Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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Wenn man weiß^ daß in der, Hauptstadt. des ReicheS.^.dercMür.ge^ meister, der Gemeinderat, die Landes- und viele 'Staatsbehörden dre' Inden boykottieren, kann es nicht Mündern, west'nEinzelp'ersonän und Parteien ffich dieses Mittels 'bedienen.' Menst der Minister-, Präsident von. seinen Organen verlangt, daß sie den Gesetzen Geltüstg verschaffen, dann möge er darauf sehen, daß diese Organe selbst den Artikel 3 des Staatsgründgesetzes nicht verletzen, der festlege, daß die, öffentlichen Aemter für alle Staatsbürger gleich zugänglich sind.^K-. Ich habe Ihnen neulich von dem Defizit geschrieben, das die Wiener Kultusgemeinde auch in diesem Jahre aufzuweisen hat. Das ist aber noch gar nichts gegen das Defizit der Präger Kultusgemeinde, das die respektable Höhe von '170 000 Kronen erreicht hat. Woher kommt das nur-, daß in 'den österreichischen Eroßgemeinden das Defizit eine chronische Krankheit zu sein scheint? ' Von Mh unL ssrrn. — Anläßlich des Ordensfestes wurden folgende Auszeichnungen verliehen:. Geheimer Kommerzienrat Wilhelm Herz erhielt den Roten' Ädlerordest II. Klaffe mit dem'Stern. Geheimer Kommerzienräl Dr. I. Loewe denselben Orden III. Kläffe mit der Schleife, Geheimer Kommerzienrat Arnhold. den Kronenorden II. Klaffe, Rentier Gustav Kronthal. Fabrikbesitzer L. Rosenow, Justizrat Bäsch,' Geheimer Justizrat Dr. G. Leb in, Landgerichtsrat Sälomon den Roten Adlerorden IV. Klaffe. — Der Kaufmann Adolf Goldberg hat aus Anlaß seiner silbernen'Hochzeit ddm Berliner Magistrat 30 000 Mark übersandt zur Begründung einer Adolf Märta'Goldberg-Stiftung. Aus den Zinsen sollen je zstr Hälfte christliche und jüdische Einwohner, die noch nicht im Wege der öffentlichen Armenunterstützung eine Unterstützung erhalten haben, bedacht werden. Die Berliner Akademie der Wissenschaften hat durch die philosophisch historische Klaffe für das Unternehmen einer Neuausgabe der Septuaginta,' die das Kartell der ..deutschen Akademien in die Hand genommen hat, 2500 Mark bewilligt. — Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Senator ist zum Ehrenmitglied der belgischen medizinischen Akademie einstimmig gewählt worden. — Der Bauinspektor und Chefingenieur der Anatolischen Eisenbahn Hermann Galewski aus P loschen ist von der Deutschen Bank als Direktor der Bagdadbahn berufen worden. — Der Stadtverordnetenvorsteher, Assessor Dr. Levy in Hohensalza, ist zum Provinziälland'taW abgeordneten gewählt worden. — Am 11. dieses Monats feierte Bankier I. Alexander in Breslau das Fest, eines dreifachen Jubiläums: das 75 jährige Bestehen der Firma Gebrüder Alexanders deren Senior er ist, zusammen ' mit ' seinem 70. Geburtstag und dem 60 jährigen Chefjubiläum in vollster körperlicher und geistiger Rüstigkeit. — Der verstorbene Bankier Mäx' Perls in Breslau hat eine Stiftung von 250 000 Mark für erwerbsunfähige Kaufleute ohne Unterschied der Religion gemacht. Professor Dr.- . S. Fränkel in Breslau hat den Roten AdlerordenIV. Klaffe erhalten. —In G lei witzhat eine großeAnzahl Gemeindemitglieder dieÄnschä.ffung einer Orgel verlangt; ein diesbezüglicher Antrag ist beim Vorstand der Synagogengemeinde eingereicht worden. — Anläßlich seines sieb- . zigsten Geburtstages hat Fabrikbesitzer Sällh Hehmänn der Synagogen gemeinde Görlitz die Summe von 30000 Mark zum Bäu der neuen Synagoge zugewiesen. — Der Kaufmann L. Strauß in Hörde, welcher fast 40 Jahre der Gemeinde-Vertretung angehörte, feierte am 9. dieses Monats in voller Rüstigkeit seinen siebzigsten Geburtstag. — Dererste, französische Adler im Kriege 1870M wurde von einem jüdischen Soldaten erobert. Herr Georg Hirsch- Fr ankfur r ä. M. wird als derjenige Soldat aufgeführt, der mit stürmender Hand bei Wörth den ersten französischen Adler eroberte. Ein Briefwechsel zwischen dem späteren Historiker des 80. Regiments Baron von Poseck und Hirsch im Jahre 1899 enthält die nähere Schilderung des Vorgangs. Hirsch selbst, der das Eiserne Kreuz I. und II. Klaffe und den russischen St. Anna-Orden verliehen bekam, hat nie mit seiner mannhaften Tat geprahlt, sondern das Geheimnis seiner Auszeichnung ängstlich gehütet. — Dr. Hermann Levy, dessen Ernennung zum Dozenten an der Ma nnheimer Hochschule mehrere jüdische.Blätter verzeichneten und Hofrat Dr. Flata.u in Nürnberg sind nicht mehr Juden. Kommerzienrat Gmil-Mäster in Ma nnhei m und LandgerichtsratI. G,e ismarin H eidelberg,diejüng^hie^g^ riänüt'würdeu,'.fiuh ebenfalls .picht mehr Zudem Jn-Karlsruh.ei.st im Älter von 6 l Jahrenäer Assistent an der technischen HochschuleDr. -S. Reinherz plötzlich an einemi^chlaganfall.gestorben. — Dervorknrzem verstorbene' Graf.F'riedrich^v.on Rhena, der.Sohndes seligen Prinzen Karl von Baden, hat. dem-..Kra-nkeuhHis^:d«r..--^üdiDhen.. Gemeinde Karlsruhe ein .Legat, von 5000 Mark ausgesetzt.Aus Anlaß des hundertjährigen Jubiläums..der badischenLandessynagoge ließ der Synagogenrat Mannheim am DenkmalsdesGroßherzogs Karl Friedrich einen Lorbeerkränz mit entsprechender. Widmung ni ed erlegest.. — Vor.etwa sechs Monaten ästin der israelitischen. Gemeinde Sierenz i.'E. ein Synagögenstreik 'ausgebrochen, der-sich, noch nicht hat beseitigen lassen. Der Grund liegt dmkin,. daß den Gemeindemitgliedern nicht die Berechtigung erteilt wird, ihrenBvr? stand selbst zii wählen, wie es in anderen.Gemeinden der Fall ist, Während die Juden in Bayern nach der letzten Zählung 0M Prozent der Bevölkerung bildeten (1890 war ihr Anteil 0,90 Prozent; er ist also nur ein wenig heruntergegangen), betrug ihr Anteil an der. Kriminalität. 1896 bis 1900 nur 0,64 Prozent, 1901 bis.1905 entsprechend ihrer'geringen Abnahme an der Bevölkerung 0,62 Prozent. — Die Blätter berichten über das Schicksal -einer, Witwe Sarah. Levi in-Messina, die mit einem Sohne und zwei Töchtern durch das Erdbeben verschüttet, wurden und sich mit furchtbaren An-, strengungen aus den Ruinen selbst befreiten. ‘ Sie stüchteten, nur notdürftig bekleidet. und ihre ganze Habe zurttcklaffend, nach Neapel. Auf dem Wege dahin nähmen sie sich noch eines verlassenen Kindes an. Der Sohn dieser'Witwe', Professor David Riso Levi, hatte erst vor kurzem einen Ruf als Professor der Literatur' an das städtische Gymnasium in'Messina erhalten. — In der jetzt so viel genannten unglücklichen Stadt Unteritäliens, Reggio, hat die Wiege der hebräischen Typographie gestanden. Im Jahre'.1475 wurde dort die erste hebräische Büchdrückerei errichtet und das erste Büch .in hebräischer Sprache gedruckt. Es war dies der Kommentar Raschis zum Pentateuch. Die nationälistisch'e Presse in Paris behauptet, die Juden' — für sie sind jetzt alle republikanischen Hochschüler Juden -— feien zu zwanzig übtzr'einen Vaterländischen Katholiken hergefallen und hätten ihn Mißhandelt. Die Polizei aber habe diese Feiglinge, gegen die gerechte Züchtigüng der guten Franzosen geschützt. Es handelt sich in der Tat aber um einen.Angriff der republikanischen Hochschüler auf'die. Jesuitenzöglinge. — In Tunis ist Ius.suf Belial che, einer der angesehensten und einstußreichsten Mitglieder der jüdischen Gemeinde,'äm 75. Lebensjahre gestoxhen. — In Warschau ist Dr. J. 'Frenk'el, als praktischer Arzt' in weiten Kreisen der jüdischest Bevölkerung bekannt, im 48. Lebensjahre gestorben. Der Hingeschiedene .wär' em' langjähriger' medizinische,; Mitarbeiter der „Hazephirä". — Im ' Vulgaris che n Parlament hat' ein mit Hilfe der Juden gewählter Abgeordneter Dr. Kalenkow dey Wunsch aüsgespröchen,' man solle jüdische Lehrer zum Unterricht än den bülgarifchen "Schulen nicht .züläffen. Er wurde vom 'Minister Masch'anow mit den Worten unterbrochen: „Die Juden in Bulgarien sind gleichberechtigte Staatsbürger, deren Rechte nicht beschränkt werden dürfest." — Die Wahl des Käimakan-Stellvertreters Harm NähuM zum Großrabbiner der Türkei erscheint so gut wie. gesichert. Dem türkischest Parlament. wird ein Gesetzentwurf zugehen, der die Ausdehnung .'der.Wehrpflicht auf die Nicht-, Mohämmedäner, älso auch auf Juden, zum Gegenstand haben wird," Alle jungen Mannschaften bis zum Alter von 21 Jahren werden eingezogen werden. Die' übrigen werden wie bisher die Milrtärsteuer bezahlen, um sü^ ihre Nichtverwendnng ein Aequivalent .zu.'.leisten. 7-ä Nichtmohammedaner werden in Zukunft auch, als Schüler. in die, staatlichen Milit är sch u l est 'astfgenömmen, da keineswegs die Absicht besteht^ irgendeinen konfessionellen oder nationalen Unterschied im Heere vlatzgreifen zu lassest. — Jacob H. Schiff in New Park hat für das projektierte Technikum in Haifa 100 000 Dollars, gezeichnet. -- 'Nach einer Mitteilung' des Deutschen Bureaus der Mimree, Israelite llniverselle sind im November 1908 im New Porter Hafen 3426 jüdische Einwanderer gelandet gegen 12 418 im November 1907. Bon den Eingewanderten kamen 2292 aus Rußland, 914. aus Oesterreich-Ungarst, 163 aus Rumänien, 41 aus England, neun aus Deutschland. Bon den Eingewastderten gingest 893 nach anderen Pmrkten der Vereinigten Staaten, während der Rest in NewPork verblieb.