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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-11 · Heft 37 (11.9.1908) · page 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 37 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. ch^^^WKAWMUAWWWWMFMMWW 72. Jahrgang. Nr. 37, Berlin, II. September 1908. Begründet von Rabbiner Dr- £u6tt>ig Philixpson. Verlass-Expedition: Berlin, Jernsaiemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „2lflgem. Zeitung des Judentums*, Berlin SW., Jerusalemer Straße 4S/4S, zu richten, Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements^preis: durch Buchhandel oder Post (in Berlin u. Vororten durch unsere vertriebsstellen) b.zogen vierteljöhrl. 3 M. Redakteur: Gustav Rarxeles. Lmr Mahnung. Berlin, 8. September, ie Sehnsucht der Orthodoxie ist vielfach, so zum Beispiel in Bayern, auf die allgemeine bürgerliche und religiöse : Reaktion gerichtet. Diese Rückschrittsbewegung hat aber, so lange das Deutsches Reich solchen föderalistischen Reaktionen entgegensteht, nicht die geringste Zukunftsaussicht. Wir sollten von den französischen und noch mehr von den englischen Juden lernen, wie man das von den Vätern ererbte Gut mit den Forderungen der Zeit in Einklang bringt und alles vermeiden, was uns, oder doch wenigstens einen immer größeren Teil unserer Gemeinschaft, gänzlich von den im Mittelpunkte des geistigen Fortschritts der Welt stehenden Kräften loslöst und so dem Antisemitismus sein Ziel freiwillig erreichen hilft, die mehr intelligenten Juden aus ihrer Solidarität allmählich loszulösen und die Masse in eine Art modernes Ghetto zurückzudrängen. In einer Zeit, in der ganz Deutschland beweist, daß es trotz aller inneren Parteiungen und Zerklüftungen doch noch ideale und praktische Begeisterung zu zeigen und zu betätigen vermag für Probleme, welche des Interesses wert sind, scheint nämlich innerhalb des deutschen Rabbinertums der Kampf um die religiösen Positionen zwischen Orthodoxie und Liberalismus auf der ganzen Linie entbrennen zu wollen. Der entscheidende Tag des Kampfes und Bruches zwischen den beiden Richtungen ist ja bis zu der demnächst einzuberufenden Generalversammlung, welche der Zentralausschuß des deutschen Rabbiner-Verbandes in seiner von uns bereits mitgeteilten Resolution ankündigt, vertagt worden, aber wir, die wir stets ein Schisma als für das gesamte von Feinden umgebene Judentum verhängnisvoll erklärt haben, fragen in letzter Stunde vor der Entscheidung noch einmal: „Mußte es sein?" Wer sind die Herren im deutschen Rabbiner-Verband, welchen jetzt „eine gemeinschaftliche Wirksamkeit in der bisherigen Weise nicht mehr möglich erscheint"? Da ausdrücklich dje „jüngsten Resolutionen der liberalen Rabbiner-Vereinigung" als der Grund für die teilweise Sezession — denn eine solche ist und^bleibt es — angegeben werden, so können es nur die Ultra-Orthodoxen, und zwar ihre allerersten Heißsporne sein, welche hier zur Statutenänderung und damit zur Sprengung der bisherigen Einigkeit des Rabbiner-Verbandes gedrängt haben. Ohne zureichenden Grund! Denn nach 8 16 der Statuten sind religiöse Anfechtungen für die Herren innerhalb des Verbandes ohnehin ausgeschlossen, und unter Anrufung dieses Paragraphen hat der Zentral- Ausschuß, dem ja selbst einige hervorragende Führer der Liberalen angehören, jetzt zunächst die Einsetzung einer Art 1 j Friedens - Kommission angeregt, indem er sich ausdrücklich eines Urteils über die liberalen Resolutionen enthält. War und ist denn nun aber wirklich der religiöse Friede ] durch die Resolutionen der Liberalen stn Gefahr? Kein wirklich i liberaler Rabbiner — und es wird doch wohl auch diesen Herren vj ] noch gestattet sein, zusammenzukommen und Resolutionen H zu fassen, — dachte damals im entferntesten an eine Sprengung H! des Rabbiner-Verbandes oder an die jetzt von den Or- |i thodoxen geforderte Einschränkung dieser bisherigen religiösen ,i] Zentralstelle des deutschen Judentums auf rein apologetische -Jl Zwecke nach außen und die Finanzinteressen (Relikten- und 1] Pensionskasse) nach innen'hin. Mußte es sein? fragen wir daher noch einmal, bevor die -;f| unausbleiblichen Angriffe der Orthodoxen auf die Liberalen in H der Generalversammlung den Riß und den religiösen Zwiespalt in der deutschen Judenheit vergrößern. Wird dann die ■ bisherige imposante Einheit in allen „Fragen der Abwehr von Angriffen, welche gegen das Judentum und seine Einrichtungen von außen her gerichtet werden", noch in der alten eindrucksvollen Weise ausrechtzuerhalten sein? Werden unsere Neider H und Gegner nicht allenthalben ausrufen: „Seht, die sind fj ja selbst nicht einig!" Hat, um ein Beispiel aus dem Lager J da draußen anzusühren, jemals eine Generalshnode der .1 Protestanten deshalb ihre Machtbefugnisse von selbst ein- 3 geschränkt, weil es auch liberale Zweigsynoden gibt und diese f wie es alle Augenblicke vorkommt, auch liberale Resolutionen | fassen? Dieser Zentralausschuß ist seinerzeit ins Leben ge- , ß tuten, nachdem es den Präsidenten der beiden ersten allge-; , meinen Rabbiner-Versammlungen, Rabbiner Dr. Joel- . Breslau und Rabbiner Dr. Isaak Bamberger-Königsberg i. Pr. gelungen war, infolge der Angriffe von außen die;,/j Einigkeit unter den deutschen Rabbinern nach innen herzu- .. stellen. Aber diese beiden Herren waren doch Liberale und es 1 war sämtlichen orthodoxen Rabbinern bekannt, mit wem sie ~:.j sich zu Tische setzten. Oder hat die Orthodoxie wirklich jemals darauf gerechnet, in einem Verbände, dem auch jetzt ein Liberaler, wie Rabbiner Professor Dr. Mahbaum, präsidiert, - 1 die Oberhand auch in religiösen Dingen zu bekommen? 1 Schiedlich, friedlich soll es in diesen Fragen zugehen, das ist 1 auch unsere Meinung. Aber deshalb braucht der Zentral-! verband nicht der Gefahr einer Sprengung ausgesetzt zu V.» werden, die unvermeidlich ist, wenn auf der Generalversammlung gerade die trennenden Punkte in unseren . heiligsten Fragen in den Vordergrund geschoben werden. - ‘ 1 Gewiß hat der Zentralausschuß, nachdem er die Nachricht er- J halten, daß „einem Teile der Rabbiner eine gemein» MMMHMMMBiiMiMiiMiiriiiHMI

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