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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Bewohner des Fürstentums Waldeck, im 102. Lebensjahre gestorben. — In Gießen hat die orthodoxe Religionsgesellschaft einstimmig beschlossen, einen eigenen Gemeindefriedhof zu erwerben, weil die Hauptgemeinde vor kurzem mit der Stadt einen Vertrag abgeschlossen, wonach die jüdischen Toten ans einem besonderen Teile des kommunalen Begräbnisplatzes bestattet werden! — In Friedberg haben die Bewohner der uralten Judengasse, in der das berühmte Römerbad steht, Aenderung des Straßennamens „Judengasse" verlangt, weil sie durch diesen Namen als Vermieter und Geschäftsleute geschädigt seien. Der Stadtvorstand hat den Antrag angenommen und wird demnächst eine Neubenennung vornehmen. Im Volksmunde dürfte der alte Name bleiben. — Anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Frankfurter Handelskammer erhielten Direktor L. Hochschild den Charakter als Kommerzienrat, S. Epstein und L. A. Hahn den Noten Adlerorden Ul. Klasse. Professor Beruh. Salomon und O. Höchberg den Roten Adlerorden IV. Klasse. — Es verlautet, daß einige Israeliten der Gemeinde Höchst i. W. den Plan gefaßt, ihren Austritt aus der Religionsgemeinschaft zu erklären, um eine freireligiöse Vereinigung für sich bilden zu können! — In Metz soll eine neue Synagoge errichtet werden. Es ist auch schon höchste Zeit. — Der Titularlandesgerichtsrat Dr.EmilUllmann in Kempten i.Allgäu wurde zum Königl. Landesgerichtsrat in München ernannt. — Der oberste Landesgerichtsrat Dr. Heinrich Harburger in München wurde zum Mitglied des bayerischen Disziplinarhofes ernannt. In demselben sitzt außerdem Oberlaudesgerichtsrat Eduard Silbermann. — Der frühere Direktor der Bayerischen Vereinsbank Herr David Selz in München wurde zum bayerischen Kommerzienrat ernannt. — In Ansbach ist der erst vor einigen Monaten in den Ruhestand getretene Professor der Königlichen Realschule Dr. Nathan Hausmann, der 37 Jahre lang dem Lehrerkollegium dieser Anstalt angehörte, gestorben. — Die Geographische Gesellschaft in Frankreich hat dem Oberstleutnant Bernard, einem Bruder des seligen Bernard Lazare, den Ducros - Aubert-Preis (1400 Franken und eine goldene Medaille) für seine Mission nach Siam erteilt^^Aüie dem „Vessillo Jsraelitico" aus Florenz gemeldet wird, föuiye Rabbiner Dr. Margulies dieser Tage vom König Viktor Emanuel in Privataudienz empfangen. Der erstere referierte über die in der italienischen Kolonie Erytrea zu errichtende Schule für die Falaschas. — Die orthodoxen Juden Rußlands haben eine behördlich gestattete Organisation unter dem Titel „Verband Israels" gegründet, mit dem Hauptsitze in Wilna und Zweigniederlassungen in anderen Städten. Der Zweck des Verbandes soll die Verbesserung der materiellen und religiösen Stellung der Juden sein. Es verlautet, daß die Rechte der Duma eine Interpellation wegen der Erlaubnis zur Bildung dieses Verbandes vorbereitet. — Der Zar hat bei dem Bildhauer L. Bernstamm eine Statue „Peter der Große Ertrinkende rettend" bestellt. — In der russischen Duma hat. wie uns berichtet wird, über den Antrag des Deputierten Samyslowski. die Juden vom Militärdienst auszuschließen, eine Abstimmung nicht stattgefunden. Der Antragsteller hat vielmehr, von der Aussichtslosigkeit der Sache überzeugt, den Antrag selbst zurückgezogen. — In Sebastopol existiert ein Institut zur Erforschung der Fauna des Schwarzen Meeres. Da in Sebastopol der Kriegszustand proklamiert ist, mußte die Moskauer Universität für ihre Studenten, welche im Sommer im genannten Institut arbeiten wollten, eine spezielle Erlaubnis seitens des Generalgouverneurs von Sebastopol auswirken. Eine solche Erlaubnis wurde auch wirklich gewährt mit dem Vermerk, Studenten jüdischen Glaubens könne diese Erlaubnis nicht Erteilt werden. Die jüdischen Naturforscher können also die Fauna des Schwarzen Meeres nicht erforschen. — Der Statthalter des Kaukasus Graf Woronzow»Daschkow hat unter Androhung administrativer Ausweisung den Juden jeden Besuch der kaukasischen Kurorte verboten. — Die Ausweisung der Juden aus den Dörfern in Rumänien hat mit dem Frühling neuerdings begonnen. So erhielten vorige Woche die Juden aus Bovilari (Distrikt Jassy) und die aus Raducaneni (Distrikt Huschi) den Befehl, sofort die Städtchen zu verlassen. Bivolari und Raducaneni sind keine Dörfer sondern kleine Städtchen, die Oomune rurale (Dorfgemeinden) genannt werden. Beide Orte haben eine ziemlich große jüdische Einwohnerzahl. -Unter anderen wohnt in Raducaneni ein Wunderrabbi. Geschäftliche Mtüen. Lebensversicherung. Die Karlsruher Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit — vormals Allgemeine Versorgungs-Anstalt — hat im verflossenen Jahre nach ihren vorläufigen Mitteilungen wieder siberaus günstige Resultate erzielt. Der Neuzugang mit'8600 Verücherungen über 47 Millionen Mark war uni mehr als 4 Millionen Mark höher als im Jahre 1906 und der höchste, den die Anstalt je erzielt hat. Auch der Reinzuwachs von 4955 Versicherungen und 29^4 Millionen Mark war höher als je, obgleich auch der natürliche Abgang durch Tod und Erleben wieder gestiegen ist. Auf Ende des Jahres 1907 hat die Anstalt einen Gesamtbestand von 137 206 Todesfall- und Sparversicherungen über 616 Millionen Mark anfgewiesen. Durch den Tod von 1338 Versicherten sind Versicherungen über 6 737 000 Mark Kapital fällig geworden. Die Sterblichkeit ist damit um mehr als 31 Prozent hinter der Erwartung zurückgeblieben, ein für den Ueberschuß außerordentlich günstiges Ergebnis. Das Sanatorium Siegfried Wiesbaden wird vollkommen im Sinne des verstorbenen Dr. Lahmann von einem erfahrenen Arzt geleitet. Auf die Diät, gemischt oder vegetarisch, wird besonders Gewicht gelegt. Die Behandlung ist. da nur zirka 20 Patienten Aufnahme finden, durchaus individuell. Sämtliche Heilfaktoren der phys-diät. Therapie gelangen zur Anwendung, unterstützt durch Luft-, Licht-, Sonnenkuren, die durch geräumige Luft-Sonnenparks, Lufthütten usw. in vollkommenster Weise ermöglicht werden. 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