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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-12-22 · Heft 51 (22.12.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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.. N? lichen Dankes und Rabbiner Weil-Verfäilles, der Schwiegersohn des Heim gegangenen, dem Schmerz der Familie in ergreifenden Neben Ausdruck gegeben hatten,'wurden die sterblichen Neste auf den Leichenwagen gehoben, und zwar war auf ausdrückliche AnordnungPes Verblichenen ein Leichenwagen dritter Klaffe gewähltworden und jeder-Kranz- oder Blumenschmuck von der Bahre verbannt. Dem Leichenkondukt voran gingen die Zöglinge des Rothschild-Waisenhauses, der Halphen-Schule, der Erziehungsanstalt in Neuilly, der Bischofheim-Schule, der ecole normale der Alliance Israelite, des israelitischen Seminars usw. Auf dem Montparnafse-Friedhof sprachen für>das Konsistorium von Paris Ely Rodriguez, für das Zentral-- konsistorium Baron Gustav von Rothschild, für das Zentralkomitee der Alliance IsraeUte deren Vizepräsident Solomon Reinach, der gelehrte Konservator des Nationalmuseums (s. d. Hauptbl.), für das israelitische Seminar dessen Direktor Oberrabbiner Lehmann, und endlich für die Loeiötä des Etudes juives Theodor Nein ach. Nach den üblichen Träuergesängen wurde die sterbliche Hülle des teuren Toten der Erde übergeben. Sein Andenken aber wird fortleben! Amerika. t. New York, 1. Dezember. Am 30. v. M. wurde in sämtlichen Synagögen und 'Bethäusern der Vereinigten Staaten von Nordamerika der Tag der 250jährigen Wiederkehr der erstem Niederlassung der Juden in den Vereinigten Staästen festlich begangen. Das'Programm der Feier erhielt durch die furchtbare ' Katastrophe in Rußland einige Modifikationen. Das schwere Unglück, von. dem das jüdische-'Volk -betroffen wurde, ließ die Zeit für'Feste,alsungeeignet erscheinen, so begnügte man sich mit Gottesdiensten und Predigten am? Vormittag, während man von den für den. Abend geplanten Festlichkeiten Abstand genommen hatte. Auch der Plan zur Errichtung eines monumentalen Denkmals wurdest» Anbetracht dessen, däß alle Mittel des jüdischen Volkes zttr Linderung der Not in Rußland in Anspruch genommen werden, aufgegeben und die zu ' diesem Zwecke bereits gesammelte» 28000 Dollars den Spendern zurückgegeben. Hier in Newyork gestaltete sich bie: in der .Carnegie Hall unter Leitung von Jacob H. Schiff veranstaltete Feier, zu einer gewaltigen Kundgebung für das amerikanische Judentum. Die Versammlung begann um 2 Uhrnüchdem der.Vorsitzende Jacob H. Schiff mit Expräsident Cleveland und Gouverneur Higgins die Plattform betreten hatte. Rev. Dr. I- Silvermann vorn Tempel Emanuel eröffnete die Feier mit einem Gebet und dann sang der Chor das Lied „Der da wacht über Israel, er schläft und schlummert nicht", aus dem „Elias". Hierauf ergriff der Vorsitzende. Jacob H. .Schiff das Wort zu einer Ansprache über die Bedeutung des. Festes, wobei er besonders betonte, daß die Israeliten der ganzen Welt Bewunderer der Vereinigten Staaten seien, weil sie der Menschheit' den Segen der vollständigen Gleichheit gebracht hätten. Znrm Schluß stellte er den Expräsidenten Cleveland als ersten Redner? vor. Dessen Rede war wahrhaft-großartig. Er sagte unter anderem wörtlich: „Es ist an der Zeit, daß wir ohne Einschränkung das reichliche Entgelt anerkennen, das wir für die den Juden in den Vereinigten-.Staaten gewährte Duldsamkeit und Gleichberechtigung erhalten haben? Ppb gleichzeitig, bei der Rechnungsablage, sollten wir nicht vergessen» ihnen für die von uns gewährte Duldsamkeit die Weitherzigkeit,-die Gerechtigkeit und die Umsichtigkeit aufs Konto zu stellen, welche wir, solange wir uns selbst treu bleiben, als den hervorstechenden und rettenden Zug unserer Nationalität betrachten." Nachdem Cleveland seinen Sitz wieder eingenommen hatte, ließ der Vorsitzende durch Herrn Marcus M. Marks Yen Brief des Präsidenten Roosssvelt-berlestn,' dessen Hauptidee in den Worten ausgesprochen ist: „Die! Israeliten sind mit wer großen Masse amerikanischer Bürger - unlösbar vereint'?, und dessen wichtigsten Passus/ wir bereits mit-, geteilt habeu. Rach Vorlesung dieses. Brieses. hielt der Bürgermeister von jNewyork, Mc Allan, eine große,und bedeutungsvolle Rede, in der er erklärte, Waß - Amerika alle Einwanderer willkommen heißenmuffe. Nach dieser Rede .folgte/Handels Largo „Vertraue auf den Herrn" mit Chor,'Streichorchester,-Harfe/ Orgel und dem Violmsolo von! David Mannes. Sodann begann der Hauptredner dos Abends, Kongreßmitglied Sülzberger-- feine Anspracheüber' die historische Bedeutung des Tages. Ihm folgten der BLschost.Hävih?:Meey^ Gouverneur Higgins, Rev. Dr.. H. Pereira Men des. Chorgesäng und Gebet? schlossen bas Fest, das als ein Ehrentag .für . die amerikanische Iudenheit bezeichnet werden darf. - Von MH und jfern. — Der Fabrikdirektor Dr.'Hugo Gerschel wurde zürn Ländtägsabgeordneten für den 1. Berliner Wahlbezirk gewählt. — Von den 5771 Waisenkindern, für die die Stadt Berlin 1904 zu sorgen hättewaren 49 jüdisch. — Mit polizeilicher Auflösung endete wieder eine Pücklerversammlung. Graf Pückler mochte in seiner Rede sich , den Ulk, seiner Zuhörerschaft alle möglichen Bären anfzubinden. So versicherte er mit ernsthafter Miene, er habe erfahren, daß Generaldirektor Ballin von der Hamburg-Amerika-Linie die Rosa Luxemburg in nächster Zeit heiraten und bei Hofe einführen wolle! — Bor einigen Tagen sind in der Nacht auf dem jüdischen Friedhofe in Thorn mehrere Grabsteine umgeworfen und total zerstört worden. — Auf Veranlassung der jüdischen Frauenvereinigung werden in Posen demnächst unentgeltliche Kurse in jüdischer Geschichte und Literatur für Frauen und Mädchen ins Leben treten. — In Gl ei Witz? wählte der große simultane schullehrer I a c o b s o h n zu — In Bonn ist am 17. d. russischen Bildhauers Raum — Die „Frankfurter Oeffentlichkeit im Verlage Lehrerverein den Herrn Mittelfeinem zweiten Vorsitzenden. M. ein Beethoven-Denkmal des- Aronson enthüllt worden. Post", ei» unter. Ausschluß der des „Deutschen Vereins" allmonatlich erscheinendes antisemitisches Blättchen, ist eingegangen. Das Blatt stellt, wie sämtlichen drei zahlenden Abonnenten mitgeterlt wurde, sein Erscheinen ein. — In Höchst a. M. wurde am 14. d. M. in der feierlichsten Weise die neue Synagoge eingeweiht. Dieselbe ist im romanischen Styl nach den Plänen des Baumeisters Münchhausen aus Köln erbaut. — Der Stadtrat in Mannheim hat es abgelehnt, einer vom Bürgeräusschuß beschlossenen Resolution Folge zu geben und für die Opfer des russischen Massenmordes. 3000 Mark zu bewilligen. — In Amsterdam ist am 11. d. M. Herr Josef Stein , ein wegen seiner großen Gelehrsamkeit und aufrichtigen Frömmigkeit in hoher Achtung stehender Mann, der Bruder des vor einigen Jahren ihm in den Tod vorangegangenen bekannten Talmudisten Levi Stein in Berlin, nach längerem Leiden gestorben. Die Beisetzung fand am 13. d. M. unter allgemeiner Teilnahme der jüdischen Bevölkerung statt. Rabbiner D. Dünner rühmte in ergreifender Rede die großen Vorzüge und Tugenden des Verblichenen, dessen ganzes Leben der Ehre des Judentums und seiner Wissenschaft in uneigennützigster .Weise gewidmet war. Ehre seinem Andenken! — In den Pariser Straßen waren jüngst Proklamationen angeschlagen mit. der Aufschrift: „Nort aux Im'ks'', worin die russischen Massakers verherrlicht wurden. Aber die Polizei, die glücklicherweise keinen Trepow an ihrer Spitze hat, vernichtete sie sofort. — Der bisherige Generalsekretär M. Brisak ist zum Unterpräfekten. von Dunkerque ernannt worden. -- Dem Senator Kusminski wurde vom Direktor der städtischen Bibliothek in Odessa, Selesnow, und dem Advokaten Bogomolec gemeldet, daß sie bezeugen werden, daß' General Kaulbars am 19.Oktober zu der Deputation sagte: „Man muß die Juden umbringen!" In der ganzen Bevölkerung herrscht noch immer große Aufregung. — In Lodz haben Unruhen gegen die Juden stattgefunden. — Jelisawethgrad steht in Flammen. Die Chüligans morden und berauben die Juden. - Sir Herbert de Stern in London ist zum Pair, B. L. Cohen daselbst zum Baronet ernannt worden. — Am 20. v. M. ist Francis Belinfente Lyons in Kingston, einer der populärsten Männer von Jamaika, gestorben. Bei dem Begräbnis waren der Erzbischof von Westindien und-sämtliche Notabilitäten der Stadt anwesend. —In Newy ork ist der Jargon- Schriftsteller N. M. Schaikowitz im 56. Lebensjahre gestorben. Er.hat mehr als 300 Novellen und 30 Schauspiele unter. dem Pseudonym ,;Schomer" im Jargon geschrieben. - Das Leichenbegängnis fand unter .außerordentlicher Beteiligung- 'der ' rnssisch-jüdischen Kolonie.statt? LW ■fiüitt■

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