Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- Seite 212 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Zuschuß zu den hier mitgezählten Gemeindeinstituten beträgt 231 660 Mark. Hier sind aber nicht berücksichtigt die großen Zuwendungen aus besonderem .Anlasse und in Form von Stiftungen an die Gemeindeinstitute, die oft mehrere Hunderttausende im Jahre betragen. . (Fortsetzung folgt.) - lBritf aus London. Von Dr. I. Chotzner. or kurzem, feierte das britische Museum sein 150stes Jubiläum, und da dasselbe weltbekannt ist, und einen literarischen Schaß von seltenen hebräischen Druckwerken und- Manuskripten enthält, so dürften folgende kurze Notizen darüber für die Leser dieser Blätter von einigem Interesse sein. Als das Museum im Jahre 1759 eröffnet wurde,, besaß es bloß ein einziges hebräisches Werk von Bedeutung, und zwar war dies die eäitiv prineeps des Talmud. Dasselbe ist ein Prachtexemplar, und soll ursprünglich den englischen König Heinrich VIII. zum Eigentümer gehabt haben, welcher Umstand es zu einer besonderen Rarität macht. Nach und nach wurde das' Museum durch verschiedene Schenkungen und durch den Ankauf von wertvollen Sammlungen hebräischer Druckwerke und Manuskripte sehr bereichert, so daß es jetzt als eine der größten hebräischen Bibliotheken der Welt mit Recht angesehen werden kann. Denn es besitzt augenblicklich ungefähr 20 0OO hebräische Druckwerke und mehr als Lausend hebräische Manuskripte. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß der größte Teil dieser Sammlungen ursprünglich verschiedenen Juden angehört hät, wie z. B. den Michaelis, Almanzi, Gerundi, Jacob Emden und Heidenheim. Der berüchtigte Schapira hat ebenfalls eine Anzahl von seltenen Manuskripten den Verwaltern des Museums verkauft, die er aus Jemen nach England gebracht hatte. Im vorigen Jahrhundert waren folgende bekannte jüdische Gelehrte im Museum mehr oder weniger tätig, nämlich, Josef Zedner, Emanuel Deutsch, L. Dukes, A. Neubauer und M. Steinschneider. Zedners Katalog zu seinen daselbst Vorgefundenen hebräischen Druckwerken hat einen bleibenden literarischen Wert und wird von vielen Lesern häufig in Gebrauch genommen. Die britische Nation hat demnach den Erfolg eines ihrer bedeutendsten literarischen Institute der Mitwirkung von Juden nicht wenig zu verdanken. — Von einem Jubiläum sprechend, möchte ich noch ein anderes erwähnen, das im Lause dieses Jahres hier gefeiert werden wird, und das für jüdische Leser ebenfalls von einigen: Interesse ist. Vor einem Jahrhundert wurde nämlich hier von einer kleinen Zahl von nichtjüdischen Bibelsreunden ein Verein gegründet, der den Zweck hatte, billige Ausgaben der Bibel (beider Testamente) drucken zu lassen, um dadurch eine weite Verbreitung derselben in allen Weltgegenden zu ermöglichen. Seitdem vergrößerte sich die Tätigkeit des Vereins mit jedem Jahre nach verschiedenen Richtungen hin, und laut dessen neuesten jährlichen Berichten beläuft sich die Anzahl, der in jedem Jahre verkauften oder verschenkten Exemplare der Bibel auf Millionen. Interessant ist es auch zu erfahre», daß es den Bemühungendes Vereins gelungen ist, Uebersetzungen der Bibel in etwa vierhundert Sprachen zu veranstalten. In Verbindung mit diesem Jubiläum gibt jetzt Dr. Ginsberg eine neue Ausgabe der hebräischen Bibel heraus, die sich von allen existierenden Ausgaben derselben vorteilhaft unterscheiden wird. Sie wird nämlich alle massoretischen Lesarteü enthalten, die sich überhaupt vorfinden und die namentlich in den ältesten Manuskripten vorhanden sind, welche das britische Museum in großer Anzahl besitzt. —' „Dick Whittington" ist ein leichtes Theaterstück, das seit Wochen -schon hier mit großem Erfolge gespielt wird und ein biblisches Thema berührt, das recht anziehend ist. Whittington, der die Hauptrolle unter den dramatis personae spielt, ist ein armer junger Wanderer, der zu Fuß nach der englischen Metropole geht, um daselbst sein Glück zu suchen. Ermüdet von einer langen Tagereise legt er sich aus einem Felde nieder und benutzt einen Stein zu seinem Kopfkissen. Bald darauf schläft er sanft ein und hat einen süßen Traum. Darin sieht er Engel mit goldenen Fittigen um ihn herumschweben, die ihm Mut und Hoffnung ins Ohr lispeln. Als er erwacht, setzt er seine Reise mit neuer Kraft und Stärke fort und findet nach Jahren in London das von den Engeln ihm verheißene Glück. Die herrlichschöne biblische Erzählung vom Patriarchen Jacob und seinem Traum wird somit in dem. besagten Theaterstücke mit glänzendem Effekt wiedergegeben, obschon sie ein Alter von Tausenden von Jahren aufzuweisen hat. — Mr. Herbert Samuel, ein Glaubensgenosse, der im jetzigen englischen Ministerium Sitz und Stimme hat, hatte im vorigen Sommer eine Bill im englischen Parlament eingebracht, die späterhin auch legalisiert wurde, und allgemein als höchst nützlich anerkannt wird. Die Bill verpflichtet nämlich die Regierung, sich teilweise um das Wohl und die Erziehung der Tausende von Kindern zu kümmern, deren ge-, fühllose Eltern sie verwahrlost in den Straßen herumlaufen lassen. Dabei ist noch zu bemerken, daß es hauptsächlich nichtjüdische Kinder sind, die von der Legalisierung der genannten Bill in aller Zukunft Nutzen ziehen werden, da arme jüdische Eltern, die in England leben, in der Regel für das Wohl und Gedeihen ihrer. Sprößlinge soweit als möglich selber Sorge tragen. — Seit mehreren Wochen wird in der hiesigen jüdischen Presse die keineswegs günstige soziale Stellung der englischjüdischen Geistlichen lebhaft diskutiert. In dieser Diskussion wird darauf hingewiesen, daß, mit wenigen Ausnahmen, die sich hier „Reverend" nennenden Geistlichen, in gebildeten und gutgestellten jüdischen Kreisen übersehen werden, und eine wenig geachtete Stellung einnehmen. Darüber darf man sich aber nicht besonders wundern, denn es ist Tatsache, daß die meisten dieser sogenannten Reverends keine erwähnenswerte Vorbildung besitzen, und daß sie daher keineswegs auf den Respekt Anspruch machen können, den ein regelrecht theologisch und. klassisch gebildeter jüdischer Geistlicher in anderen Ländern genießt. Ihre sogenannten Predigten anzuhören, ist durchaus kein Vergnügen, und sie gewähren außerdem auch gar keine Erbauung, so daß die Mitglieder verschiedener hiesiger Synagogen, nur recht selten daselbst erscheinen.. Ein solcher Zustand kann bloß eine stetige Indifferenz in dem allgemeinen Synagogenbesuch herbeiführen, die recht bedauernswert ist. — Das einflußreiche und jüngst vielgenannte Londoner Tageblatt „The Daily Telegraph“ widmet jetzt jeden. Sonnabend eine seiner Spalten zur Besprechung englischjüdischer Interessen. Dieser Umstand beweist somit, das; man auch in hiesigen nichtjüdischen Kreisen von den inneren Verhältnissen der Juden in England etwas wissen möchte. Drr Jude bei Stendhal. Von Dr. 8. Felix Pinus in Zürich, s soll wirklich nicht von Stendhal heißen, etwa wie Wilhelm von Scholz' „Jude von Kostanz". Handelt es sich doch hier nicht um jenes kleine - altmärkische Städtchen, oder wenigstens nur insofern als Henry Beyle sich de Stendhal