Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Verfügung. Auch der inc Vorjahre verstorbene Vorgänger des Grafen Majlath, Bischof Lönhart, war ein Freund der Karlsburger Inden, und es ivird erzählt, daß der greise Kirchenfürst nicht nurdie älteren Mitglieder der spanischen Judengemeinde gekannt hat, sondern auch deren Kindern und Enkeln, die den Bischof schwärmerisch verehrten, das größte 'Wohlwollen und Interesse entgegenbrachte. — In Galizien stehen noch immer Entführungen jüdischer Mädchen in christliche Klöster auf der Tagesordnung. Sie haben sogar schon anfgehört, eine Sensation zu sein, da sie zum alltäglichen jüdischen Leben im Landes gehören. Die eifrigen Nonnen und unermüdlichen „Seelenretter" vollführen ihre „christliche" Arbeit immer rücksichtsloser, da die Regierung ihnen in der Regel Schutz gewährt. Neuerdings ist ein solcher Fall - wieder in Krakau passiert. Die österreichische „Israelitische Union" will die Angelegenheit im Parlament behandeln lassen; wir zweifeln aber, ob die österreichische Regierung sich entschließen wird, jüdische Kinder vor allzugroßer christlicher Liebe zu schützen. Mn Oah und jfrrn. =--- Ter Privatdozent in der medizinischen Fakultät Dr. Siegmund Gottschalk und Justizrat Dr. Paul Alexander Katz, der seit einer Reihe von Jahren als Privatdozent an der technischen Hochschule über Patent-Gewerberecht liest, haben das Prädikat „Professor" erhalten. — Während des Jahres 1907 sind 1672 Eheju bilü umsmedaillen verliehen worden; davon entfallen auf die Provinz Brandenburg mit Berlin 200. 37 Ehepaare waren jüdische. — Am 29. v. M. ist hier im Alter von 69 Jahren Herr Louis Eduard Sachs gestorben, der seit nahezu drei Jahrzehnten im Ehrendienste der Gemeinde stand und auf zahlreichen Gebieten ihrer Verwaltung eine hingebende Tätigkeit entfaltet hat. Erst in jüngster Zeit wurde der nun-Verstorbene zum stellvertretenden Repräsentanten gewählt. Ehre seinem Andenken. Der Fabrikbesitzer Dr. Leopold Levy in Hohensalza hat die Südwestafrika-Denkmünze erhalten. — Die Nachricht von der Begründung eines Vereins zur Förderung der jüdischen Gemeindeinteressen in Grandenz ist völlig aus der Luft gegriffen. — Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn in Berlin ist einstimmig zum Prediger der Gemeinde Kiel gewählt. — Dem Staatsanwalt Dr. Theodor Engelmann in München wurde der Rang und der Gehalt eines Oberlandesgerichtsrates, unter Fortdauer seiner Funktion als erster Staatsanwalt, verliehen. — Um die Errichtung eines israelitischen Waisenhauses auf Nürnberger Gebiet hat sich die Stadt Nürnberg bemüht. Sie hatte den. Interessenten für diesen Fall verschiedene günstige Bedingungen und Vergünstigungen in Aussicht gestellt. Die Interessenten haben sich nunmehr aber doch für Fürth entschieden, wo bereits eine derartige Anstalt besteht, die aber zu klein geworden ist. — Kommerzienrat Wilhelm Gerngroß in Nürnberg, Kaufmann R. Schwarz in München, Kommerzienrat Max Landmann in Nürnberg und der Fabrikant G. Metzger in Nürnberg haben die Südwestafrika-Medaille erhalten. — Der bayerische k. Postassessor Tr. Alfred Cohn reich wurde zum königl. Oberpostassessor '• in Nürnberg befördert. — Mehrere jüdische Blätter berichteten letzte Woche, der bayerische Rittmeister der Reserve Leonhard Weinberg und dessen Bruder, beide in Frankfurt, welche in den erblichen Freiherrnstand erhoben wurden, seien Juden. Dies ist falsch, da dieselben bereits seit längerer Zeit der evangelischen Konfession angehören. — Der israelitische Landesasyl- und Unterstützungsverein für Württemberg hatte im Jahre 1907 .eine Einnahme von 48 915 Mark, der eine Ausgabe von 13 278 Mark gegenübersteht. Die Zahl der Mitglieder beträgt 1201. Das abgelaufene Geschäftsjahr war insofern von besonderer Bedeutung, als das Asylgebäude bei Sontheim, das jetzt 10 Insassen aufweist, eingeweiht werden konnte. — Die badischen Rabbiner haben als geistliche Abgeordnete in die Synode gewählt: Dr. Hannes-Konstanz, Dr Pinkus- Heidelberg, Dr. Oppenheim-Mannheim, Dr. Rawicz-Offenburg, Dr. Zimels-Karlsruhe. Bezirksrabbiner Dr. Rawicz hat die Annahme der Wahl in die Synode abgelehnt. Die israelitische Landessynode ist auf den 10. April einberufen. — Der in der vorletzten Nummer erwähnte Kommerzienrat Adolf Ottenheimer ist nicht mehr Jude. — Das elsaß-lothringische Ministerium hat das israelitische Konsistorium des Unterelsaß aufgelöst und eitre provisorische Kommission ernannt, der Qberrabbiner Ury, sowie die Herren Julius Klein, Kommerzienrat Kauffmann, Rentner L. Reishofer und Rechtsanwalt Dr. Schmoll angehören. Dieser Kommission ist die einstweilige Geschäftsführung übertragen, bis diese endgültig von dem laut Artikel 24 der Ordnung vom 25. Mai 1844 innerhalb dreier Monate neu zu wählenden Konsistorium übernommen wird. — Die Pensionskasse der Witwen und Waisen der Rabbiner und israelitischen Beamten in Elsaß-Lothringen versendet ihren Rechnungsauszug per 31. Dezember 1907. Aus demselben geht hervor, daß die Kasse im abgelaufenen Jahre 2861,23 Mark vereinnahmte und 2495,60 Mark verausgabte. Das Kassenvermögen betrug am Schluß des Rechnnngsjahres 47 595,56 Mark. — In Meran ist am 24. d: M. der weitbekannte hiesige Bankier Friedrich Strausky, Inhaber der altrenommierten Firma D. und T. Biedermann, nach langer Krankheit im 57. Lebensjahre gestorben. — Die „Berner Volkszeitung" verzeichnet mit Freude, daß in Bern eine Verschärfung der Anforderungen für Aufnahme russisch-jüdischer Studierender eintreten soll. Sie meint dazu: „Wenn die Hochschule fürder ihren Ruf als Judenschule verlieren soll, so wird das Berner Volk damit gewiß einverstanden sein." Man sieht, auch die „freie" Schweiz hat ihren Antisemitismus. — Gemäß einem Vergleich zahlen die Erben der in Genf verstorbenen Baronin Rothschild dem Kanton Genf 21/4 Millionen Franken Erbschaftssteuer. — In Paris ist Eugene Pereire, der Ehrenpräsident der Lomxngme Transatlantique, einer der angesehensten Finanziers, im 76. Lebensjahre gestorbem Er war lange Jahre Mitglied des französischen Zentral-Konsistoriums und des Zentralkomitees der Allianee Israelite Universellem — Der russische Justizminister hat von den Provinzialbehörden eingehende Berichte über die Pogrome in den Jahren 1905 und 1906 eingefordert. — Der Petersburger Stadtverwaltung ist kürzlich das gesamte Vermögen eines der Polizei bis dahin völlig unbekannten Juden, der hier ohne Erben verstorben ist, zugefallen. Die unerwartete Erbschaft beträgt 200 000 Rubel. Die Warschauer jüdische Tageszeitung „Haint“ stellt die nicht unberechtigte Frage, ob dieser unbekannte Jude, der so gegen seinen Willen zum Erblasser für die Stadt Petersburg geworden ist, wohl auch -- das Wohnrecht in Petersburg besessen habe? — Das russische Ministerium des Innern hat an die Gouverneure des Rayons der jüdischen Ansässigkeit ein Zirkular gesandt, wonach allen Rabbinern vorgeschrieben wird, dem Ministerium Memoranden zu den auf die jüdische Glaubenslehre bezüglichen Fragen, welche der nächsten beim Ministerium zusammentretenden Rabbinerkommission vorgelegt werden sollen, einzusenden. — Zu der von der Alliance Israelite Universelle eingeleiteten Hilfsaktion für die Abgebrannten in Hasköi hat das Frankfurter Hilfskomitee 2000 Mark und die Israelitische Allianz zu Wien 2000 Mark der Alliance Israelite Universelle zur Verfügung gestellt. Dem Hilfswerk der Alliance ist neuerdings auch die Anglo-Jewish Association beigetreten. — Der Kolonialsekretär in der Oranj e-Kolonie macht im „Staatskourant" bekannt, daß von ungefähr zweihundert Fremdlingen Naturalisationsbriefe nachgesucht worden sind. Die allermeisten dieser Leute stammen aus Rußland und sind Juden, deren Einwanderung also fortdauert. In New York hat der bekannte Bankier Louis Stern auf sein Amt als Vorsteher des Temple Emanuel verzichtet, weil Rev. Dr. Magnes daselbst eine scharfe Rede gegen, die Mischehen gehalten hat. Die Tochter Sterns hat nämlich vor kurzem einen schweizerischen Adeligen geheiratet. Einzelne Vorstandsmitglieder waren nun der Meinung, man solle die Resignation nicht annehmen. Bei der ersten Abstimmung wurde die Demission Sterns nur mit einer Mehrheit von zwei Stimmen angenommen. Bei einer bald darauf stattfindenden zweiten Abstimmung sprachen sich nur zwei gegen die Annahme der Demission und gegen Magnes aus. — In New Orleans ist der amerikanische General Adolph Meyer gestorben. Er diente seit 1862 in der Armee und war auch lange Zeit Mitglied des Kongresses als Vertreter von Louisiana, in dem er-eine hervorragende Rolle gespielt hat.