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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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verspracht w achrsch e i n li che G e w ährnn g. des Betrages andieüsrae- . litische Gemeinde.Vor einigen Tagen verstarb der erste Vorstand der ifraelitifchen-Kultusgemeinde von Pappenheim, der königliche bayerische Stabsarzt der-Reserve und praktische Arzt Dr. Berthold Ei sen stMt' im 44. Lebensjahre. Die Beerdigung fand unter zahlreichster^Beteiligung' aus dem israelitischen Friedhofe zu Fürth statt. . W^vüren auch viele Offiziere erschienen. — Die Mitteilungen über die 15 Anfragen der Regierung sind nicht ganz korrekt. Solche Anfragen sind an die Gemeinden sämtlicher Privatkirchengemeinden Bayerns ergangen,.um Informationen über die einzelnen Verhältnisse, zu erlangen. Eine Veränderung der gesetzlichen Bestimmungen über die Juden ist zurzeit nicht in Aussicht genommen. Gesterreich-Nnssrn. A Wien. 10. Februar. Die christlich.soziale Partei drängt den Ministerpräsidenten immer weiter aus der Bahn--der Konzessionen für dieselbe. Im Zusammenhängedamit ' tauchte der Plan auf? das Kultus- und Unterrichtsministerium, zu teilen, und zwar soll das Kultusniiuisterium als selbständiges Ressort einem Christlich - Sozialen übertragen werden. Infolgedessen tritt der Neunerausschuß der deutschfreiheitlichen Parteien zusammen, um die politische Lage zu erörtern, die angesichts der Haltung der Christlich- Sozialen schwierig geworden ist: Sie wird wohl noch ' schwieriger werden, da der Uebermut dieser Leute gar keine Grenzen kennt. — In Czernowitz fand der von Dr. Straucher einberufene „Judentag" statt, an dem sich gegen 100 Teilnehmer aus der ganzen Bukowina , beteiligten. Dr. Straucher referierte über die Organisation der Bukowinaer Juden, worauf beschlossen wurde, in allen größeren Ortschaften der Bukowina politisch-jüdische Vereine zu gründen, welche dann Vertreter in den jüdischen Volksrat der Bukowina entsenden werden. Diesem Volksrat wird die Entscheidung über alle jüdisch" politischen'Landesfragen zufallen. — Wie polnische Blätter erzählen, ereignete sich in K olomea jüngst ein Unfall, der unter der jüdischen Bevölkerung große Verzweiflung/hervorrief. In einem der zahlreichen Bethauser brannte ein Totenlicht; der leichte seidene Vorhang vorder heiligen Lade fing davon Feuer und es verbrannten elf Thorarollen. Tie älteren Gesetzesrollen, die in einer anderen Abteilung standen, . wurden von dem Feuer verschont. Es fand nun eine große Leichen- - fei er stand, an der über 6000 Menschen teilnahmen. Nachdem man die Asche, jeder einzelnen Thora in eine irdene Urne verschlossen, wickelte man die Urnen in Leichentücher und bettete dannalle zusammen in eine hölzerne Kiste, die bei den galizischen Juden die Stelle des Sarges vertritt. Unter lautem Schluchzen der Weiber wurden dann die Totengebete verrichtet, nach welchen der Rabbiner eine flammende Rede hielt, in derer den Versammelten ihre Sünden vorhielt, die offenbar den Zorn Gottes auf sie herabbeschworen hätten. Die Vernichtung der Thorarollen wird nämlich als Strafe Gottes und Vorbote großen-Unglücks angesehen. Die Kiste mit den Urnen wurde auf einer Bahre mit Flor bedeckt, unter großem Menschenandrang auf den-Friedhof gebracht, und während des Transports wurde .mit Sammelbüchsen wie gewöhnlich bei jüdischen Begräbnissen geklappert. Die Ueberreste der Thorarollen wurden einstweilen?m der Leichenkammer ausgestellt, da man mehrere Rabbiner aus der Umgebung erwartet, die der Bestattung beiwohnen und auch ein Konzilium abhalten sollen, durch welche Bußen der Zorn Gottes von der Bevölkerung abzuwenden wäre. So sind die Kulturzustände der orthodoxen Juden in Galizien beschaffen! — In Pilsen wurde am 7. d. M. der neugewählte Rabbiner. Dr. Ludwig Golinski in sehr feierlicher Weise in sein' Amt eingeführt. In der Synagoge wurde er von Kantor und Chor mit einen! kräftigen Baruch habo begrüßt. Dann hielt der Kultusvorsteher Dr.^Schänzer eine Ansprache und hierauf der neugewählte Rabbiner seine Antrittsrede, die durch - vollendete Form und geistvollen Gehalt einen tiefen und nachhaltigen Eindruck auf die-gesamte Gemeinde machte. Von MH und jf*nt Stach den im Königlichen Statistischen Landesamte bearbeiteten Ergebnissen der letzten schulstatistischen Erhebungen vom.20. Juni 1906 gab es, wie die „Etat. Korr/ mitteilt, im preußischen Staate 1906 270 öffentliche höhere Mädchenschulen mit 71156 Schulkindern. Dem Religionsbekenntnisse nach wurden dieselben von 56 382 evangelischen, 7415 katholischen und 7080 jüdischen Schülerinnen besucht. — Die Einwohnerzahl der jungen Stadt Wilmersdorf betrug am 1. Januar 1908 nach den jetzt vorliegenden amtlichen Ermittelungen 83936. Von der Bevölkerung sind 6357 Juden. — Am 4. d. ist hier der Schriftsteller Hermann Freund im 59. -Lebensjahre gestorben. — Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Hirschberg wurde zum Ehrenmitglieds der Petersburger Ophthalmologischen Gesellschaft ernannt. — Als Nachfolger des Herrn Rabb. Dr. Kaelter in Potsdam ist Näbb. Dr. Schreiber vom jüdisch-theologischen Seminar in Breslau gewählt'worden. —Ein'früherer Mitbürger der Stadt Werne, Josef Bend ix in Berlin, hat im Einverständnis mit seinen übrigen Geschwistern der Städt 10 000 Mark überwiesen, um das Andenken seines Vaters, des Kaufmanns Jsaac Bendix, in der Heimatstadt wach zu halten. Die Zinsen der Stiftung sollen zu Wohltätigkeitszwecken verwandt und zwar unterstützungsbedürftigen .christlichen und jüdischen Familien zu gleichen Teilen zugewandt werden. — In Mannheim 'ist im Alter von 61 Jahren der Kommerzienrat und Stadtrat Fritz Hirschhorn gestorben. — Wie man aus Prag meldet, hat die eben am dortigen tschechischen Nationaltheater (Narodni Divadlo) gastierende Künstlerin Frl. Emma Destinn aus Berlin ein „Rachel" betiteltes,'im Prager Ghetto spielendes Drama in tschechischer Sprache verfaßt und dessen Aufführung" der dramatischen Sektion des Vereins der tschechisch-jüdischen Akademiker gestattet. — Die Rudolf Virchow- Stiftung' in Berlin hat dem bekannten Arzt Dr. S. Weißenbevg in Elisabetgrad die Mittel zur Verfügung gestellt, um die Inden Palästinas und der benachbarten Länder anthropologisch zu untersuchen. — Wie der „Frainv" aus Petersburg meldet, beabsichtigt eine Gruppe von Dumaabgeordneten aus dem ersten Flügel in aller nächster Zeit in der Dumaden Antrag einzubringen, daß die jüdischen Soldaten nicht mehr mit den übrigen Soldaten gemeinsamen Dienst versehen, sondern in' einzelne jüdische Regimenter der verschiedenen Waffengattungen gruppiert werden sollen. (?) — Das Bezirksgericht Kiew verurteilte 16 Teilnehmer an dem im Oktober 1905 veranstalteten Pogrom zu.Gefängnisstrafen von zwei bis acht Mo-' uaten. 54 Angeklagte wurden freigesprochen. — Die jüdischen Kolonien in den Gouvernements: Cherson und Jekaterinoslaw wurden im vergangenen Jahre von einer Mißernte schwer betroffen, und es herrscht nun eine schreckliche Not in diesen Bezirken. Viele Kolonistenfamilien leiden Hunger. Von den Semstwos ist keine Hilfe zu erwarten; da es sich ja nur um jüdische Bauern handelt, so haben die Semstwo jede Hilfe glatt abgelehnt. — Ein wirklich. seltene Auszeichnung ist vor einigen Tagen dem Leibarzt des Sultans, Prof/ Dr. Bier in Konstantinopel zuteil -geworden,-indem der Sultan ihn zu seinem Adjutanten ernannte. Unseres Wissens ist es überhaupt das erstemal, daß ein Jude Adjutant des Sultans wird. — Zwei deutsche Archäologen haben kürzlich die Erlaubnis zu Ausgrabungen an verschiedenen Stellen erhalten und haben nun in der Umgegend von Haifa damit begonnen. Die Grabungen finden auf einem' Platze statt, auf dem vor Zeiten ein jüdischer Tempel stand. — Die unglaubliche Zudringlichkeit und Rücksichtslosigkeit, mit welcher New Porker Jndenmissionäredie jüdischen Einwanderer auf der Landungsinsel Ellis Island in letztererZeit belästigten, hat den Einwanderungskommissar Robert Watchhorn veranlaßt, eine Verordnung zu erlassen, durch welche diesen Missionären dort das'Handwerk gelegt wird. — Die Zahl der jüdischen Immigranten in New York während 1906/07 beträgt 149,182, während die der eingewanderten Italiener 294,061 und die der aus Oesterreich-Ungarn Angelangten 338,452 ausmacht. Von den jüdischen Immigranten stammen 114932 aus Rußland. Die nächsten Abfahrten von Post- und-Passagier-Dampfern der! Baltimore: 20/2. Postdampfer „Barcelona", Nach Westindien: Hamburg-Amerika Linie finden statt: Nach New York: 19/2. I 13/2. Postdampfer „Constantia". Nach Mexiko r 15/2. Postdampfer Postdampfer „Amerika", 29/2. „Prinz Adalbert", 7/3. ,/Pennsylvania",! „Shria". Nach Ostasienr 20/2. Postdampser „Senegambia", 25/2. 14/3. „Patricia", 21/3. „Pretoria", 25/3. .'„Amerika",- 28/3.--„Graf! „Sithonia". / Walderfee". Nach Boston: 20/2. Postdampfer. „Betania". Nach L

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