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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-25 · Heft 52 (25.12.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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ein wohlgelungenes, weihevolles und denkwürdiges Fest zurückblicken. Lg. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Die jüdische Gemeinde in Lissa hat seit Anfang des vorigen Jahrhunderts eine Schuld von 15,000 Talern bei verschiedenen Stistnngen, ohne daß jemand wußte, woher diese Schuld rühre. Nunmehr hat man alte Urkunden aufgefundeu, die besagen, daß Anfang des vorigen Jahrhunderts die jüdische Gemeinde an französische Truppen eine Kontribution von 15,000 Talern bezahlen mußte. Da die Gemeinde ans eigenen MittelnDie für damaligeZeitei, hoheSumme nicht zahlen konnte, wurde das Geld mit Eenehniigung der Behörde von Stiftungen geliehen. Jetzt ist die Schuld gedeckt worden. — Anläßlich der hundertjährigen Geburtstagsfeier der preußischen Städteordnung ist in O strowo das langjährige Mitglied des dortigen Magistratskollegiums, Herr Oekonomierat David Gold stein, zum Stadtültesten ernannt worden. — Apotheker Sulinger in Schildberg ist von dem dortigen Stadtverordnetenkollegium zum Kreistagsmitgliede gewählt worden. — Kaufmann Hermann Pick in Packosch beging neulich das 50 jährige Geschäfts- und Bürgerjubiläum. — Zum ersten Kantor der Synagogengemeinde Lstrowo ist Kantor Cnsper in Schildberg gewühlt worden; der bisherige Inhaber der Stelle, Herr Abramowiy, siedelt zum 1. April 1909 nach Berlin über. n. Breslnn, 18. Dezember. Am 7. d. M. haben hier die Reprä sentanten-ErgänzungsWahlen der Synagogengemeinde stattgefunden und zwar auf Grund eines jener heute leider vielbeliebten Kompromisse zwischen Liberalen und Konservativen. Gewühlt wurden: Stadtverordnetenvorsteher Geheimer Justizrat Dr. Freunds Professor Dr. Badt, Hermann Hamburger, Dr. med. Paul Jungmann, Kaufmann Eduard Bielfchomsky, Armendirektor Hermann Landsberg, Stadtverordneter und Eymnasialprosessor Dr. Wohlauer. Wahlberechtigt waren 4748 Personen. Die Zahl der erschienenen Wähler betrug 1898. Auf die Gewählten entfielen nach obiger Zusammenstellung 1810 bis 1148 Stimmen. Sehr bedauerlich ist es nur, daß durch diese Wahl Herr Tr. Carl Reich, der der Führer der Liberalen in der Versammlung war, aus dieser scheidet und zum Stellvertreter hinunterrückt. Das ist das Unheil solcher Kompromisse. Das Resultat ist doch meist ein anderes als erwartet wurde. Sa ist hier die offizielle Liste wohl durchgegangeu, aber die Reihenfolge der Kandidaten ist doch nicht eingehalten worden. Ob da überall korrekt vorgegangen wurde, ist eine andere Frage. i. iHlUutif, 20. Dezember. Sie hiesige Ortsgruppe der „Vereinigung für das liberale Judentum" hatte für den Bußtag Einladungen ergehen lassen zu einem Vortrage des Herrn Rabbiner Dr. Goldmann-Oppeln, — über „Ziele und Aufgaben des liberalen Judentums." Der Vortragende gab im Anfänge seiner Ausführungen einen geschichtlichen Ueberblick über die Entivicklung des Liberalismus im Judentum und wies nach, daß Orthodoxie ihrem Wesen nach unjüdisch sei und in ihren wichtigsten Kennzeichen ans fremde Einflüsse zurückgehe. Sodann schilderte er die Notwendigkeit der modernen liberalen Bewegung, die allein imstande sei, die indifferenten, der Orthodoxie entfremdeten Massen dem Judentum wieder zu gewinnen. Die Orthodoxie könne zwar ihren kleinen Kreis, nicht aber das Judentum erhalten Die Tätigkeit der „Liberalen Vereinigung" richte sich nun, dem Prinzip der Toleranz getreu, nicht gegen die ehrliche Orthodoxie. Da ihr Ziel lediglich die Rückeroberung der Indifferenten sei, müsse jeder Orthodoxe, dem nicht nur seine Orthodoxie, sondern die Weiterentwicklung der Religion im gesamten Judentum acn Herzen liege, die aufbauende Arbeit der Liberalen Vereinigung mit Freuden begrüßen. Sodann beleuchtet der Redner die einzelnen Punkte des liberalen Programms; er zeigte den beachtenswerten Zustand, daß der Zwiespalt zwischen Lehre und Leben auch in solchen Kreisen kraß hervorbringe, die sich konservativ nennen und sür die öffentliche Beibehaltung veralteter Institutionen eintreten. ohne selber von ihnen Gebrauch zu machen. Nach eingehender Besprechung der weiteren Punkte, des Gottesdienstes, des Religionsunterrichts, der Stellung der Frau, schloß der Vortrag mit dem Hinweise, daß der Liberalismus innerlich stark und srei mache und darum die stärkste Stütze sür alle Bestrebungen sei, die aufrechte und selbstbewußte Juden erziehen wollen. Die überzeugenden Darlegungen fanden die lebhafteste Zustimmung der zahlreich erschienenen Zuhörer (unter ihnen auch Auswärtige) und brachten dem Redner begeisterten Beifall ein. Auch'^die Ortsgruppe hat dadurch einen Zuwachs von mehreren Mitgliedern ersah, en. zurzeit sind es 18 — und — unser schönster Erfolg —. zum größten Teil solche Herren, die sich bisher von allen jüdischen Angeleff-enheiten ostentativ zurückgezogen hatten. Nordhauser», 21. Dezember. Am 19. i Dr. Philipp Schönberger nach schwerm fast 20 Jahren hat er hier unermüdlich gew ir Sympathien nicht nur der jüdischen B v geborener Ungar — auch seine erste Stell, hat er die Lehranstalt für die Wissenschast des Judentums besucht. kam dann als Prediger nach Dessau und samkeit in seiner Heimat hierher. Der V> licher Prediger und Pädagoge. Namentl meisterhaften Ueberfetzungen aus dem Sprachen, für die er durch sein feines vornherein besonders befähigt war. Das Seelsorgers wird in unserer Gemeinde de . München, allzufrüh dahingegangenen großen Forsch r (siehe Nr. 24 dieserZeitsch die Münchener Orientalische Gesellschaft kreise, unter dem sich der Ehrenpräsident d von Bayern, befand. In großen Umriss verbot sich selbstverstündticli — gab der Professor Fritz Hummel, ein Bild einerseits auf füdarnbifcheni Gebiete, anderseits : andere Wissensgebiete, nicht in letzt M. isthier unser Rabbiner Leiden gestorben. , Seit irkt unv sich die allgemeinen völkernng erworben. Ein jenem Lande - nach mehrjähriger Wirkrstorbene war ein vorzügch zu rühmen sind seine Hebräischen und anderen poetisches Empfinden von Andenken des vortrefflichen nkbar fortleben. czember. Eine würdige Gedenkfeier sür den mgsreisenden und Gelehrten ft) veranstaltete am 9. d. M. einen, zahlreichen Zuhörerz Gesellschaft, Prinz Ludwig i — eine Detailschilderung cdner des Abends, Universitäts» der Forschertätigkeit Glasers er Bedeutung Südarabiens Linie auch für die Bibelkunde. Denn weit mehr, als bis jetzt den t ebildeten allgemein bekannt, hat Südarnbien die Kulturgeschichte beeei die Myrrhe, der sagenhafte Vogel Phi lande stammen, wußte man ja längst. AI brachte uns die neueste Zeit, und dies ist zu verdanken. Glaser war es, der das (des Minäerreiches, das bis in das 13. . rechnung hinaufreicht!) und dessen Bedej hatten zum Schutze des blühenden Karan Südarnbiens auf den Weltmarkt nach Nor >en brachte, im nordwestlichen .floßt. Daß der Weihrauch, sw. aus diesem Wunderrngleich wichtigere Kunde allergrößten Teile Glaser ,ohe Alter des Reiches Ma'in chrhundert vor unserer Zeittung feststellte. Die Minäer anenhandels, der die Schätze Arabien, im Lande Midian, Militarstatioic Dort weilte aber, wie bekannt, auch iinf:r Auf das graue israelitische Altertum fül t Licht. Auf andere vom Redner gerühmt!:« namentlich die Identifizierung zweier Pa:a arabischen Wadis, womit t in der Inner-Arabien noch Waldungen ur d!t (wovon der Botaniker noch schwache Sf ur einzugehen, würde hier zu weit führen. wies Professor Hommel zum Schlüsse d, raus hin, daß aus dem r geheurer, wissenschaftlichen Nachlasse Glasws noch weit mehr wertvolle Aufschlüsse über das semitische Altert,, und knüpfte daran den Wunsch, daß diiser die ungefähr tOOOZbisher unveröffentlicne: Glaser mit schweren Opfern aus Arabiey , bald für die Wissenschaft erobern Mitteln oder von privaten Mäcenen (war uni) Kolonien gegründet. Lehrer und Prophet Mose, ron dieser Seite ein neues geniale Funde Glasers — so adies-Flüsse mit den großen chichtliche Zeit erreichen, wasserreiche Ströine aufwies findet), u. A. — näher Mit besonderem Nachdrucke geschöpft werden können, Nachlaß — in erster Linie ,en Jnschriften-Abktatsche, die nach Europa brachte — recht — sei es aus öffentlichen dies nicht eine jüdische: Mäcene würdige Tat? Wie viele Opfe c haben jüdische Freunde der Wissenschaft für, die Arbeiten nicht gebracht! Diese Bemerkung?sprach der , Wunsch, dem sichjder Vorsitzend sekretür a. D. und Universitütsprofess, Worten anfchloß. Mit gespanntem I, teresse und lebhaftem Beifall .folgte das zahlreiche Publikum den Aus Lichtbilder wirkungsvoll inj populärer Gesterretch-M LI Wie«, 22.Dezember. M ys liev Sudgetberatung im Abgeordnetenhause >at, daß die Hauptschuld an den Prax .„falle. Und zur Begründung dieser bischer Forschungsreisenden Redner natürlich nicht aus) der Gesellschaft, Unterstaats- G. von Mayr in warmen - ührungen, die durch zahlreiche! Leise illustrirt wurden. t sch heißt der Mann, der bei der ie kolossaleEntdeckung ge,»acht :r Ereignissen dem Judentum ungeheuerlichen Behauptung

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