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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-18 · Heft 51 (18.12.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
Seite 4 (sequence 20)
Language
German
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deren- Christen bekanntlich fast durchwegs die Taufe erst nach, dem zwanzigsten Lebensjahr empfingen. Die germanisch-arischen Nationalen hielten sich hübsch bescheiden im Hintergründe, und' nur 'einzelne von ihnen wurden niedergeknüppelt, wenn sie sich auf ihren Spaziergängen durch Schmisse dem Straßenpöbel verrieten.. An dieser falschen Stelle zeigten die Juden 'ihre ganze Begeisterungsfähigkeit für Idealismus, ihren Mut und ihre Treue. Was haben sie davon; was nützen ihnen die kolossalen .Opfer, die sie bringen? Sie haben nicht verhindern können, daß die überwiegende Mehrzahl der Prager deutschen Kouleurstudenten im deutsch- und klerikal-antisemitischen Lager steht, wo der Jude als verächtlich und minderwertig angesehen wird, und wenn sie nach Wien kommen werden, gelten sie bei den deutsch-nationalen akademischen Heldenjünglingen als ehrlos und satisfaktionsunfähig, werden sie von den deutsch-nationalen akademischen Kulturträgern mit dem Knüttel daran verhindert, in der Mensa ihren Hunger zu stillen. Vielleicht aber haben sie es in Böhmen besser?. Nun, als das Standrecht verkündet wurde, lud der deutsche Volksrat die deutsche Prager .Studentenschaft ein, eine Art Erholungsurlaub in deutsch-böhmischen Städten zuzubringen. Und da wurden sorglich die Arier nach rein deutschen .Städten eingeladen, die zugleich rein antisemitisch sind, und die Juden, die sich für das Deutschtum fast totschtagen ließen, in solche Orte, wo die jüdischen Bürger das Deutschtum gegen die Tschechen aufrecht erhalten Helsen. — Im ungarischen Parlament richtete das Mitglied der antisemitischen Volkspartei, Abgeordneter Szmrecsany, an den Unterrichtsminister eine Interpellation über die dem Zionistenverbande angehörenden Professoren. Es. scheint dies aber ein Racheakt zu sein. —- Meine Mitteilungen über die Auszeichnungen waren nicht ganz korrekte. Isaak Horowitz ist Rabbiner in Stanislaw; außerdem hat auch Oberrabbiner Dr. Tauber in Prerau das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens und Rabbiner Abr. Schnur in Tarnow das goldene Verdienstkreuz mit der Krone erhalten. — Der Reichsratsabgeordnete Dr. Gabel schreibt im. „Lemberger Tageblatt" über die nächste Tätigkeit des ,-Jüdischen Klub" im Parlamente: „Der Jüdische Klub wird eine Interpellation wegen der Gewalttaten der deutschen Studenten gegen ihre jüdischen Kollegen, ferner einen Antrag auf Schaffung von Lehrkanzeln für hebräische Sprache und jüdische Geschichte an den österreichischen Universitäten einbringen." — Der italienische Unterrichtsminister hat den Maler Professor L. Horowitz ersucht, sein Selbstbildnis für die Uffizien in Florenz zu malen, damit es in die Galerie berühmter Meister eingereiht werde, eine wohlverdiente Ehrung! Von Msh und jfern. Der Geheime Baurat Dr. ing. E. Rathenau, Generaldirektor der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft und der Berliner Elektrizitäts- Werke, feierte am 11. d. M. unter allgemeiner Teilnahme seinen 70. Geburtstag. — Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den' Berliner Logen U. O. B. B (eingetragener Verein) Monbijouplatz 10. Fernsprecher Amt III. Nr. 2589 hat durch seine Vermittlung im November 194 Personen in feste Stellungen gebracht und außerdem noch 75 Personen vorübergehende Beschäftigung nachgewiesen. Die Stellenvermittlung erfolgt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vollständig kostenlos. — Der Stadtverordnetenvorsteher Jüstizrat Dr. Pink in Flatow und der Amtsgerichtsrat Sally Rothenberg in Stargard i. P. haben den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Dem Landgerichtsrat Wollstein, Vorsteher der Synagogengemeinde Breslau, wurde der Charakter als Geheimer Jüstizrat verliehen. — Der an der Jacobson- Schule zu Seesen seit 35 Jahren amtierende.Oberlehrer Dr. Schäfer hat anläßlich des Geburtstages des Herzog-Regenten den Titel „Professor", der Landtagsabgeordnete Stadtrat Emil Glaser in Blankenburg a. H. das Ritterkreuz II. Klasse des Ordens Heinrich des Löwen erhalten. .— Zum Auswärtigen .Mitglied der Pariser Akademie der Medizin wurde Dr. Unna-Eimsbüttel (Hamburg), Herausgeber der „Monatshefte für praktische Dermatologie",, gewählt. — Im fast vollendeten 71. Lebensjahre ist in Leipzig Herr Selmar Frank entschlafen, der in dem Vorstände der. Israelitischen Religionsgemeinde seit Jahren hervorragend tätig war und insbesondere als Vorsitzender des Ausschusse^ für das Armenwesen sehr verdienstlich gewirkt hat. — . T&f. In Frankfurt,a. M..ist.der Kommerzlenrat^J.L..Beer>.der^Mitbegründer^ der weltbekannten Metallfirm.a B.e?r,^ Sandhein?erEL'SymPr!' ein wegen seiner Wohltätigkeit allgemein beliebter Mann,am7. d. M. gestorbem — In Därmst adt wird demnächst ein- Altersheim" für Israeliten erstehen. Der vor einiger Zeit . verstorbene Rentner Naß hat der/ israelitischen Shnagogen-Gemeinde ein. /'Kapital tum. 70 000 Mark vermacht. - Die Gemeinde hat nun . ein Haus käuflich erworben und wird dort ein Altersheim errichten. — Durch Ministerialentschließung vom 21. v. M. sind der Universitätsprofessor Dr. Lö w y in Freiburg.und der Rechtsanwalt Dx. Theodor K aufmann'in Heidelberg zu Mitgliedern des badischen Oberrats ernannt'worden.. — Dem Oberlandesgerichtsrat Dr. Freud ent h alin Colm ar wurde . der Charakter als Kaiserlicher Geheimer Justizrat: verliehen, -e- Jsraelitjsche Kultusgemeinden zählte man 1905 in. Oesterreich 555, gegen 556 im Jahre 1900. Davon entfielen auf Nieder-Öesterreich 14; Ober-Oesterreich-2; Salzburg 1; Steiermark 1 (wobei, zu bemerken ist, daß die in Kärnten und in Krain wohnenden Juden zur Kultus^ gemeinde Graz gehören);. Triest, Görz und Gradiska je 1 (die in. Istrien wohnenden Juden gehören zur Kultusgemeinde in Triest); Küstenland 2; Tirol keine: Vorarlberg 1;. Böhmen 205; Mähren 50; Schlesien 10; Galizien 262; Bukowina 15 und Dalmatien 2. — In Wien ist am 3. d. Mder Direktor des Israelitischen Taubstummen-' Instituts, «Dr. M. Brunn er, ein bekannter und geschätzter Pädagoge/ der die Anstalt 25 Jahre lang vorzüglich. leitete, gestorben. — In London ist Lady Louisa Goldsmid, die Witwe des bekannten Sir Francis Goldsmid, dessen tragischer Tod noch in Erinnerung ist, gestorben. — Im englischen Unterhause antwortete dev Unterstaatssekretär auf eine Interpellation, ob im Falle einer europäischen Konferenz, über die Balkan-Frage die Regierung geneigt sein würde, das Schicksal der rumänischen Juden und die Verletzung des Berliner Vertrages durch Rumänien zur Sprache zu bringen, der Gegenstand liege außerhalb des Zweckes der Konferenz. — Der Dampfer „Ashton" meldete am 13.' d. M. abends bei seiner Ankunft in Grimsbh, daß an Bord fünf russische Juden auf der Reise von Antwerpen hierher in rätselhafter Weise gestorben seien. Die Todesfälle hätten sich sämtlich innerhalb eines Zeitraums' von zehn Minuten ereignet. Der Mageninhalt der Toten ist zur bakteriologischen Untersuchung .nach London gesandt worden. Das Schiff verbleibt unter Quarantäne, bis das Ergebnis der Untersuchung festst eht.— Die Petersburger Kunstakademie hat eine Anzahl jüdischer Künstler mit größeren Auszeichnungen bedacht. Der Maler Brodski erhielt von der Akademie ein Reisestipendjum, um sich im Auslande vervollkommnen zu können. Die Künstler Abugow, .Anisfeld, Zametschek erhielten bedeutende Auszeichnungen. — Eine englische Lady, Isabel Lawrence, die in Barcelona lebt, hat eine Schrift „Israel und seine Verfolger" erscheinen lassen, der die Ehre zuteil ward, von den kirchlichen Behörden verboten zu werden. — Wie uns das Bureau des „Hilfsvereins. der. Deutschen Juden" mitteilt> erhielt der Vorsitzende des- Pro-Falascha-Komitees.Oberraöbiner' Dr. Margulies in Florenz, am 1. d. M. ein Telegramm von Dr. Faitlowitsch aus Adis Abeba, worin dieser-ihm mitteilt, daß er vom Negus von Abessinien in Audienz empfangen wurde, und daß der Monarch die ihm überbrachten Geschenke gnädigst entgegennahm. Der Negus versicherte Herrn Faitlowitsch, daß er für die Besserung der Lage der Falaschas Sorge tragen wolle. — Der Sultan hat dem ehemaligen Chacham Baschi von Konstantinopel Morse Levy aus seiner Privatschatulle ein Monatsgehalt von 50 Pfund Sterling bewilligt. — Der bekannte jüdische Finanzier und Philanthrop, Eduard Stern in London, weilt gegenwärtig in Konstantinopel, wohin er wegen Durchführung einer Anleihe von der türkischen Regierung berufen wurde. Herr E. Stern ist als Philanthrop und besonderer Kenner des Orients bekannt. Er ist der Begründer.'und Förderer des jüdischen Spitals , in Damaskus, und auch andere philanthropische Einrichtungen im Orient haben die Juden seiner Initiative und' Fürsorge zu danken. — Zum Nachfolger S. Hirszenbergs an der jüdischen Kunstschule „Bezalel" in Jerusalem würde der Maler Arnold Lachowsky-Odeffa berufen^ Hirszenbergs Witwe erhielt eine Stelle als Lehrerin der französischen Sprache, am HebräischenGymnasium in. Jaffa. — Der Minenkönig H. I. Barnato hat in seinem Testament 5 Millionen Mark für ein Hospital oder eine andere wohltätige Institution gespendet.

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