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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-26 · Heft 26 (26.6.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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obwohl alle Türen ihnen offen standenD aber in. der eLebewelt von Paris, London und' Monte Carlo -hat manvon ihrer Freigebigkeit Legenden erzählt, und sie: wurden oft gefeiert'in den Kreisen, welche keine':öder sehr wenige Tugenden kennend Nach einigen Jahren hat sich die Ahnung des alten Wahrmann erfüllt, seine Söhne standen vermögenlos da. Der ältere hat seinem Leben durch einen Schuß ein Ende gemacht, der jüngere lebt noch heute und von seinem traurigen Schicksal spricht jetzt ganz Budapest. Weit von seiner Heimat in London liegt er schwer krank, unter Aufsicht einen Detektivs, der die traurige Pflicht hat, zu verhindern, daß der Patient sich selbst töte.. Natürlich hatte sich die ganze Gesellschaft nach dem Tode des Vaters taufen lassen! Discite moniti. Rußland. — Riga, im Juni. Die Redaktion erhielt die folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung an dieser Stelle: In Riga (Rußland) ist die Stelle des Oberrabbiners (Kronrabbiners) vakant. Die Unterzeichnete Kommission, gewählt, um die Interessen der Gemeinde bei der Neubesetzung des Rabbineramtes wahrzunehmen, fordert hierdurch geeignete Kandidaten auf, sich zu melden. Es ist erwünscht, daß die Bewerber Hochschulbildung haben, das jüdische Schrifttum beherrschen, als Rabbiner, eventuell als Prediger oder Religionslehrer Erfahrung besitzen und der russischen und deutschen Sprache mächtig sind. Die Bewerber müssen russische Staatsangehörige sein. Auskunft über die Formalitäten der offiziellen Bewerbung, über die Obliegenheiten des Amtes, über das Honorar und die Einnahmen werden geeigneten Bewerbern gern erteilt. Zuschriften sind zu richten a« die Kommission für die Rabbiner-Wahl in Riga, Paulucci-Str. 11, Qu. 3. Vvn Mh und jfrrn. -- Professor Dr. Emil Grunmach, der Direktor des Instituts für Untersuchungen mit Röntgenstrahlen, hat in dieser Woche das 25 jährige Jubiläum als Berliner Universitätslehrer, begangen. — Der Geheime Kommerzienrat Einil Jacob hat das Komturkreuz des österreichischen Franz Joseph-Ordens erhalten. — In Hamburg ist kürzlich der Rabbiner Dr. Sonderling-Göttingen zum Tempelprediger gewählt worden. — Bei dem Königsfchießen der Schützengilde in Hohensalza hat der Kaufmann Carl Witkowskh mit 132 Ringen die Schützenkönigswürde errungen. — Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Neiße unternahm jüngst einen Ausflug nach Zülz, um die dortige alte Synagoge und den interessanten Friedhof zu besichtigen. Zugleich war eine Kommission des oberschlesischen Rabbinerverbandes, bestehend aus den Herren Rabbinern Dr. Cohn-Kattowitz, Ellguther- Neiße und Münz-Gleiwitz, zu dem Zwecke-in Zülz, sich über die bestehenden Verhältnisse zu unterrichten und dem Oberschlesischen Gemeindeverbande Vorschläge für die weitere Erhaltung aller daselbst vorhandenen Denkmäler zu machen. — Am 1. Juni trat der einzige Jude, der bis dahin bei der Marine als Deckoffizier diente, der Oberverwalter B. Frank-Kiel, nach 25jähriger tadelloser Dienstzeit mit gesetzlicher Pension in den Ruhestand, nachdem er seit vier Jahren den höchsten Rang, den ein Jude bis dato bei der Marine bekleiden kann, erreicht hatte. — Die Revision des wegen Unterschlagung zu fünf Wochen Gefängnis verurteilten antisemitischen hessischen Landtagsabgeordneten Hirschel ist verworfen worden. — Der .Präsident der Handelskammer in Mannheim, Geheimer Kommerzienrat Lenel, stiftete 100 000. Mark zur Erbauung eines Erholungsheims im Schwarzwald oder Odenwald für Mannheimer Kinder. — Dem durch seine großartigen Schenkungen, insbesondere für Säuglingsfürsorge und für Verschönerung der Stadt Fürth, bekannten Rechtsanwalt Alfred Nathan zu Reichenhall, Ehrenbürger der Städte Fürth und Reichenhall, ist der Verdienstorden vom heiligen Michael I^Klckffe verliehen wörden. Der vor'einigen- Tagen in Wien' verstorbene Graf Johann Palffy hat unter anderem auch ein großes -Legat hinterlassen, .dessen Zinsen -zu Stipendien an Hochschüler bestimmt sind. Der Verstorbene galt - als äußerst liberal, trotzdem enthalten die Bestimmungen betreffend das. Legat einen Passus, daß die Stipendien nur an solche Studierende verliehen werden dürfen, die als Christen geboren wurden. —- Die Begnadigung von 48 wegen Beteiligung an- Judenhetzen - verurteilten Personen wird vom Organ des Verbandes des russischen Volkes „Rußkoje Snamja" gemeldet. — Die jüdischen Zeitungen, in Rußland berichten, daß das Unterrichtsministerium ein Rundschreiben an die Kuratoren der Lehrbezirke folgenden Inhalts erlassen hat: Wenn eine Lehranstalt einen Schülerausflug nach Ortschaften veranstaltet, wo Juden sich nicht aufhalten dürfen, so ist die Schulbehörde, sofern sich unter den Schülern auch Juden befinden, verpflichtet, zuvor die Einwilligung des Gouverneurs zur Mitnahme der Juden einzüholen. Größere Sorgenhat das Ministerium offenbar nicht. — Dem Hilfsverein der Deutschen Juden wird aus Bialystok vom 22. d. M. telegraphiert: Gestern wurde das Urteil im . Bialystoker Pogromprozeß verkündet. Es wurden zwölf Angeklagte zu Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis ein Jahr verurteilt. Ein Angeklagter erhielt wegen Totschlags drei Jahre Gefängnis. Die übrigen 17 Angeklagten wurden freigesprochen. - Die Zivilkläger verzichteten darauf, ihre Schadenersatzansprüche geltend zu machen. — In Soroky (Bessarabien) wurde eine Gesellschaft für „Jüdische Kunst" begründet. — Der in Ananjew (Chersoner Gouvernement) angesetzte Kongreß der Gemeinderabbiner kam nicht zustande, weil niemand erschienen war. — In der Neurussischen Universität in Odessa wurde um Legalisierung folgender Vereine nachgesucht: Des studentischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, der jüdischnationalkulturellen Vereine.— Die „Odesikija Nowosth" bringt den Bericht über die Gerichtsverhandlung des Prozesses in Rasdjeluaja (einer Bahnstation unweit von Odessa), wo am 21. Oktober 1905 mehrere Juden in gräßlicher Weise hingemordet wurden. Die Schilderung dieser nerverschütternden Szenen ist so schrecklich, daß die Feder sich sträubt, dieselben wiederzugeben.—? Der Ingenieur der südwestlichen Staatsbahnen Arthur von Abrahamson wurde für seinen langjährigen Dienst zum wirklichen Staatsrat (Exzellenz) ernannt. — Des Antisemiten Puschkewitsck neues Buch „Die Juden" ist konfisziert worden. — Am 30.Juyl wird eine Beratung der Organisation des Kongresses der Stadtrabbiner Südrußlands stattfinden. An diese Beratung nehmen die Rabbiner von Elisabethgrad, Cherson und Tiraspol teil. Es wird das Programm für den Kongreß ausgearbeitet werden, der in 'Cherson stattfindet. Folgende Fragen werden besprochen: Die Legalisierung der jüdischen Gemeinde, periodische Zusammenkünfte der Rabbiner, und dergleichen mehr. — Der Gouverneur von Bessarabien hat die Kischinewer Filiale der Territorialisten geschlossen. — Abermals geht die Notiz durch die Zeitungen, daß es 24 jüdische Minister in allen Staaten der Welt gebe, nach einer Berechnung des „New-Aork Herald". Diese Berechnung ist sehr hübsch — schade nur, daß von diesen 24 Ministern ein einziger Jude ist,nämlich der holländische Justizminister. Alle andern sind Christen. — In der Nachbarstadt von Smyrna, in Aid in, vernichtete ein Feuer den größten Teil der Stadt. Der Basar und das ganze Judenquartier wurden ein Raub der Flammen. Der Materialschaden beträgt drei Millionen Franken. — Großes Aussehen erregt in New Jork der Uebertritt der Millionäre William und Robert Muggenheim zum Katholizismus. Der letztere hatte vor zwei Jahren eine Audienz beim Papste. Dagegen ist der Rev. Samuel Freud er, der sich vor 17 Jahren taufen ließ und Missionar wurde, wieder zum Judentum zurückgekehrt. — In Süd-Wales gehören drei Juden der Legislatur an, und einer von ihnen, I. Cohen, ist zum Vizepräsidenten gewählt worden. Derselbe spielt auch - eine führende Rolle in der jüdischen Gemeinde. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern der Hamburg-Amerika Linie finden statt: Nach New York: 27/6. Postdampser „President Lincoln", 2/7. „Kaiserin Auguste Viktoria", 9/7. Schnellpostdampfer „Deutschland", 11/7. Postdampfer „Pennsylvania", 18/7. „Patricia", 23/7. „Amerika", 25/7. „Pretoria", 30/7. „Blücher". Nach Boston: 26/6. Postdampfer „Bethania",' 8/7. iBädenia".,. Nach Baltimore:. 26/6. Postdampfer „Bethania", 8/7. „Badenia". Nach Philadelphia; 30/6. Postdampfer „Pallanza", 10/7. „Albano". Nach Westindienr 5/7. Postdampfer „Odenwald". Nach Mexiko: 27/6. Postdampfer „AÜemannia", 3/7. „Altenburg". Nach Ostasienr 5/7. .Postdampfer „Brasilia". 15/7. „Sambia", 25/7. „Belgravia". Nach Wladiwostok und Nicolajewsk a. Amnrr Ein Dampfer zweite Hälfte Juli von Hamburg. ' ■

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