Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-25 · Heft 39 (25.9.1908) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 39 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228798-3228838--64926-3277012
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

p 11 M DZ P MV m treffen können. Zudem ist das „Alte Testament" unser gemeinschaftlicher Schatz, unser gemeinsames Fundaments Gott segne Sie und die, die sie gesendet." — Die Jiddische Sprache-Konferenz in Czernowitz hat einstimmig eine Resolution folgenden Inhaltes gefaßt: „Die erste Konferenz für die jiddische Sprache erkennt das Jiddische als die Nationalsprache des jüdischen Volkes an und' fordert für dieselbe politische, gesellschaftliche und kulturelle Gleichberechtigung." Das jüdische Volk wartet selbstverständlich mit großer Sehnsucht darauf, diesen närrischen Beschluß auszuführen. (Lürkei. Jerusalem, 18. September. Am 15. dieses Monats ist hier der rühmlichst bekannte Maler Samuel Hirszenberg im besten Mannesalter gestorben. Er wurde 1866 in Lodz geboren, besuchte von 1881—1885 die Kunstakademie in Krakau uüd vollendete bis 1889 seine Studien in München. Für eines seiner ersten Bilder, die „Jeschiwa?Bachurim", erhielt er 1889 in Paris die silberne Medaille. Sein Bild «Sabbatfrieden" brachte ihm den ersten Preis in Marschau und Krakau. Hirszenberg war durch seine charakteristischen Judentypen, die er dem russischen Ghetto entnahm, in weiteren Kreisen bekannt geworden, und zahlreiche seiner Arbeiten, darunter der künstlerisch hervorragende „Zug der Auswanderer" (Golus), waren auch auf der Großen Kunstausstellung in Berlin zu sehen. Seine Bilder aus dem jüdischen Leben sind: „Uriel Acosta", „Spinoza", „Konferenz", „Esther und Haman", „Ein jüdischer Friedhof" und andere. Vor wenigen Jahren ging er mit einem Idealismus ohne Gleichen nach Jerusalem an die Kunstschule „Bezalel" als Lehrer. Hirszenberg hat in der kurzen ihm beschiedenen Lebenszeit großes auf dem Gebiete der Kunst, und auch insbesondere der jüdischen Kunst geleistet. Sein Name wird in dankbarer Erinnerung fortleben. Von Ash und jfrrn. Dem Bankier Kommerzienrat Emanuel Lohn st ein wurde der Kronenorden dritter Klaffe verliehen. — Der Lehrer Dr. Carlebach ist zum Oberlehrer an der Margaretenfchule befördert worden. — Dem Geheimen Regierungsrat, Professor Dr. Hermann Aron, außeretatsmäßigem Zivrllehrer an der Militärtechnischen Akademie, wurde der Kronenorden dritter Klasse verliehen. — Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., hat durch seine Vermittlung im Monat August 174 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 41 Personen vorübergehend Beschäftigung nachgewiesen. — In Elbing ist Dr. med. A. Simon gestorben, der Vorstandsmitglied des dortigen Literaturvereins und des „Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" war.— Es dürfte wohl interessieren zu hören, daß ein Zirkus direktor als Repräsentant einer jüdischen Gemeinde existiert; dieser Repräsentant ist der Mitbesitzer des Zirkus E. Blnmenseld Wwe., Direktor Hermann Blumenfeld, zugehörig der jüdischen Gemeinde zu Guhrau. — In Hirschberg in Schlesien würde Dr. Ferdinand Weissrein zuni Nachfolger seines Vaters, der dies Ami 15 Jahre lang verwaltet, als Stadtrat gewählt. — Die jüdische Synagogen- und Schulgemeinde in Mol len selbe (Kreis Göttingen), an welche auch die israelitischen Bewohner von Hedemünven an- . geschlossen waren, ist infolge Aussterbens und Wegzuges der Mitglieder aufgelöst worden. Die Synagoge wurde auf Abbruch verkauft. — Dem Kantor der jüdischen Gemeinde in Hoppstävten an der Nahe (Fürstentum Birkenfeld) und Lehrer an der jüdischen Volksschule, Herrn Ferdinand Eppstein, welcher am 1. November nach zurückgelegtem 70. Lebensjahre und nach 40 jähriger Tätigkeit in der Gemeinde und an der Schule in den Ruhestand tritt, wurde vom Großherzoge von Oldenburg das Verdienstkreuz erster Klasse verliehen. — Am 20. d. M. fand in Bad Sassendorf die Grundsteinlegung zu dem Bau des israelMschen Kinderheims für Westfalen und angrenzende Bezirkestatt. Bericht folgt. — Einen schönen künstlerischen Erfolg hat Kantor'Hermann Zivi in Elberfeld zu verzeichnen. Er ist von der Wiener Konzertgesellschaft „Museum" eingeladen worden, seine in Elberfeld bereits mit -lebhaftem Erfolge aufgeführte sinfonische Dichtung ^lieber Babylon nach Rom" im Laufe der bevorstehenden Kvnzertsaisütt auch in Wienzu Gehör zu bringen und zu dirigieren. — Bor einigen Wochen wurde in den Gemeinden' des. ehemaligen Herzogtums Nassauein längst vergessenes Gesetz neu - bekanntgegeben. nach dem die Gemeindevorsteher auf Lebenszeit, zu genehmigen sind. Auf Veranlassung der Bezirksrabbinate und Vorstellung vieler Gemeindemitglieder wurde dann kürz darauf die betreffende Verordnung seitens der königlichen Regierung rückgängig gewacht. — Der Warschauer Advokat Könitz, ein getaufter Jude, hat als Vertreter der Polen am Panslavistenkongresfe in Prag teilgenommen und eine Rede sogar mit den Worten „wir Slaven" eingeleitet. Die Presse aller Schattierungen versäumte es nil^t, auf die unendlich lächerliche Rolle dieses Agitators des Panslavismus hinzuweisen. — In Warschau fand am 9. d. M. eine Zusammenkunft von 15 Rabbinern aus verschiedenen Städten des Landes statt. Sie' beschlossen unter anderem, an die Regierung ein Gesuch zu richten, daß alle jüdischen Blätter des Landes, weil durchweg liberal und. angeblich für den Glauben schädlich, verboten werden sollen. Das Gesuch wurde auf der Stelle aufgesetzt. und von allen Anwesenden, mit Ausnahme des „Reb Berele" aus Warschau, unterschrieben. — Der Rabbiner von Bialystok hat bei dem dortigen Generalgouverneur ein Gesuch eingereicht um Erlaubnis .zur Errichtung eines Grabdenkmals für die während des großen Pogroms ermordeten Opfer. Die Inschrift des Denkmals soll der hebräische Dichter Bialik verfassen. — Die Polizei in Astrachan hat alle Juden, die dort beim Fischhandel Vermittlerdienste leisteten, ausgewiesen, da sie kein Wohnrecht dort besaßen. Infolgedessen befanden sich die Warschauer Fischhändler in der größten Verlegenheit, da sie ohne Vermittler keine Geschäfte treiben können. Die Klugheit der Verwaltung kam ihnen nun zu Hilfe. Vor einigen Wochen wurden dort nämlich etwa 20 Fischmakler als „politisch verdächtig" verhaftet und. da gegen sie keine Beweise Vorlagen, administrativ nach Astrachan verbannt. Die Fischhändler haben nun dort erfahrene Vernlittler, die als Verbannte, das volle Wohnrecht haben,j auf -das Unbescholtene keinen Anspruch machen dürfen. — Die Vertreter der Handelsgesellschaften Finnlands haben beschlossen, den Senat zu ersuchen, ein Komitee aus Sachverständigen zu bilden zur gründlichen Prüfung der Judenfrage, die in Finnland gesetzlich nicht geregelt ist; die Erlaubnis zu freier Uebersiedlung der Juden nach Finnland und die Gewährung voller Gleichberechtigung würde nach Ansicht einheimischer Handelskreise die wirtschaftliche Lage Finnlands ungünstig beeinflussen. — Nach einer Mitteilung des Deutschen Bureaus der ^llianee Isra61ite Universelle haben die Israeliten von Ae m e n an den Chacham Baschi telegraphisch die Bitte gerichtet, er möge dem Sultan gegenüber der Dolmetsch ihres innigsten Dankes für die Verleihung der Konstitution sein und für die möglichst beschleunigte Durchführung der Reformen eintreten. Dieses Telegramm stellt die ersten Beziehungen dar zwischen den Israeliten von Jemen und dem Großrabbinat und den anderen Israeliten der Türkei überhaupt. Der Chacham Baschi hat dem Kultusminister von jenem Telegramm Kenntnis gegeben und gleichzeitig telegraphisch an den Vorsteher der israelilifchen Gemeinde in Sünaa (fernen) die Aufforderung gerichtet, ehestens einen ausführlichen Bericht einzusenden, der über die Zahl der Israeliten in Jemen, Über ihre Tätigkeit und über die Organisation ihrer Gemeinde Aufschluß gibt. Nach. Eingang dieses Berichts will das Großrabbinat än dieJsraeliten von Jemen eine Delegation entsenden. — Dem Chacham Baschi Nahoum ist der Medjidjeorden III. Klasse verliehen worden. — Aus Rom wird gemeldet: Der hier verstorbene frühere Bankier L o u i's S a l o m o n s o h n hat 60 000 Mark zugunsten der deutschen Künstler Roms vermacht. — Henry Wolf; ein aus dem Elsaß gebürtiger Jude, genießt den Ruf, der bedeutendste Holzgraveur in A m eri k a zu sein. Eine Ausstellung seiner Werke soll demnächst veranstaltet werden. — In Browneville in den Vereinigten^ Staaten fand am vergangenen Sonntag die Trauung zwischen dem 106 Jahre alten Rabbiner Barnet Wolinski und seiner jungen Braut, der siebzigjährigen Witwe eines verstorbenen Freundes des Rabbiners statt. Wolinski, der Bräutigam, hat 175 lebende.Verwandte und Kinder, Enkel und Ururenkelrn Rußland und in den Vereinigten Staaten. — In Bul awayo ist Staatsrat Basch abermals zum Bürgermeister gewählt worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.