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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-29 · Heft 5 (29.1.1909) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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„Noworossisky Telegraph" („Neurussischer Telegraph")., unter der Redaktion von Jerebrjanikow. Er 'kannte die russische Literatur vv#'.- züglich und besaß große Kenntnisse in der Medizin.. Cr benutzte dies dazu, um dieselbe zugunsten der ärmsten Bevölkerung Odessä^ anzuwenden. Er verheiratete sich mit der Besitzerin.einer TyPographMl - M. Beilensohn (deren Vater ein bekannter Hebraist war . und mehrere Werke in hebräischer Sprache veröffentlichte), und erweiterte diese Unternehmung. Wenn wir nicht irren, war der Heimgegangene früher Beamter in der . Kanzlei des Kutaiser Gouvernements des obenerwähnten Grafen Lewaschew. Vom Jahre 1877 an. im Laufe von 19 Jahren hatte er in Pacht und redigierte die „Mitteilungen.der Odessaer Stadthauptmannschaft" (ein offizielles Blatt), und 1893 beging er das 25 jährige Jubiläum des Bestandes dieser Zeitung. Man feierte den Dahingeschiedenen, und in der Adresse, die. ihm bei dieser Gelegenheit die Setzer überreichten, heißt es unter anderem: „Sie exploitieren die Arbeiter nicht. Ihr Umgang und Benehmen gegen uns ist stets ein feines und einfaches. Sie blicken auf uns nicht wie aus Sklaven, sondern wie auf Menschen." — Der Verewigte war auch Gründer der „Feodorowischen Gesellschaft zur ' Unterstützung der Drucker", und für seine großen Verdienste um dieselbe, wurde er zum Ehrenmitglieds gewählt. Ferner war % Stadtverordneter und wurde in verschiedene Kommissionen der Wohlfahrtseinrichtungen der Stadt gewählt. Er war ein tätiges Mitglied des „Krimmer Bergklubs", der Gesellschaft zur Unterstützung der Literaten und Gelehrten und verschiedener jüdischer Wohltätigkeilsanstalten. — Der Dahingeschiedene kämpfte lange Jahr für Errichtung eines Zyklus von Handwerkerschulen für arme jüdische Kinder. Durch seine umfassenden Kenntnisse verkörperte der Verklärte in sich eine lebendige Enzyklopädie. Er sprach acht Sprachen: russisch, französisch, deutsch, italienisch, hebräisch, armenisch, grusinisch und arabisch! Er war ferner ein leidenschaftlicher Sportsmann und ein Liebhaber der Malerei. Die von ihmzurückgelassene Bildergalerie enthält seltene Bilder berühmter Meister. Der Verewigte hatte zwei Söhne, von denen der eine, ein Arzt, beim Rückzuge von Mulden verschollen ist. Dieser schreckliche Verlust hatte einen starken' Einfluß auf seinen zerrütteten Organismus, und er begann kränkeln. Der zweite Sohn des Heimgegangenen, der Jurist Alexander, wurde nun vom Generalgouverneur als Redakteur und Herausgeber der „Odessaer Rundschau" bestätigt. Eine Tochter des Verblichenen ist mit dem Professor Mandelstamm in Straßburg verheiratet. — Für verschiedene Verdienste wurde Jsakowitsch zum erblichen Ehrenbürger ernannt und erhielt den Stanislausorden III. Klasse, das Ehrenzeichen des Roten Kreuzes und der Rettungsgesellschaft auf dem Meere und dergleichen mehr. — In der außerordentlichen Sitzung der Verwaltung der Beerdigungsbrüderschaft' wurde beschlossen, in Hinsicht der besonderen Verdienste von Jsakowitsch, denselben auf Gemeindekosten zu bestatten. Friede seiner Asche!. Von Msh und Fern. — Die Enthüllung des Denkmals für. Moses Mendelssohn ist abermals verschoben worden und findet nunmehr bestimmtMr 15. Februar d. I. statt. Das Denkmal steht bereits vollständig fertig im Vorgarten der Jüdischen Knabenschule, Große Hamburger Straße, ' da. — Zu den Ordensverleihungen anläßlich des Krönungsfestes sind noch nachzutragen: Justizrat Dr- B er en d-H a nn o v er, Am^- gerichtsrat Friedländer-Köln, Geheimer Sanitätsrat Dr. Neubürger-Frankfurt a. M., Bankier E. Spiegelberg-Hannovey, Sanitätsrat Dr. S. Meyer-Rietberg, Justizrat Heilberg- Breslau, Amtsgerichtsrat Leyser-Nord hausen erhielten Roten Adlerorden IV. Klasse, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Weinstein-Berlin den Kronenorden III. Klasse. — Der Begründer der deutschen Kaliindustrie, Professor Dr. .Adolf Frank, feierte in Charlotten bürg seinen 75. Geburtstag. -Der gr^ Jubilar erfreut sich in der, wissenschaftlichen Welt und in Industrie kreisen großen Ansehens/ Durch seine Arbeiten über die Verwertung des Stickstoffes.' der Lust zu technischen Zwecken und durch seine bahn» brechenden Versuche auf dem Gebiete der Moorkultur hat sich Professor Frank 'große- Verdienste um die .deutsche Industrie und Lanh-, Wirtschaft erworben. — Stadtrat Salomon Wien er-in Katt.vwitz, der langjährige hochverdiente Vorsitzende des Vorstandes der jüdischen Gemeinde,/.ist,zum Stadtältesten ernannt worden. — Am 24 b. ist im .Ulter.von61 Jahren in Kattowitz derJustizrat S. Epstein gestorben. Derselbe war 17 Jahre Mitglied und seit 11 Jahren Vorsitzender der Repräsentantenversammlung daselbst. Ehre seinem. Andenken! — In H a mb Nr g sist am 21. d. M. der Präses des Israelitischen Tempel- Verbandes,-Herr Josef Schönfeld, gestorben. Er war mehr als 40. Jahre Vorsteher der Gemeinde und hat als solcher ein sehr verdienstvolles Wirken nach allen Richtungen hin entfallet. Sein Andenken sei gesegnet! — In Mayen ist am 21. d. M. der Lehrer Max Mayer aus Lechenich bei Köln im 27. Lebensjahre nach langem Leiden verschieden. Mayer war ein tüchtiger Schülmann, aber auch ein Dichter von ungewöhnlicher Begabung. Zwei Sammlungen seiner Gedichte haben seitens der Kritik wohlverdiente Anerkennung gefunden. Ehre seinem Andenken! — In Bürgst ein furt wurde an Stelle des Herrn I. Marcus, der wegen hohen Alters sein Amt niederlegte, Herr Albert Hermann zum Vorsteher der jüdischen -Gemeinde gewählt. — Der Großherzog von. Hessen hat' dem seitherigen ersten Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde in Mainz, Rechtsanwalt Justizrat Dr. Ferd. Ph. Mayer, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der außerordentliche Professor der Mineralogie an der Universität Heidelberg, Dr. Victor G old sch mi dt, ist zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt worden. — In Sierck in Lothringen ^Svar die - Verwalterstelle einer Apotheke zu vergeben.- Ein jüdischer Apotheker meldete sich hierzu, erhielt aber einen ablehnenden Bescheid, und zwar mit . der ausdrücklichen Motivierung, daß die. Bevölkerung Anstoß nehmen würde, wenn ein Jude in der Apotheke angestellt werde! — Ein Teil des durch Niederlegen des Bruchklosters in Luzern frei werdenden. Grundes tvurde der israelitischen Kultusgemeinde der Stadt zum Bau einer Synagoge verkauft. — Die Nabbinerkonferenz in Warschau hat begonnen. Die Sitzungen finden in einem Privatsaale-in der Gnojnastraße statt, da die Verwaltung der jüdischen Gemeinde den Gemeindesaal für diesen Zweck nicht hergegeben hat. Die Debatten nehmen, abgesehen von ewigen kleinen Zwischenfällen, wider Erwarten einen ruhigen Verlauf. Vertreter der Polizei und des Zensuramtes sind anwesend; Berichterstatter der. jüdischen Blätter, außer einem einzigen, haben keinen Zutritt. Zum Vorsitzenden wurde der Rabbiner Boren stein aus Sochaczew erwählt. In der ersten Sitzung wurde ein Gebet, für den . Zaren und die kaiserliche Familie gesprochen, und man beschloß, eine telegraphische Dankadresse an den. Zaren zu senden. Zur Begrüßung der Konferenz sind aus dem Auslande viele Telegramme eingetroffen. — Die Stadtverwaltung in Wilna hat erklärt, daß die Juden auf Grund der herrschenden gesetzliche!: Bestimmungen (?) bis auf weiteres von. jeder Art Beteiligung an den Stadtverordnetenwahlen ausgeschlossen sind, daß ihnen also auch nicht das Recht zusteht, sich als Vertreter von Körperschaften an den Wahlversammlungen zu beteiligen. Das Mahnwort der internationalen öffentlichen Meinung an die finnischen Machthaber-ist.nicht ungehört verhallt. Der gegen zirka -30 jüdische Familien gerichtete drakonische Ausweisungsbefehl, wonach diese armen Familien binnen 14 Tagen das Land verlassen sollten, . ist vorläufig — bis zum.Sommer — sistiert worden. Der Präsident des Senats hat einer ihn in dieser Angelegenheit besuchenden Depu- . tation ferner die Beschleunigung eines den Aufenthalt der. Juden in Finnland regelnden Gesetzes versprochen. — Vor einigen Tagen haben die Herren Jacob Schiff, Louis Marshall und einige andere eine Konferenz mit dem Police Commissioner Bmgham in New Yo rk gehabt, um für die Juden, die am Sonnabend ihre Geschäfte schließen, die Erlaubnis zu erwirken, am Sonntag ihre Geschäfte offen zu hatten.—Das vor einigen Tagen eröffnete Testament des Bankiers L. H. Heinsheimer, Seniorchess der Firma Kuhn,. Loeb & Co. in New York enthält eine Verfügung, die nicht verfehlen wird, lebhaftes Interesse zu erregen. Der hochherzige Verblichene hat. eineinhalb Millionen Dollars (sechs Millionen Mark) mit der Bestimmung testiert, daß die Summe den großen jüdischen Hilfsorganisationen zufallen soll, die. sich zu gemeinsamer Tätigkeit zusammengeschlossey haben.. — Wie aus Newyo rk berichtet wird, wurde Dr. Maurice Fishberg, der sich durch seine verschiedenen anthropologischen Studien über die Juden einen Weltruf-erworben hat, zum Vizepräsidenten der Newyorker Akademie der Wissenschaften gewählt..

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