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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-30 · Heft 44 (30.10.1908) · p. Seite 524

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 44 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
Seite 524 (sequence 8)
Language
German
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.Glaubens, unter den Großen in' JsräÄ. - Wir. .haben die Art seiner Frömmigkeit kennen gelernt. Wir dürfen in seinem Minne mit dem Wort im Urtext schließen: „Das.Andenken des Frommen zum Segen." nD-D1? p’“tä -121 Lkklitz. Werk praktischer Menschenliebe, .echt jüdischer Humanität ist geschaffen worden, und nicht nur alle, die der Weihe dieses Werkes beigewohnt, werden den. Tag im Gedächtnis behalten, der durch dieerste „Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder" eine seit länger Zeit tiefschmerzlich empfundene Lücke ausgefüllt hat. Der Bau der Anstalt ist gemäß der Zusage des verdienstvollen Architekten Herrn Alterthum am 30. September, fertiggestellt worden. Zum gleichen Termine wurde ' die innere Einrichtung, die bei Oskar Tietz bestellt war, geliefert, so daß am 1. Oktober der Einzug der Beamten erfolgen konnte. Bei der Bestellung der Einrichtungsgegenstände und deren Ausstellung haben sich die Damen Fr. Professor Blaschke und Fr. Professor Schäfer verdient gemacht. Am .20. und 21. Oktober fand die Aufnahme der Zöglinge statt und am 25. d. M. die feierliche Eröffnung. Mit hoher Freude darf alle, die dabei betätigt sind, die bisherige rechtzeitige und erfolgreiche Ueberwindung der vielseitigen Schwierigkeiten erfüllen- Bereits am 28. Juni d. I. wurde im Konferenzsaale der Berliner Logen bei verhältnismäßig günstiger Beteiligung die konstituierende Mitgliederversammlung des Vereins.„Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder" „Wilhelm-Auguste Victoria Stiftung" in Beelitz unter dem Vorsitze des Professor Dr. Philippson, des geschästsführenden Vorsitzenden des D. I. G. B. abgehalten. Die Satzungen wurden in der-vom Registerrichter im voraus gutgeh eißenen^ Form Mit einer'nicht nennenswerten Abänderung angenommen. Von dem ihnen nach § 5 derselben zustehenden Rechte der Ernennung von Ausschußmitgliederu hatten die betreffenden Körperschaften im voraus Gebrauch gemacht: Die Großloge hat die Herren Justizrat Timendorfer, Geheimrat Maretzki und Großsekretär D. Wolff, der D. I. G. B. die Herren Professor Philippson, Emil 'Cohn und Dr. Nawratzki,. die jüdische Gemeinde Berlin Herrn Dr. Wilhelm Feilchenfeld, die Synagogengemeinde Breslau Herrn Landgerichtsrat Wollstein und die Israelitische Gemeinde Frankfurt a. M. Herrn Moritz Metzger in den Ausschuß deputiert. In der Mitgliederversammlung wurden aus der Zahl der Vereinsmitglieder die Herren Oskar Tietz aus Berlin, Justizrat I. Josephsohn und Rabbiner Dr. Schreiber aus Potsdam gewählt. Im Anschluß an die konstituierende Mitgliederversammlung hielt der Ausschuß seine erste Sitzung ab. Es wurden die Herren Professor Philippson zum Vorsitzenden- Justizrat Timendorfer zum stellvertretenden Vorsitzenden, D. Wolfs zum Schriftführer, Rabbiner Dr. Schreiber zu dessen Stellvertreter, Emil Cohn zum Schatzmeister, Justizrat Joseph so hn zu seinem Stellvertreter erwählt. Für den Posten des Anstaltsleiters wurde der Lehrer S. Bein, der seit einigen Jahren an der israelitischen Taubstummenanstalt in Weißensee bei Berlin wirkte/gewählt.. Ihm zur Seite, als Lehrerin der Mädchen, wird seine bisherige Kollegin an der Weißenseer Anstalt und nunmehrige Gattin stehen. ' Die Rücksicht auf das Erzieherpersonal, das sich nach Eröffnung der Anstalt vor eine, ungemein schwierige und komplizierte Aufgabe gestellt sehen wird, veranlaßte die Aufnahmekommission, ein möglichst einheitliches Zöglingsmaterial - auszuwählen. Maßgebend war einmal ein gewisser Grad von Bildungsfähigkeit und anderseits das schulpflichtige Alter. Während die erste Bedingung als dauernde Norm gelten soll, und das Kuratorium sich vorbehält, in Fällen, in denen trotz der vorausgegangenen Untersuchung durch den Hausarzt und den Vertrauensarzt sich noch nachträglich Bildungs- * Unfähigkeit^ sollte^ie ZMnge:ihren AMeh ZrigW^üF^' zugeben.^isttzdieBestimmu.ngMrM keine ^dauernde. . Zöglinge> i.bei denen dadurch eine wirklichd;KörderunLM^ erreicht?. wird, können bis zum 20. Lebensjahre, behalten 'werden, und es sind Einrichtungen zu treffen, damit die älteren -- Knaben für eine, wenn auch noch so einfache berufliche Tätigkeit, die Mädchen für die Verwendung im Haushalt angelernt werden.' Aber für den Anfang soll doch die Erweckung des schlummernden -Geistes durch heilpädagogische Einwirkung neben der dem leiblichen. ' Gebrechen individuell angepaßten Körperpflege die Hauptrolle spielen. Dies soll hervorgehoben werden, um Enttäuschungen von Angehörigen und Gönnern zu begegnen, die mit ihren Anträge^irzum lebhaftesten - Bedauern der Aufnahmekommission abgewiesen werden müssen, wenn! die von ihnen angemeldeten Zöglinge nichtden beiden erwähnten Bedingungen entsprechen. . Unter Anwendung des vorstehend dargestellten Ausleseprinzips sind die vorhandenen 30 Stellen für Knaben schon fast vollständig besetzt. Geringer ist entsprechend der auch anderwärts, gemachten Erfahrung die Zahl der angemeldeten, für die Anstalt passenden, weiblichen Zöglinge. Ein Maximalpflegesatz von 600 Mark ist fürs Jahr bestimmt worden, von dem je nach der Vermögenslage der Anhörigen und - der ihnen gebotenen Gelegenheit, von öffentlichen und privaten Wohltätigkeitseinrichtungen eine Beihilfe zu erlangen, ein Teil, in verschiedenen Fällen auch das Ganze, erlassen werden kann. Vermögende Eltern, die dem. wohltätigen Zweck zuliebe mehr als 600 Mark gewähren wollen, wird anheimgegeben, den überschießendew Betrag dem Verein als Jahresbeitrag zuzuwenden.. Es wird ausdrücklich vermieden, verschiedene Verpflegungsklassen zu schaffen, obgleich dies sonst bei der größten Zahl der anderen Wohltätigkeitsinstitute für Schwachsinnige mit Rücksicht auf die finanzielle Lage geschieht. Schon jetzt läßt sich absehen, daß der Durchschnittsatz der jährlichen Verpflegungsgebühr sich auf 300 Mark, höchstens auf 350 Mark belaufen wird. Es ist also, sofern die Einnahmen aus Jahresbeiträgen nicht wesentlich steigen, von vornherein mit einem Defizit zu rechnen. r - Für das erste Betriebsjahr kommt dem Verein ein Ueberschuß v: aus den größeren einmaligen Beiträgen zu Hilfe. Das Unternehmen \ hatte sich nämlich bereits der Unterstützung hochherziger Gönner zu erfreuen. Es seien die folgenden, in Berlin ansässigen Spender genannt: Oskar Tietz 10000 Mark, Professor Philippson 5000 Mark, Direktor Dr.. Minden und Emil Mosse je 1000 Mark. Justizrat Dr. Lachmann 500 Mark, Fabrikbesitzer G. Lachmann, Max Meyer, Geheimer Sanitätsrat Dr. E. Stern, Kommerzienrat Carl Cohn, Justizrat Timendorfer, Bernhard Gerstel, Gustav Mosler und Frau Johanna Levy je 300 Mark. Der Verein zählt zurzeit 136 Mitglieder in Berlin, -die einen Gesamtbetrag von zirka 1100 Mark bewilligen, während der Rest der obengenannten Summe von 265 auswärtigen Mitgliedern aufgebracht wird. Unter den letzteren befinden sich 36 Logen, die zusammen 1695 Mark aufbringen und ferner 46 Bundesgemeinden des D. I. G. Bmit 2220 Mark. Hoffentlich wächst jetzt die Freundeszahl des Vereins so stark an, daß derselbe bald in die Lage kommt, allen um Aufnahme Nachsuchenden diese gewähren zu können. Im hellen Sonnenschein des wundervollen Herbsttages fand am Sonntag die feierliche Eröffnung der Anstalt statt. Eine große Schar von Gästen, hatte sich in der mitten in der städtischen Forst von Beelitz prachtvoll gelegenen Anstalt eingefunden. Mit dem niederländischen Dankgebet, das der Gesangverein Beelitz vortrug, wurde die Feier eröffnet. Alsdann gab Prof. Philippson die Entstehungsgeschichte der Anstalt, die auch Kindern anderer Religionsbekenntnisse geöffnet sein soll. Er wies darauf hin, wie die israelitische Lehre die soziale Wohlfahrtspflege vorschreibe und wie das Judentum das seit 3000 Jahren praktisch betätige. Aus diesem Geist heraus sei die Anstalt entständen, zu der die Gemeinde Beelitz unentgeltlich das Gelände inmitten ihres herrlichen Forstes hergegeben, verschiedene .jüdische Gemeinden Spenden gestiftet haben. Auch an reichen Privatspenden hat es nicht gefehlt. Aber die Ausführung des schmucken Baues, dessen Leitung Baumeister

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