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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-16 · Heft 42 (16.10.1908) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 42 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
Seite 504 (sequence 12)
Language
German
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;5Ö4' - >v; JZ&S Verlag. rr.- Wieder ein Beitrag zu der noch immer micht geschriebenen Geschichte der Juden in Oesterreich. Undwie wir hinzufugen, ein schätzenswerter. Wir'haben es in dieser Broschüre von 71 Seiten nicht so sehr mit einer Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Juden im Kronlande Mähren zu tun, wo sie seit dem zehnten Jahrhundert wohnen, da der Magharensturm auch über dieses Land hinfegte, als vielmehr mit einem Bilde der Rechtsverhältnisse unserer Glaubensgenossen, diein diesem Lande, besonders in der neueren Zeit, eine nur ihnen eigentümliche Gestalt annahmen. Dr.. Haas, ein junger Jurist, der mit löblichem Interesse sich mit Studien jüdischer Verhältnisse in unserem Kronlande Mähren beschäftigt, behandelt in der vorliegenden Schrift sein Thema in. vier Kapiteln: Er stellt die Verhältnisse der Juden bis zur Erlassung des Toleranzpatents (1782) dar, wendet sich dann der Zeit bis zum Jahre 1848 zu, in einem dritten Kapitel werden wir mit der Lage der Juden Mährens bis zur Einführung der Dezemberversassung (1867) und im vierten mit der Zeit von 1867 bis auf die Gegenwart bekannt gemacht. Für solche, die mit der Geschichte der Juden in Mähren und ihren besonderen Verhältnissen weniger vertraut sind, sei hier gesagt: Das Schulwesen der mährischen Juden erfreute sich immer eines ' ganz besonderen Ansehens. Schon die alten Talmudschulen (Jeschibot) Mährens besaßen einen guten Namen. Wir erinnern nur an die einst so blühende Jeschiba in Nikolsburg, dem Sitze des Landesrabbinats. Die Institution des Landesrabbinats ist Mähren eigentümlich: sie entstand unter Kaiser Maximilian II. (1564—1576) und wurde unter Maria Theresia 1750 gewissermaßen neu organisiert. Auch das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgenossenschaft 1890 hat an ihr nicht gerüttelt. Freilich hat sie in der Gegenwart von ihrer Bedeutung viel verloren. — Mähren besitzt auch neben den Kultuspolitische Gemeinden, die für die Verfassungsberhältnisse, namentlich für die Wahlen, nicht wichtig waren. Durch die Einführung des allgemeinen Wahlrechts haben sie natürlich ihre Bedeutung ganz eingebüßt. Es besitzt aber auch Mähren eine' Art jüdischen Religi on ssonds, das ist der Landes ma ssafon ds, der seit dem Jahre 1868 von den Juden selbst, und zwar von einem Kuratorium verwaltet wird, das Delegierte der Gemeinden ans ihrer Mitte wählen. — Schon der frühere Altbürgermeister von Brünn, Chri stian Ritter d'Elvert, ein Mann, der sich um die Darstellung der Geschichte der. Juden in Mähren Verdienste erwarb, indem er die Materialien zu einer solchen zusammentrug, hat den Wunsch ausgesprochen, es möge eine gründliche Geschichte der Juden Mährens geschrieben werden. Es ist dies kein leichtes Werk, wenn man bedenkt, wie zerstreut die Quellen für ein solches sind. Zu dem künftigen Baue hat der fleißige Dr. Haas einen Baustein beigetragen, und jeder, der sich mit der Geschichte der Juden Mährens befaßt, wird diese Schrift benützen müssen. Aber auch weitere Kreise werden sie mit Nutzen, nicht ohne aus ihr belehrt zu werden,, lesen. Prof. Dr. Max Grünfeld. * Ueber den Orientalisten-Kongreß in Kopenhagen wird uns noch nachträglich geschrieben: . bloß, um, Herrn'.Dr. Jeremias entgegenzukommen. —^ Auf dem'-^ Historiker-Kongreß äußerte Professor Haupt die Absicht, seinen Vortrag über die arische Abstammung Jesu auch auf •- den .Mitte September - in^<^ Oxford stattfindenden Religions-Kongreß halten zu wollen. Obwohl . der Orientalisten-Kongreß gezeigt hat, daß er sich ebensowenig wie der Historiker-Kongreß mit dieser „rein wissenschaftlichen Frage" ernstlich beschäftigen wollte und einen Antrag aus Schluß der Debatte einstimmig angenommen hat, hat Herr Professor Haupt seine Absicht nicht aufgegeben, auch den Religions-Kongreß mit seiner neuesten „amerikanischen Sensation" zu befassen. Auch dort hatte er wenig Glück damit. Hoffentlich ist die Sache nun abgetan. — In der Sektion IVc für arabische Literatur und islamische, Wissenschaften begegnete man auch Vertretern orientalischer Hoch- . schulen im roten Fes. Als erster hielt Pater Lamens, Professor an der Jesuiten-Hochschule zu Beirut, einen sehr interessanten :: Vortrag über die Lustschlösser der Ummajaden-Zeit am Rande der ' arabischen Wüste. Nach seiner Ansicht soll auch das Schloß Meschatta, dessen Fassade sich im Kaiser Friedrich-Museum in Berlin befindet, nicht, wie allgemein angenommen wird, von ghasfanidischen Fürsten, sondern von ummajadischen Kalifen im 7. Jahrhundert n. Ehr. gebaut worden sein. Herr Professor Goldziher-Budapest sprach über neuplatonische und gnostische Elemente in der Traditionsliteratur der Mohammedaner (Hadith). Er zeigte an einigen Beispielen, wie schon sehr früh solche Elemente in den Islam Eingang gefunden haben, und charakterisierte in sehr interessanter und lehr- - reicher Weise die Aufnahmefähigkeit des Islams auf dogmatischem und religionsphilosophischem Gebiete; Herr Professor Fischer-Leipzig entwickelte den Plan eines zeitgemäßen Wörterbuches des älteren Arabisch. Dr. Poznanski-Warschau sprach über den ältesten jüdischen Bibelkritiker Hajaweihi aus Balch. Herr D r. R o s en, kaiserlich deutscher Gesandte in Tanger, hielt einen längeren Vortrag über den persischen Dichter Umar Chajjam, den er als großen Freigeist charakterisierte. Er las eine'Reihe von Strophen, die von ihm ins Deutsche übersetzt worden sind, vor und sprach den Wunsch aus, daß dieser so modern denkende persische Dichter 'in deutschen Kreisen ebenso bekannt werden möchte wie in England und Amerika. Eine Uebersetzung dieses Dichters, die Herr Dr. Rosen bereits vollendet hat, soll in den nächsten Monaten erscheinen. Herr Legationsrat Dr. Freiherr von Oppenheim-Kairo teilte die Ergebnisse seiner Reise durch Syrien. Mesopotamien und Klein-Asien mit. Sein Vortrag, der sehr stark besucht war, wurde mit großem Beifall ausgenommen. Zum Schluß hielt noch Herr Dr. Aahuda-Berlin einen Vortrag über das Prinzip der inneren Sprachform, das von Wilhelm von Humboldt aufgestellt und'von Steinthal weiter ausführlich behandelt wurde, und zeigte an vielen Beispielen aus dem Arabischen, Syrischen und Hebräischen, wie fruchtbar die Verwertung dieses allgemein sprachphilosophischen Prinzips auf semitologischem Gebiete sich gestalten kann. Er führte noch eine Reihe von dunklen Wörtern aus der Bibel an, die durch Vergleichung mit sinn- , verwandten, wenn auch wurzelhaft verschiedenen Stämmen aus anderen semitischen Sprachen auf die einfachste Weise erklärt werden können. Professor Haupt hat in seinem Vortrag über die Abstammung Jesu nicht gezeigt, inwiefern seine Ausführungen wissenschaftlich genannt werden können. Er verschanzte sich hinter einem Philosemitismus, der ihm gerade von seinen Freunden entschieden abgesprochen wird. Er spielte sich als großer Judenverteidiger auf und meinte, daß nur das „Benehmen der Vertreter der jüdischen Rasse" in der von ihm erörterten Frage zum Antisemitismus reizen müsse. Dies war um so weniger am Platze, als Dr. Aahuda ausdrücklich erklärt hat, daß er als Wissenschaftler, nicht als Jude rede und die Fragestellung noch die Art der Hauptschen Beweisführung für richtig finden könne. Herrn Professor Haupt scheint es auch nicht zum Bewußtsein gekommen zu sein, daß er in seinem Schlußworte seine „Feststellung" der arischen Abstammung Jesu wesentlich erschütterte, als er nämlich sagte, daß die sichere Abstammung Jesu ein Punkt sei, über den man immer mit „ignoraimis, ignorabimus" wird antworten müssen. Allerdings suchte er noch aus vielen biblischen Stellen zu beweisen, daß die Jude» selbst keine reinen Semiten seien! Möglicherweise tat er dies * Frau Rabbiner Dr. Marianne Mühsam in Graz hat, um die Predigten ihres gottseligen Mannes, der ein vorzüglicher Kanzelredner war und an dessen Reden sich fast ein halbes Jahrhundert ein so großes Publikum erbaut und erhoben hat, nicht der Vergessenheit anheimfallen zulassen, 40 Sabbat-, 54 Festtagspredigten und Lajin ^äar-, die patriotischen, die Trauungs- und andere Gelegenheitsreden für drei Bände druckreif gemacht; da sie aber nicht in der Lage ist, die Druckkosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten, so hat sie es versucht, dies auf dem Wege der Subskription zu erreichen. Der Subskriptionspreis beträgt für die drei Bände ausgewählter Predigten 12 Kronen, für die Sabbat-, Festtags- und Gelegenheitspredigten je 5 Kronen. Hoffentlich finden sich zahlreiche Käufer für das verdienstliche Unternehmen. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.;

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