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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Dr. LeviS und Kaufmann Wilh. Bähr in Karlsruhe, IX. Stadtrat LouiS Marx in Bruchsal, X. Vorsteher Sigm. Sinauer inGrötzingen, XI. Bezirksältester E. Carlebach in Heidelberg. XII. Vorsteher Sigm. Hirsch in Weinheim, XIII. Fabrikant D. Kahn, Kaufmann I. Zimmern, Rechtsanwalt und Bezirksrat Dr. Staadecker, Fabrikant Ed.Bäuerin Mannheim, XIV. Vorsteher Max Laemle in Breiten, XV. Vorsteher N. Rothschild in Mosbach, XVI. Dr. Jonas Simon in Heidelberg, XVII. Vorsteher Joseph in Pforzheim. — Die Frist für die Wahl der fünf geistlichen Abgeordneten läuft erst am 22. d. M. ab, Oesterreich-Ungarn. — Wien, 16. März. Kürzlich habe ich Ihnen mehrere Beispiele dafür angeführt, wie unsere Großen . durch G esch enke und Stiftungen den Antiseniitismus geradezu begünstigen. Das Register kann noch vermehrt werden. So hat der Kohlengroßindustrielle Ed. Weinmann in Aussig ein Siechenhaus für Sieche ohne Unterschied der Konfession errichtet. Jetzt hat die Stadtvertretung als Pflegerinnen in dieses Institut Nonnen ausgenommen und verweigert jüdischen Kranken die Aufnahme. Herrn Weinmann ergeht es nun ebenso wie feinem Konkurrenten Petschek, der einen herrlichen Weg zur Ferdinandshöhe bei Aussig bauen ließ, welcher jüdischen Spaziergehern versperrt bleibt. Vielleicht werden die, jüdischen Wohltäter doch einmal mit den Tatsachen rechnen lernen ihre Geldmittel lieber zur Linderung jüdischen Elends zu verwenden. — Aus Stanislau wird berichtet, daß die dortige Baron Hirsch-Stiftungsschule, laut einen: Beschlüsse des Kuratoriums, am Ende des laufenden Schuljahres für immer geschlossen werden soll. Als Grund für die Auflösung der Schule gibt das Kuratorium an, die Schule habe ihre zivilisatorische Mission bereits erfüllt. Die Nachricht von der bevorstehenden Auflösung der Schule hat in der armen jüdischen Bevölkerung — und um diese handelt es sich in erster Reihe — eine förmliche Panik hervorgerufen. — Am 2. d. M. fanden in Galizien die Landtagswahlen in den Städtebezirken statt. Die Zionisten kandidierten nur in Brody, da in den letzten Tagen die Kandidatur Adolf Stands in Stryj und Lemberg zurückgezogen wurde, um die jüdischen Stimmen in diesen Städten nicht zu zersplittern. Der zionistische Kandidat Dr. Markus Brande erhielt nur 66 Stimmen. Jüdische Abgeordnete sind fünf gewählt: Sare und Kolischer von den Handelskammern, Dr. Landau, Fruchtmanw Loewenstein in den Städten Krakau, Lemberg und Stryj. — Der israelitische ungarische literarische Verein, der seit seinem kaum fünfzehnjährigen Bestände bereits soviel für die Förderung der jüdisch-ungarischen Literatur getan hat und dessen Edition eine Bibliothek bilden, geht dank der rührigen Agitation seiner Propagandakommission einer vielverheißenden Blüteperiode entgegen. Hat sich doch die Zahl seiner Mitglieder seit einem Jahre verdoppelt; von 1067 ist sie auf 2094 gestiegen. Diese erfreuliche Mitgliederzunahme eifert den Verein zu erhöhter Tätigkeit an, die.sich auch darin äußert, daß sie heuer nebst dem überaus reichhaltigen Jahrbuch auch den ersten Band der preisgekrönten Geschichte der jüdischen Literatur A zsidö irodalom törtenete) vom Rabbiner Dr. Arnim Kecskemöti herausgegeben hat, eine gediegene Arbeit, deren ehebaldigste Vollendung zu wünschen ist. Das Jahrbuch (Evkönyv) selbst, von Dr. Joseph B an öczi vortrefflich redigiert, bietet eineFülle schätzenswerter Beiträge. Die Gesellschaft erläßt jetzt aus der Kunewalder-Stiftung ein Preisausschreiben über das Thema: „Geschichte Palästinas von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zu unserer Zeit, mit besonderer Berücksichtigung seiner jüdischen Bevölkerung und seiner Beziehung zur jüdischen Diaspora." Der nur an Juden zu vergebende Preis beträgt 100 Dukaten. Endtermin der Einreichung ist der I. Juni 1911. Die Arbeit soll volkstümlich gehalten sein, das jüdische Wissen fördern und das religiöse Gefühl heben. Von Oah und jfern. — Die Südwestafrika-Medaille hat der Kaiser der Frau Emilie Mosseund der Frau Kommerzienrat Steinthal, sowie dem Handelsrichter Wilhelm Freystadt verliehen. — Professor Dr. James Israel hat den Roten Adlerorden III. Klasse erhalten. — Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., hat durch seine Vermittelung im Monat Februar 1908. 18 6 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 60 Personen vorübergehende Beschäftigung nachgewiesen. — Von den: ständigen Rückgang der Juden in Deutschland legen folgende Ziffern aus (der preußischen Statistik Zeugnis ab: Die natürliche Bevölkerungszunahme, die durch Abzug der Sterbeziffern von den Geburtsziffern berechnet wird, betrug im Jahre 1906 in Preußen bei den Juden 4,46 Prozent, bei den Christen dagegen 15,72 Prozent, also über ZV2 mal so viel — Am 7. d. Mts. ist hier der Justizrat Ernst Wittelshöfer nach schwerem Leiden gestorben. — Aus Anlaß seines 70. Geburtstages stiftete der Seniorchef der Firma M. M. Warburg L Co., Moritz Marburg, 75 000 Mark und seine beiden Söhne 100 000 Mark zum Bau einer neuen Talmnd-Thoraschule in Hamburg.— In Frankfurt a. M. ist der Oberlehrer an der Realschule der israelit. Religionsgesellschaft Dr. Josef Guggenheim im 32. Lebensjahr plötzlich gestorben. — Unter dem Vorsitz des Bankiers M. Spiro hat sich in Grau denz ein „Verein zur Förderung jüdischer Gemeinde-Interessen" gebildet, dem gleich nahezu 100 Mitglieder beigetreten sind. — Die Krankenpflege beim israelitischen.Krankenhause in Breslau ist vom Kultusminister als solche gemäß den Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen vom 10. Mai 1907 anerkannt und das israelitische Krankenhaus als staatliche Prüfungsstation für die aus ihr hervorgehenden Prüflinge zugelassen worden. — Der Bankier Marcus Brauer in Peiskretscham, der seit 37 Jahren Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde ist, feierte am 15. d. Mts. sein goldenes Bürgerjubiläum. — Geheimer Hofrat Dr. Moritz Cantor und Dr. Salomon Lefmann in Heidelberg sind zu ordentlichen Honorarprofessoren ernannt worden. — In Zürich starb am 3. d. Mts. der frühere Kantor der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Alfred Lang, der 35 Jahre lang seines Amtes gewaltet hatte. — In der französischen Deputiertenkammer wurde am 10. d. Mts. die Rehabilitierung Joseph Reinachs und der übrigen für Gesinnungsdelikte bestraften Landwehroffiziere mit großer Mehrheit angenommen. — In London ist der Bankier L. W. Bischoffsheim, der Seniorchef des Bankhauses Bischoffsheim & Goldschmidt, bei dem Ludwig Bamberger einst in Stellung war, in hohem Alter gestorben. — Ein wichtiges Ereignis für die jüdische Bevölkerung Russisch- Polens ist die jünst erfolgte Begründung des Vereins „Daas" (Wissen), dessen alleiniger Zweck in der Verbreitung elementarer Bildung in den breitesten jüdischen Volksmassen besteht. Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß der Verein ganz tendenzlos ist und kein anderes Bestreben hat, als Bildung zu verbreiten, daß er dagegen nicht die Bildung in einer parteipolitischen Sauce verabreichen will.—In dieser Woche sind in Warschau zwei hervorragende hebräische Schriftsteller gestorben: I. Berschadzki, ehemaliger Leiter der Zeitschrift „Hazman", und S. Steinberg, Verfasser philosophisch, talmudischer Werke. — Aus Petersburg wird uns berichtet: Am 20. Februar begnadigte der Kaiser die wegen des Pogroms in Tschernigow und Borisow (Kreis Tiraspol) verurteilten „echt-russischen" Leute. — In dem Januar Quarteley Statement des Palestine Exploration Fund liegt der dritte Bericht über die im letzten, Jahre auf Grund eines neuen Fermans wieder aufgenommenen Ausgrabungen in Gezer vor. Diese bis zum 20. November 1907 fortgesetzte Kampagne brachte auf dem westlichen Teil des Hügels interessante Entdeckungen. Das Merkwürdigste ist ein ausgearbeiteter und zwar, wie genaue Spuren der Feuersteinwerkzeuge zeigen, in der neolitischen Periode hergestellter, in den Boden bis . zu 80 Fuß tief hinabgehender Tunnel, den Macalister, der Leiter der Ausgrabungen, zunächst als einen aus der Festung nach dem Fuß des Hügels hinab-' und hinausführenden unterirdischen Gang ansah. Später fand er dann eine mächtige Wasserquelle, die er jetzt als das Ziel der Tunnelgrabung betrachtet. — Dr. Gustav Valentin, Chefarzt des jüdischen Spitals und Mitglied des Munizipalrates von Kairo, hat den Medjidjeh-Orden I. Klasse erhalten. — Nach Telegrammen, die der „Hilfsverein der Deutschen Juden" erhalten hat, ist Haskien, eine der Vorstädte Konstantinopels, zum großen Teil abgebrannt. 500 Häuser sind in Asche gelegt, 4000 Personen sind ohne Obdach. Auf Grund dieser Nachrichten hat der Hilfsverein der Deutschen Juden seinem dortigen Komitee für erste Hilfeleistung einen Betrag von 1000 Francs telegraphisch zur Verfügung gestellt.

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