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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-02 · Heft 27 (2.7.1909) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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mmm. , 4 - -H W-l VIU>P König, der keine Kinder hat, wahrscheinlich um einen.Knaben.fahren werde, um ihn zu töten. Am 8. d. M. fuhr Herr König nach.Prag und holte aus dem Kaiser Franz Joseph-Kinderspital das Söhnchen seiner Schwester Frau Johanna Czerwenka aus Wolschnik ab. Auf der Rückfahrt mit dem Knaben hielt er sich in Pisek auf und machte dort Einkäufe von Fleisch und Gemüse. Das Paket, in dem sich die gekauften Sachen befanden, deponierte er auf der Heimreise in Wlastec, von wo er es abholen lassen wollte. Der Stationsvorstand Spul untersuchte .aber das Paket und war entsetzt, als er auf den Kleidern des Knaben, . die sich in dem Paket befänden, Blutspuren wahrnahm. Diese rührten von dem Fleische her, das sich ebenfalls Ln dem Paket befand. Stätiönsvorstand Spul machte sofort die Anzeige beim Gendarmeriekommando in Pisek. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, und am 11. d. M. erschien eine Gerichtskommission, die zahlreiche Zeugen vernahm. Die Untersuchung ergab die Haltlosigkeit des unseligen und gefährlichen Gerüchts und. die geistige Depressan des Urhebers. — Am 20. d. M. ist inHiwanowitz in Mährens wo er 53 Jahre hindurch segensreich gewirkt hat, der Rabbiner Leopold Eisler im 85. Lebensjahre gestorben. Gr war ein gelehrter, bescheidener und frommer Mann, der sich-Allgemeiner Achtung und. Liebe zu erfreuen hatte. Seine „Beiträge zur rabbinischen Sprach- und Altertumskunde* (Men 1872 und 1890 IV) sind eine wahre Fundgrube für die Wissenschaft des -Judentums- Sein letztes Werk: „vibie Jehuda ha-acharonim" (Wien 1900) bietet wichtige und interessante Ergänzungen hierzu. Das ganze Leben des edlen Mannes war dem Studium und der Seelsorge gewidmet. Ehre seinem Andenken! — Der ungarische Kultus-und Unterrichtsminister Graf Apponyi hat mit Berufung auf einen älteren Ministerialerlaß die grundsätzliche Entscheidung gefällt, daß als selbständige israelitische Religionsgemeinden nur jene Religionsgemeinden zu betrachten sind, in denen die Rabbinerstelle besetzt iffc Dementsprechend hat der Minister, an mehrere Religionsgemeinden in der Provinz, darunter auch Temesvar, in denen die Rabbinerstelle derzeit unbesetzt ist, die Aufforderung gerichtet, diese Stelle innerhalb sechs Monate zu besetzen, widrigenfalls sie ihren Charakter als Muttergemeinden verlieren- Van Sah und jfrrn. — Durch Erlaß des Eisenbähnministers ist dem jüdisches Frauenbund gestattet worden, Plakate zum Schutze alleinreisender jüdischer Frauen und Mädchen in den Magenabteilen dritter und vierter Klasse in den Personenzügen der preußisch-hessischen Staatsbahn auszuhängen, ebenso, wie das seitens evangelischer und katholischer Mädchenschutzvereine seit langem geschieht. — Kommerzienrat Hermann Bamberg, der Vorsitzende des Berliner Handwerkervereins, hat anläßlich der Jubelfeier dieses Vereins den KronenordE III. Klasse erhalten. — Die Tochter des Herrn Adolf.Prager, hie Tochter unseres Mitarbeiters Herrn Albert Katz und die Tochter des verstorbenen Kantors Schönberger in Potsdam haben das medizinische Staatsexamen beständen und sind zum Doktor promoviert. Die erstere an der medizinischen Fakultät in München, die beiden . anderen in Freiburg in Baden. — Der Ziegeleibesitzer R ob ert Mannheimer wurde zum Kommerzienrat ernannt. — Der Direktor des Thalia-Theaters in Elberfeld, Martin SteiM ist hier an den Folgen einer Operation im 45. Lebensjahre gestorben. Am 22. d.M. fand vor der Ueberführung der Leiche nach Hamburg in der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes in der Schönhauser Allee eine Trauerfeler statt. Rabbiner Dr. Eschelbacher hielt die liturgische Andacht ab. — Der Regierungspräsident in Potsdam hat der Synagogexigemeinde Cöpenick die Erlaubnis zum Bau einer Synagoge erteilt. Ebenfalls genehmigte der Bezirksausschuß den Ankauf des vom Vorstand und den Repräsentanten projektierten Grundstückes. — Herzog Johann Albrecht, Regent von Braunschweig, besuchte in S t a d toldendorf die Fabrik der Firma A. I. Rothschild Söhne, und heim -Verlässen derselben wurde der älteste Chef, Stadträt Levy, zum Kommerzienrat ernannt. Als der Regent die Frönt des aufgestellten Kriegervereins entlang fuhr, bemerkte er den Kaufmann M o s e s Heinbergwelcher ein Veteran von 1870/71 und mit dem'Eisernen Kreuzausgezeichnet ist. Er entbot diesen an seinen Wägen und ließ sich aus dem letzten Kriege erzählen. Sodann verlieh er dem Veteran die Verdienstmedaille 2. Klasse. — Es verlautet — allerdings noch unverbürgt daß als nächster Ort für'den Zionisten-Kongreß im Dezember Hamburg gewählt wurde. Die Wahl dieses Ortes wird von den osteuropäischen Zionisten lebhaft bekämpft. Sie sehen darin einen. Versuch der Knebelung der Opposition. — Der Oberkantor des Israelitischen Tempels in Hamburg. M. Henle, erzielte anläßlich; eines Gesängswettstreits in Hamburg mit dem Männerchor „Quartett Alster" unter 25 Gesangvereinen den ersten Preis. Herr Henle, als Dirigent des Vereins, wurde durch eine Ehrengabe (Pokal) ausgezeichnet.-— Dem .Privatdozenten für technische Elektrochemie an der Technischen Hochschule zu Karlsruhe, Dr, Paul Askenazy, ist der Titel außerordentlicher Professor verliehen worden. — Nach längerem Leiden verstarb in Mannheim der Konsul a. D. Heinrich Nauen. Zehn Jahre war er ein sehr tätiges Mitglied des Synagogenrates und Vorstandsmitglied vieler jüdischen und sonstigen Hilfsvereine. Nicht weniger als zwölf Orden schmückten bei Lebzeiten seine Brust, darunter ein solcher als Ritter des Zähringer Löwenordens 1. Klasse mit Eichenlaub, auch war er in seiner Eigenschaft als langjähriger spanischer Konsul Kommandeur des spanischen Jsabella-Ordens. — Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer in Zweibrücken..hat .gegen den bekannten Lehrer Rosenwald in Steinbach ein Disziplinarverfahren bei der Schulbehörde beantragt, weil dieser bei einer Leichenrede, die er mit Erlaubnis des Rabbiners gehalten hat, sich eines Ornats als Amtstracht bedient hat! — Die große goldene Medaille der Münchener Internationalen Kunstausstellung wurde dem aus Ungarn stammenden Maler Jsak Perlmutter zugeteilt. — Die Generalversammlung der lenisti Cok>ni§atioii Association finbet am 11. Juli d.J. in Paris statt. — Inder französischen Deputiertenkammer hat der Antisemit Delahaye einen scharfen Angriff gegen die Juden gerichtet. Er wurde aber allgemein ausgelacht.' —. Nach den Mitteilungen, die der „Hilfsverein der Deutschen Juden" erhielt, bestätigen sich erfreulicherweise die Gerüchte von einem. Pogrom in Bessarabien und in Kischinew nicht. Zu den Gerüchten mag die Tatsache Anlaß gegeben haben, daß sich infolge der neuerdings wieder vermehrten Tätigkeit des „Verbandes der echten Russen" der jüdischen Bevölkerung eine große Unruhe bemächtigt habe.. — Sämtliche jüdische Weingartenpächter aus den I assy benachbarten Gemeinden wurden aufgefordert, sofort die Gegenden zu verlassen, obwohl sie schon.seit dreißig und mehr Jahren dort ansässig sind. Diese Aufforderung wird dadurch begründet, daß den Juden der Aufenthalt in den Dorfgemeinden verboten ist. Es herrscht große Panik unter der jüdischen Bevölkerung, die nun ihr ganzes Hab und Gut in Gefahr sieht. Die Juden haben sich an die oberen Behörden telegraphisch gewandt, es wurde ihnen aber geantwortet, daß dies eine Angelegenheit der Dorfgemeinden sei. — Vorige Woche wurde in der Petersburger Universität unter besonderer Feierlichkeit der ersten Rechtsanwältin in Rußland das Advo? katendiplom überreicht. Die neue Advokatin ist Frl. Dr, Katharin a Fleischer, eine Jüdin, die in Paris das Doktorexamen gemacht und nachher an der Petersburger Universität die Advokatenprüfung mit Auszeichnung bestanden hat. — Kruschewan, der berüchtigte Organisator des Kischinewer Pogroms, ist am 18. d. M. an Apoplexie gestorben. Seine Beerdigung gestaltete sich zu .einer großen Ovation des gesamten Antisemitenkorps in Südrußland. — Am 22. d. M. wurde der Haupturheber der Ermordung Herzensteins, der ehemalige Chef des Kampfwehrverbandes des russischen Volks, Juskewitsch Kraskov.ki, im Gouvernement Tw er verhaftet, wo er über zwei Jahre unter falschem Namen verbrachte. Sein. Aufenthaltsort war den Behörden seit langer Zeit bekannt. Doch wagten sie nicht, zu seiner Verhaftung zu schreiten. Er droht jetzt mit neuen Enthüllungen, über das Treiben des Verbandes. — In einem an die Lokaladministrationen gerichteten Zirkular des Ministerpräsidenten Stolypin wird den Juden der Sommeraufenthalt auf dem Lande in. der Umgebung von Kiew, Witebsk, Dwinsk und anderen Städten gestattet. — Dem „Fraind" wird aus Minsk über eine gewaltige Feuersbrunst gemeldet, bei der vorwiegend die jüdische Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen worden ist. — In Tremantle (Westaustralien) ist am 22. v. M. der frühere italienische Konsul Elias Solomon, einer der angesehensten Männer im städtischen und politischen Leben des Landes, im 70. Lebensjahre gestorben. Er war wiederholt Bürgermeister der Stadt und Abgeordneter imParlament und Repräsentantenhaus. Ruch an jüdischen Angelegenheiten beteiligte er sich mit lebhaftem Interesse Ehre seinem Andenken!

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