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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-31 · Heft 5 (31.1.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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einmal eine Ausschuß-Sitzung hier abgehalten. Da wurden große Beschlüsse gefaßt: Schaffung eines Reichsverbandes zur Unterstützung von' Witwen und Waisen jüdischer Kultusbeamten, einheitlicher Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht, Organisierung des Rechtsschutzes in Gemeinde-Rechtsfragen, eine Geschichte der Juden in der österreichischen Armee, Begründung eines Archivs für die Juden in Oesterreich. Auf die Ausführung dieser schönen Beschlüsse wird man wohl einige Zeit zu warten haben. — In Agram feierte die israelitische Kultusgemeinde kürzlich das 40 jährige Amtsjubiläum ihres Seelsorgers, des Oberrabbiners Dr. Hosea Jae obi, in besonders würdiger Weise. Die Berichte darüber sind voll des Lobes für den Gefeierten und der Anerkennung für die Gemeinde, die ihren Seelsorger so zu ehren versteht. Dieselbe Gemeinde wurde leider bald darauf in tiefe Trauer versetzt durch den Todi'hres langjährigen Vorstehers und FührersJosefSiebenschein, der.am 15. d. Mts. nach langem Leiden gestorben ist. Eine eingehende Charakteristik des ausgezeichneten Mannes haben wir vor einiger Zeit in einem „Brief aus Kroatien" gebracht. Ehre seinem Andenken! — Merätt, im Januar. Am 19. v. M. fand die konstituierende Versammlung des Vereins „Asyl für mittellose kranke Israeliten" statt. In den Vorstand traten gemäß den Statuten ein: als Präsident Fr. Straüsky, Bankier in Meran, und die Kuratoren der Königswarterstiftung, die Herren Sanitätsrat Dr. R. Hausmann, Gustav Katzenstein, Dr. Koref, Gustav Rie in Meran. Bei der Versammlung wurden in den Vorstand gewählt: die Herren Dr. Wilhelm Hersch-Meran, Kommerzialrat M. Joß-Prag, Jonas Löw-Beer-Brünn, Dr. Viktor Pick und Karl Zinner-Meran. Zum geschäftsführenden Vizepräsidenten wurde Herr Dr. Wilh. Hersch gewählt. Als Revisorenwurden per Akklamation bestimmt: die Herren Heinrich Guttmann- Meran und Josef Kraus-Prag. Weiter wurde die Wahl von zehn Schiedsrichtern vorgenommen, und nachdem noch von Herrn Dr. Hersch ein Bau- und Kassabericht erstattet worden war, wurde die Versammlung geschlossen. Dieser Verein, der nur in Meran seine Tätigkeit entwickelt, hat innerhalb sechs Monaten an 800 Mitglieder geworben und hat in dieser kurzen Zeit über 100 000 Kronen Spenden gesammelt. Das war allein nur dadurch möglich, daß die Tendenz dieses Vereins eine rein humanitäre und das gesamte Judentum umfassende ist. In Meran besteht wohl ein kleines Asyl, in welchem brustleidende Glaubensgenossen aus aller Herren Länder ausgenommen werden, doch müssen 300 bis 400 Gesuche jährlich abgewiesen werden, weil in diesem kleinen Hause kein Platz ist. Dieser Verein, der sich nun am 19. Dezember 1907 konstituierte, hat es sich zur Aufgabe gestellt, dieses kleine Asyl zu vergrößern, dasselbe gemeinsam mit den Kuratoren der Königswarterstiftung auszugestalteu und zu verwalten und so die Not vieler armer kranker Glaubensgenossen zu lindern. Der Bau ist unter Dach und kostet mit der Einrichtung 460 000 Kronen, zu diesem Betrage fehlen noch 160 000 Kronen. Zur Erhaltung dieses Asyles sind jährlich noch 85000 Kronen nötig. Der Verein wendet sich nun an alle unsere Glaubensgenossen mit der Bitte, Baubeiträge zu spenden und als Mitglieder beizutreten, damit man das erbaute Haus auch zu erhalten imstande sei. Wir sind gewiß, daß es durch die Wohltätigkeit aller Menschenfreunde gelingen wird, dieses humanitäre Werk im Interesse der Allgemeinheit zu vollenden. Vun Sah und ssern. ----- Am Geburtstag des Kaisers haben Herr James Simon den Kronenorden II. Klasse und der Direktor des . Deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo, Professor Dr. Ludwig Borchardt, den Kronenorden III. Klasse erhalten. Die Rote Kreuzmedaille III. Klasse wurde verliehen dem Kaufmann L. Mendel in Elmshorn und dem Arzt Dr. Ben Israel in Aachen. — Amtsgerichtsrat Cohn, Ämtsgerichtsrat Jastrow und Hoflieferant Katzenstein haben den Roten Adlerorden IV. Klasse, Professor Dr. Kutner das Ritterkreuz des schwedischen Nordsternordens erhalten. — Am 23. d. M. ist hier Frau Anna Landau, die Gattin des Generalkonsuls Eugen Landau, eine Tochter des sel. Stadtrats Meyer Magnus, nach einer schweren Operation gestorben. — Der Landtagsabgeordnete Aronsohn in Bromberg ist zum Kommerzienrat ernannt worden. — Kommerzienrat Münsterberg, in Danzig hat den Kronenorden .III. Klaffe erhalten. — Justizrat Friedrnamn ist zum Stadtverordnetenvorsteher in Glogau gewählt worden. Aintsgeriästsrat Frankel daselbst hat den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — In Breslau beschloß die .Stadtverordnetenversammlung auf Antrag des Magistrats,, eine Parzelle des städtischen Areals an der neuen Synagoge in Größe von 15 Quadratmetern an die Synagogengemeinde aufzulassen, während diese die gleich große Parzelle ihres Grundstücks an die Stadtgemeinde Breslau abtritt. Der Terrainaustausch soll zur Anlegung der neuen an der Synagoge vorbeisührenden Angerstraße dienen. — Der Geheime Medizinalrat Dr. H. Kornfeld hat den Roten Adlerorden .IV. Klaffe, erhalten. — Der Spediteur Adolf Cohn in Ratibor ist zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. — Ein neues judenreines Bad wird im nächsten Sommer für antisemitisch verseuchte Kurgäste frei sein. Der Badeverein in Büsum will den Namen „Deutsches Bad" annehmen, um jüdische Gäste fern zu halten. — Landgerichtsrat Rawitscher in Frankfurt a. M. hat den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Der Geh. Kommerzienrat Leo Gans in Frankfurt a. M., der jüngst an dieser Stelle — nach orthodoxen Blättern! — genannt wurde, ist nicht mehr Jude. — Der Rechtspraktikant Dr. Hugo Gunz wurde zum königlich bayrischen Eisenbahnassessor in Würzburg ernannt. Es ist dies nach längerer Pause wieder die erste Neuanstellung eines Juden im höheren bayrischen Bahndienst. — Die Tochter. des vormaligen Universitätsprosessors Dr.M. Näther in Erlangen, Fräulein Nätherhat auf dem Gebiete der Mathematik, als eine der ersten deutschen Damen, den Doktorgrad summa eum laude erworben. — In den Einlauf der bayrischen Abgeordnetenkammer ist auch die Petition der Rabbiner um Gehaltserhöhung beziehungsweise Zuschuß aus Staatsmitteln gelangt, welche mit dem in 14 Tagen zur Beratung stehenden Aufbesserungsgesetz für Beamte, Geistliche und Lehrer ihre Erledigung finden und günstige Aussicht ans Erfolg haben soll. — Der Oberlandesgerichtsrat Eduard Silbermann in München wurde für die am 24. Februar beginnende Periode zum Präsidenten des oberbayrischen Schwurgerichts ernannt. — Herr M. Duparc in Amsterdam wurde zum Personalchef des Ministeriums des Innern ernannt. — In Basel hatte der Gemeindepräsident I. Dreyfus- Brodski bei der Barmizwah seines Sohnes der israelitischen Gemeinde zum ehrenden Andenken an seinen sel. Vater 100 000 Franken, überwiesen. Anläßlich der Barmizwah seines zweiten Sohnes erhöhte er diese Summe um 50 000 Franken. Die Gemeinde wird nunmehr den Bau eines Gemeindehauses in Angriff nehmen. — Der französische Divisionsgeneral Naquet-Laroque wurde zum Großosfizier der Ehrenlegion ernannt. — In Numäni en wird der Gesetzentwurf für die Alkoholverstaatlichung publiziert. Daß auch dieses Gesetz eine judenseindliche Tendenz hat, beweist Artikel 22 : „Der Schankiuhaber muß rumänischer Staatsbürger, das heißt im Besitz der politischen und bürgerlichen Rechte sein, muß 25 Jahre alt und verheiratet sein. Die Diener des Gasthauses oder Weinausschankes müssen gleichfalls rumänische Staatsbürger sein. Da man den Juden das ihnen zustehende Staatsbürgerrecht vorenthält, — in ganz Rumänien gibt es 25 Juden im Besitze des Bürgerrechts — so werden damit ungefähr vier- bis fünftausend, jüdische Familien brotlos gemächt! — Der Stellvertreter des Vizedirektors im Departement II des russischen Justizministeriums, Jakob Heilperin, wurde vom Zaren mit dem Titel „Geheimrat" ausgezeichnet. Russische Blätter bezeichnen Heilperin als ungetansten Juden. — Nach einer Meldung der „Tribüne" aus Lissabon haben mehrere dortige Handelsfirmen die Nachricht erhallen,, daß in Fez ein Judenmassaker stattgefunden habe. Angreifer waren augenschein, lich marokkanische Stämme aus der Hauptstadt. Nachdem sie das jüdische Stadtviertel geplündert hatten, zogen sie sich zurück und führten zahlreiche Frauen und Kinder mit sich in die Gefangenschaft. — In Tunis ist am 15. d. M. der Kommandant Jsaac Lsvh im 57. Lebensjahre nach langem Leiden gestorben. Derselbe war ein strenggläubiger Jude und wurde mit hohen militärischen Ehren beerdigt. — Am 12. Januar starb in Ch ika go der emeritierte Rabbiner Dr. Bernhard Felsenthal, im Alter von 86' Jahren. ..Ehre seinem Andenken! ,,

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