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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-05 · Heft 23 (5.6.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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der Bewegung genau fixiert habe, sie führten weiter den Verlauf aller Kongresse an, und schließlich," daß sie die Majorität der Aktionäre vertreten, die mit der Aenderung einverstanden sind. Israel Zangwill, der als Sprecher der Oppositionsgruppe erschien, verwies den Richter auf die politischen Verhältnisse in der Türkei, auf die geringen Resultate der Kleinkolonisation in Palästina; den jahrelangen Bemühungen des Zionismus/in Palästina Fuß zu fassen, Bemühungen, die sich bis jetzt als vergeblich erwiesen, stellte er das Elend der Juden in Rußland und im östlichen Europa gegenüber, das seit Jahren nach Abhilfe schreie. Seine Beweisführung gipfelte in.'der Bemerkung, daß hier weniger die Interessen von Bankaktionären, als die Lebensfragen eines Volkes mitbestimmend wären, dessen Armen und Leidenden eine Ruhestätte geschaffen werden müsse. Es sei deshalb gar nicht bestimmend, daß er kaum ein Fünftel der Aktionäre vertrete. Schließlich fällte der Richter Lord Eve das Urteil, dessen Begründung von allgemeinem Interesse ist. Die Kolonialbank wurde mit ihrem Gesuche um Aenderung der Statuten kostenpflichtig abgewiesen. In der Begründung des Urteils wird zunächst darauf hingewiesen, daß das Bestreben zur Erlangung Palästinas wenig Aussicht auf Erfolg habe, daß, wenngleich von den abgegebenen Stimmen nur ein Fünftel gegen die Statutenänderung sich ausgesprochen habe, mehr als drei Viertel der Aktienbesitzer sich jeder Meinungsäußerung enthalten haben. Der Richter akzeptierte schließlich den Standpunkt Israel Zangwills, daß die Statutenänderung der Partei, welche sie anstrebe, gar keinen Nutzen bringen, hingegen sehr leicht die Interessen derjenigen schädigen könne, welche ihr opponieren. Die Gesamtkosten des Prozesses, welche jetzt die Bank zu tragen hat, belaufen sich auf mehr als 100 600 Mark. Van Sah und Fern. , — Im April laufenden Jahres wurden in allen deutschen Krematorien zusammen 343 Leichen eingeäschert. Von den Eingeäscherten waren 266 evangelisch, 33 katholisch/ 4 altkatholisch, 16 jüdisch, ,6 freireligiös, 5 Dissidenten^ von 13 war das Bekenntnis nicht angegeben. — Der langjährige Direktor verschiedener Terraingesellschaften Siegfried Reiche ist am 27. d. M. im Alter von 63 Jahren hier gestorben. Er war eine wohlbekannte und geachtete Persönlichkeit. — Das Statut der Kaligewerkschast der Friedrich Franz in Lübtheen (Mecklenburg) enthält eine Bestimmung, daß Kuxe nicht an Besitzer, welche jüdischen Glaubens sind, eingetragen werden dürfen. Man wird ja bei einer derartigen vorsichtigen Organisation auf besonders günstige wirtschaftliche Ergebnisse gefaßt sein müssen. Bis ' jetzt freilich sind solche Erfolge nicht erzielt worden. Obwohl im Jahre 1896 gegründet, konnte das Werk den Schachtbau erst am 2. August 1906 beenden. — Anläßlich des Besuches des Kronprinzlichen Paares in Köln wurde Rabbiner Dr. Frank seitens der städtischen Verwaltung zum Festmahl im Gürzenich eingeladen und zugleich aufgefordert, vor dem Mahle im Jsabellensaale zu erscheinen, um das hohe Fürstenpaar zu empfangen. Dort hielt dasselbe Cercle ab und wurde der Rabbiner von dem Oberbürgermeister der Kronprinzessin und von dem Oberpräsidenteu dem Kronprinzen vorgestellt. — Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Köln veranstaltete am 20. d. M. eine gemeinschaftliche Fahrt nach Düsseldorf zum Besuch der Ausstellung jüdischer Bauten und Kultusgegenstände, an der sich insgesamt über 120 Personen beteiligten. In der Ausstellungshalle empfing Direktor Frauberger die Besucher mit herzlichen Begrüßungsworten. Der Vorsitzende des Vereins, Rabbiner Dr. Rosenthal, erwiderte in herzlichen Worten. — Aus dem Nachlaß des verewigten Charles L. Hallgarten in Frankfurt a. M. sind dem Hilfsverein der Deutschen Juden, dessen Zentralkomitee der Verewigte angehört hat, 5000 Mark überwiesen worden. — Oberlandesgerichtsrat Eduard Silbermann in München wurde zum Mitglied der Disziplinarknmmer München aus die Dauer des von ihm am Oberlandesgerichte München bekleideten Hauptamtes ernannt. — Dem Unteroffizier Abraham Gutmann in der Schutztruppe zu Deutsch-Südwestafrika wurde das bayerische Militärverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern verliehen, und zwar in Anerkennung' seiner hervorragenden kriegerischen Tapferkeit im Feldzuge gegen die Hereros. Gutmann ist bayerischer Jude! — Der Bahndirektionsrat Dr. August Hausmann in Nürnberg wurde zum wirklichen bayerischen Regierungs- - rat bei der /Eisenbahndirektion in Aürnbepg befördert.— Dem? : bayerischen Stabsarzt der aktiven Armee Dr. Hugo Dreschfeld,^ königlicher Bataillonsarzt im zehnten bayerischen Infanterie-Regiment; wurde auf eigenes Ersuchen vom Prinzregenten von Bayern der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt. — Die Königliche Kreisregierung der Pfalz hat unterm 12. d. M. entschieden, daß der Vollzug der verfügten Verlegung des Rabbinatssitzes von Z.weibrücken nach Homburg bis auf weiteres ausgesetzt bleibt. — Die. jüdische Kultusgemeinde Ellerstadt hat sich wegen zu geringer Zähl der Mitglieder aufgelöst. Bei der Versteigerung der Synagoge mit Hof und geräumigem Garten wurden 125 Mark erzielt. — In Allessandria ist Graf Emilio Ottolenghi di Vallepiana, der sich durch seinen Gemeinsinn und seine Wohltätigkeit ausgezeichnet hat, im 78. Lebensjahre gestorben.' Er war ein glaubenstreuer Jude. — Wie erinnerlich, hat der vor einiger Zeit verstorbene vielfache Millionär Daniel Osiris unter anderen Legaten auch eine Stiftung von 100 000 Franken zum Zwecke der Errichtung eines Denkmals für die große Philanthropin Baronin Clara de Hirsch testiert. Wie nun ans Paris berichtet wird, hat der Pariser Munizipalrat das Legat akzeptiert und geht nun daran, den Willen des Stifters zur Ausführung zu bringen. — Der Etat der jüdischen Gemeinde — Association Consistoriale — in Paris weist 220 760 Francs auf. Die Steuereinnahmen von 3616 Mitgliedern betragen 261 968 Francs. — Der dritte internationale religionsgeschichtliche Kongreß wird, wie bereits mitgeteilt, im September d. I. in Oxford ab geh alten werden. Die Leitung hat den Universitätsbibliothekar von Pennsylvania (Amerika), Dr. Moris Jastrow mit dem Vorsitze in der Sektion „Semitische Religionen" betraut. Jastrow hat die ehrenvolle Wahl angenommen. — Aus die Fürbitte des Präsidenten des Bundes der russischen Männer in Odessa wurden die wegen ihrer nachgewiesenen Beteiligung an der Judenhetze im Oktober vorigen Jahres verurteilten Mitglieder des Bundes vom Zaren begnadigt. — Bei der Beratung des Bergdepartements in der Duma brachte Abg. Dr. Rosanow (Christ) den Antrag ein, daß eine Bestimmung ausgenommen werde, nach welcher die Mineralkurorte im Kaukasus jedem offen stehen sollen ohne Unterschied von Nation und Religion. Die Duma hat den Antrag mit allen gegen 60 Stimmen abgelehnt! Gegen den Antrag stimmten geschlossen die Oktobristen; von der Rechten stimmten zwei für den Antrag. Dagegen hat sich auf Veranlassung des Rabbiners in Piatigorsk (Kaukasus) der Abgeordnete N. Friedmann an den Kriegsministcr gewendet, dessen Verwaltung der Kaukasus untersteht. Der Kriegsminister hat das Gesuch dem Kaiser vorgelegt, welcher verfügt hat, daß kranken Juden auf ärztliches Zeugnis der Aufenthalt in den kaukasischen Mineralbädern zwei Monate lang zu gestatten ist. Dieser Erlaß ist telegraphisch den Behörden im Kaukasus mitgeteilt worden. Der Zar ist also liberaler als die Duma! — Die drei Schulen des Hilssvereins der Deutschen Juden in Konstantinopel unternahmen am 26. v. M. einen Dampferausflug nach den süßen Gewässern. Zu diesem Ausflug hat die türkische Regierung den Schulen einen Extradampfer gratis zur Verfügung gestellt. — Gegenwärtig findet eine Konferenz sämtlicher jüdischer Wohltätigkeitsausialten Amerikas in Richmond statt. — In New Dorf existieren 75 große Wohltütigkeitsgesellschaften. Die größte und bekannteste von ihnen, die „Uniled Hebrew Charities", besitzt ein Haus im Werte von 250 000 Dollars. Das allgemeine Einkommen dieser Gesellschaft beträgt jährlich 320 000 Dollars. Der Bau des Krankenhauses ,Mount 8inai Hospital“ hat drei Millionen Dollars gekostet, und die jährlichen Einkünfte dieses Krankenhauses belaufen sich auf 350000 Dollars. — In Indianapolis (Amerika) wird in den nächsten Tagen ein Monnmentalbrunnen fertig werden, der dem Andenken des in tragischer Weise um sein Leben gekommenen angesehenen Bürgers Nathan Morris aus öffentlichen Geldern errichtet wurde. Morris hat bei einem großen Brande, der vor einiger Zeit in der Stadt wütete, mit Heldenmut ein Dutzend Menschen vor dem sicheren Feuertode gerettet. Als er dann in das brennende Haus zurückkehrte, um seine Rettungsaktion fortzüsetzen, ward er selbst von den Flammen ersaßt und büßte sein Leben ein. ' '

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