfer „Cincinnati", 8/8. Postdampfer „Blücher", 12/8. Postdampfer „Amerika"-. 14/8. Postdampfer „Graf Waldersee". Nach Boston: IS/7. Postdämpfer „Bethania". Nach Baltimorer 13/7. Postdampfer „Bethania". Nach Philadelphia: 12/7. Postdampfer ^Barcelona".Nach Kanada: 15/7. Postdampfer „Hoerde", 16/7. Postdampfer „Willehad". Nach Westindien: 5/7. Postdampfer „Schaumburg", 7/7. Postdampfer „Assyria". Nach Mexiko: 14/7. Postdampfer „Westerwald", 18/7. Postdampfer ^Spreewald", 28/7. Postdampfer „Albingia". Nach Öftesten: 10/7. Postdampfer „Ambria", . 20/7; Postdampfer „Nicomedia", 30/7. Postdampser „Liberia". I Bad Salzbrunn, Juli 1909. Der Kurbetrieb ist bei dem diesjährigen zahlreichen Besuch des Bades, der gegen die Vorjahre abermals eine Steigerung aufweist, auf der höchsten Höhe angelangt. Ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Vergnügungsprogramm ist für die Hochsaison vorgesehen. Starke Anziehungskraft übte auch in diesem Jahre wieder das vom 25. bis 27. Juni abgehaltene fünfte Allgemeine Tennisturnier aus, zu dem wie alljährlich Teilnehmer in großer Zahl auch aus weiter Ferne herbeigeströmr waren. Bei den einzelnen Wettkämpfen ergab sich, daß die Spielstärke bei den hiesigen Turnieren von Jahr zu Jahr zunimmt. Die.Herren-Meifterschaft gewann W: Dernie- Berlin, die Damen-Meisterschast Fräulein G. Noack-Breslau; im Herren-Doppel-Meisterschaftsspiel siegten W. Dernie/Wilutzky-Breslau. Das Programm wies im ganzen acht. Konkurrenzen Mit über 160 Nennungen auf. Die Besucherzahl des Bades betrug bis. 2. Juli: Kurgäste mit Begleitung 3464 Personen. Der gemeldete Fremdenverkehr 3191 Personen. Zusammen 6655 Personen. Außerdem 23 120 Tagesbesucher.