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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-23 · Heft 43 (23.10.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 43 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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kaiserlichen Souveränität auf diese Länder hielt am Tage der Proklamation am 7. d. M. um 2 Uhr nachmittags der Vorstand der hiesigen österreich-ungarischen israelitischen Kultusgemeinde eine Festsitzung ab, bei welcher der Präsident der Gemeinde, Advokat Dr. Nothkopf, die Festrede hielt,, welche mit einem „Hoch" auf den Kaiser schloß. Sodann wurde nachstehendes Huldigungstelegramm nach Budapest abgesandt: „Der versammelte Vorstand und das Rabbinat der österreich-ungarischen israelitischen Kultusgemeinde erlaubt sich Euer Majestät den untertänigsten Dank anläßlich der Angliederung Bosniens und der Herzegowina unter Allerhöchst deren glorreichem Szepter auszusprechen und versichert bei diesem herzerhebenden Anlaß wie bisher, ihrer Tradition eingedenk in Liebe und Treue und glühender Begeisterung zu Thron und Reich zu halten. Der Allmächtige erhalte Euere Majestät noch ungezählte Jahre in ungeschwächter Kraft und Gesundheit, und Gottes reichster Segen begleite den gnadenvollen Herrscherakt zum Heile dieser Länder." Nach dieser Festsitzung begab sich eine achtgliederige Deputation des'Vorstandes^zn dem Landeschef und kommandierenden General-Feldmarschalleutnant Edlen von Winzor, wo -Rabbiner Dr. Weszel eine der Feier entsprechende Ansprache hielt, auf welche der Landeschef erwiderte. Am Samstag den 10. d. M. fand aus gleichem Anlasse in der Synagoge (Terezijagasse) um 10 Uhr vormittags ein Festgottesdienst mit Predigt statt. In einer schwungvollen Festrede, hob-Rabbiner Dr. Weszel die Bedeutung des vollzogenen Staatsaktes hervor, und schloß seine-Rede indem er Gottes Segen auf den Kaiser und König und das Haus Habsburg herabflehte. Die Synagoge war bis Uufs letzte Plätzchen gefüllt. Der Landeschef und kommandierende General-Feldmarschalleutnant von Winzor in Begleitung seines Persönäladjutanten Oberleutnant Klar, Ziviladlatus Baron Benko, den Sektionschefs -Hörmann. Passim und von Sshek, Generalmajor Kromer, Regierungsrat Dr. Kobler, Platzkommandant Oberstleutnant Beneevie und viele andere Vertreter der Militär- und Zivilbehörden wohnten der Feier bei, die einen sehr würdigen Eindruck gemacht hat. - Von Wh und Lern. - Der Stadtverordnete Bernhard Hammerstein hat anläßlich der Fertigstellung des neuen großen Siechenhauses in Buch den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Am 14. d. Mts. ist hier Fräulein Bertha Friöberg, die ehemalige Vorsteherin des Mollmannschen Töchterpensionats, im 66. Lebensjahre gestorben. — Der verstorbene Bankier Helfst hat dem Verein Berliner Künstler ein Legat von 30 000 Mark hinterlassen. —- Der Rentier Herr S. Blumenthal, feierte dieser Tage mit seiner Gattin die goldene Hochzeit. Der Kaiser und die Kaiserin ließen 'ihre Glückwünsche übermitteln und verliehen dem noch rüstigen Jubelpaare die goldene Ehejubiläumsmedaille — Im Breslauer Südpark wurde am 18. d. M. ein Denkmal des Pflanzenphysiologen Professor Ferdinand Cohn durch Oberbürgermeister Bender feierlich enthüllt. Das Bildwerk, aus einem Vermächtnis der jüngst dahingeschiedenen Gattin — auch der Universität hat sie ein Legat von 25 000 Mark hinterlassen — ist von einer Nichte Cohns, der Vildhauerin Fräulein Ilse Conrad, ausgeführt worden. — Lehrer Bach, der Leiter des Shnagogenchors, der fast ein Menschenalter an der Simultanschule in Myslowitz gewirkt hat und jetzt noch in der Religionsschule amtiert, beging unter lebhafter Teilnahme der Bevölkerung seinen 70. Geburtstag. Der Bürgermeister beteiligte sich namens der Stadtvertretung an der Gratulation. Die * Schüler und Schülerinnen stifteten eine silberne Menorah. — Bei den Landlagswahlen in Anhalt wurde Rechtsanwalt Dr. Cohn in Dessau wieder als Abgeordneter gewählt. — In Mühl- , Hausen in Th. ist Lehrer Moch im besten Mannesalter gestorben, j Bei der Beerdigung hielt Prediger Röthler- Gotha eine tiefempfundene Gedenkrede; ferner sprach noch ein -Bruder des Verstorbenen, .Hauptlehrer Moch in Breiten, und im Namen des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands Prediger- Meyer- Eisenach. — Bei einem am 5. d. Mts., nachts, in Hessisch- Old en d orf ausgebrochenen Brande, wurde außer zwei Wohnhäusern auch die Synagoge, die in einem Privathause untergebracht wär, ein Raub der Flammen. Ueber die Entstehung des Brandes ist nichts bekannt. — In Oberhausen ist am 7. d. Mts. der Lehrer Moses Block nach langem Leiden im 43. Jahre seines arbeitsreichen Lebens gestorben. Er hat 13 Jahre in Oberhausen segensreich gewirkt. Ehre seinem Andenken! — Das Kölner Schöffengericht verurteilte den Fleischergesellen Ludwig-Bruch aus Berlin, der den Kölner Rabbiner Dr. Carleb ach durch Briefe und Postkarten' beleidigt und sich eines Nötigungsversuches schuldig gemacht hatte, zu einem Jahr Gefängnis. Das Gericht erklärte, daß die Strafe um so schärfer ausfallen müsse, als es sich um einen durchaus unbescholtenen Geistlichen handele, und weil der Vorwurf der Homo-' sexüalität — den Bruch gegen diesen erhoben hatte — der schwerste sei, den man in jetziger Zeit einem Ehrenmann machen könne. — Der bekannte volkstümliche jüdische Schriftsteller. Scholem Rabinowitsch, bekannt unter seinem Pseudonym „Scholem Aleichem", beging in diesen Tagen sein 25 jähriges Schriststellerjubiläum. — In Berditschew entstand am letzten Festtage infolge Ohnmachtsansalles einer Frau eine Panik. Sieben Frauen wurden erdrückt, 60 Personen schwer verletzt. — In P a ri s ist am 15. d. Mts. Herr I g n a tz P o s n a n s k i. der Seniorchef derbekannten Baumwollfirmä in Lodz, im 56. Lebensjahre gestorben. — Einer der beiden kühnen französischen Sportsleute, die dieser Tage in einem kleinen offenen Boote über den Aermelkanal und wieder zurück ruderten, war ein Jude namens Levh. Heber' Haupt ist der Anteil der Juden am Sport — entgegen dem landläufigen Vorurteil — ein ganz bedeutender. — Am 3. d. Mts. wurde in England der dreihundertste Geburtstag Oliver Cromwells gefeiert. Es gibt in England nur wenige Denkmäler -Oliver- Cromwells, dieses großen Freundes der Juden; eines befindet sich - in Manchester. An diesem Denkmale ließ am Tage der Feier die jüdische Gemeinde von Manchester einen Kranz niederlegen mit einer Inschrift, die an die Gastfreundlichkeit erinnert, die Oliver Cromwell den ersten Juden gewährte, .die im Jahre..1658 nach England kamen, um sich dort niederzulassen. — In Tunis ist der sterreichisch-u ngarische Konsul Joseph Valensi gestorben. Er war einer der angesehensten Bürger. Das gesamte Konsularkorps von Tunis gab dem Verstorbenen das letzte Geleit. Die Familie Valensi gehört zu den hervorragendsten jüdischen Familien am Orte. Zwei Söhne des Verstorbenen sind Advokaten in Tunis, ein dritter ist Professor am „Institut - des Ilautes Etudes“ in Paris. — Während bisher keine einzige Tageszeitung in Jerusalem erschien, kommen jetzt deren gleich zwei heraus. Die beiden hiesigen hebräischen Zeitungen „Haschkafa" und „Hazwi", die bis jetzt nur dreimal wöchentlich herauskamen, werden nun in Zukunft täglich erscheinen. — Eine Kommission des russischen Zentralkomitees der Jewish Territorial Organisation begab sich nach Amerika zuM Studium der dortigen Einwanderungsverhältnisse für die russischen Juden. Der Präsident der Jewish Territorial Organisation, Israel Zangwill, befindet sich bereits seit einigen Wochen in New Jork. Die Kommission beabsichtigt auch, eine längere Studienreise nach den südwestlichen Staaten zu unternehmen, um dort die Ansiedlungs» nnd Einwanderungsbedingungen für die über' den südlichen Hafen Galveston kommenden jüdischen Einwanderer kennen zu lernen und geeignete Vorbereitungen für deren Niederlassung zu treffen. — Die Auswanderung nach Amerika ist im August d. I. erheblich zurückgegangen. Von 98 825 ans 27 782. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern dev' Hamburg-Amerika Linie finden statt: Nach New Aorkr 24/10: Postdampfer „Blücher", 29/10. „Kaiserin Auguste Viktoria", 3/11. „President Lincoln", 10/11. „Brisgavia". 12/11. „Amerika", 21/1Ü „Patricia", 28/11. „Kaiserin Auguste Viktoria". Nach Bostonr 30/10* Postdampfer „Bethania". Nach Baltimore r 30/10. Postdampfer i „Bethania". Nach Philadelphia: 5/11. Postdampfer „Pisa". Nach j Neworleans: 24/10. Postdampfer „Hohenfelde". Nach Westindier»: 22/10. Postdampfer „Sardinia", 24/10. „Schaumburg", 31/10. „Westphalia". 5/11. „Niederwald", 7/11. „Graecia", 11/11. „Virginia". Nach Mexiko: 28/10. Postdampfer „Allemannia", 14/11. Postdampfer „Fürst Bismarck". Nach Ostasten r 30/10. Postdampfer „Barcelona", *10/11. „Andalusia". Arabisch-Persischer Dienstr 23/10. Postdampfer „Hispania" ab Hamburg.

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