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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-09 · Heft 41 (9.10.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 41 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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Taufbecken zugeführt. Von den 62 jüdischen Zöglingen dieserÄnstalt^ Wnd bereits 40/ mit <dem Taufschein diplomiert, entlassen worden. > ,Der bekannte Publizist, Dr. S. A. Landau, hat diese Mißstände Nusgedeckt — aber bis jetzt ist noch nicht das geringste dazu geschehen,r um sie zu beseitigen. —' Aus Czernowitz wird berichtet: Dem Gründer des Jubilänmskinderspitales, Großgrundbesitzer Dr. Hermann Fischer, wurde das Adelsdiplom verliehen. Von Ksh und jfern. . — Dr. Phil, und med. Carl Oppenheimer, Assistent am-tierphysiologischen Institut der landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin' hat den Professortitel erhalten. --- Sein goldenes Doktorjubiläum feierte am 1. d. M. der Herausgeber der „Naturwissenschaftlichen ' Rundschau- und frühere zweite Vorsitzende des «Berliner Handwerker- Vereins", Professor Dr. Wilhelm Sklarek, ein Schwiegersohn Aron Bernsteins seligen Angedenkens. Der Jubilar, erhielt bei diesem Anlaß den Roten Adlerorden IV. Klasse. — Am 29, v. M. ist hier Frau Emma Nelke, geborene Paderstein, im 65. Lebensjahre gestorben. Sie war eine der wohltätigsten Frauen der Gemeinde und 25 Jahre lang Ehrendame der Alterversorgungs-Anstalt. Ehre ihrem Andenken! — Der Geheime Regierungsrat Professor Dr. F, Cohn, der verstorbene Direktor des Pflanzenphhsiologischen Instituts in Breslau, hat der Universität 25 000 Mark vermacht zur Unterstützung bei wissenschaftlichen Arbeiten hauptsächlich auf dem Gebiete der Biologie. — Am 16., 17. und 18. v. M. fand in der staatlich anerkannten Krankenpflegeschule des Israelitischen Krankenhauses zu Breslau unter dem Vorsitz des Herrn Regierungs- und Geheimen Medizinalrats Dr. Telke die Reifeprüfung statt. Die sechs Schwestern bestanden sämtlich die Prüfung und zwar vier mit „sehr gut", zwei mit „gut". —In Landeshut ist der Stadtälteste Salomon Honigbäum am 26. v. M. gestorben. Er gehörte über 40Jahre der Verwaltung der dortigen Gemeinde an. — Der Vorstand der Gemeinde „Adas Israel" und die Rabbinerwahlkommissi on in Nürnberg haben .beschlossen, das orthodoxe Rabbinat zurzeit nicht zu besetzen, sondern es vorerst durch einen benachbarten Rabbiner verwesen zu lassen.Die israelitische Gemeinde zuKitzin gen hat jüngst die neue Einweihung ihrer Synagoge und das 40 jährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners Adler gefeiert. — Der Schach-Wettkampf zwischen Dr. Emanuel Lasker und Dr. S. Tarrasch, beide sind Juden, hat die allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Er endete mit dem Sieg Laskers als Schachweltmeister. — David Schwarz, nach den vom Rabbiner Dr. M. Grunwald in der „Neuen Freien Presse" vom 30. v. M. publizierten Akten aus dem preußischen Kriegsministerium, der eigentliche Erfinder und Konstrukteur des starren Luftschiffes, ist als Jude gestorben und wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof, israelitische Abteilung, beerdigt. — Aus Marrnäros°Sziget wird berichtet: Als. am Vorabend' des Versöhnungstages die Juden zum Gottesdienste im Tempel versammelt waren, schrie jemand von außen Feuer- Unter den Andächtigen entstand riesiger Schrecken. Alles drängte in wilder Flucht dem schmalen Ausgange zu. Dabei wurden fünf Personen niedergetreten, die sofort starben. Eine Frau-sprang von der Galerie herab und ist tödlich verletzt. — Das Vermächtnis des Bankiers Albert Samson in Brüssel für die hiesige Akademie der Wissenschaften beträgt nicht — wie die Tageszeitungen mitteilten — 30 Millionen, sondern etwa eine Million Mark. — Der Grand-Rabbin Paul Haguenauer in Besanyon hat den Mscbam-Ikticdar-Orden erhalten in Anerkennung seiner Verdienste um die Juden in Algier und Tunis während seiner Amtswirksamkeit als Rabbiner von Konstantine. — Eine aus den Herren N. Leven, Salomon Reinach, Eugöne S6e und Jacques- Bigart . bestehende Abordnung hat sich zu Naöum Pascha, dem neuen türkischen Gesandten in Paris, begeben, um ihn im Namen der .Alliance Israelite Universelle zu begrüßen. Naoum Pascha bereitete der Abordnung freundlichsten Empfang und dankte ihr herzlich für die Bewillkommung. Er wisse die Dienste zu schätzen, die die Alliance Isra&ite Universelle ber Türkei geleistet habe, indem sie dort Unterrichts* anstalten schuf und den Gedanken des Fortschritts verbreite. Der ’ Alliance Israelite Universelle sei es zuzuschreiben,, daß die Israeliten der Türkei an der Erneuerung des Landes teilhaben können, die im ganzen ottomanischen Reich so große Begeisterung erweckt hat. Der daran,' daß die Türkei die Israeliten^ während eines .schmerzlichen 5 Abschnitts ihrer Geschichte mit herzlicher Teilnahme aufgenommend undihnen seitdem zahlreiche Zeugnisse ihreß Gerechtigkeitssiylies - M gegeben habe. In allen Schulen-der Alliance lernen dre Kinder ihr. Vaterland lieben und ihm treu dienen. Jetzt, da sie zur Betätigung-,) im öffentlichen Leben aufgefordert sind, werden sie ihre Bürgerpflicht zu erfüllen wissen. — Der Nationalist Bietry kündigt an, er wolle); die Regierung befragen, ob sie nicht wage, gegen Hauptmann Cuignet vorzugehen, der in offenen Briefen, Maüeranschlägen und Volks-' ' Versammlungen das höchste Gericht beschuldige, durch grobe Fälschung ' des Gesetzes die Urteile „gegen den Verräter Drehfus" aufgehoben zu -.n* haben. — Am 4. d. M. fand in Nim e s die Enthüllung des von 4 der Stadt errichteten Denkmals des Schriftstellers Bernard Lazare, ) welcher der eigentliche Urheber der Revision des Dreyfusprozesses war, statte Dieser Umstand veranlaßte, eine Demonstration zu veranstalten, und viele Nationalisten begaben sich unter Führung - des Sohnes von Leb Daudet nach Nimes, um den "Akt der Denkmalsenthüllung zu stören. Die Regierung hat, um Zusammenstöße zwischen beiden Parteien zu verhindern, die Garnison von Nimes' durch Kavallerie und Infanterie aus den benachbarten Städten verstärken lassen. Die Enthüllung ging aber ohne Ruhestörung von statten. . Die Freunde Lazares hielten ihre Feier und Reden im Städtpark, die Nationalisten gleichzeitig die ihrigen, am entgegengesetzten Ende der Stadt, vier Kilometer entfernt. Bei solcher Entfernung war ein Zusammenstoß ausgeschlossen. — In Lissabon wurde ein jüdisches Begräbnis durch Rowdies zerstört. Es entstand ein heftiger Kampf, bei dem über 20 Juden verwundet wurden. — Am verflossenen Sonntag wurde in der Philpot Straße im Herzen des Eastend von London eine : neue Synagoge eingeweiht. Das Gebäude war früher eine Kapelle - die seit 18 Monaten leer stand, da die meisten Mitglieder der Gemeinde, die sie errichtet hatten, aus dem Bezirk verzogen sind. Ehe die Kapelle in eine Synagoge umgewandelt werden konnte, mußten zunächst 80 Leichen ausgegraben werden, die in der Krypta der Kapelle bestattet waren. — In M arsch au; wurde eine achtklassige höhere jüdische Kommerzschule gegründet, für die als Unterrichtsgegenstände neben den an diesen etwa den Realgymnasien gleichstehenden Schulen üblichen auch hebräische Sprache, Literatur und jüdische Geschichte eingeführt sind. — In Moskau erschien eine offizielle Kundmachung, in welcher den Juden, die dort kein Wohnrecht haben, jedweder Aufenthalt in der „heiligen Stadt" strengstens verboten wurde. Das Verbot geht so weit, daß den erwähnten Juden nicht einmal gestattet ist. falls sie Moskau per Eisenbahn passieren, in der Bahnstation auch nur für einen Moment auszusteigen. Durch die Gassen Moskaus zu fahren, selbst ohne anzuhalten, ist auch strengstens verboten. Die Uebertreter dieses Verbotes werden nicht mit Geldsondern mit strenger Gefängnisstrafe belegt, und dieser verfallen nicht nur diejenigen, die selbst das „Verbrechen" begangen, sondern auch die, die Helferdienste hierzu leisten. — Mit der neuen türkischen Verfassung wird für die Juden, welche ottomanische Untertanen sind, in Kürze auch die persönliche Militärdienftpflicht zur Einführung gelangen. Zwei der hervorragendsten Führer der Jungtürken betonten übereinstimmend, daß sie die Berücksichtigung der religiösen Pflichten der jüdischen Soldaten für eine berechtigte und auch leicht ausführbare Forderung hielten. 'Man müsse den jüdischen Soldaten die Wahl solcher Garnisonen freistellen, wo sie . rituelle Kost erhalten können, und sie ferner am Sabbat von jeder militärischen Dienstleistung dispensieren. — Bei den Munizipalwahlsn in Konstantinopel sind sechs jüdische Stadträte gewählt worden. Für die Parlamentswahlen sind in -verschiedenen Städten bis jetzt acht jüdische Kandidaten ausgestellt. — Nach langem Studium aller; in Betracht kommenden Städte hat man sich nun doch für Haifa, - als den geeignetsten Ort für die Errichtung des jüdischen Technikums entschieden. Ein Terrain in herrlicher Lage ist bereits angekauft. — Professor Dr^ G. Deutsch aus Cincinnati ist über die Feiertage nach : Mexiko gegangen, um dort den Gottesdienst zu leiten. — Der Premierminister der Kapkolonie Merriman hielt, bei Eröffnung eines Basars für die Talmud Thoraschule in Captown eine glänzende Rede über die hohe Bedeutung des jüdischen Elements - in jenem Lande. /

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