Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Nathan Straus, der aus ihren Wunsch von Heidelberg, wo er gegenwärtig vorübergehend seinen Wohnsitz hat,, dorthin gekommen war, lim ihr über seine amerikanischen Schöpfungen zu berichten. Die Großberzogin-Mutter zeigte großes Interesse für die segensreichen Bestrebungen des Amerikaners, und. Straus, ein Freund Morgans ünd Nockesellers, erklärte sich bereit, auf seine Kosten ein Pastenrinftitufc in Karlsruhe zu errichten, wie er es. in New Dort und änderen Städten geschaffen hat. — Die Landesregierung für B o sn ien 'ßnd Herzegowina hat eine Verordnung erlassen, durch welche vorgeschrieben wird, daß den Arbeitern und Handelsangestellten ein Ruhetag in der Woche gewährt werden müsse. Die Durchführung dieser Verordnung ist dergestalt bestimmt worden, daß. den christlichen Angestellten der Sonntag, den mohammedanischen der Freitag und den jüdischen der Sabbat freigegeben werden müsse. Den Arbeitern, der letztgenannten zwei Konfessionen würde überdies das Recht Vorbehalten, mit ihren Arbeitgebern einen anderen beliebigen Tag der Woche als Ruhetag zu vereinbaren. — In Paris ist Professor Albert Levy, der am. städtischen Observatorium für Physik und Chemie angestellt war, im 63. Lebensjahre gestorben. — Das neue italienische Gesetz, durch welches der Religionsunterricht ans den öffentlichen Schulen eliminiert wird, hat es zur Folge, daß die einzelnen Konfessionen, also auch die Juden, in eigenen konfessionellen Schulen, für den Religionsunterricht sorgen müssen. Die römische Judengemeinde hat nun den Beschluß gefaßt, eine jüdische Elementarschule zu errichten, und hat zu diesem Zwecke eine öffentliche Sammlung eingeleitet. Als erster unter den Spendern stellte sich der König von Italien ein, der 3000 Lire für die Zwecke der jüdischen Elementarschule gezeichnet hat. Die jüdische Gemeinde von Rom hat die Absicht, einen Monumentalbau aufzuführen, in dem die Schule, Bibliothek usw. untergebracht werden sollen. — Augusto Mortara, ein Bruder des berühmten Paters Edgardo, ist zum Generaldirektor der italienischen Staatsschuldenkommission ernannt worden. — Der bekannte Feuilletonist der „Nowoje Wremja" Menschikow in Petersburg wurde von General Fock zum Duell gefordert, weil er in seinen! letzten Feuilleton dle wegen der Uebcrgabe von Port Arthur angeklagten Generale indirekt Verräter genannt hatte. Menschikow hat sich damit entschuldigt, er habe lediglich das Aussehen Focks als jüdisch bezeichnet, und zwar im Scherz1 — Der Generalgouverneur von Warschau hat den dortigen nationaljüdischen Klub geschloffen und zugleich alle Abteilungen des-Klubs im Gebiete des Königreichs Polen aufgehoben. — Der Urheber des Pogroms von Siedlee. Oberst Tschanowskij. ist im Warschauer Militärhospital gestorben. Vor einigen Wochen hatte er sich in einem Anfall von Verfolgungswahn eine Kugel in ein Bein gejagt. Im Militärhospital mußte ihm das Bein abgenommen werden. Bald darauf verfiel er wieder in Verfolgungswahn, glaubte sich von blutigen Gestalten verfolgt und wollte ihnen entfliehen, so' daß er ans Bett gefesselt werden mußte. Er ging an Wundbrand zugrunde- — Ein Heim zur Heranbildung von jüdischen Dienstmädchen ist in London, Highburg Erove 32, eröffnet worden. Es enthält Wohnung für 26 Mädchen. — Die Jüdisch-Historische Gesellschaft von England trifft Vorbereitungen,.das Jubiläum der ersten Zulassung von Juden in das Haus der Gemeinen, die am 26. Juli 1858 geschah, zu feiern. Die Juden konnten schon früher in das Parlament gewählt werden, aber durch die Form der Eidesleistung waren sie daran gehindert, den Sitz im Parlament einzunehmen. — Das „Jewish Pear Book" veröffentlicht eine amtliche Statistik, derzufolge die Zahl der Israeliten auf der Erde ungefähr 11 081000 beträgt. Davon entfallen auf Europa 8 748 000, auf Amerika 1 556 000, auf Afrika 354000, auf Asien 3',2000 und auf Australien 17 000. In Europa verteilen sich die Juden auf die einzelnen Länder folgendermaßen: 5100 000 aus Rußland, 2100 000 auf Oesterreich-Ungarn, 600 000 auf Deutschland, 400 000 aus die Balkanhalbin'el, 105 000 auf Belgien und Holland, 80 000 auf Frankreich,, 40 000 auf Italien. Die Städte mit größter jüdischer Bevölkerung find: New Pork mit 700 000 Juden, Wiep mit 130 000, Berlin mit 95 000, London mit 80 000 und Jerusalem mit 30 000. — 70 000 Familien des jüdischen Viertels in New Pork verweigerten die Mietezahlung und verlangten eine Ermäßigung wegen der schlechten Zeiten. Hunderte von Exmissionen wurden bereits vorgenommen, begleitet von Aufläufen und Widersetzlichkeiten. — Wohlhabende jüdische Frauen in Jerusalem haben eine Aktion eingeleitet, deren Zweck es ist, eine Darlehnskasse-zu gründen, welche jüdischen Hausfrauen kleine Darlehen gegen leichte Rückzahlnngsbedingungen gewährt. Ten Bemühungen dieser Damen ist es nun gelungen, die Hilsskasse zu eröffnen und ihre segensreiche Tätigkeit zu sichern. . , jjjlus ßättfrn Pegli bei Genua. Wie wir aus Pegli vernehmen, steht dieser uns Deutschen längst bekannte Winterkurort bei Genua seit den letzten Jahren in einer Epoche großer Entwicklung. Die überaus sauber gehaltene Stadt ist kürzlich mit einer unter großem Aufwands hergestellten vortrefflichen Kanalisation versehen worden. Was aber dem in klimatischer Hinsicht außerordentlich begünstigten Winterkurptatze ein besonders vornehmes Gepräge gibt, sind die vielen, zum Teil sehr bemerkenswerten Neubauten, wie das ins Meer hinausragende, im mittelalterlichen Stil gehaltene Uferschloß Viauson. die Villa Corti usw. Die Natur hat hier in vorsorglichster Weise sowohl - geographisch wie klimatisch zahllose Vorteile angehäuft. Ein größerer Aufschwung dieser unmittelbar vor den Toren Genuas liegenden immergrünen Oase kann kaum aus sich länger lvarten lassen. Das Grand Hotel und Mediterrane, dem einstigen Palaste der genuesischen Dogen Lomellini, ist schon über die Hälfte mit Wintergästen besetzt. Das frühere Hotel Gargini ist im Umbau begriffen und wird unter' dem Namen Savoia-Hotel im Lause des neuen Jahres zur Wiedereröffnung gelangen, während die übrigen Häuser wie üblich zum Empfange ihrer Wintcrbesucher bereit sind. Aus Sirmione am Gardasee wird uns geschrieben: Schon seit längerer Zeit erobern sich die therapeutischen Wirkungen des schwefelhaltigen Wassers von Sirmione immer mehr das Zutrauen der Aerzte und Kranken. Diese heiße Quelle wurde sogar ans dem letzten internationalen Kongreß für physikalische Therapie in Rom mit einer Medaille prämiiert. In Anbetracht dessen, das; die heißen Quellen von Sirmione dank ihres Wärmegrades und ihrer chemischen Zusammensetzung, mit den bekanntesten Bäderstationen Italiens und des Auslandes rivalisieren, beabsichtigt Herr Cav. Geimari, der Leiter des dortigen md Lurokten. Etablissements, dieses für Bäder- und Wasserkuren sowie zweckmäßige hydroelektrische Installationen zu erweitern. So dürfte die in Sirmione vorhandene glückliche Vereinigung einer malerisch gelegenen Station mit ausgezeichnetem Klima und einem modernen Bäderetablissement inuner mehr geschätzt und bekannt werden. Ospedaletti-Kigure, die reizend gelegene Winterstätion zwischen San Nemo und Bordighera, ist von Wintergästen schon recht belebt. Zweimal in der Woche finden im Kasino sehr gute Konzerte statt, die eine große Anzahl auch auswärtiger Gäste anziehen. Die Blumenpracht ist entzückend; der Besuch des Blumenmarktes, des bedeutsamsten an der ganzen Riviera, ist jedermann anzuempfehlen. Arosa im Winter. Ein für den Winteraufenthalt wie geschaffener Ort des Hochgebirges ist Arosa (1800 Meter über Meeresspiegel) im Kanton Graubünden. In wenigen Jahren hat es sich vermöge seiner windgeschützten Lage mitten in einer großartigen Gebirgslandschaft zu einem Kurorte aufgeschwungen, der sich mit den altbekannten Orten Davos und St. Moritz messen darf. Für Kranke und Erholungsbedürftige wird Arosa von den Aerzten wärmstens empfohlen, und für Sportssreunde ist es ein eigentliches Dorado. Auf den beiden idyllischen Alpseen sowie auf künstlichen Eisbahnen tummelt sich eine fröhliche Monge von Schlittschuhläufern. Die Poststraße und die Nebenwege bieten für Schweizerschlitten, Skeletons und Bobsleighs prächtige Bahnen. Ungefähr dreißig Hotels, Pensionen und Villen, mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet, sind zur Aufnahme von etwa tausend Fremden eingerichtet. Nähere Auskunft über diesen berühmten Winterkurort erteilt gern und kostenfrei das offizielle Verkehrsbureau Arosa.