Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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sagte er, setzt jede Harmonie, jede.Verbindung schon ein denkendes Wesen zum Voraus, die sie beobachtet. Sollte dies Gott sein,- daß wir nur Vorstellungen in seinem Verstände wären, so hätten wir kein Bewußtsein unserer selbst. (Vgl. Lampe, Der MendelssohnschePhädonusw., Halle 1880 S.40.) Nun war es mir deutlich. Herr Mendelssohn hat sechs Kinder." Noch einmal spricht er über Mendelssohn, in Hildesheim mit dem Rektor Meier, der einen geschriebenen Aufsatz von jemand zum Durchlesen „eben sin Händen hatte — über Moses Mendelssohn — worin auch gutes von Lessing vorkommt." Sonst werden Juden fast gar nicht erwähnt. Nur in Frankfurt, fallen ihm die vielen Juden auf, von denen es in der Stadt „wimmelt, die einem ihre Dienste antragen." Katholiken und Juden haben , da freie Religionsübung, „aber," so klagt er, „die Bigotterie der herrschenden Lutheraner gestattet den Reformierten keine freie Religionsübung." Die tranrige Lage der Juden in Frankfurt um jene Zeit illustriert folgendes Begebnis, das er unter, dem 22. März verzeichnet hat: „Ueber Tisch kam. ein Jude, der Sigellak verkaufte; die gnädigen Herren hatten ihren Spaß mit ihm, gaben ihm abscheuliche Nasenstüber vor Geld, ich konnte nicht anders, als mein Mißfallen bezeugen. Er kam zu mir und wollte etwas handeln, ich sagte ihm, er sei wert, daß man ihn ins Tollhaus schmeiße, weil er sich so schlagen lasse. Es offerierte ihm wieder einer Nasenstüber vor drei Batzen, er beklagte sich über mich, daß ich ihn deswegen einen Narren geheißen — alle fielen über mich her und sagten, er verdiene so mehr Geld als mit Siegellack verkaufen -- es schade ihm ja nichts, und sie haben ihre Freude dabei. . . ...Ich sagte ihnen es sei eine grausame Freude. . . . Ein dummer Graf sagte sogar, es sei nicht so arg . . . andere sagten: es sei ja sein freier Wille. Ja, sagte ich, sein Wille, ist, Geld zu bekommen, aber nicht sich martern zu lassen — es sei sehr unedel und grausam, die Not eines Menschen so zu mißbrauchen, ihr nur dann abhelfen zu wollen, wenn man ihm große Schmerzen verursacht. Diese Ermahnung nutzte nichts, der arme Jude erhielt solange Nasenstüber, bis er zwei Gulden verdient und feine Nase ganz zündrot war . ..." „Auf dem Schiffe von Frankfurt nach Mainz bezaubert ein Sackfpieler, ein Jude, mit seinen tausend Künsten unsere Augen und Beutel." Mendelssohn, der tiefe Denker, auf der einen, der Jude, ' welcher sich durch Nasenstüber quälen läßt, um zwei Gulden zu verdienen, auf der anderen Seite! Ein Zeitbild. Lphrsim Orube!. Eine Erzählung von Anton Langer. Da tritt herein zur Kirchenpforte Der Jude, bleich, gesträubt das Haar, Und.donnert durch den Chor die Worte: „Geschändet Hab ich den Altar! Und eurem Gotte falsch geschworen, Da mich die Vaterangst durchtobt; Ich rufe, bin ich auch'verloren, Gott meiner Väter, sei gelobt!" Ludwig Angnst Frankl. /Ins der Straße, welche von Klosterneuburg nach Wien H" führt, ritten am 8. Dezember des Jahres 1419 zwei Reiter langsam herab, denn obwohl eine grimmige Kälte sich erstarrend über das Land herabgesenkt hatte, konnten doch die Pferde nicht, im Trabe, sondern nur Schritt vor Schritt weiter in dem tiefen Schnee, welcher die Straße längs des Dönauufers schuhhoch bedeckte und von Zeit zu Zeit durch kleine Lawinen, welche der Wind stäubend .von den Felsen des . Kahlengebirges herabtrreb, noch vermehrt wurde. Die beiden Reiter hatten sich fest in ihre Mäntel gehüllt, mußten sich aber dennoch manchmal loswickeln, wenn der stäubende Schnee des Hutes Knauf und Krempe bedeckt hatte, um den überlästigen Gast abzuschütteln, was der eine fluchend, der andere lachend tat. Beide waren Studenten von der altberühmten Universität zu Wien, hatten den Tag über sich in Klosterneuburg gütlich getan, und kehrten nun, da es bereits Abend geworden, nach der Stadt zurück. Der Eine von ihnen, D i e t h e r S chl a g n itw e it, der Sohn des reichen Kaufmanns und Altbürgers auf der Schranne, trug die 1 deutlichen Spuren eines vielgenossenen Lebens im welken, verblaßten Antlitzaus dem die trüben Augen lebensüberdrüssig in. die Schneelandschaft hineinstarrten. Berühmt in der Trinkstube und bei Raufhändeln, kümmerte er -sich wenig um Gelehrsamkeit und Wissen; seine beste Philosophie, pflegte er trotzig zu prahlen, stecke in des Vaters wohlgesülltem Geldkästen. Der Andere, Thomas Breitner, ein lebensfroher, blühender Gesell mit einem echt österreichischen Herzen, ewig heiter, dem Liedersang und Becherklang ergeben, pflog deshalb nicht-minder Wissenschaft,, und die hohe Stirne zeigte, daß darunter ein kluger Geist zu Hause. Sv stellten die beiden, nebeneinander-reitend, so ziemlich die Extreme der damaligen Studentenschaft dar, wie sie uns alte Chroniken schildern. ' „Ei, ei!" meinte der Schlagnitweit, als eben eine neue Schneeflut sich über ihn ergoß, „muß ich heute nicht Hut und Wams abstäuben, als wäre ich mein eigener Famulus. Bin doch auch in der Schweiz geritten, im Aargau, gegen Laufen zu,'aber solchen Lawinen, wie sie heuer im Lande Oesterreich zu Hause sind, bin ich nirgend begegnet." „Ja, ist wie in der Schweiz," lachte Thomas, indem er gleichfalls mit einem tüchtigen Puff seinen Hut vom Schnee befreite, „und der alte Kahlenberg sieht wie der Gotthard aus, nur ein wenig kleiner; und die sehr ehrenwerten Bürger von Wien würden sich schwerlich mit Brot und Käse begnügen, wie die Männer von Schwyz und Uri." „Ich glaub's," lachte Diether laut auf, „das wäre mir ein Leben! Hei, was für ein schief Gesicht würde mein alter Herr ziehen, stünde nicht täglich Fisch und Wildpret auf dem Tische, und perlte nicht der feurige .Trank unserer Berge in seinem Römer." „Eure Familie scheint überhaupt dem Weine nicht abhold zu sein," scherzte Breitner, indem er sich den Mund abwischte, „heilig Blut! was war das für ein Tag, das uns dein Vetter Ranchersdorfer heute in Klosterneuburg zum besten gab. Als uns der alte Herr mit dem Kugelwanst und der Kupfernase behaglich schmunzelnd in seinem Keller herumführte und uns die blanken Fässer entgegenlachten, von denen so manches die ehrenvolle Inschrift Anno 1389 trug, da konnte ich nicht umhin zu denken, es wäre eben so schlecht nicht, wenn das Kollegium samt Professor und Zubehör nach Klosterneuburg verlegt und statt dem römischen Recht der österreichische Wein uns vorgetragen würde." Der Schlagnitweit zollte dem Spaße seines-Gefährten allen Beifall und fuhr fort: ,/s ist denn doch nicht das Rechte beim Vetter Rampersdorser in Klosterneuburg; da sitzt der alte Hageprunk allein zwischen seinen -Geldkisten und Weinfässern; mir aber ist Gott Bachus ein langweiliger Schlemmer, wenn beim Trunk die Zechgenossen und ein lustiges Schelmenlied fehlen, so sich nicht Frau Venus mit. ihm. paart. Wären nur