Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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. n. Thorn, 15. Januar. Die konservative v ^Thorner) Presse^' schreibt unter dem Titel: „30 I a h r e S t<a dtveryr d u et e r" .folgendes: - „Zu den wiedergewählten.Stadtverordneten, welche in der gestrigen Stadtverordnetensitzung auf. eine neue Wahlperiode eingeführt wurden, .gehört, auch Herr Kaufmann D. W bJf f. Herr.Wolfs konnte am I. Januar auf eine 30 jährige Tätigkeit als Stadtverordneter zurückblicken. Er zählt zu den Stammitgliedern des Verwaltungsausschusses und erfreut .sich einer so unverminderten geistigen Frische, daß .er nach wie vor als Ausschußreferent mit fungiert." Herr. D. Wolfs ist wiederum , auf sechs Jahre als Stadtverordneter gewählt worden. i. Kolb erg, 16. Januar. Mit bewährter Pünklichkeit ist soeben der Jahresbericht des,Jüdischen. Knrhospitals, der 34. seit Begründung der Anstalt,-zur Ausgabe gelangt. Der Niedergang des wirtschaftlichen' Erwerbslebens und. die fortdauernde allgemeine Teuerung sämtlicher Bedürfnisse, haben die Einnahmen während dev Badezeit.und die einmaligen Zuwendungen nicht unerheblich beeinflußt, während die laufenden Jahres-Beiträge erfreulicherweise gestiegen sind. Einschließlich des Kassenbestandes von 2840.32 Mark betrugen die Gesamt-Einnahmen 43,028.55 Mark, davon Mitglieder» Beiträge 33,294.87, Spenden 2433.68^, Kapital-Zuwendungen 7300 Mark- Die Ausgaben' beliefen sich auf 28,163.65 Mark; das Kapital-Vermögen hat die Höhe von 173,100 Mark erreicht. Das Grundstück der Anstalt steht mit 232,257.62, das Inventar mit 38,290.32 zu Buch, so daß düs Gesamt-Vermögen sich auf 443.647.94 Mark beziffert. Das vom 24. Mai bis 30. September geöffnete Kurhospital hat während dieser Zeit 454 Pfleglinge beherbergt, 195 männliche, 259 weibliche, 214 Erwachsene, 241 Kinder. 316 würden in Freistellen ausgenommen, 138 zahlten einen größeren oder geringeren Teil der Selbstkosten (30 bis 60 Marksi Die Zahl der Verpflegungstage betrug 15)481, von denen' 1634 auf das angestellte Häuspersonäl entfielen. Die erzielten Erfolge waren recht befriedigende: wie der Anstaltsarzt, Herr Dr. Heinrichsdorff, mitteilt, sind 213 Pfleglinge als geheilt, 238 als gebessert und nur 13 ohne Erfolg entlassen worden. Die Verwaltung schließt den Bericht mit der beherzigenswerten Bitte, daß die alten Freunde dem Institut treu bleiben, und daß neue Gönner flch ihnen anschließen mögen) Xp. Ans der Provinz Posen, im Januar. Neulich feierte das Kaufmann Hermann Rosenbaum sche Ehepaar in Plöschen das Festder goldenen Hochzeit. — In Gollantsch ist im Alter von 56 Jahren das Vorstandsmitglied der dortigen Shnagogengemeinde- Moritz Rosentreter, gestorben. Derselbe war auch Kurator des bekannten Mannheimschen Stifts daselbst. — In Kolmar i. P. ist kürzlich der Kantor Rubin gestorben, nachdem er daselbst 20 Jahre hindurch' gewirkt hatte. — In Ostrowo feierte neulich der allgemein wohlgeächtete Kauftnann Gerson Peiser den 70. Geburtstag. — Im Alter von 54 Jahren ist Ende Dezember der Kaufmann Emil Löwenstein in Lessen gestorben. Derselbe war bis zum Tode lange Zeit hindurch erster Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde) — Dem.praktischen Arzt Dr. Perser in Pleschen ist der Charakter als Sanitätsrat verliehen worden. — In Wreschen feierte am 4. d. M. das seltene Fest der diamantenen Hochzeit Herr Nathan' Kallmann und seine Gattin. Der Jubilar ist 84, seine Gattin 86 Jahre, alt. Viele Freunde und Verwandte waren''erschienen, um dem .Jubelpaar Glück zu wünschen. Auch die Vorstände der hiesigen jüdischen Vereine waren in corpore versammelt. In Vertretung des verreisten Gemeinderabbiners gratulierte Lehrer Cohn dem Jubelpaare mit schlichten, zu Herzen gehenden Worten. i. Neiße, 15. Januar. Die die christlichen Schulen besuchenden jüdischen. Kinder werden bekanntlich häufig auch zum Unterricht an den Sonnabenden herangezogen und an. diesen Tagen nur von schriftlichen.Arbeiten, sowie vom Handarbeitsunterricht befreit. Dies widerspricht den schulbehördlichen Bestimmungen. Nach eindr Verfügung des Unterrichtsministers sind die jüdischen Schüler,- diechristliche.Volksschulen, besuchen, an den Sonnabenden vom Unterricht völlig zu dispensieren.. Diesbezügliche Anträge haben die. Eltern beziehungsweise deren Stellvertreter an die. Schuldeputationen beziehungsweisenn die Schirlvorstände zu richten. Daß die betreffenden Schüler. Gelegenheit haben, jedesmal dem Synagogendienst beizuwohnen, ist, wie die ministerielle Bestimmung dem „Ober schles. Anzeiger" zufolge besagt, nicht Vorbedingung.der Dispensation. - / Benthen- 15 Janückx. Die F reie Äereini gun g j udisä,er 'Lehrer'Dberschlefuens'^^h^ auf ihrer zweiten gutbesuchten Versammlung hier.ff.ölgende wichtige Resolutio.n.angenommen: „Die Versammlung jüdischer Lehrer Oberschlesiens erachtet es als dringend notwendig, daß die gleichberechtigte Stellung des jüdischen Religionsunterrichts an yicht-jüdisch.konfessionellen Schulen nicht mehr. wie bisher von dem Entgegenkommen lokaler Behörden abhängig gemacht sein, darf,' und ersucht daher den Verbandsvorstand, im Verein mit den geeigneten Vertretern der preußischen Judenheit durch Vorstellung an maßgebender.Stelle dahin wirken zu wollen, daß für die gleichberechtigte Stellung des jüdischen Religionsunterrichts, üntev Revision - des Gesetzes vom Jahre 1847, eine gesetzliche Handhabe geschaffen werde." — Hier wurden vom Landgerichtspräsidenten und vom Ersten Staatsanwalt gemeinschaftlich Einladungen' zu einem „Juristenball" erlassen. Die umfassende Bezeichnung des Festes hat die Veranstalter nicht gehindert, etwa die Hälfte der Anwälte allein von allen Juristen uneingeladen zu lassen. Die nicht Eingeladenen, die sich sämtlich allgemeiner Achtung erfreuen. Jahrzehnte lang im Orte amtieren und unter dem früheren Präsidenten nie übergangen wurden, sind außer zwei polnischen, zehn jüdische Rechtsanwälte. Diese nicht zu rechtfertigende Uebergehung fällt .um so mehr auf, als unter allen anderen Juristen auch mehrere Nichtjuristen eingeladen sind. Nenftadt O.-S., 10. Januar. ' Durch den schon kurz gemeldeten Tod des Geheimen Kommerzienrats Josef Pinkus, Ehrenbürgers ' von Neustadt O.-S., hat die weltbekannte Leinensabrik S. Fraenkel ihren Seniorchef verloren, der das Unternehmen im Verein mit seinen Sozien aus bescheidenen Anfängen durch rastlosen Fleiß, eiserne Energie und hohe Intelligenz zu seiner heutigen Bedeut, ng erhoben hat. In dem warmen Rachruf, den Magistrat und' Stadtverordnetenversammlung dem Verstorbenen widmen, wird besvn oers darauf hingewiesen, daß Geheimrät Pinkus trotz seiner umfangreichen geschäftlichen Tätigkeit seine Kräfte und sein reiches Wissen stets gern in den Dienst der Stadt gestellt habe. Vom Jahre 1864 bis zum September 1871 hat er dem Städtverordnetenkollegium, von da ab bis zum September 1898 dem Magistrat als Mitglied angehört und in dieser langen Zeit mit dem größten Interesse für Vas. Wohl der Stadt' gearbeitet. In Anerkennung der Verdienste, die er sich in seinen städtischen Ehrenämtern und in seinerreichen Fürsorge für das Wohl der Armen und Bedrängten erworben, wurde ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen. Auch in der Synagogengemeinde, deren Repräsentantenkollegium er lange Jahre angehört hat, bleibt sein Andenken ein gesegnetes. Bei der Trauerfeier im Hause und auf dem Friedhofe' sprach der Prediger unserer Gemeinde, Hexr Löewenstein, in schlichter und zu Herzen gehender Weise. — Dresden, 15. Januar. Anläßlich des Todes des Kommerzienrats Max Arnhold-Dresden hat das sächsische Ministerium des Innern, gezeichnet Graf Hohenthal, an den Bruder des Verstorbenen, Herrn Kommerzienrat Georg Arnhold folgendes Kondolenzschreiben gerichtet: „Ew. Hochwohlgeboren Familie und Firma, sowie der Handel und die Industrie Sachsens haben mit dem Heimgange Ihres hochgeehrten Herrn Bruders und Geschäftsinhabers einen überaus schweren Verlust erlitten. In der vielseitigen, .aufopfernden und förderlichen Betätigung des Verblichenen an zahlreichen Werken, wie der Erwerbstätigkeit so nicht minder der werktätigen Menschenliebe wird der Verlust weit über den Kreis der Familie und der Nächstbeteiligten hinaus auf lange nachwirkend schwer empfunden werden. Dem Unterzeichneten Ministerium ist es-Bedürfnis, der Anerkennung für solch umfassendes und ersprießliches Wirken auch jetzt beim Abschluß eines so reichen Lebens Ausdruck zu geben und Ihre Firma und Familie seiner schmerzlichen Teilnahme zu versichern. Ministerium des Innern^ gezeichnet: Hohenthal." Dieses Schreiben ehrt den Verfasser, den sächsischen Ministerpräsidenten, nicht minder \ wie den Verstorbenen. Der Vorgang ist übrigens ohne Präzedens; es ist uns wenigstens nicht bekannt, daß bisher schon einmal in einem solchen Falle ein Ministerium in Deutschland solches offizielles Kondolenzschreiben erlassen hätte. — Göttingen, 18. Januar. Einen großen Verlust hat die hiesige Universität durch das plötzliche Hinscheiden des bekannten Professor Herrn an n Minkowsi erlitten, der hier höhere Mathematik lehrte und Direktor des mathematisch-physikalischen Universitäts-