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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-04 · Heft 36 (4.9.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 36 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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kommen, hat daher auf etwas ganz apartes gesonnen — und hat es auch gefunden; man höre: „Juden ist der Eintritt in die städtische Badeanstalt Verboten". Jüdischerseits beim Bürger-? meister sofort erhobene Proteste sind erfolglos geblieben! — In Jllava ist der bekannte Rabbiner David Lewin gestorben, der 35 Jahre dort segensreich gewirkt hat. — Hofrat Professor Dr. Horaz Krasn opolski, der bekannte Zivilrechtslehrer an der deutschen Universität in Prag, ist in Gmunden am Traunsee, wo er seine Ferien verbrachte, verschieden. Krasnopolski, der am 8. November 1842 in Galizien geboren wurde, machte seine Studien in Prag, wo er sich zunächst als Advokat hervortat, dann auf Grund seiner Schriften über das österreichische Zivilrecht habilitierte und rasch zum Ordinarius vorrückte. -Seit einem Menschenalter erfreute er sich als ausgezeichneter Lehrer großer Beliebtheit bei den Hörern und bedeutenden Ansehens an der Hochschule, an der er hervorragend tätig war. Als es zu. Beginn der achtziger Jahre zur Teilung der Prager Universität kam, die die Rettung vor der drohenden Tschechisierung bedeutete, erwarb sich Krasnopolski neben Professor Knoll, der in Wort und Schrift für den Teilungsgedanken eintrat, das stärkste Verdienst um die Durchführung des schwierigen Werkes; ihm war vor allem die Regelung der Rechtsverhältnisse, die nur mit großer juristischer Sachkenntnis und sicherstem Takte durchzuführen war. zu danken. Als Forscher weithin anerkannt, genoß er auch, um seiner menschlich liebenswürdigen Eigenschaften willen die lebhafteste Sympathie. ->#<- Mn Msh und jfrrn. , Dem Geheimen Kommerzienrat Emil Jacob wurde das Komturkreuz des Kaiserlich Oesterreichischen Franz Joseph-Ordens ver" liehen. — Dem Landgerichtsrat Dr. Silber mann in Lyck ist aus Anlaß seines Uebertritts in den Ruhestand der Charakter als Geheimer Justizrat verliehen worden. — Zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde Göttingen ist Dr. Behrens aus Breslau gewählt worden. — Dr. Cahn, Sekretär des Sozialen Museums zu Frankfurt a. M., ist als Privatdozent für die Gebiete des Verwaltungs¬ und Staatsrechts einschließlich der Politik an der dortigen Akademie ür Sozial- und Handelswissenschaften zugelassen worden. — Dem Maler Professor Benno Becker in München wurde bei der jüngsten Anwesenheit des Großherzogs von Baden in München vom Großherzog persönlich das Ritterkreuz I. Klasse vom Zähringer Löwen verliehen. — Den Frauen Therese Sontheim und Lina Haslach, beide in Markt-Oberdorf, wurden vom Prinz-Regenten von Bayern das Dienstauszeichnungskreuz für freiwillige Krankenpflege verliehen. — Nach fast zweijähriger 'Pause wurde in Bayern wieder ein jüdischer Reallehrer, Herr Julius Bodky aus Nürnberg, zum Oberrealschulprofessor in Würz bürg befördert. — Die Gebrüder Schwabacher, die.sich in Amerika ein großes Vermögen erworben haben, haben ihre Vaterstadt Fürth besucht und bei dieser Gelegenheit der dortigen israelitischen Kultusgemeinde 10 000 Mark überwiesen'; gleicherweise haben sie in ihrem Geburtsort Zirndorf der israelitischen Kultusgemeinde die Summe von 10 000 Mark zur Re' uovierung der Synagoge übergeben.. — Dem Geheimen Oberregierungsrat Dr. D. H. Mayer in Karlsruhe, Mitglied des Oberrats der badischen Israeliten, wurde das Ritterkreuz des Großherzoglichen Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. — Der Freiburger außerordentliche Professor Dr. Hermann Neckendorf ist zum ' ordentlichen Professor' der semitisch-orientalischen Philologie an der Universität Heidelberg ernannt worden. — Der König von Württemberg hat dem Dramaturgen des Hoftheaters in Stuttgart, Professor Dr. G erst mann, den Titel und Rang eines Hofrats verliehen. — In Altkirch i. E. ist der Rabbiner N. Levh gestorben, der sich während seiner 24 jährigen dortigen Wirksamkeit allgemeine Sympathien erworben hat. — In einem Städtchen^in der Nähe von Paris, in Levallois-Perret, wurde dieser Tage das Denkmal des Kapitäns Salomon Braun, der im Alter von 30 Jahren im Dienste seines Vaterlandes den ehrenvollen Tod gefunden hatte, feierlichst enthüllt. ' Die Feierlichkeit wurde vom Märineminister M. Thomson eingeleitet. In glänzender Rede schilderte der Minister die Tapferkeit und Ausdauer des jungen Offiziers, der mit einer gefährlichen Mission betraut wurde und der Uebermacht unterlag, — Das neueste Stück von Henry Bernstein, mit dem das Theater Rejane in Paris wieder eröffnet wird, führt den Titel „Israel". — Wie der „Rjetsch" mitteilt, wird baldigst vor dem Warschauer Militärbezirksgericht ein Prozeß gegen die Mitglieder der jüdischen revolutionären Organisation „Der Bund" (86 Angeklagte) verhandelt werden. — Dem russischen Museum Alexander III. schenkte der Rechtsanwalt D. W. Stasow die Bronze-Statuette „Jermak", eine Reproduktion M. M. Antokolskys. — An die Warschauer Universität haben 250 Juden aus Polen Bittschriften um Aufnahme eingereicht. Davon sind blos 91 ausgenommen worden. — Die großbritannische Botschaft in.Petersburg teilte dem Ministerium'der auswärtigen Angelegenheiten mit, infolge des Wunsches der kanadischen Regierung und zur Belehrung der Personen, die nach Kanada zu emigrieren wünschen, daß in diesem andere als Arbeiter für den Eifenbahndienst nicht gefordert werden, und daß nur erfahrene Land" Wirtschaftsarbeiter, dann Personen, die Mittel besitzen Land zu pachten, und weibliche Dienstboten Verdienst finden können. — Im CH arko wer Kriegsgericht wurde derProzeß einigerBauern verhandelt, die beschuldigt waren, einen räuberischen Ueberfall auf das Haus des Rabbiners Belenko in Kursk begangen zu haben. Dabei wurde die Frau des Rabbiners ermordet, sowie Geld und Gegenstäude geraubt. Das Kriegsgericht verurteilte die Angeklagten Sacharow, Spaßk und Winokurow zum Tode durch den Strang, beschloß sich aber zu verwenden, die Todesstrafe in Zwangsarbeit umzuwandeln. Der Angeklagte Sereda wurde als schuldig erkannt, weil er dieses Verbrechen nicht angezeigt hatte, und wurde zu einer Gefängnisstrafe von ein Jahr und vier Monaten verurteilt. — Der Petersburger Stadthauptmann gestattete den jüdischen jungen Leuten, die in den höheren Lehranstalten der Residenz eintxeten, zwei Wochen vor Anfang der Konkursexamen und während derselben dort zu wohnen. ..— Aus Elisawetgrad schreibt man: „Der Pristaw (Polizeibeamte) des Flecken Lnamenka (Alexandrier Kreis) Moschinskh, eine Feindschaft gegen den Privatanwalt Berd itschewsky nährend, prügelte denselben in grauenhafter Weise. Der Beschädigte klagte denselben wegen Vergewaltigung beim Gericht an. Der Petersburger Rechtsanwalt Oppel vertrat Berdyczewsky und hielt eine schöne Rede. Moschinsky wurde zu drei Monaten Arrest verurteilt. — Die Frage um Aufnahme der Juden in der Petersburger militärärztlichen Akademie, ist bis jetzt noch nicht entschieden worden. — Im Petersburger Berginstitut der Kaiserin Katharina II. sind viele Bittschriften um Aufnahme seitens der Juden erfolgt. Ausgenommen werden können blos: mit Mittelbildung — acht, und mit höherer Bildung — zwei (nach der fünfprozentigen Norm). — In der höheren Kunstschule bei der kaiserlichen Akademie der Künste worden die Juden ohne eine Prozentnorm ausgenommen. — Die Alliance Israelite Universelle hat für die in Stambul von der Brand-, katastrophe heimgesuchte muselmanische Bevölkerung einen Betrag von 2000 Franken überwiesen. — Dem deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle berichtet man aus Konstantinopel: In 14 Tagen findet in Phanaraki ein großer Ball statt, dessen Reinertrag für die Allianceschule in Kustend schuk bestimmt ist. Das Patronat dieser Veranstaltung hat Marschall Fuad Pascha, der Sieger von Elena übernommen, der vor einigen Jahren, weil er sich mit Offenheit als Gegner des damaligen Regimes bekannt hatte, nach Damaskus verbannt worden war. Fuad Pascha, der bei seiner Rückkehr aus der Verbannung mit unbeschreiblichem Jubel von der Bevölkerung der Hauptstadt empfangen worden ist, will nur noch als Privatmann tätig sein und sich gänzlich der Förderung der Bildungsstätten in der Türkei widmen. Die Uebernahme des Patronats für die zugunsten einer Allianeeschule zu veranstaltende Festlichkeit ist seine erste Handlung auf diesem Gebiet.-— Aus Jaffa telegraphiert man, daß der Pascha von Jerusalem, der als Antisemit galt, von seinem Amte entsetzt wurde.

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