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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-15 · Heft 3 (15.1.1909) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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nicht nntgeteilt hat. Sie weigert - sich, den Inhalt des, Aufrufes zur. Kenntnis der Wiener Leser zu bringen. Die „Ostdeutsche RündschaD vom 5. d. M. erklärt geradezu, daß „verständige Deutsche heute die ' Taschen zuhalten". Auch dasist ein Beitrag zur „Psychologie vßtzs Antisemitismus und zur Wertung derantisemitischen Rasse. — Hie „Israelitische Allianz" hatwieder, einmal eine Plenarsitzung abgehalten.. Der Präsident, Ritter v. Guttmann. berichtete über die einerseits von einem Komitee in Berlin, anderseits von der „Jca" in Paris in Vorschlag gebrachten Projekte einer Zusammenfassung der Hilfsorganisationen und teilt mit, daß die Vereinsleitung dem Vorschläge der „Jea" zugestimmt habe. Der Lämelschule in Jerusalem wurde auch für das lausende Jahr eine Subvention von 3000 Kronen und dem „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" zur Entsendung von Lehrerinnen der Spitzenklöppelei nach Galizien der bewilligte Betrag von 5000 Kronen überwiesen. Für Rumänien sind 5450 Franken im ganzen bewilligt, meist für- Schulen und für Beköstigung armer Schulkinder. Dem „Jubiläumskinderhort" in Kolomeä wurden für das.laufende Jahr eine Subvention von 400 Kronen, der Schule „Sasa Berura" in Sambor 100 Kronen, dem jüdischen Privatgymnasium in StorozyneH pro 1908/09 400 Kronen, dem jüdischen Schülerheim in Brody ein vom-Präsidium festzusetzender Beitrag zu den Kosten der Einrichtung bis zur Höhe von 500 Kronen bewilligt. Dem .„Auskunftsbüreau für jüdische Auswanderer in Basel" wurde die Subvention im Betrage von 1000 Franken auch für das laufende Jahr erneuert. — In Baden bei Wien starb nach soeben vollendetem 94. Lebensjahre Herr Markus Grünbaum aus Temesvar. Aus die Nachricht, daß die Leiche ihres einstigen verdienstvollen Präsidenten in die Familiengruft übergeführt werden sollte, hat die Temesvarer israelitische Kultusgemeinde und Chewra-Kadischa. beschlossen, dem Schöpfer und, Hauptspender des monumentalen Tempels eine Trauerfeier abzuhalten. Der Tempel hatte Trauerschniuck angelegt; es war die gesamte Repräsentanz der Gemeinde unter Führung, ihres Präses Salomon v. Sternthal versammelt, der Chor fungierte unter Leitung des Ober-, kantors Löwenherz, und der Rabbiner-Jacob Singer widmete dem Dahingeschiedenen einen ergreifenden Nachruf. Zahlreiche Häuser von Temesvar flaggten zum Zeichen der Trauer. Der Beisetzung/m der Familiengruft folgte eine zahlreiche Gemeinde zum Friedhof. Vnn Sah und jfrrn. — Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., hat durch seine Vermittlung, die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vollständig kostenlos erfolgt, im Monat Dezember 1908 170 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 87 Personen vorübergehend Beschäftigung nachgewiesen. — Dr. Karl Reich-Breslau, Dr. H. Katzenstein-Cassel, Dr. Joh. Freundlich-Düsseldorf, Dr. E. Peiser-Pleschen haben den Titel Sanitätsrar erhalten. — Professor Dr. Ferdinayd Vlumenthal ist zum korrespondierenden Mitglied der Biologischen Gesellschaft in Paris ernannt worden. — In Breslau wurde der Geheime Justizrat Dr. Freund zum 24. Male zum Stadtverordneten- Vorsteher gewählt. — Dem Landgerichtsrat Wendriner in Görlitz wurde der Titel Geheimer Justizrat verliehen. — In Neustadt O./Schl. ist am 9. d. M. der Geheime Kommerzienrat Josef Pinkuß, Seniorchef der weltbekannten Leinensabrik S. Fraenkel, im Alter von 80 Jahren gestorben. — In Bernburg ist am 4. d. M. der Kommerzienrat David Calm im 81. Lebensjahre gestorben. — Eine Grabschändung wurde aus dem jüdischen Friedhof in Diez durch Umwerfen und Zertrümmern von vier Grabsteinen begangen, besonders die Inschriften sind ganz zerstört. — In Mainz ist der Stadtverordnete Nathan Philipp Reis im 66. Lebensjahre gestorben. Er hat als Mitglied des Schulvorstandes eine umfassende Tätigkeit ausgeübt. — In Kaiserslautern ist.im Alter von fast 90 Jahren Justizrat Salomon Frenckel gestorben. Als Rechtskandidat in seiner Vaterstadt Frankenthal nahm er an der Bewegung von 1848 regen Anteil. Er gehörte unter anderem zu der Delegation, die von der Pfalz nach München zum König entsandt wurde. In Kaiserslautern machte Justizrat Frenckel sich besonders um die Förderung des Theaters verdient. — Zu den Ernennungen. in. B a yern sind noch folgende hinzuzufugen: best Titel: eines Justrzrats erhielt: Rechtsanwalt I ulius Flesch jr. in München;, den .Titel eines Hofrats: Dr. .Siegfried Flatau in Nürnberg; den Titel Hauptlehrer: B. Freudenthal-Grünstadt; S. Schloß-Antenhausen; I. Weißkopf-Schopfloch; W. Walfr. omm-Cronheim; M. Märx-Gunzenhausen; A/ Eschwege- Thüngen; H. Frey, Aschaffenburg; I. Thalman'n-Jchenhausen. — Bei den letzten französischen Senatswahlen wurden Paul Strauß, Eduard Milläud, Ferdinand Dreyfus zu Senatoren gewählt. Außerdem sitzt noch M. F. Cremieux im Senat. — In London ist Henry Ospovat, ein Meister der englischen Karikatur, im 92. Lebensjahre gestorben." Der Künstler war in Dünaburg in Rußland geboren. — Kardinal Staatssekretär Merrh. del Val besuchte in Begleitung des Monsignore Canelli die im päpstlichen Hospital in Rom aufgenommenen Flüchtlinge aus dem Erdbebengebiet. Beim Eintritt in das Krankenhaus begegnete er dem Bürgermeister Nathan, der dem Kardinal für das Liebeswerk zugunsten der von der Katastrophe Betroffenen dankte und ihn bat, dem Papste für die den Flüchtlingen gewährte Gastfreundschaft zu danken. Nathan, der heutige Bürgermeister von Rom, jüdischen Stammes, war ehemaliger Großmeister der Freimaurer. Die Begegnung macht viel von sich reden. — Dr. L. Kanter ist zum Kronrabbiner in Riga gewählt worden- — Wie Londoner Blätter berichten, hat sich die russische Regierung entschlossen,- dem . Londoner Kaufmann Luxemburg eine Entschädigung auszahlen zu lassen dafür, daß dieser im März des vorigen Jahres in Odessa verhaftet und im Gefängnis gehalten wurde, bis die britische Regierung seine Freilassung verlangte. Der Zar hat Herrn Luxemburg jetzt erklären lassen, daß er keine gesetzliche Verantwortlichkeit anerkenne, daß er aber aus freiem Willen (?) bereit sei, Herrn Luxemburg für das zu entschädigen, was er durchgemacht habe. — Der bekannte Philanthrop I Feinberg in Irkutsk hat dem Odessaer Komitee für die Zwecke der jüdischen Kolonisation in Palästina 20 000 Rubel überwiesen. Derselbe Stifter hat bereits vor einem Jahre 10 000 Rubel und vor einigen Monaten 10 000 Franken für denselben Zweck gespendet. — Fünf -Kandidaten sind für die Wahl des Chacham Baschi für die Türkei nominiert. Diese sind außer dem jetzt als.Kaimäkarn amtierenden Haim Nahum: Joseph Halevy, Rabbiner in Balat, Abram Danon, Direktor des Rabbinerseminars, Mosche ben Chabib, Rabbiner von Brussa, und Raphael Aron ben Schim'on, Großrabbiner von Kairo. — Der Sultan hat Behor Effendi Aschkenasi, der dem Staatsrat angehört, zum Mitglied des Senats ernannt. — Die israelitischen Lastträger und Bootsleute in Saloniki verweigern ihre Mithilfe an der beabsichtigten Verhängung der Sperre gegen griechische Schiffe, da sie befürchten, daß man sich in Griechenland an ihren dortigen Glaubensgenossen dafür rächen könnte. (In Saloniki besteht nahezu die gesamte Hafenarbeiterschaft aus Israeliten.) — Einige angesehene Männer in Palästina tragen sich mit der Absicht, auch in Jerusalem ein jüdisches Gymnasium zu errichten. Wie die lokalen Zeitungen berichten, soll diese Absicht schon in allernächster Zeit verwirklicht werden. — Jerusalem dürfte wohl zum erstenmal der Schauplatz eines modernen Arbeiterstreiks gewesen sein. Die Buchdrucker haben einstimmig die Arbeit niedergelegt. Bemerkbar macht sich der Ausstand in Jerusalem insofern, als die beiden hebräischen Tageszeitungen „Hazeiva" und „Hawazeeloth" ihr Erscheinen einstellen mußten. — Wie aus New Aork berichtet wird, ist es unwahrscheinlich, daß Oscar Strauß zum Staatssekretär für Handel und Arbeit wiederernannt wird. Dagegen soll Nathan Strauß Aussichten haben, zum Bürgermeister von New Jork gewählt zu werden. — Nach der Zählung von 1904 wohnen in der Kapkolonie bereits nahezu 20 000 Juden. — Die jüdischen Blätter in Buenos Aires veröffentlichten einen Ausruf des „Unabhängigen jüdischen Klubs". in Argentinien, worin die Juden des Landes zu einer Massenversammlung eingeladen werden. Diese soll gegen die jüdischen Mädchenhändler und gegen daS Prostitutionsunwesen in Buenos Aires Stellung nehmen. — Jacob E. Sassoon, der bekannte Philanthrop in Bombay, ist zum Baron ernannt, worden.

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