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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-07-24 · Heft 30 (24.7.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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die Verhältnisse'der Gemeinden und ditz>?all'er^MenschlrchkeitDhohn» sprechenden Verhältnisse bezüglich der Anstellung, Entlohnung und Altersversorgung der Kultusbeamten. Der Minister ließ sich eingehend instruieren und versprach, durch Zusammenlegung einzelner materiell schwacher Kultusgemeinden eine Besserung der Verhältnisse zu erzielen. Dr. Mahler wiederholte nochmals das Ansuchen um Staatssubvention für den Pensionsfonds. Er glaubt mit Bestimmtheit, daß pro 1909 eine solche staatliche Subvention zu gewärtigen sei. — In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 15. Juli interpellierte Dr. Strauch er den Ministerpräsidenten betreffend die 'christlichsoziale Agitation in der Bukowina. In der Interpellation wird ausgeführt, daß, seitdem Dr. Geßmann Mitglied des Kabinetts geworden sei, in der Bukowina organisierte judenfeindliche Parteien entstanden seien, die unverkennbar unter der Patronanz des genannten Ministers stehen. Die Organe der antisemitischen Parteien im Lande erklären ausdrücklich, daß sie unter der Patronanz und werktätigen Förderung des Ministers Dr. Geßmann stehen. Sie gerieten sich als Organe eines Ministers und wirken auf gewisse offizielle Kreise dadurch geradezu einschüchternd. Die genannten Blätter enthalten in jeder Nummer die wütendsten und unerhörtesten Beschuldigungen der Juden, predigen den wirtschaftlichen und sozialen Boykott und fordern zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung auf. Eine solche gewissenlose Agitation könne nur die bösesten Früchte zeitigen. Es sei unerhört, daß in einem modernen Rechtsstaate ein Mitglied der Regierung Parteien offenkundig favorisiert, die derartige Tendenzen verfolgen. Die Interpellanten.fragen, ob der Ministerpräsident veranlassen wolle, daß der Minister Dr. Geßmann seine Tätigkeit in der bisher ruhigen Bukowina einstelle. — Wie die „Wiener Zeitung" meldete, hat der Kaiser dem Landesgerichtsrat Dr. Michael Spitzkopf den Titel und Charakter eines Oberlandesgerichtsrats verliehen. Von MH und jfrrn. — Der berühmte Gynäkologe Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Leopold Landau feierte am 17. d. den sechzigsten Geburtstag. Aus Warschau stammend, machte er den französischen Krieg als Truppenarzt mit und ist seit 34 Jahren Universitätslehrer, seit 1899 außerordentlicher Professor. — Kommerzienrat Siegmund Bo rchardt ist bei seinem Ausscheiden aus seiner langjährigen Tätigkeit als Handelsrichter der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen, worden. — Aus einem Testament des Fräulein Zerline Helfft ist der zur Nacherbin eingesetzten Universität jetzt der Stiftungsbetrag von 50 940 Mark zur Unterstützung armer Studenten der Medizin ausgezahlt worden. — Die unter dem Namen Ernst Georgy schreibende Schriftstellerin hat am Seminar für orientalische Sprachen zu Berlin das Diplomexamen für russische Sprache und Kultur „mit Auszeichnung" bestanden. Sie ist erst die zweite Dame, die zu diesem Examen überhaupt zugelassen worden ist. — Der Geheime Sanitätsrat Dr. Benno Sachs in Bnnzlau hat den Roten Adlerordcn IV. Klasse erhalten. — Hermann Bielsch owsky, früher Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Namstau, ist nach längerem Leiden gestorben.— Die Mitteilung, daß das Kultusministerium in Alten bürg das Alte Testament in den Schulen verboten habe, beruht aus einem Irrtum. Es handelt sich um Einführung einer Schulbibel. — Herr Direktor Frauberger in Düsseldorf teilt mit, daß er sich veranlaßt gesehen habe, die jüdische Ausstellung wegen des großen Interesses, das sie nicht bloß in unserer Umgebung, sondern auch im Auslande gefunden hat, bis einschließlich den 2. August zu verlängern. — Die Stadtverordnetenversammlung in Köln hat dem dortigen jüdischen Lehrerseminar eine jährliche Subvention von 1500 Mark bewilligt. — Dem pensionierten Lehrer Josef Stern zu Wiesbaden wurde der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. — Der Kgl. Bayerische Bahnbäuverwalter Friedrich Taussig in München wurde in gleicher Diensteigenschaft in die Königl. Eisenbahndirektion Nürnberg berufen. Ferner wurde demselben in Anerkennung seiner langjährigen Dienstzeit das St. Michaelverdienstkreuz verliehen. — IN Straß bürg ist der Rabbiner S. Glaser, der Leiter verschiedener religiöser Vereine in der Gemeinde, am 11. d. M. nach schwerem Leiden gestorben. — Der Bataillonschef I. Raine in Paris ist zum Oberstleutnant befördert worden. — S)i.e „Alliance Isra&ite Universelle“ hat ■fite'. die^FeuerLeschädigtenWni Wolk^wisk (Gouvernemenj: G.rodno) eine Unterstützung von . 2000 Franken bewilligt. —- Der Minister des^ Innern gestattete den jüdischen Choristen des 'Theaters. Amoldow nicht, in Wladiwostok zu wohnen. — Auf Befehl des Kriegsministers werden Erhebungen über die Militärpflicht der Judengesammelt. — Im Petersburger Polytechnikum wurde angezeigt, daß in diesem-Jahre in einigen Abteilungen überhaupt keine Juden ausgenommen werden; in den anderen werden höchstens 15 Prozent ausgenommen. — Der Chersoner Gouverneur gestattete dem dortigen Rabbiner Dr. Günsburg, die Rabbiner dieses Gouvernements zu einer Versammlung einzuberufen. Das Programm wird zusammengestellt, und die Sitzungen finden in Cherson statt. — In Petersburg wird in Bälde ein Krankenhaus namens Peter des Großen erbaut. Das Projekt desselben ist von zwei jüdischen Architekten, Alexander Klein aus Odessa und Rosenberg, und einem christlichen, Hjin, ausgearbeitet worden. Das Projekt erhielt einen Preis. Architekt Klein wurde zum verantwortlichen Baumeister ernannt. — Der Antisemit Dubrowin wurde auf Grund des Paragraphen 1040 zur Verantwortung gezogen. — In der Sitzung der Fortschrittspartei, der auch die Geistlichen beiwohnten, wurde beschlossen, am Anfänge der nächsten Session der Reichsduma die Frage der Gleichstellung der Juden vorzulegen. — Die Deputierten Schidlowskh und Ursul verwendeten sich bei Stolypin, die Ausweisungsorder der Woronescher Juden zurückzunehmen. Dieselben begründeten ihre Verwendung auf das Zirkular vom 22. Mai 1907, welches lautet, daß bis zur gesetzgeberischen Durchsicht der Judenfragen diejenigen Juden, die dort installiert sind, wiewohl sie das Wohnrecht nicht besitzen, und vor August 1906 nach dort übersiedelt find, in Woronesch bleiben dürfen. Hierauf erwiderte Stolypin, daß der Prokureur des Senates gegen das Zirkular protestiere, aber er versprach, die Bitte der Deputierten zu gewähren. — Auf Verordnung des Handelsministers, die Norm der Prozente der Aufnahme der Juden zu regulieren, werden dieselben in diesem Jahre im Kiew er Polytechnikum nicht ausgenommen. — Aus den Resten der Fleischpacht der Odessaer jüdischen Gemeinde im Betrage von 13000 Rubel wurden 2500 Rubel für den Verein „Usras-Obolirn" („Hilfe der Kranken") und die gleiche Summe dem jüdischen Armenverein überwiesen, während der Schule für Taubstumme der Betrag von 5000 Rubel bewilligt wurde. Letztere ist eine christliche Schule. Es existiert ein Gesetz, daß die Gelder der Fleischpacht bloß für jüdische Zwecke verwendet werden dürfen. — In letzter Zeit gehen über Odessa aus dem Kaukasus eine Menge der dortigen Bergjuden (Eo rzh) nach Palästina. Diese Emigranten erhaltenim palästinensischen Komitee alle nötigen Mittel und Auskünfte; sie erhalten eine Preisermäßigung auf den Dampfern der russischen Gesellschaft. Vor einigen Tagen sind wiederum 25 Juden ausgewandert. Seit März, in den letzten drei Monaten, zogen ungefähr 200 Familien nach dem heiligen Lande. Im ganzen wanderten über Odessa 850Personen aus. Die meisten von den Ausgewanderten haben sich im Kaukasus mit der Landwirtschaft beschäftigt, und sie beschlossen, ihr Leben dieser Beschäftigung auch in Palästina zu - widmen. Mehrere kauften dort Land und lassen ihre Familien Nachkommen. Unter Mitwirkung des Odessaer Komitees bildeten sich dort eigene Kolonien der kaukasischen Bergjuden, an deren Spitze sich der gewesene Rabbiner in Derbent (Kaukasus) befindet. — Der Petersburger Gerichtshof hat die.Konfiskation der Broschüre des liberalen Schriftstellers Semen Juschkewitsch „Die Juden" aufgehoben. — In Petersburg wurde eine „Jüdische Literarische Gesellschaft" gegründet. Die Begründer derselben sind: der Deputierte der jetzigen Reichsduma, Rechtsanwalt Nisselowitsch, und die Rechtsanwaltsgehilfen Günsburg und Kamenezky. — Geheimrat Halperin in Petersburg wurde zum Vizedirektor der zweiten Abteilung im russischen Justizministerium ernannt. — Das Hebrew -Union College in Cincinnati feierte das 25jährige Jubiläum seines Bestandes. Die ersten Zöglinge, die aus der Anstalt hervorgingen, sind die Rabbiner Dr.H.Berkowitz, Dr. David Philipson, Dr. Joseph Krauskopf, Dr. Israel Aaron. Alle vier hielten Reden, die von dem trefflichen Geist zeugen, der die Anstalt durchweht. — Die Zentralkonferenz der amerikanischen Rabbiner hat am 1. d. M. in Frankforkt, Mich., stattgefunden. Der Bericht, den der derzeitige Präsident Dr. David Philipspn erstattete, ist von allgemeinem Interesse.

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