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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-09 · Heft 28 (9.7.1909) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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geplant, schon int vorigen Jahre begeben worden wäre. Wenn zu; unvorhergesehenen Ausgaben geschritten werden soste, so müsse eine vorsichtige Verwaltung Sorge tragen, einen Fonds zu haben, aus dem die Mittel' bewilligt werden können. Die bisherigen Ueberschüsse betragen etwa 900 000 Mark. Stelle man sich auf den Standpunkt, daß ein Reservefonds notwendig sei, so. müsse man auch eine Quelle suchen, die den Fonds speise, und dürfe dazu nicht die schwankende Grundlage eines Üeberschusses wählen, der vielleicht im nächsten Jahre gar nicht mehr vorhanden sei. Aus dem Reservefonds sollen in Zukunft, wenn er Kraft genug besitze, auch Synagogen erbaut werden, deren Vermehrung dringend erforderlich sei. Der Gemeindevorstand sei der Meinung, daß die Etatbelastung durch Anleihen ad infinilum ganz unmöglich sei. Die Synagoge Fasanen- ' straße überschreite auch die veranschlagte Ausgabe, sie werde/' ungefähr zwei Millionen Mark kosten. Wenn in gleicher Weise fortgefahren werde, so werde die Schuldenlast der Gemeinde, die schon jetzt über elf Millionen Mark betrage, ins Ungemessene wachsen. Die, neue Anleihe erfordere allein an Zinsen und Amortisationsbeträgen alljährlich eine Viertelmillion Mark. Herr Benas Levy teilte noch aus dem Ausschuß I mit, daß nur der dreijährige Gemeindeetat die Mitglieder zurückgeschreckt habe, eine Summe durch die Steuerquote für einen Fonds festzusetzen, der nicht unbedingt in jedem Jahre gespeist werden müsse. Wenn es einen Weg gäbe, alljährlich eine Summezu bewilligen, so würde sich auch die Mehrheit des Ausschusses I dafür ausgesprochen.haben. Auch Herr Manheimer ist ein entschiedener Gegner der Erhöhung der Steuer,quote. Er ist der Ansicht, daß auch die Jahre 1907/09 bedeutende Ueberschüsse ergeben werden. „Wollen wir uns denn einen Juliusturm anlegen," so ruft er aus, „und nun auch in Zukunft die Steuern erhöhen, wenn wir noch gar nicht wissen, ob wir sie brauchen?" Die jüdische Gemeinde sollte wie, alle städtischen Verwaltungen nur auf das vorhandene Bedürfnis Rücksicht nehmen. Herr Willibald Loewenthal vermag die geäußerten Befürchtungen, daß die Steuerzahler die Kosten der Vorlage. tragen sollen, nicht zu teilen. Die Bestimmung, wieviel Prozent der. Steuerquote zugeschlagen werden sollen, könne nach Beschluß des Gemeindevorstandes nur durch Gemeindebeschluß, also unter Mit-; Wirkung der Repräsentanten herbeigeführt werden. Jedenfalls dürfe die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, durch einen Zuschlag zur Gemeindesteuer den erschöpften Reservefonds wieder aufzufüllen. Mit dem Reservefonds stehe im engsten Zusammenhänge die Frage nach dem weiteren Bau von Synagogen, deren Zahl alle fünf bis zehn Jahre vermehrt werden müsse. Schon bei Bewilligung der Synagoge Fasanenstraße habe man sich entschieden geweigert, alle . Mittel aus der Anleihe zu nehmen. Der Zuschlag zur Steüerquote werde nur. ein ganz minimaler sein, etwa 0.57 Prozent statt der jetzigen 0,55 Prozent; die Steuerlast könne dadurch also nicht ins Ungemessene, wachsen. Professor Kalischer bringt als beachtenswerten Gesichtspunkt für den Reservefonds noch zur Sprache, daß die Gemeinde auch gewisse Verpflichtungen für die nächsten Generationen . habe, denen man nicht durch Anleihen ungeheure Lasten auferlegen dürfe. Syndikus Justizrat Lilienthal erwidert auf Anfrage des Rechtsanwalts Dr. Cohn, der sich teilnahmsvoll, nach dem Schicksal der Regelung der Pensionsverhältnisse der Beamten erkundigt, daß ein derartiges Reglement in Bearbeitung sei und die Vorlage demnächst zur Beratung gelange. Herr Badt. teilt noch mit, daß der jetzige Reliktensonds 67 000 Mark enthalte und somit gar nicht für , die vorhandenen Bedürfnisse in Frage kommen könne. Deshalb sei die Ueberweisung des Reliktensonds an den Reservefonds beschlossen worden. Der Vorsitzende Herr Louis Sa chs weist vor der Abstimmung nochmals darauf hin, daß alle Bedenken gegen den Modus der Anlage des Reservefonds fallen müssen, weil die Repräsentantenversammlung bei der Beschlußfassung über die Erhöhung der Steuerquote beteiligt sei. Die Repräsentanten würden schon dafür sorgen, daß die Steuerlast keine zu große sein werde. Wenn die Gemeinde nicht das Jammerbild des dreijährigen Etats hätte, würde den, Gemeindevertretern die Zustimmung zur Vorlage viel leichter fallen. Aber gerade, weil der Prozentsatz für drei Jahre festgesetzt werden müsse, werden die Gemeindebehörden viel vorsichtiger verfahren müssen. In der darauffolgenden Abstimmung werden alle Vorschläge,. der gemischten Deputation angenommen. An den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer werden als einmaliger Beitrag 100 Mark bewilligt, 75 Mark werden zur Einrichtung eines Barnnzwak-Kurses an der Religionsschule Friedenau gewährt. Nach Genehmigung einer großen Reihe unwesentlicher Vorlagen wird auch endlich das Krankenhansstätut, das noch vor wenigen Wochen Veranlassung zu heftiger Debatte gab> unter Dach und Fach gebracht. Damit sind üün die Schwierigkeiten beseitigt, die bisher dem Beginne des Neubaues des Krankenhauses im Wege standen. Auch eine Erhöhung der Gehälter der Assistenzärzte im Krankenhause wurde entsprechend den Gehältern in den städtischen Krankenhäusern beschlossen. Mit der Kenntnisnahme der Pläne für den Fahrstuhl im Hospital schloß die fast dreistündige öffentliche Sitzung, der eine kurze geheime Sitzung folgte. * . Aus der Begründung der Interpellation des Herrn Prof. Dr. 5. Kali sch er in der Sitzung der Nepräsentanten-Versammlung vom 6. Juni (Siehe Nr. 24 dieser Zeitung) sind hier noch folgende Aeußerungen nachzutragen, die als weiterer Beweis für die Notwendigkeit einer zuverlässigen Berichterstattung angeführt wurden: „Gerade vor einem Jahre bin ich in mehreren zionistischen Versammlungen, die damals in Breslau abgehalten wurden, heftig angegriffen werden, indem man mir aus Grund einer angeblichen Aeußerung in dieser Versammlung unterlegte, ich wollte, wie man sich ausdrückte, die awosenu aus unseren Gebeten beseitigen; man meinte damit, ich wollte die Formel „Gott unserer Väter" abschaffen. "Und worauf gründete sich diese Verleumdung? Etwa 14 Tage vor jenen Versammlungen, in der Sitzung vom 24. Mai wurde uns die abgeänderte Agenda für die Barmizwah- Feier vorgelegt. So aufmerksam ich auch dem sehr eingehenden Bericht gefolgt war, so war es mir doch nicht möglich, mir im Augenblick eine feste Meinung über alle Einzelheiten zu bilden. Ich hatte vielmehr-den Eindruck, daß die Sache in manchen Punkten verbesserungsbedürftig sei, u.nd ich stellte daher den Antrag auf Vertagung, damit wir Zeit und Gelegenheit fänden, uns genauer zu informieren. Ich begründete meinen Antrag unter anderem damit, daß, wie der Herr Referent mitgeteilt hatte, schon die ersten Worte des Gebetes zu Meinungsverschiedenheiten im Ausschuß Veranlassung gegeben haben. Während der Verfasser des Gebetes mit den Worten: „Heiliger Israels" beginnt, habe ein Ausschußmitglied statt dessen „Unser Gott und Gott unserer Väter" vorgeschlagen; ich, so fuhr ich fort, . würde vielleicht saget:: „Ewiger Gott". Das ist betT Sachverhalt, der so verdreht worden ist. Diese persönliche Erfahrung hat mich in der Ueberzeugting von der Notwendigkeit einer offiziellen Berichterstattung bestärkt." Orokellor Sr. Siegmund Frankel. Ein Erinnerungsblatt von Regina Neisser. ie Wissenschaft und das Judentum senken ihre Banner auf Halbmast und hüllen sich in dunklen Trauerflor! Ein Fürst im Reiche des Geistes, ein edler gütiger Mensch von vornehmster Gesinnung und rührender Bescheidenheit ist heimgegangen; ein stilles Gelehrtenleben, das weit hinaus tiefe Wirkungen ausübte, hat seinen Abschluß gefunden. Berufene Federn werden der großen wissenschaftlichen Bedeutung des edlen Heimgegangenen die wohlverdiente Anerkennung zollen, werden ihn gleichermaßen feiern als ausgezeichneten Kenner und. Forscher der semitischen Sprachen wie als einen der treuesten und besten Söhne des Judentums; denn in ihm vereinte sich Glauben und Wissenschaft, Religion und Verstand. Hier sei es nur einer schlichten Frau, deren Beziehungen zu seiner Familie sich nun schon bis in die vierte Generation erstrecken, gestattet, einen Ermnerungskranz auf den frischen Hügel des unvergeßlichen Toten zu legen.

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