Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228798-3228819--64522-3276589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seine heftige Polemik^ mit Professor Müller in Wien über die " arabischen Inschriften hat seinerzeit großes Aufsehen in Gelehrtenkreisen erregt. Sein Andenken wirdin der Wissenschaft fortleben. --Neustadt a. d. H., 5. Mai. Im. hiesigen Saalban fand am 26. v. Mts. unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Reiß aus Speyer eine von etwa 120 Vertretern fast' sänitlicher israellikisMr/Klius-' gemeinden der Pfalz besuchte Versammlung statt, welche nach einem eingehenden Referate des Herrn Rechtsanwalts Dr. Blüthe aus Kaiserslautern unter begeisterter Zustimmung einstimmig die Gründung eines israelitischen Kreisasylvereins fürdie Pfalz beschlossen, hat. Der Verein bezweckt, ein Heim zu schaffen, in welchem alte und erwerbsunfähige Männer und Frauen eine würdige Unterkunft finden sollen. Den Verhandlungen wohnten unter anderen Herr Dr. Staadecker aus Mannheim, der Vorsitzende der badischen Landessynode, sowie die Herren Bezirksrabbiner Dr Salvendi-Bad Dürkheim und Dr. Meyer-Zweibrücken bei; als Sitz des Vereins wurde, Speyer bestimmt. Möge der warme Appell an die jüdischen Herzen und die zuversichtliche Begeisterung mit der die Herren Rabbiner, insbesondere auch Herr Dr. Salvendi-Dürkheim, für diese Bestrebungen eintraten, einen mächtigen Widerhall auch außerhalb der Pfalz finden; denn zur Errichtung dieses Werkes jüdischer Nächstenliebe wird auch auf die tatkräftige Hilfe und pietätvolle Unterstützung aller.derjenigen gerechnet werden müssen, deren Wiege in unserer pfälzischen Heimat stand, und die als äußeres Zeichen ihrer Dankbarkeit gegen - lebende oder verstorbene Eltern und' Verwandte ein dauerndes und unverlöschliches Gedenken durch Stiftungen oder Beiträge zu diesem Denkmal jüdischer Opferwilligkeit in der Pfalz sichern wollen. Gesterretch-Nngarn. □ Wien, 11. Mai. Unsere jungen zionistischen Heißsporne haben einen kolossalen Erfolg errungen. Das Exekutiv-Komitee der „jüdisch-nationalen Studentenschaft" hat nämlich zu Beginn der Inskriptionen für das Sommersemester an der Universität die bereits früher eingeleitete Aktion zur Anerkennung der jüdischen Nationalität wieder ausgenommen. Zum Zeichen des Protestes gegen die bisher geübte Praxis füllten Hunderte von Studenten die Rubrik „Muttersprache" mit „jüdisch" aus. Die Studenten wurden bei der Rektoratskanzlei um Ueberlassung eines Hörsaales vorstellig, um auf akademischem Boden über die weiteren Schritte in dieser Angelegenheit zu beraten/ wurden jedoch mit ihrem Ansuchen abgewiesen, dagegen trat die Rektoratskanzlei mit den Sprechern des Exekutivkomitees in Verhandlungen bezüglich der Anerkennung der jüdischen Nationalität an der Wiener Universität. Das Rektorat proponierte, die Frage damit zu lösen, daß den jüdischen Studenten gestattet wird, die Rubrik „Muttersprache" mit dem Zusatze „jüdischer Nationalität" anszusüllen und daß dies auch in den statistischen Ausweisen des Zentralstatistischen Amtes zum Ausdruck komme. Wirklich großartig! — In Budapest wird viel über die jüngst erfolgte Pensionierung des jüdischen Oberst Simon Vogel gesprochen, der jetzt hätte zum General avancieren müssen. Das konnte.er aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen nur durch die Taufe erreichen. Da aber Oberst Vogel, der an seiner Religion festhält, von der Taufe nichts hören wollte, mußte er um seine Versetzung in den Ruhestand ansuchen. In Pension erhält er wohl den Titel „General", aber dies ist doch eben nur ein Titel. — Recht nette Verhältnisse scheinen in den orthodoxen ungarischen Gemeinden zu herrschen. In Marosvafar hely lebten Rabbiner und Vorstand in Streit. Darauf hat der Minister dem Vorstand, dev dem Rabbiner das Betreten der Synagoge verboten hatte, seines Amtes entsetzt. Dieser aber weigerte sich, vie Geschäfte und die Bücher dem vom Minister ernannten Vorstand zu übergeben. Der Bürgermeister, welcher von der Regierung den Auftrag der Durchführung Hatzte, war gezwungen, die Assistenz der Polizei in Anspruch; zu nehmen, um der Entschließung der Regierung Geltung zu verschaffen. Angesichts der Polizeigewalt ging natürlich alles ruhig und ohne Störung vonstatten. Dem Privatdozenten in der medizinischen Fakultät der Universität Berlin Dr. Max Lewandowsky und dem Arzt Dr. Ä. Czempin ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden. — Der Inhaber der Kinder- und Mädchenmäntel-Konfektionsfirma Willy Levin, ist zum Kommerzienrat ernannt worden. — Der Berei n für Arbeitsnachweis, begründet von den - Berliner Logen U, O. B. B. hat durch seine -Vermittlung im Monat; April 192 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 44 Personenvorübergehend Beschäftigung nachgewiesen. — Ter ordentliche Professor der Geographie an der Universität Halle, Dr. Alfred Philippson, hat unter sehr ehrenden Bedingungen einen Ruf an die Universität Utrecht erhalten. — Die Mitglieder der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Miunee Isruetite Universelle haben an Stelle des Heimgegangenen Charles L. Hallgarten, einstimmig Herrn Philipp Schiff in Frankfurt a. M. zum stellvertretenden Präsidenten der Deutschen Kvnferenzgemeinschaft gewählt. — Am vergangenen Sonntag fand in Düsseldorf in der Gewerbehalle die feierliche Eröffnung der Ausstellung jüdischer Kunstdenkmäler durch Direktor Frauberger vor einem engeren Kreise von Eingeladenen statt. Für den Verein zur Erhaltung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt sprach Privatdozent Dr. Hülsen, der zugleich dem verstorbenen Vorstandsmitglied und Präses des Vereins, Charles L.Hall» garten, einen warmen Nachrus widmete. — Die scheidenden Lehrer des Frankfurter Philantropins, Oberlehrer a.D. Professor Dr.T he o b a l d. Epstein. Lehrer a. D. Maximilian Schulz zu Posen, bisher in Frankfurt a. M., haben den Königlichen Kronenorden IV. Klasse erhalten. — In Mannheim ist das langjährige Mitglied des Shnagogenrats, Herr Bernhard Bo den heim er, an einen Schlaganfall im 73. Lebensjahre gestorben. — In Freiburg i. B. ist dem erkrankten Bezirksrabbiner Dr. Lew in der Rabbinatsvikar Dr. Auerbach zur Vertretung beigegeben worden. — Am 11. d. M. hat die Kaiserin die israelitische Gewerbeschule in Straßburg i. E. mit ihrem Besuch beehrt. — Der Kammervirtuos Alfred Grünfeld in Wien hat den Kronenorden III. Klasse erhalten. — In dem Kolonialbankprozeß (die zionistische Leitung hatte den Antrag gestellt, die Statuten dahin zu ändern, daß sich die Tätigkeit der Bank fortan ausschließlich auf Palästina beschränken sollte, wogegen ein Teil der Zionisten mit Zangwill an der Spitze energischen Protest einlegten) hat das Londoner Chancery-Gericht die Entscheidung getroffen. Unter -Anerkennung der im Proteste geltend genmchten Bedenken lehnte das Gericht den Antrag des Jewish Colonial Trust auf Aenderuug der Statuten kostenpflichtig ab. — In Amsterdam feierte am 27. v. M. der niederländische Staats-" minister Dr. jur. T. M. C. Asser seinen siebzigsten Geburtstag; sämtliche Blätter feierten nicht nur die Verdienste dieses hervorragenden Staatsmannes, sondern auch — und in noch größerem Maßstab — seine Leistungen auf dem Gebiete des internationalen Rechts. — In Ancona ist der Oberrabbiner Raffael Tedeschi, der Doyen der italienischen Rabbiner, im 82. Lebensjahre gestorben. Derselbe wurde verschiedener wissenschaftlicher Arbeiten über Griechenland wegen 1870 zum Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften in Athen ernannt. Ehre seinem Andenken! — In Wilna sollte der bekannte Schriftsteller Schalom Asch in der Wohnung eines Bankiers ein neues Werk in Gegenwart geladener Gäste vorlesen. Der Bankier hatte sich dazu, um etwaigen Unannehmlichkeiten vorzubeugen, die Erlaubnis der Behörde eingeholt. Trotzdem drang während der Vorlesung die Polizei in seine Wohnung ein und verhaftete die anwesenden 70 Personen, die erst nach Feststellung ihrer Persönlichkeit freigelassen wurden. — In Petersburg ist am 30. v. M. der Ingenieur I. Bak, der Herausgeber des Kadetten-Organs „Rjetsch", ein bekannter Philantrop und treuer Anhänger des Judentums, im 46. Lebensjahre gestorben. Ehre seinem Andenken! — Alts San Francisko kommt die Trauerkunde von, dem Hinscheiden des Rev. Dr. Jacob Vorstan ger vom Temple Emanuel daselbst. Derselbe wareinerder angesehensten Rabbiner Amerikas und stand erst im 56. Jahre seines arbeitsreichen Lebens. Vorstanger, ein geborener Holländer, hat zwei jüdische Zeitschriften und mehrere Werke, darunter eins über Moses Mendelssohn und seine Schriften, herausgegeben, f.