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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-17 · Heft 3 (17.1.1908) · page 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Allgemeine 72. Jahrgang. Nr. 3. Berlin, 17. Januar 1908. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch Buchhandel oder Post (in Berlin u. Vororten durch unsere verrriebsstellen) bezogen Vierteljahr!. 3 M. Redakleurr Gustav Rarpeles. Begründet von Rabbiner Dr. Ludivig Philixxson. VsiIgzz-LMMoil: Berlin, Jerasalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der ^Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße H6/49, zu richten. Verlag von Rudolf rNosfe, Berlin. Der Verbanü der deutschen Juden und die süddeutsche Orthodoxie. Berlin, 14. Januar, m 1. April dieses Jahres tritt das Volksschülunterhaltungsgesetz von 1906 in Kraft. Der Unterrichtslninister hat Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz erlassen; allerorten in Preußen ist man gegenwärtig beschäftigt, das Volksschulwesen in die neuen Verhältnisse hinüberzuführen. Für die jüdischen Schulen sind der Verband der deutschen Juden und der Deutsch-Israelitische Gemeindebund gemeinsam in der von ihnen eingesetzten Ueberleitungskommission bemüht, den kleinen Gemeinden in der Wahrnehmung ihrer Interessen gegenüber der Negierung und den Kommunen an die Hand zu gehen. Der Verband der deutschen Juden, der in dem Kampfe um das Schulgesetz seine Existenzberechtigung und Notwendigkeit zu erweisen hatte, hält nunmehr den Augenblick für gekommen, unr auf die Arbeit, die er geleistet, die Erfolge, die er errungen, und die Enttäuschungen, die ihm beschieden gewesen sind, einen Rückblick zu werfen. Er veröffentlicht einen Bericht über, seine gesamte Tätigkeit *) von jenem verhängnisvollen 13. Mai 1904, da inr Abgeordnetenhaus von den drei Mehrheitsparteien der Antrag eingebracht wurde, die Regierung möchte einen Gesetzentwurf betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen auf konfessioneller Grundlage vorlegen, bis zum 28. Juli 1906, dem Tage der Publikation des Gesetzes. Dieser Bericht ist ein Aktenstück von historischer Bedeutung. Der künftige Verfasser einer Geschichte der deutschen Juden wird in keinem Archiv zu suchen brauchen; er wird hier eine objektive Darstellung aller Vorgänge finden, die das Werden des Schulgesetzes begleitet havLN, und in den Anlagen das gesamte Material; nicht nur diejenigen Eingaben, die vom Verbände an 1>ie Regierung und die Parlamente gerichtet worden find, sondern auch diejenigen Bittschriften, die von anderen jüdischen Korporationen ausgegangen sind. Bietet somit der Bericht in seiner Vollständigkeit ein erfreuliches Bild von der Rührigkeit, mit der auf allen Seiten gearbeitet worden ist, so ist er zugleich auch — zu unserem Schmerze sei es gesagt — ein Dokument von unserer Zeiten Schande! *) Bericht über die Tätigkeit des Verbandes der deutschen Juden bei der Vorbereitung des preußischen Volksschulunterhaltungsgesetzes ^on 1966. erstattet von Felix Makower. Berlin 1907. Wir denken dabei nicht sowohl an die Behandlung, die die Juden in dem Gesetzentwurf durch das Ministerium Studt erfahren haben, von dem ihnen die in den früheren Gesetzentwürfen Goßler und Zedlitz zugestandene gesetzliche Gleichstellung mit den christlichen Konfessionen versagt worden ist. Wir denken vielmehr an die Uneinigkeit, die im Lager der Juden herrschte, an die Sonderbestrebungen, die alle Bemühungen des Verbandes lahmlegten und der den Juden ohnehin wenig wohlwollenden Negierung die bequemste Handhabe boten, alle Forderungen des Verbandes mit dem Hinweise auf die mangelnde Einigkeit unter den Juden selber zurückzuweisen. Es ist nicht unsere Absicht, an dieser Stelle die gesamte Materie des Gesetzes zu behandeln — der sehr klare Bericht ist ja allen Verbänden und Gemeinden, Rabbinern und Lehrern zugegangen; es handelt sich für uns nur noch darum, an der Hand des Berichtes vor der Oeffentlichkeit festzuftellen, wer die Verantwortung des Mißerfolges vor der Geschichte zu tragen hat. 952 Gemeinden Preußens, Gemeinden der verschiedensten religiösen Richtungen, waren der Denkschrift des Verbandes vom 7. Januar 1906 beigetreten, die im Grunde darauf ansging, die Gleichberechtigung der Juden mit anderen religiösen Minderheiten auf dem Gebiete der Schule zu erlangen. Dieser imposanten Masse trat die kleine ultraorthodoxe Partei entgegen, die, wie sie allen anderen Verbänden feindlich, ja gehässig gegenübersteht, dem Verbände der deutschen Juden sich nicht angeschlossen hatte,- und die in der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" mit ihrem Anhang der gesetzestreuen Lehrer ihren Stützpunkt hat. Ohne Skrupel noch Zweifel stellte sie ihr Interesse über das der Allgemeinheit. Und worin bestand denn das Interesse dieser Partei? Waren denn wirklich in der Praxis die Forderungen der Orthodoxen so sehr verschieden von denen des Verbandes? Keineswegs! Die. Bittschriften des Verbandes und der Orthodoxen weichen zwar in der Fassung erheblich voneinander ab, haben jedoch sachlich im wesentlichen den gleichen Inhalt. Einige der in der Bittschrift der Ultras gestellten Anträge paßten schlecht in die Anordnung des Gesetzentwurfs, einige enthielten die Forderung von Rechten, die im Entwurf nicht einmal den Christen eingeräunrt waren, deren Einräumung an die Juden nicht erwartet werden durfte. Ferner ist in den Bittschriften der Orthodoxen nicht die durchgängige Anwendung der für alle religiösen Minderheiten gegebenen Vorschriften auch für die Juden verlangt; in dem wichtigsten Punkte, in der unbeschränkten entsprechenden Anwendung des § 21 des Entwurss (betr. den Religions-

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