Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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allein ihm, sondern seinem ganzen Stande zur hohen Ehre gereicht. Die Troppauer Zeitungen sind des Lobes voll über die hervorragende Tüchtigkeit des Gesangmeisters Singermann und berichten: „Es hatte sich die Elite der Troppauer kunstsinnigen Gesellschaft zusammengefunden, um zu hören, was die Kunst eines verständigen, sachkundigen Gesangsmeisters aus ungeschältem Stimmaterial zü machen imstande ist. Die Beurteilung des Fleißes und Könnens der Schüler rückte in zweite Linie, die Erprobung des guten Rufes ihres Meisters trat in den Vordergrund. Und diese Probe hat Oberkantor Singermann glänzend bestanden! Die Anwesenden, unter welchen man die Gemahlin des Herrn Landespräsidenten Frau Marie Coudenhouve- Taaffe, General Tiebich-Ripke mit Gemahlin, Bezirkshauptmann Klingner, Oberst Kotulsky, Baronin Beyer, Baronin Schönau, Major . Baron Dürfeld und zahlreiche andere Vertreter des hiesigen Offizierskorps und Staatsbeamten erblickte, waren voll des Lobes über die geradezu überraschenden Resultate, die Herr Oberkantor Singermann in verhältnismäßig kurzer Zeit bei seinen Schülern und Schülerinnen erzielte. „Das ist keine schablonenmäßige Arbeit, die darauf berechnet Aug und Ohr zu blenden; in den gebotenen Vorgängen konnte man vielmehr die weitgehendste Individualisierung erkennen, die Liebe und Sorgfalt, die der Meister auf die Pflege und Ausbildung jeder einzelnen Stimme verwendet" usw. Unter jubelndem Beifall des vollbesetzten Hauses wurde dem beliebten Meister Singermann ein prachtvoller Lorberkranz durch die Baronin Dürseld auf der Bühne überreicht. * Mn Mh und Lern. — Am 1. d. M. ist hier der namentlich von den russisch-polnischen Einwohnern der Reichshauptftadt als Autorität hochverehrte Rabbiner Falk Auerbach, im Volksmund der „Plotzker Raw" genannt, plötzlich einem Schlaganfall im 77. Lebensjahre erlegen. Derselbe war ein wahrhaft frommer und gelehrter Mann. Ehre seinem Andenken! — Dem Vorsitzenden der Synagogengemeinde Hraudenz». Bankier und Stadtrat Heinrich Belgard, ist der Charakter als Kommerzienrat verliehen worden. — In Ilmenau wurde ein Gesuch der israelitischen Religionsvereinigung um Ueberlassung einer größeren Fläche auf dem städtischen Friedhof zur Bestattung verstorbener Angehöriger nach jüdischem Ritus vorn Gemeinderat mit der Begründung einstimmig abgelehnt, daß der hiesige städtische Friedhof für die Angehörigen aller Konfessionen ohne Unterschied offen gehalten wird..— In Vreden feierte die jüdische Gemeinde das 100jührige Jubiläum ihrer Synagoge. Rabbiner Dr. Marx-Recklinghausen hielt die Festpredigt. — Der Bankdirektor Ludwig Hahn, der Bankier Otto Hochberg und der Kursmakler Salomon Epstein in Frankfurt a. M. haben den Roten Adlerorden IV. Kl. erhalten. —Aus dem jüdischen Friedhof in Mutterstadt sind drei Grabsteine von ruchloser Hand zerstört worden. Der Schaden ist bedeutend. — Bankier Fritz Homburger in Karlsruhe ist zum Stadtrat gewählt worden. — Der ordentliche Universitätsprofeffor Dr. Isidor Rosenthal in Erlangen wurde zum Geheimen Hofrat ernannt. — Im letzten bayerischen Armeebefehl befanden sich unter den 76 neu ernannten bayerischen Leutnants der Reserve abermals zehn Juden, die zu Leutnants der Reserve ernannt wurden. — Der seit 50 Jahren als Kantor und Religionslehrer an der israelitischen Kultusgemeinde in Merzweiler wirkende Herr Israel Moch hat den Kronenorden IV. Klasse erhalten. -- Der verstorbene, aus Ungarn gebürtige Kaufmann Adolf Schwarz soll der Erfinder des ersten lenkbaren Luftballons sein. Graf Zeppelin soll sich nach dem Tode von Adolf Schwarz mit dessen Witwe zum Ausbau und zur weiteren Entwicklung der Schwarzschen Erfindung assoziiert haben. — In Rotterdam ist Dr. H. I. Polak, Professor der griechischen Sprache und Literatur, im 68. Lebensjahre gestorben. Derselbe war auch einige Zeit Konrektor des Erasmus-Gymnasiums daselbst. — Zu den französischen Offizieren, die durch die Dreyfus-Affäre um Rang und Stellung gekommen, gehörte auch der Eskadronchef Kommandant Emile Meyer. Derselbe soll nun zur Sühne zum Oberstleutnant der Territorial-Armee und Ritter der Ehrenlegion ernannt werden.Der König von Italien hat abermals zwei Juden I zu Senatoren ernannte - Giacomo Levi-Civitä, - Syndikus > von Padua, und Dr. Pio Foü, Professor der pathologischen Anatomie an der Universität Turin. — Der Ringkämpfer Igardjy, der in der Athleten-Truppe in Petersburg' Vorstellungen gab, würde ausgewiesen, da er nicht das Recht habe, als Jude dort zu wohnen. Derselbe ist Zahnarzt, aber da er sich mit der Athletik und nicht mit feinem Fache befaßt, so hat er das Wohnrecht eingebüßt. — In Petersburg wurde der Verband „Jüdische Volksgruppe" geschlossen. — In Kischinew fand eine Rabbinerversammlung zum Zwecke der Ausarbeitung von Materialien zur künftigen Rabbmerkommission in Petersburg statt. — In Elisabethgrad eröffnet die Witwe des Arztes Dr. Reisser ein jüdisches Mädchenprogymnasinm; die Bewilligung dazu ist bereits erfolgt. — Georg Brand es hat sein der jüdischen Deputation gegebenes Versprechen, gelegentlich für die Juden Finnlands ein Wort einzulegen, nun auch eingelöst, und "in der dänischen Zeitung „Politiken"'tatsächlich einen Artikel über die Judenfrage in Finnland veröffentlicht. — Henrik Wergelands, der norwegische Nationaldichter, dessen 100. Geburtstag in diesen Tagen in Norwegen unter großer Teilnahme aller Volkskreise feierlich begangen worden ist, hat sich in seinen letzten Lebensjahren mit besonderem Eifer der völligen politischen Emanzipation der Juden in Norwegen gewidmet, ein Kampf, dem auch eine Reihe von schönen Gedichten Wergelands ihren Ursprung verdankt. — In Alexandrien ist der Obercabbiner B. E. Hazzan gestorben. — Zwischen den Sephardin und Jemeniten in Jerusalem waren vor einiger Zeit erhebliche Zwistigkeiten ausgebrochen, die auch wiederholt die Oeffentlichkeit beschäftigten. Dr. Paul Nathan hat sowohl auf seiner ersten wie auf seiner zweiten Orientreise sich bemüht, die Streitigkeiten zu schlichten und eine friedliche Verständigung herbeizuführen. Nunmehr erhielt der Hilfsverein der Deutschen Juden einen von den hervorragendsten Mitgliedern der yemenitischen Gemeinde Unterzeichneten Brief, in dem die Jemeniten erklären, daß alle Mißverständnisse zwischen ihnen und den Sephardin erfreulicherweise beseitigt seien und daß sie alles tun werden, um dauernd in gutem Einvernehmen mit den Sephardin zu bleiben'. — Mach dem Bericht des Professors Alexander Macalister an die Londoner Royal Institution ist soeben in Palästina ein Tunnel entdeckt worden, dessen Alter auf mindestens dreitausend Jahre geschätzt wird. Achtzig Stufen führen bis auf den Grund des «Tunnels, der einhundertunddreißig Fuß unter der Erde liegt. — Der von dem italienischen Profalascha- Komitee in Verbindung mit einem internationalen Komitee zu den Falaschas entsandte Dr. Jacques Feitlowitsch aus Paris ist bereits auf dem Wege zu den Falaschas. Er hat auf seiner Reise in Asmara die bereitwilligste Unterstützung des Gouverneurs der eryträischen Kolonie gefunden. Durch Vermittlung des italienischen Gesandten in Addis-Abbeba erhielt er vom Ne.gus die Erlaubnis, das ganze Land zu bereisen und eine warme Empfehlung an die Häuptlinge des Landes. Der Negus betonte, daß er ihm die Genehmigung ebenso gern erteile, wie kurz vorher zwei anderen Glaubensgenossen. (Gemeint sind die Herren von der Mission der ^.Uianes Israelite Haiverr-slls.) — Der Scherif Achmed in Uezzan ließ mehrere Juden ins Gefängnis werfen, weil sie sich weigerten, ihm ihre verbrieften Eigentumsrechte auszuliefern. Das Verhalten des Scherifen ist in der Entziehung des Schutzes der Rente begründet, die Frankreich ihm bisher gewährte. — Muleh Haftd hat bei seinem Einzug in Fez in einem Schreiben, das in der- Moschee verlesen wurde, die Bevölkerung befohlen, die Juden gut zu behandeln. — In New Jork fand eine Konferenz der Haupteinwanderungsbeamten Amerikas statt. Es war dies seit vielen Jahren zum erstenmal nicht eine Konferenz zur Erschwerung, sondern zur Erleichterung der Einwanderung. Handelsminister Straus, der wiederholt in die Debatte eingriff, versprach aus allen Gebieten rasche Abhilfe — Das Exekutiv - Komitee des unabhängigen Ordens Bn'e B'rith hat eine Resolution angenommen, wonach die Theaterdirektoren in Amerika ersucht werden sollen, dem Karikieren der jüdischen Rasse auf der Bühne Einhalt zu tun, und der Präsident des Ordens wurde ersucht, über den Vollzug des Beschlusses zu wachen.